Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 17.2.1845 (Keilhau)


F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 17.2.1845 (Keilhau)
(BlM XXVII,5,2, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. Zum Brief gehört ein beidseitig beschriebenes, nicht foliiertes 16°-Beiblatt mit [Leserbrief-] Auszug aus dem A. A. d. D. Nr. 41 u. 42 v. 11.2. u. 12.2.1845. Es liegt in BlM im Briefbogen, also zwischen Bl 5 und 6.)

   Keilhau b. Rudolstadt. Am 17 Febr. 1845.

Mein sehr lieber, treusinniger Arnswaldt.

Bei dem Erfolge unserer Bemühungen, was sie auch immer betreffen
mögen, hängt sehr viel von Thatsachen und von der öffentlichen
Stimme ab; deßhalb erlaube ich mir Dir, in Beziehung auf meinen
jüngsten Brief an Dich und den zwischen uns besprochenem Gegenstand -
welchen in Eisenach anzuregen Du in diesen Tagen Veranlassung zu be-
kommen hofftest - hier einige Thatsachen mitzutheilen; f vielleicht daß sie
Dir für Deinen menschenfreundlichen Zweck nicht unlieb, vielmehr nütz[-]
lich seyn können.
Ich schrieb Dir, daß sich unser Herr Pfarrer gleich bei der ersten mei-
ner Mittheilung für die Ausführung von Erziehungsvereinen hin-
sichtlich auf unser Thal und sein Pfarrspiel sehr geneigt zeigte.
Und [sc.: Um] den Ernst seiner Gesinnung zu beurkunden weckte er auch alsbald
das Interesse noch einiger wackeren Männer im Thale, und schon
verflossenen Freitag am 14n d. M. hatten wir: der Herr Pfarrer
Middendorff ich und die gedachten Männer und Väter eine vorberathende
Zusammenkunft bei unserm Herr[n] Pfarrer in Eichfeld. Es beurkundete
sich da in den Männern so klare Gedanken und Einsichten; so fester
guter Wille, daß ich meine wahre Freude hatte.- Wir bestimmten zu[-]
gleich zu einer weiteren Berathung den künftigen Freitag; so wie die
weitere Mittheilung unseres Zweckes und der uns gesteckten Aufgabe
an noch einige Män der achtbarsten Männer des Thales u. Pfarrspieles[.]
Und gestern wo mich unser Herr Pfarrer besuchte, sagte er mir, daß
sich alle mit welchen er bereits Gelegenheit gehabt hätte zu sprechen,
gar sehr des Zweckes und der Aufgabe des Vereines, so wie der
Einladung zur Theilnahme an denselben gefreut hätten. Bei der näch-
sten Versammlung wird also schon die Zahl der Theilnehmenden größer seyn.
Gestern bekam ich auch einen Brief von einem unserer geachte[t]sten Geistlichen
in Rudolstadt, welcher mir darinn nun auch schriftlich wie vorher schon
schriftl mündlich die bestimmte Mitwirkung zur Ausführung eines solchen
Vereines in Rudolstadt zusicherte; sobald nur von mir die öffentliche
Aufforderung erschienen seyn würde.- Durch eine Verspätung kann
diese nun nicht eher als morgen in 8 Tagen in unserm Rudolstädtischen /
[5R]
Intelligenzblatte, genannt "Thüringscher Volksfreund" erscheinen. So
wäre also für Rudolstadt die Bahn gebrochen.
Auch aus Frankfurt a/m habe ich heut die Nachricht erhalten, daß, irre
ich nicht sehr, gerad an demselben Tage als wir in Eichfeld die erste Zu-
sammenkunft hatten, mein Aufruf auch in der Didaskalia erschienen ist.
So ist denn auch nun der Gedanke der öffentlichen Prüfung eines größern
Publikums und dessen Theilnahme übergeben. So wie sich überhaupt
in Frankfurt a/m durch pro & contra eine rege Theilnahme für meine
Unternehmungen überhaupt zeigt.
Ebenso hat sich auch der Allgemeine Anzeiger der Deutschen an Ende
eines Aufsatzes über das "Schul- und Erziehungswesen" welcher durch 2
Blätter Nr 41 & 42, vom 11' u 12 Febr durchgeht, S[.] 578 wieder sehr
klar für meine frühe Kinderbethätigungsweise ausgesprochen. Da Du
diese Blätter vielleicht nicht gleich bei der Hand hast lege ich solche Dir
eine Abschrift der betreffenden Stelle hier bei; vielleicht daß irgend[-]
einem Deiner Freunde eine dießfallsige Notiz lieb ist.
Ehe ich auf den Gedanken kam Dir mit dem vorigen Briefe einen abgekürz[-]
ten Aufruf zu schicken hatte ich den ersten längeren Entwurf für Dich
abgeschrieben, habe ihn aber vergessen meinem vorigen Briefe an Dich bei[-]
zulegen; da der Aufruf nun gegen das Ende ein paar Gedanken
enthält die vielleicht praktischen Werth haben, so lege ich den Aufsatz
weil er einmal für Dich bestimmt war hier auch noch bei, die Stellen
welche ich meine habe ich angestrichen.
Um den Brief nicht unnöthig zu ver-
größern habe ich von dem Aufrufe nur
die zwei betreffenden Stellen abge-
schnitten und sie hier beigelegt: sie beziehen
sich auf die uns in allen Dingen so Noth
thuende Gemeinsamkeit, und deren Früchte.- /
[6]
Im Ganzen sind Deine Freunde hier, welche Dich herzlichst grüßen
lassen alle wohl, nur Barop leidet stark auf der Brust, weß-
halb er seit einigen Tagen die Stube hüten muß.
Nochmals unbekannter Weise meinen achtungsvollen Gruß an
die Beglückerin Deines Lebens. An Dich besonders die Bitte diese
so schnell wiedergekehrte briefliche Einkehr zu verzeihen
Deinem
alten väterlichen Freunde
FriedrichFröbel
[6R]
[Adressierung:]
   Sr Hochwohlgeboren
Herrn Hermann von Arnswaldt
Lieutenant in Großherzogl[ic]h Weimarischen
Diensten
          in
Eisenach.
frei! /

