Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff und Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 11.12.1844 (Frankfurt/M.)


F. an Wilhelm Middendorff und Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 11.12.1844 (Frankfurt/M.)
(KN 56,36, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Frankfurt a/M Mittwoch am 11 Decbr 1844

Lieber Middendorff und Barop.

Meine gestrige Sendung unter X Umschlag enthaltend den Aufsatz des
Herrn Pf. Wagner in N. Ingelheim, abgedruckt in dem Großherzgl. Hessischen
Schulblatte Heft Dezembr und einen Aufsatz in der Didaskalia No 341
von einem hiesigen erziehenden Familienvater werdet Ihr empfangen haben,
der Wagnersche Aufsatz wird gewiß Euer aller höchste Zufriedenheit be-
kommen haben wegen der Reinheit seiner Gesinnung und der wirklich schönen
ja blühenden Sprache. Von dem 2en in der Didaskalia sagte Kosel (den ge-
nannten noch nicht gelesen habend) daß er der beste sey welcher bis jetzt
über mein Wirken geschrieben worden. Wenn es nur einigermassen mög-
lich solltet Ihr alles versuchen, daß wenigstens der erste in dem Rudolstädtischen
Vaterlandsfreunde abgedruckt würde; es wäre auch zur großen Beschä-
mung Blankenburgs wie zur Erhebung Rudolstadts, und Rechtfertigung gegen
Saalfeld, wo es ja wie Ihr mir schreibt noch immer nicht recht fort gehen will.
Damit Ihr nun sehet wie hier wacker von den Freunden mitgearbeitet wird
so sende ich Euch hier eine Beilage zu den hier erscheinenden Nachrichten, sie
wird in 3000 Exemplaren den letzteren beigegeben, denn soviel haben
die Nachrichten hier Abnehmer indem sie fast in jedes Haus kommen; Über
dieß werden noch cca. 60 Abdrucke auf feineres Papier unter besonderen
Aufschriften versandt. So ist nach aller Freunde Urtheil hier nur für die Sache
d.h. für den Absatz der Spielmittel u Schriften Grund u Boden zu gewinnen, wenn
es überhaupt möglich ist. Der Aufsatz in der Didaskalia
sollten [sc.: sollte] den Weg dazu bahnen. Diese Beilage kostet mich - bedenkt es ge-
gen 27 fl. mit Umsendung der besonderen Abdrücke. Ob ein Ergebniß
hervorgeht und welches wer mag es wissen Ihr seht, gegraben wird
frisch und gesäet mit bestem Willen. Aber zu diesen frohen Hoffnungen
hat sich mir heut ein harter Schlag gesel[l]t: - Schwarzkopf hat mir ja
die Kisten mit der Fahrpost gesandt wofür ich 32 fl. sage Zwei und
dreißig Gulden Postfracht bezahlen mußte. Wie ist nur Schwarzkopf /
[1R]
auf diesen Gedanken gekommen welcher mir einen Schlag vor den Kopf gab
und ein Loch im Beutel riß durch welches ich mit einemmale 24 fl
rein verlohren habe, und dieß jetzt hier vor Weihnachten, denn die
Schnellfracht hätte höchstens 8 fl. gekostet. Kennt denn Herr Schwarz[-]
kopf die Schnellfrachtfuhren nicht, welche jetzt auf allen großen
Routen u zwischen allen großen Städten bestehen, konnte er denn
diese mit der Post verwechseln. Gott weiß es wie mich bei den
reinsten Absichten und klarsten Worte[n] immer Schlag auf Schlag trifft
denn nun habe ich zur Ä äußeren Förderung der Sache hier wieder eine
Ausgabe von nahe fl. 60.- 32 habe ich heut davon baar bezahlt.
Und doch kann nur dieser Weg bei Ausdauer zum Ziele führen. Denn
jetzt fängt sich doch ein Interesse auch der Buchhändler zu regen an.
Die Anzeige welche ich Euch jetzt sende soll künftig als Übersicht jedem
Spiele beigegeben werden, ich habe zu diesem Endzwecke noch 1000
Exemplare für mich abdrucken lassen. 400 Ex wird Sauerländer
seinen größeren Artikeln beigeg beigeben. Barop! Barop! u Midden-
dorff! ein kleiner Betrieb der Sache hilft uns jetzt nichts mehr; kann ich
können wir es nicht ins Größere so ausführen so muß ich untergehen.
Alles mißt man nur nach Pferdekraft, wie man sonst nach Pfunden
höchstens Centnern wog. Die Menge macht jetzt alles; deßhalb ist hier
auch das Schöne so billig. Das dem Auge schmeichelnde kann auch, wenn
es sich leicht ausspricht, theuer seyn.
