Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Becker in Gotha v.16.3.1845 (Keilhau)


F. an Friedrich Gottlieb Becker in Gotha v.16.3.1845 (Keilhau)
(BlM XV,3, Bl 93-94, Reinschrift 1 B 4° 3 S., Anlagen am Rand links mit durchlaufender Numerierung vermerkt. Bei dem Brief aus ”Eisenach” handelt es sich um das Schreiben H. v.Arnswald an F. v.13.3.45. F. zitiert nur teilweise wörtlich, vgl. Heerwart,E. (Hrsg.): Friedrich Fröbels Beziehungen zu Eisenach. Eisenach 1906, 15 )

[Bild von Keilhau]
Sr Wohlgeboren Herrn Hofrath F.G.Becker zu Gotha.


Keilhau b. Rudolstadt am 16 März 45.

Hochzuehrender Herr Hofrath.

Sie waren nicht allein so gütig meinen Aufruf zur Bildung und allgemeinen Ausführung von
Erziehungsvereinen in Ihr vielverbreitetes Blatt aufzunehmen, sondern mir auch freundlichst
mehrere Exemplare dieser Nr und anderer meine erziehenden Bestrebungen betreffenden zu
übersenden, wie auch, was mir vor allem wichtig, mir auch Ihre fernere geneigte Theilnahme
an denselben und weitere förderliche Berücksichtigung derselben in Ihrem vaterländischen
Blatte gütigst zu zusichern; vor Allem sage ich Ihnen nun dafür zuförderst meinen Herzensdank.
Doch der liebste und beste Dank ist Ihnen gewiß der, wenn Ihnen der Beweis wird, daß Ihr va-
terländischer Sinn sich für eine Sache förderlich verwendete, welcher sich auch der Theilnahme der
Besseren und Besten im Volke erfreut. Erlauben Sie mir nun auch hier als Dank zu bringen
was mir bis jetzt in dieser Beziehung zur Kunde kam.
Ein wahrer und guter Gedanke muß sich auch in der nächsten Umgebung wo er geboren
wurde in seinem Wesen beurkunden, das ist ein Prüfstein welchen ich von jeher an alle
meine erziehenden Gedanken und Ideen, an meine darin ihren Grund habenden Bestrebungen
legte. Diesem Handeln getreu legte ich in mein Haus zurück gekehrt dem gesammten erziehenden
Kreise desselben den Gedanken und Plan zur allgemeinen Erreichung ächter Volksbildung - den
Aufruf zur Bildung von Erziehungsvereinen vor; wie der ganze Kreis, so ergriff ganz [zuerst] /
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[der] wackerer Herr Pfarrer [Meyer in Eichfeld], welcher zugleich lehrend erziehendes Glied desselben ist den Gedanken
und Plan für unmittelbare Ausführung im eigenen aus 4 Dörfern bestehenden Pfarr-
spiele indem er sogleich einige Männer desselben nannte von welchen er zum Voraus überzeugt
sey, daß sie dazu geneigt seyen. Und so war es wirklich: schon am 14n Febr: hielten wir
deßhalb unsere erste vorberathende Versammlung, zwar nur mit wenigen aber dagegen
um so lebenvoller von der Wichtigkeit der Sache durch drungenen Männern. Acht Tage darauf
hielten wir die 2e Versammlung und schon war sie um einige gewachsen. Wieder 8 Tage darauf
am 28en Febr: hatten wir die 3’ Versammlung. Schon brachten Väter ihre im Jünglingsalter
stehenden Söhne oder ihnen sonst verwandte Jünglinge als Glieder des Vereines mit, um
durch sie auf ein veredeltes Jugendleben besonders bei ihren geselligen Zusammenkünften
zu wirken. - In dieser Versammlung wurde es schon möglich die bisher im allgemeinen
besprochenen Vereinsbestimmungen nicht nur gleichsam als Statuten festzusetzen sondern
N° 1) auch zu unterzeichnen. Ich bin so frei Ihnen solche zur Prüfung angeschlossen zu übersenden[.]
Schon früher hatte das rege Interesse unseres Herrn Pfarrers an der Sache zweien ihm
befreundeten Geistlichen der Nachbarschaft den Gedanken und Plan der Erziehungsvereine
mitgetheilt. Die Theilnahme die auch sie schon mündlich für den Gegenstand bewiesen wieder-
N° 2,3,4) holten sie uns bald schriftlich; wie sie uns auch aus dem Meiningschen zugesichert wurde.
Ja der Herr Pfarrer Heubel in Schwarza fand sich sogar veranlaßt unsere obengedachte
3e Versammlung zu besuchen, wo er sich denn sogleich, durch die rege Behandlung des Gegen[-]
standes von Seite der Bauern, bewogen fand, dem Verein als Mitglied beizutreten.
