Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an M. Schumann in Rudolstadt v.4.3.1845 (Keilhau)


F. an M. Schumann in Rudolstadt v.4.3.1845 (Keilhau)
(BN 238, Bl 1, hier:1R u.2V, dat. Entwurf 1 Bl fol 2 S.)

Sr Hochehrwürden HErn Archidaconus Dr M Schumann in Rudolst[adt]
Keilhau am 4 März 1845

H Hochgeehrtester HEr Diaconus.
Seit ich die Ehre hatte Sie in Vereine Gesellschaft mit unsern lieben
Herrn Pfarrer Sie mit dem Aufrufe an deutsche Männer u
Väter zur
Bildung vonErziehungsvereinen bekannt zu machen zum und zugl <fragte> mit den
Gedanken zu[r] Prüfung vorzulegen ob vielleicht durch Ihre Mitwirkung ein solcher
Verein auch in Rudolstadt auszuführen wäre, auch Sie mich gütigst solches schriftl[ich]
hoffen ließen – ist nicht nur wie Sie es für angemessen
hielten der Aufruf in dem Thür[in]ger Volksfreund zunächst für
Rudolstadt, sondern auch in No der Fr[an]kf[u]rt[er] Didaskalia
in No des allgem. Anzeiger der Deutschen ersch für das größere
Publikum erschienen, sondern die Redaction der
Dorfzeitung hat gleichfalls in ihrem jüngsten Blatte No
vom 2n d. M. mit den nachstehenden Worten darauf hingewiesen
um den Ged nicht allein den Gedanken an u für sich, sondern
ihn zugleich in seinen wesentlichsten Beziehungen u letzten Zielen
in ein noch größeres Publikum einzuführen, So
dieß zu hoffe ich, daß er auch noch in anderen Localblättern
der Nachbarlande Aufgenommen worden ist oder noch werden
wird um den Gedanken möglichst allgemein zur Prüfung ins Volk einzuführen. Doch dabei
sind wir nicht stehen geblieben sondern wir sind auch sogleich zur Ein[-]
Am 14 d Mon f führung der Sache selbst zunächst in unserer
Umgebung geschritten. – Am 14n d. vor. Mon. hatten wir
im Verein mit einigen Landsleuten Einwohnern des Pfarrspieles in dieser Beziehung
die erste Zusammenkunft ; die Sache fand sogl[eich] solchen Anklang, daß
wir 8 Tage darauf die 2e u wieder 8 Tage darauf die 3e Zusammen-
kunft hatten, an welcher sogar der HErr Pfarrer Heubel in Schwarza
Antheil nahm. In dieser 3n Versammlung wurden die Bestimmungen des Ver-
eines festge besprochen u festgestellt welche ich Ihnen hier beifüge
nach welchen unser HErr Pfarrer zum Vorsteher des Vereins u unser
HErr Middendorff zum Sekretär desselben gewählt wurde[n].
In dem HErrn Pfarrer Heubel aus Schwarza wirkte die rege /
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Theilnahme unsrer wackern Landbewohner so erfreul[ich]
daß er nicht allein bat als Mitglied des Vereines aufgenommen zu
werden, sondern auch mit der freudigen Hoffnung
fortging dass sich vielleicht ein gleicher Verein in
Schwarza ausführen ließe.
Gestern Montag am 3 März lud er nun uns den HErrn Pf. Meyer
u mich zu einer deßfalsigen Vorberathung u Mittheilung mit einer
Anzahl Männer seines Ortes ein[;] dessen Ergebniß war
die Sache in ernste Prüfung zu nehmen u zu sich zu einer
gründlichen Besprechung darüber in 8 Tagen darauf abermals
bei dHE Pfarrer zu versammeln.
Soweit also die Einführung der Sache in unserer Nähe
Um Ihnen nun das Ganze, bei Ihrer mir bethätigten
regen Theilnahme an dem Grundgedanken des Vereins
,
zur Prüfung auf die Frage vorzulegen: - ob sich wohl
ein ähnl[icher] Verein auch in Rudolstadt begründen ließ
fühle ich mich d[urc]h Ihre uns bethätigte rege Theilnahme
an dem Grundgedanken des Vereins herausgefordert.
Nicht nur schön sondern wohl wirklich wünschenswerth
u ersprieslich wäre es, wenn Rudolstadt die Landesstadt
mit Anerkennung u D[urc]hführung der Idee des Vereins vorleuchtete.
Es bedürfte ja dazu keineswegs eine große Anzahl von
Männern nur eines sich auf tiefste Überzeugung u laut
redende Lebensführung sich gründende Verein von
wenigen Männern ja seyn es deren wirklich Anfangs nur
3 bedarf es. Der Erfolg würde bald andere ziehen[.]
So lege ich denn die weitere Fortführung des G[an]zen
für Rudolstadt vertrauensvoll in
Ihre Hand.–
Genehmigen Sie die versiche[rung] vorzügl[icher] Hochachtung u Ergebenh[ei]t
[Unterschrift fehlt]