Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Julius Fölsing in Darmstadt v. 19.9.1844 (Heidelberg)


F. an Julius Fölsing in Darmstadt v. 19.9.1844 (Heidelberg)
(BN 427, Bl 5-6, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)

Herrn J. Fölsing Lehrer an der Garnisonschule in Darmstadt.

Heidelberg am 19en Sptbr. 1844. In der Wohnung des Herrn
          Dr H. v. Leonhardi. Zimmerplatz B. 160.


Lieber und sehr werthgeschätzter Herr Fölsing.

Seit mehreren Tagen habe ich alles Ernstes daran gedacht
Ihnen zu schreiben und Ihrer freundschaftlichen Theilnahme
weitere Kunde von meinem Wirken zu geben, doch seit
dem Beginne dieser Woche, seit welcher ich wieder hieher
zurück gekehrt bin, bin ich durch dieses eben so ununter[-]
brochen in Anspruch genommen worden, daß ich so eben
jetzt erst meinen Wunsch Ihnen Nachricht von mir zu geben
und Ihnen für die Übersendung der weiter an mich einge-
gangenen Briefe herzlich zu danken [verwirklichen kann].
Wie ich Ihnen gewiß geschrieben haben werde, reiste ich am
Montage vor 8 Tagen früh von hier mit den Dampfwagen nach Karls[-]
ruhe. Nach kurzem Aufenthalte wo ich mich dort von dem fortgehenden
regen Interesse für Einführung meiner Spiel- u Beschäftigungs[-]
mittel und Weisen zu meiner Freude überzeugte, gieng ich Dien[-]
stags früh von dort nach Stuttgart. Donnerstags besuchte ich
die dasigen Kleinkinderanstalten deren 3 sind, wovon die
eine mehr, die andere weniger als Hundert Kinder zählt.-
Freitags Abend erfüllte ich den Wunsch mehrerer Kinder-
freunde und machte im dasigen Museum einem Kreise derselben
an Anschauung und Vorführung geknüpfte Mittheilungen über
den Gegenstand meines Lebens.
In zwei Punkten bewirkten meine Mittheilungen in
Stuttgart besonders lebhaftes und fortwirkendes Interesse /
[5R]
bei einer gewissen Frau Geheimen Legationsräthin von
Pistorius Besitzerin eines Landgutes in Gaisburg
nächst Stuttgart und zugleich thatsächlich fördernde
Schutzfrau der dasigen Kinderpflegeanstalt, und dann
besonders bei dem Ober Inspector sämtlicher Schulen
Herrn von Zoller in Stuttgart. Da ich für Heidelberg
auf die darauf folgende Woche schon meine Wirksam-
keit zugesagt hatte, so forderten mich beide auf nach Be[-]
endigung derselben nach Stuttgart zurück zu kehren,
erstere um die von mir angebahnte Kinderbethätigungs-
weise in ihrer Anstalt zu Gaisburg einzuführen und
die Leiterin derselben, ein junges braves Mädches darinn
einzuüben; und der zweite um einen Cyclus von Vor-
trägen darüber in Stuttgart zu halten.
Mit dem Versprechen in den angegebenen Beziehungen
nach 8 Tagen nach Stuttgart zurück zu kehren, reiste
ich verflossenen Sonntag von dort ab. Montag gab
ich hier, wie ich zugesagt, im Gebäude des Museums
einen Vortrag vor einer Anzahl von Vätern und
Müttern aus den höheren Ständen, wie Sie aus dem
Beiliegenden ersehen; dann Mittwochs im Gebäude
der Harmonie Gesellschaft einen zweiten Vortrag vor
einer Anzahl Eltern aus dem Kern des Bürgerstan-
des. Das Er nächste Ergebniß war, daß der ganze
hiesige Vorrath von Spielen sogleich verkauft wurde.
Morgen Freitags werde ich in der hiesigen Kinder-
pflegeanstalt Bewegungsspiele mit den Kinder[n]
vor dem vereinigten Elternkreisen ausführen.- /
[6]
Sonntags den 22en d. Mon. werde ich nun für die angegebenen
Zwecke auf unbestimmte Zeit nach Stuttgart zurück
gehen und nach Erreichung derselben über Heidelberg u.
Darmstadt nach Frankfurt u.s.w. zurückkehren.
Zunächst ersuche ich Sie lieber Herr Fölsing nun
freundschaftlichst mir mit der allernächsten Post
(Fahrpost) hierher unter obenangegebener Adresse
die Noten zu den Bauliedern zu senden, welche Ihre
Güte mir wohl hat abschreiben lassen. Sollten diese
Liedchen aber etwa noch nicht abgeschrieben worden
seyn, so erbitte ich mir die von unserer Ida, d.h. die
von mir an Sie, l. He. Fölsing abgegebenen. Weiter
bitte ich Sie freundlichst diesen Noten, die von mir zu[-]
rückgelassenen Stiefel beizufügen, oder umgekehrt
die Noten den Stiefeln und mir gemeinsam durch die
Post möglichst bald zuzusenden.
Der Ida hoffe ich morgen zu schreiben, heut muß
ich mich mit einem herzlichen Gruß an sie begnügen.
Die freundlichsten Grüße an Ihre liebe Frau und
einen warmen seelenvollen Kuß dem kleinen lieben
Engel Ihrer herzigen Johanna. Die besten Grüße all
Ihren lieben Verwandten, nicht minder auch an unseren
Schaffenitt, welchem ich meine Relation mitzutheilen bitte
so auch gelegentlich dem Herrn Garnisonprediger.
Die Post ist zu, ich muß daher den Brief unfrei ab[-]
geben; halten Sie mir strenge Rechnung, dankbar will
ich alles bezahlen. Demnächstens mehr von Ihrem
aufrichtig Ergebenen
          FriedrichFröbel