Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Becker/Redaktion des Allgemeinen Anzeigers der Deutschen in Gotha v. 12.12.1844 (Frankfurt/M.)


F. an Friedrich Gottlieb Becker/Redaktion des Allgemeinen Anzeigers der Deutschen in Gotha v. 12.12.1844 (Frankfurt/M.)
(Staatsarchiv Hamburg: 731-5 Altonaer Autographen-Sammlung [Sammlung Ulex], Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Frankfurt a/M am 12 Decbr 1844.
An die verehrliche Redaction des Allgemeinen Anzeigers der Deutschen
(Herrn Hofrath Becker) in Gotha


Hochverehrtester Herr Hofrath

Sie haben nicht nur wiederkehrend in Ihrem vielgelesenen, Volks-
wie Familienwohl so erfolgreich fördernden Blatte auch in dem
nun bald verflossenen Jahre freundlich und fördernd auch
meiner Bestrebungen für Verallgemeinerung zeitgemäßer
frühen Kinderpflege gedacht sondern mich sogar früher gütig
aufgefordert Ihnen von dem weiteren Ergebnisse derselben
Kunde zu geben. Durch theilnehmende wie wissenschaftlich gebildete
als selbsterziehende Familienväter, welche ihre prüfende beachtende
Aufmerksamkeit auch meinen erziehenden Bestrebungen zuwandten,
sind über meine Wirksamkeit im Laufe dieses Sommers am Rhein, Main
und Neckar mehrere Veröffentlichungen in namhaften Blättern ge-
nannter Gegenden geschehen. Einige derselben sind mir durch be-
sondere Freundlichkeit zugekommen. Rücksichtlich Ihrer förderlichen
Theilnahme nun, wie in Beziehung auf Ihre besondere gütige Auffor-
derung scheint es mir Pflicht Ihnen die mir zur Verfügung vorliegenden
Blätter u Aufsätze zu geneigter Einsicht zu übersenden, viel-
leicht, daß Sie zur Förderung der immer mehr Theilnahme u Aner-
kenntniß findenden Sache der Kindheit für Ihr Blatt zum Schlusse des Jahres
noch einigen Gebrauch [davon] machen können. Sollten Sie den Aufsatz des Herrn
Pfarrer Wagner zu NiederIngelheim am Rhein über die dasige Kinder[-]
pflegeanstalt - zur ganzen Aufnahme in Ihr Blatt geeignet finden, so
glaube ich derselbe könnte überhaupt der Aufnahme früher
entsprechender Kinderpflege sehr förderlich seyn. Möge Ihnen /
[1R]
aus dem Ganzen die Überzeugung hervorgehen, daß der Ge-
genstand, wenn auch nur noch in leisen Keimen, doch schon
beginnt zum Wohle des heraufwachsenden Geschlechtes, der
Familien wie des gesammten Volkes - beginnt allgemeine
Angelegenheit besonders der denkenden und erziehenden Fa-
milienväter zu werden. Hierfür scheint besonders der Auf-
satz in der Didaskalia No 341, welcher aus einem Vereine solcher
Väter u Männer hervorgegangen ist.
Möge uns das liebliche Band der Kindheit auch im neuem
Jahre für das Wohl unseres theueren Vaterlandes und Volkes
innig verbinden. Mit besonderer Hochachtung Ihr Ergebenster
Friedrich Fröbel.

Sollten Sie mich irgend mit einer Notiz über den Gebrauch
dieser Blätter erfreuen wollen, so erbitte ich mir solche
unter der Aderesse nach "Keilhau bei Rudolstadt"
woh[in] ich bald zurück zu kehren hoffe.