Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karl Ludwig Nonne in Hildburghausen v. <3./4.> 2.1845 (Keilhau)


F. an Karl Ludwig Nonne in Hildburghausen v. <3./4.> 2.1845 (Keilhau)
(BN 583, Bl 21, undat. Entwurf 1Bl fol 1 ¼ S. ohne Schlußfloskel. Zweispaltiger Text auf Briefumschlag mit Adresse: ”Sr Hochwohlgeboren dem Herrn Senator Kissler-Gontard hier”(=Frankfurt/M). Die Datierung ergibt sich aus F.s Brief an Barop v. 28.1.1845. Der Brief an Nonne ist mit Sicherheit Anfang 1845 nach der Rückkehr v. Fröbels achtmonatigem Frankfurter Aufenthalt geschrieben worden. Zu Beginn des Briefs findet sich der Hinweis auf den Jahreswechsel. Nach dem Brief an Barop v. 28.1.45 aus Eisenach hat F. am 27.1.Frankfurt verlassen, will bis 29.1. in Eisenach bleiben,dann am 30. und 31. in Gotha sein und am 1.2. (=Samstag) in Keilhau eintreffen. Der Entwurf könnte im Zusammenhang mit dem Schreiben an Becker v.4.2. zum gleichen Thema entstanden sein.)

Hochzuverehrender HErr Dr
u Consistorialrath [Nonne]