Beilage:

[nicht foliiertes Blatt nach Bl 5, Vorderseite]
          Auszug
aus dem Allgem. Anze[i]ger No 41 u. 42. Vom 11' u 12' Febr 1845.
Schul- und Erziehungswesen

Antwort auf den Brief in No 345 des Blattes vom vor: Jahre.
S. 578. Zum Schlusse Deiner vielberührenden Mittheilung empfiehlst
Du noch die Fröbelschen Anstalten als die sicherste Gewährleistung
einer gedeihlichen Erziehung, Es freut mich, daß Du Dich u hoffentl[ich] auch
thätig, für des strebsamen Mannes lehrreiche Unternehmungen in-
teressirst. Ich war selbst mit meinem Mann einmal dort u. wurde
zugleich mit einigen Eurer öffentlichen Lehrer von dem, Männer
u. Frauen gleich freundlich in sein Arbeitsfeld einführenden, be-
geisterten Erzieher mit dem Ziele seiner Bemühungen und den zu
seiner Erreichung in Blankenburg und Keilhau getroffenen
Maßregeln bekannt gemacht. Dem zufolge müßte ich es aber für
eine Täuschung achten, wenn Du sein Wirken auffassest als im
Gegensatze stehend zu den öffentlichen Schuleinrichtungen. Jenes
soll vielmehr diesen tüchtig vorarbeiten u. fördernd zur Seite
stehen. Er will im vorschulfähigen Alter durch belebende Spiele
u. stufenweise Entfaltung des Thätigkeitstriebes das höhere
Bewußtseyn im Kinde wecken u. entwickeln, und bietet
den in der Schule Eingetretenen reiches Material zu geist- /
[]
[nicht foliiertes Blatt nach Bl 5, Rückseite]
bildender und zugleich heiterer Verwendung der Freistunden.
Ganz ent[ge]gengesetzt der Weise des obigen Redners, der für den
Religionsunterricht kein anderes Belebungsmittel kennt,
als Beseitigung der schweren zu fassenden Lehren, sucht Fröbel
z.B. in der Mathematik frühe den Sinn für Formen u. Zahlen-
größen zu wecken u. später durch äußerst zweckmäßige
u. sinnreiche, kunst[-] u. geschmackvolle, selbst Kenner überraschende
Veranschaulichungsmittel die Auffassung der positiven math[e]-
matischen Wahrheiten anzubahnen, ja wichtige Größenverhält-
nisse so klar im Bilde darzustellen, daß wörtlicher Ausdruck u Be-
weis wenig Schwierigkeiten mehr bieten können. Kämen, wo keine Frö-
belschen Anstalten bestehen, Eltern u. Verwandte auch den Religions[-]
lehrern gleich fördernd zu Hülfe, zugleich aber, wie die Geschichte auf
vielen ihrer Blätter auch unser Geschlecht aufruft, in treuer Mutter rührendem
Vorgang u. geseegneten Erfahrungen, durch thätige
Unterstützung der Bildungszwecke in häuslicher Aufsicht und
belebender Leitung: wir würden noch öfter, selbst bei zar-
ter Berührung tieferer Glaubenslehren, die erhebende Wahr[-]
heit des schönen Dichterwortes bestätigt finden:
"Was kein Verstand der Verständigen sieht
das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth."
Lebe wohl; dieß der Wunsch Deiner Dich liebenden
L- /