N° 5) Nur wenige Tage darauf schrieb er uns sogar den Brief N° 5., welchen ich wie das
vorige und folgende abschriftlich beilege um Ihnen Sie den Grad ihrer Theilnahme in ihren
eigenen Worten lesen zu lassen. - Auch der als Schriftsteller vielbekannte Dr. /
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Schumann Wohlfahrt, Pfarrer in Kirchhasel nächst Rudolstadt ergriff die ihn mitgetheilte Idee mit lebhaftem Interesse
und wie weit sich dieß bis jetzt thatsächlich förderlich entwickelte mögen Ihnen die beiliegenden
N° 6 u 7) Briefanzeige[n] N° 6 u 7 selbst aussprechen.
Doch auch die schon oben erwähnte Theilnahme unseres trefflichen Herrn Archidiaconus M. Schumann
in Rudolstadt wollte und will sich immer noch mehr bethätigen. Auch er mag mit seinen eigenen
N° 8) Worten Ihnen dieß in dem Briefauszuge N° 8 bezeugen.
Dieß die persönlichen Entwickelungen in der nächsten Nähe wozu noch die weitere Veröffent[-]
lichung des Aufrufes in dem Thüringer Volksfreunde kam.
Aber auch ein vielgelesenes und weitverbreitetes Volksblatt die Dorfzeitung fand sich veranlaßt
in ihren Spalten auf den Aufruf, sein Wesen und seine Bedeutung hinzuweisen. Ob ich gleich nicht
zweifle daß Ihnen jene Zeilen zu Gesicht gekommen sind, so erlaube ich mir doch dieselben
hier, um der Vollständigkeit des Ganzen und besonders um des nachfolgenden Briefes
N° 9) willen hier unter N° 9 abschriftlich beizufügen.
Durch diese Anzeige veranlaßt empfing ich von den Herrn v. Pfaffenrath dem Mit-
herausgeber des Allgemeinen Deutschen Volksblattes zu Saalfeld, den ebenfalls in wört-
N° 10) licher Abschrift hier unter N° 10. beikommenden Brief.
Im gleichen Sinne wie die Dorfzeitung spricht mir ein so eben im Interesse desselben Ge-
genstandes aus Eisenach geschriebener Brief aus: - ”Was hilft eine deutsche Kirche, ohne
”deutsche Schule, deutsche Erziehung? - Darum suchen wir noch gleichgesinnte Männer.
”Wir werden solche finden.”
Möchten diese Mittheilungen Ihrer aufrichtigen Theilnahme einige Freude machen, möchten
Sie [sc.: sie] Ihnen, Hochzuehrender Herr Hofrath, aber auch Beweise des sich regenden, so gediegenen als
warmen Antheils an dem Aufrufe und vor allem an der Ausführung seines Gedankens
geben. Möchten Sie sich besonders dadurch veranlaßt sehen, dem noch so jungen zarten
Kindlein die Pflege des Mannessinnes und der Manneskraft angedeihen zu lassen,
welche[r] es noch so sehr bedarf. Möchte es Ihnen ganz besonders gefallen sein[e] Erscheinung
und sein Wesen, wie sein Wollen, in dem richtigen Verhältnissen zu den augenblick-
lichen Zeitforderungen - den dankbaren Lesern Ihres so viel Gutes befördernden Volks-
blattes zu zeigen, wie es sowohl die Dorfzeitung versucht, als ganz besonders -
und dieß ist mir das Wichtigste - der Brief aus Eisenach anzudeuten sucht.
Alle die jetzigen Verbesserungen, dünkt mich, bauen überwiegend nach oben; dieß
mag für den bis jetzt nöthigen Bau recht gut und angemessen seyn, soll sich aber
das Werk zu dem großen deutschen Einigungsdome erheben, dann dünkt es
mich, muß der Grund viel tiefer und breiter gelegt werden - wie das, ich er-
wähne es nochmals - der Brief aus Eisenach andeutet. Von dieser Seite nun möchte
ich, daß es Ihnen, verehrtester Herr Hofrath, gefiele, den Aufruf und seinen
Zweck beleuchtend dem Publikum - und so seinem Herz, wie seiner Einsicht nahe zu
bringen, für das was er zum Wohle des Ganzen, wie des Einzelnen anstrebt seine Mitwirkung zu wecken.
Wenn ich gleich wegen dieser langen Mittheilung um Verzeihung bitten muß,
so kann ich doch nicht umhin dazu noch die Bitte zu fügen mir ferner Mitthei-
lungen über den Gegenstand gütigst zu erlauben.
Ihr

hochachtungsvoll
Ergebener
FriedrichFröbel

Vieleicht interessirt es Sie noch zu wissen,
daß unser würdiger Herr Pfarrer Meyer
Vorsteher des Vereines und unser Herr Middendorff
dessen Sekretär wurde.
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