Sie haben in Nr [Lücke] Ihres mit Freude u Seegn[un]g so vielgelesenen u weitverbreiteten
Volksblattes für Menschenwohl, Familienglück, Volksheil und Menschheitsfrieden auch meine schwachen und wohlgemeinten erziehenden Bestrebungen mit
freundlichen Wünschen gütig
aus dem alten ins neue Jahr geleitet. Ich weiß es jetzt und kann es Jedem der es wünscht fordert in der
Summe meiner Lebenserfahrung nachweisen, daß wohlgemeinte Wünsche aus
reiner Theilnahmenehmender kann oder Wünsche Menschen u Freunde niemals ohne förderliche Wirkung
für den Gegenstand bleiben welchen [sc.: welchem] sie gelten; darum verdienen sie aber um so mehr
den Herzensdank, damit das Leben immer mehr werde, was es werden soll ein geistig
einiges verständiges u sich gegenseitig verstehendes Gemeinsames. Und so {spreche/lege} ich Ihnen
denn auch obgleich solches Theilnahme in sich selbst ihren Lohn trägt ebenso dafür ebenso zuförderst meinen
einfachen u warmen deutschen Herzensdank aus. Doch vertrauensvolle Mittheilung ächter Lebensthat-
sachen zu [all]gemeinerer Beachtender Fortentwickelung ist scheint mir mehr als selbst
der wärmste Herzensdank in blosen Worten ausgeprägt, und so erlaube ich mir denn auch
zu Ihnen zu kommen um Ihnen das eigentliche Endergebniß meiner durch Theilnahme so
lange weit als lange Zeit ausgedehnte[n] Wanderung am Main, Neckar u Rhein und die sich daraus aus[-]
sprechende weitere Forderung zu geneigter Prüfung und wenn sie sich auch Ihnen darinn als in sich
tiefgegründet bewährt zur Erfül[l]ung u Förderung derselben mitzutheilen.
Überall wo Freunde u Männer für zeitgemäße u entsprechende frühe Kinderführung u Pflege
u Erziehung thätig waren, zeigte sich als Endergebniß, daß, so viel auch das Wort Erziehung gebraucht
wurde, so häufig es in dem Munde der Eltern u anderer sey, daß man doch größtentheils über
das Wesen die Forderung u Bedingung so wenig wie über die Mittel u Wege zur Ausführung u Erreichung
einer guten Erziehung klar sey, ja daß sich sowohl die Begriffe einer guten Erziehung als die Mittel u
Wege zur Erreichung u Ausführung derselben einander gerade zu widersprechen. In Frankfurt a/m nun
wo man die Ausführung einer zeitgemäßen frühen Erziehung mit am ernstesten faßte zeigte sich dieses Hinder-
niß am meisten, und so bilde ging dort aus dem unmittelbaren Leben der Gedanke hervor
daß es vorallem nöthig sey daß sich Männer welche in Beziehung auf (die Erziehung) ihre Kinder bei
der Erziehung ihren Grundsätzen der Art ihrer Ausführung rc besonders bethätigt seyen sich vereinigten um sich zur
Freude u Ausübung derselben über das Wesen derselben ihre Mittel u
Wege zu verständigen, und so wurde denn auch sogl. von praktischen Männern
dem Verfasser des Aufsatzes [”]über die Fröbelschen [Kindergärten”] u dem Verfasser des Aufsatzes
[”] Die K.[indergärten] u Fr Fröbel[”] Hand ans Werk gelegt um die Sache zur Verwirklichung einzuleiten[.]
Doch bald zeigt sich, daß wenn ein solcher Erziehungs Verein wahrhaft segensreich wirken
solle, es gleich ähnl. Verein[e] andern Ort[s], nicht isolirt stehen dürfe, sondern daß sich in
verschiedenen ja in den meisten Orten Deutschlands ähnl. Vereine {bilden/sich finden} müssen. So wuchs denn die An-
u Aufforderung dazu wie Sie sehen aus dem Leben hervor. Ich komme hier[her]
und so gleich wurde auch hier zur Gemeinsam[en] Ausführung solcher Verein[e] in Deutschland ein Aufruf entworfen um sie als
Thatsache aus dem eignen Willen u Bedürfnisse des Volkes, der Denkenden u wohlwollenden
in demselben hervorgehen zu machen – ein Aufruf entworfen. Nach einer vorläufigen
Prüfung erziehender Väter wie Erzieher von Beruf u Kinderfreunden war der beiliegende
Aufruf das Endergebniß von Ganzen, bei dessen Erreichung ich genöthigt war Fr[an]kfurt
zu verlassen u die weitere Ausführung an den Freunden der Sache zu überlassen, von deren
weiterer Wirksamkeit dafür ich hoffe wie ich auf meiner Heimreise so wie auch nun wieder hier vielfach
für Mittheilung dieses Gedankens thätig war, welcher sich zu meiner
Freude recht erwogen u durchdacht wirklich einer ungetheilte[n] Theilnahme erfreut.
Ich komme nun auch hiermit vertrauensvoll zu Ihnen
wie den Gedanken überhaupt so auch den Aufruf zur Ausführung desselben hiermit
zu geneigter Prüfung vorzulegen, damit er wenn auch sie [sc.: Sie] sich dafür dessen Ausführung
nach Zweck u Wort (Form) bestimmen könnten, der Aufruf d[urc]h ihr die anerkannte
wie menschl praktische wie volksthümliche Tendenz zur allgemeinen Prüfung in das
große Publikum u hier vor allem in den Kern des Volkes eingeführt würde[.]
Ich gestehe offen, daß ich diesen Gedanken welcher es ist dieß kein in der Studierstube u [am] Schreibtisch sondern ein im Leben geboren[er] aus
demselben u dessen Bedürfniß u Forderung hervorgegangen[er] – [den ich] nicht allein für das wichtigste u förderlichste halte
was mir in Beziehung auf meine erziehende Bestrebungen meine Rhein Wanderung geben konnte, sondern daß
er mir überhaupt in Hinsicht auf die Bestrebungen der Zeit u in Beziehung auf die Erreichung ihrer
Forderung u (Bedürfnisse) das Wichtigste ist was ihr gereicht werden kann.
Da Sie hochzuverehrender Herr Dr u Consistorialrath, so gütig sind, meine
erziehenden Bestrebungen
in ihre [sc.: Ihre] Pflege zu <nehmen>
da Sie die Forderungen der
Zeit prüfend beachten
und ihr gern reichen was
{ihr/sie} in Einklang mit dieselben in ihrer
allseitig organisch nothwendigen
Entwickelungen gereicht werden
kann, so lege ich Ihnen
hier das Ganze u beson[ders]
dieden natürl[ichen] {Gedanken/Frage}
zur Prüfung vor: ob
es nicht auf das Höchste
Zeitgemäß sey , diesen
Gedanke[n], wie ihn bis her der sich bis
jetzt des Beifalls aller
ruhigen u besonnen[er] aber das Wohl
ihrer Familien wie des Volks
überhaupt wollen[der] Männer
erfreut verlangte, deren
Theilnahme er sich erfreute
so auch d[urc]h Ihr so viel ge-
lesenes Blatt der
öffentl Prüfung vorzulegen[.]
Sollten der Ausführung
des Gedankens für
größere Ausdehnung wirkl[ich]
hinderniße entgegen treten
so dünkt mich ist er schon
doppelt wichtig, erstlich
daß er nur ausgesprochen
wird, u zweitens wenn
wirklich der Erzieher
selbst ohne mit einem 2ten
u 3en darüber zu ver[-]
kehren sich das was
hier als Aufgabe u
Zweck der Vereine
aufgestellt ist, sich
allein zur Selbstaufgab[e]
u einen Selbstzweck mache[.]
Als Form der Ausführung
[Veröffentlichung des Aufrufs]
stand mir entgegen
daß das [”]Plauderstübchen[”]
den Aufruf zur Kunde
brachte indem zugl[eich]
die [”]Dorfzeitung[”] selbst
denselben in ihr Publikum
auf eine entsprechende
Weise einführte [.] /
[21R]
Ich bin tief in mir überzeugt wie schon der Gedanke nur ausgesprochen u Mitgetheilt allgem[ein]
unter den Denken[d]sten u Lebenserfahrend[sten] ruhigsten prüfendsten u besonnensten aber thatkräftigen Männern denen er mitgetheilt wurde Ank[lange]
fand u sie zu thätiger Mitwirkung für Ausführung desselben bestimmte, so wird er g[an]z
gewiß in deutschen Ort[en] die Ausführung finden – so wie ich weiter tief in mir überzeugt bin, daß das
Blatt welches derselbe [sc.: denselben] zuerst zur Kunde des deutschen Volkes Publi[kum] bringt sich eine der wichtigsten
Stellung[en] in der Geschichte der deutschen Volkserziehung wie in der Geschichte der Erziehung überhaupt sichern
wird.           Handeln Sie nun nach ihrer [sc.: Ihrer] Überzeugung [Text bricht ab]