Nach meiner Meinung, die keine oberflächliche ist, dürfen wir den Schwarz[-]
kopf
jetzt nicht gehen lassen; allein 1000 rth sollten wir wenigstens
Capitalanlage habe[n]. Ihr glaubt mir nicht. Aber Ihr werdet es zu spät
bereuen, wenn andere uns die Idee zu Gold gemacht haben.
Wir wären, so werde ich sagen wenn ich ins Grab sinke, und so
würde ich Euch - wäre es möglich vom Jenseits zurufen: - Wir
wären, mit der uns, durch mich, von Gott gegebenen Idee die
freyesten Menschen und Deutsche, die es geben könnte, wenn wir /
[2]
in Eintracht und Gemeinsamkeit die Mittel zur Förderung der Idee
zur Darstellung derselben anwendeten, welche in der Gesammtheit
unseres Kreises und Lebenswerk liegen. Ihr schiebt immer die Schuld
auf mich, ich habe nichts dagegen, ich weiß wie ich deßhalb mit dem
Schicksal stehe und mit ihm zu rechnen habe; denn wenn ich heut sterbe
mein Streben ist anerkannt gerettet und wird nicht untergehen; allein
das Große, Große, das edle, edle deutsche <Werk>, Erhebung des deutschen
Volkes durch FamilienEintracht u Familienzusammenwirken, würde
dann nicht in einer ursprünglichen Reinheit entstehen, sondern er[-]
scheint dann nur als ein Ableger (<Weinfester>) als ein irgendwo und
wie aufgepropftes. Ich spreche ja so ehrlich u offen mit Euch: ver-
kauft Alles was ich habe, aber macht das sich die Idee rein gestalte[.]
Warum ich es nicht thue? um Euret und um Eurer Kinder willen thue
ich es nicht. Nicht um seines Geldwerthes willen - ob es gleich genug wäre
um mich jetzt äußerlich zu entfesseln - sondern um der innern Einheit
und Einigung die sich daran knüpft so wie von ein paar Halsmuskeln
oder einem verdrehten Halswirbel das Festbestehen eines Menschen-
lebens abhängt. Das Factum, die große zunächst Volkes- dann Men-
schheiterlösende Thatsache die wir geben sollen, wodurch wir eine
ächt deutsche Gesammtfamilie werden ist: - Unter Aufopferung u Kampf ja selbst unter Schmerz sollen
wir eine Gesammtfamilie bleiben
sollen in Treue nicht unser Herz und unser Haupt verlassen
Freunde es handelt sich nicht um mich, nicht um meine Person, die
herbesten Schicksalsschläge haben mich in den letzteren Monaten ge-
troffen ich weiß nichts was das Schicksal noch hinzufügen könnte,
allein es handelt sich um die Verwirklichung einer Volks[-] und Mensch[-]
heit erlösenden Idee. Der Verfasser des Aufsatzes in der Didas[-]
kalia Sendung von gestern spricht es klar aus:
"Wie das Schulwesen einen Organismus
bilden soll welcher unter dem
Schutze des Staates steht, so bildet /
[2R]
"die Familienerziehung ein Ganzes; das im Vereine von
"Familienvätern Müttern u Kinderfreunden seine Pflanz[-]
"
stätte, seine allgemeine Verbreit[un]g und weitere Ausbild[un]g
"finde."
Dieß ist jetzt auch hier unser Streben.
Her[r]n Unger grüße auf das Schönste noch könne ich
ihm nichts schreiben über seine Producte als meine
Freude über Dein Zeug[n]iß.
Barop u Middendorff und alle Freunde! Laßt uns du
durch eigene Kraft werden was wir werden sollen,
und dankt Gott der mich jetzt auf die Wanderschaft
schickte. Der alte und Altgesell kann nun sein Meister[-]
stück liefern u wird es liefern.
Wolf hat Weihnachtsgaben fertigen lassen.
Unger sollte mit mir hier in der Nähe Frankfurts
arbeiten. Hier ist Geschäftsleben und - Kunst we-
nigstens Künstlerleben.
Sagt Ungern daß ich seiner mit vieler Liebe u Treue
gedenke. Und -- der Keilhauer Anstalt sagt
sie soll eine ächte treue Tochter seyn u bleiben, da[-]
mit sich kein schiefes Urtheil über sie in ihrem Ver[-]
halten gegen ihren Vater bilde - sagt ihr - die
Feinde die wir alle hätten würden einen Schatten
vom Schatten benutzen um durch das Gerücht einer
Tren[n]ung alles zu vernichten; sie soll ja nicht glauben
daß ich die Schmarre bekäme und sie - unbe-
rührt bleibe. Sie soll an Gellerts Fabel der Mißge-
burt denken. Dir herzlichsten Grüße
E[.] u. DFrFr