Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die Redaktion der Sächsischen Provinzialblätter in Leipzig v. 21.2.1845 (Keilhau)


F. an die Redaktion der Sächsischen Provinzialblätter in Leipzig v. 21.2.1845 (Keilhau)
(BN 725, Bl 9, Abschrift 1 Bl fol 2 S., Handschrift unbekannt)

Der verehrlichen Redaction der sächsischen Provinzialblätter in Leipzig


Keilhau b[e]y Rudolstadt am 21 Februar 1845.
Zwar machen auf die Ausfüllung der Spalten Ihrer so <werthvollen> und geschätzten
<u> weit verbreiteten Bletter jetzt vor Allen [sc.: Allem] die confessionellen überhaupt die
religiösen Meinungsstreitigkeiten, wie auch Alles der [sc.: den] Anspruch, was sich mit
einem gewissen kriegerischen Character daran anschließt, so daß es sich wohl
kaum erwarten läßt, es werde sich für Darlegung eines Vorschlages u. Aufrufes
zum friedlichen Aufbau eines, obgleich das Wohl aller in seiner Wurzel ergreifenden
und fördernd[e]n Gesammtwerkes darinnen noch einen Platz finden. Dennoch
komme ich mit d[e]m vertrauende[n] Ersuchen zu Ihnen einen [sc.: einem] solchen Gegenstande
in Ihrem viel anregenden u. auch dazu die Thatkraft entwickelnden Blatte,
einen Raum zu gönnen; nach der sich im Leben vielfach bewährenden Er-
fahrung: was im Frieden aufgehen u gedruckt werden soll, muß im Kriege
gesät werden, welche Erfahrung vielleicht auch zu Ihrer Überzeugung
geworden ist. Doch zur Sache:
Erziehung ist - wie es leicht nachzuweisen u. einzusehen als auch zum
Theil vielfach schon laut ausgesprochen worden ist - der erste Ausgangs- wie der
letzte Beziehungspunct von all' diesen erregende[n] ja kriegerischen Bewegungen;
doch so klar diese Wahrheit d[e]m Allgemeinen A ausgesprochen worden ist, so
wenig sieht man sie eben in d[e]r großen Allgemeinheit beherzigen
und d[e]rselben gemäß hand[e]ln u. thun. Das Handeln u die That ist aber
jetzt das Wesentliche, die gemeinsame That, das sich gegenseitig thatkräf-
tig förderlich unterstützende Handeln
ist aber dasjenige was wir jetzt
besonders bedürfen; also im vorliegend[e]n Falle: das gemeinsame Hand[e]ln
für allgemeine Ausführung entsprechende[r] zeitgemäßer Erziehung, besonders
da wo sie noch weit überwiegend in den Händen der Eltern liegt,
in der frühen Kindheit in den [sc.: dem] vorschulfähigen Alter.
Nach klar vorliegender Erfahrung thun nun allgemeine Vereine im Vater-
land hier für vor Allen Noth so wie sie in ihrer allgemeinen und organischen
Ausführung gewiß zum Ziele führen, Vereine die sich nicht blos die Erkennt-
niß des Allgemeinen sondern vor Allen des besonderen gegenwärtigen u.
örtlichen Bedürfnißes der Erziehung wie die Einsicht und in das Wesen und der
Förderung derselben nebst der Erkenntniß der W[e]ge u Mittel der Weckung des
Willens und der Kraft zur Anwendung derselben sich zum Gegenstand machen.
Die Nothwendigkeit dieser Vereine wurde nun, da wo es der durchgreifenden
Einführung besserer Erziehung ernstlich geht nicht nur lebhaft gefühlt u. klar
erkannt, sondern auch zugleich zu ihrer allgemeinen Ausführung ein öffent-
licher Aufruf für wesentlich erachtet. Wie darum der Gedanke dieser Vereine
so ging auch dieser Aufruf zur Ausführung derselben ganz aus dem Leben
und dessen Forderung hervor nur so wie das bei Beiden der Fall war /
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haben auch <Beide> wo sie bis jetzt mitgetheilt worden, nicht nur Anklang
u Beistimmung sonde[r]n auch thätige Mitwirkungen zur Ausführung gefunden,
so wie natürlich dadurch vielfach der Wunsch rege gemacht wurde, daß der Gedanke
auch d[e]m großen Publicum zur Prüfung u thätigen Mitwirkung zu dessen or-
ganischer Ausbildung vorgelegt werd[e]n möge.
Der Norddeutschlands u besonders Sachsens, alles Menschenwürdige u. wahrhaft
volkswichtige, tieferwägende Geiste wünscht darum Gedanke u. Plan für den
ausgesprochenen Zweck vor Allen [sc.: Allem] geprüft zu werden.
Prüfen Sie zunächst selbst den zu diesen [sc.: diesem] Zwecke hier beigelegten Aufruf,
und wenn auch Sie denselben in seiner Wahrheit und in seinen Forderungen
in d[e]n bestehend[e]n Lebensverhältnissen tief begründ[e]t u. in seiner Ausführ-
ung für dieselbe ersprießlich finden, so übergeben Sie solchen geneigtest auch
durch die Spalten Ihres so viel Gutes verbreitend[e]n Blattes d[e]r öffent-
lichen Prüfung der allgemeinen Ausführung.
Dem Süd[e]n von Deutschland ist er vor einigen Tagen zu gleichen [sc.: gleichem] Zweck
durch die Didaskalia bekannt geworden, in meiner Heimath hat ein Local-
blatt "Der thüringer Volksfreund" ihn der besonderen Kenntniß seiner Be-
wohner zugeführt, so wie auch in naher Umgebung schon ein Verein zu
dessen Ausführung zusammengetreten ist und in Nachbarstädten sich dafür
schon thätige Mitwirkung zeigt.
Daß wir durch diese Vereine zur Kenntniß des Thatbestandes dessen
kommen, was mir fehlt und was wir bedürfen und sich, wie in Hinsicht
auf Mängel so wie auf Mittel und Wege, eine ächte allgemeine
öffentliche Meinung u Thätigkeit des Strebens nach dem Bessern bilde
di[e]ß hat sich in d[e]m erwähnten Vereine schon in der noch geringen Zahl
seiner Zusammenkünfte klar herausgestellt.
Entscheiden Sie nun, verehrliche Redaction, als Vertreter des Publicums
nach Ihrer freiwillig übernommenen Pflicht über die Aufnahme od.
Nichtaufnahme des beiliegend[e]n Aufrufes in Ihr Blatt u haben Sie die
Geneigtheit im Fall solche erfolgen sollte mich durch die Übersendung der
Nummer Ihres Blattes in welcher solche geschieht, gefälligst durch die
Expedition in Kenntniß zu setzen.
Mit besonderer Hochachtung
        verehrlicht[e] Red[a]ction
                Ihr
[keine Unterschrift]