Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karl Ludwig Nonne in Hildburghausen v. 20.3.1845 (Keilhau)


F. an Karl Ludwig Nonne in Hildburghausen v. 20.3.1845 (Keilhau)
(BN 236, Bl 3, hier: 3R-3V, undat. Entwurfsfragment 1 Bl 4° 2 S. auf Rand anderer Texte; BN 583, Bl 22-23V dat. Reinschr. 1 B 4° 3 S. mit einigen wenigen Korrekturen.)

a) undatierter Entwurf

[3R]
Ihr so Sie haben einen solchen so sprechenden un<zweideutigen>
Beweis Ihrer förderlichen Theilnahme
Ihr für Volksbildung so wesentlich
Wirksames Blatt hat durch Ihre
Sie haben einen so hocherfreulichen Beweis
Ihrer förderlichen Theilnahme an der allgem[einen]
Ausführung der Bildung von
Erziehungsverein[en] durch deutsche Männer
u Väter
d[urc]h Ihre so entsprechende Einführung
des sie betreffenden Aufrufes in das größere Publikum
in N 36 Ihres für Volksbildung so wesentl[ich] wirksa-
men Blattes gegeben, daß Sie es
natürl[ich] finden werden, wenn gleichsam der
Gedanke sich dad[urc]h
verpflichtet fühlt Ihnen hochver-
ehrter Herr Oberconsistorial Rath
sein[en] Dank dafür auszusprechen dar zu bringen. -
Dieß <Können> kann jedoch für Sie
wohl in keiner angemessenen Art
geschehen als in der Darlegung der
Mittheilung des bereits d[urc]h ihn
Bewirkten. –
Meiner festen Überzeugung getreu
jeder Gedanke muß sich zuerst
in seiner Wahrheit da bestätigen
wo er geboren ist, so war es
auch schon am 14 Febr daß d[urc]h die
thätige Mitwirkung unseres sehr
würdigen u strebenden HErrn Pfarrer
Meyer in Eichfeld der erste
Erziehungsverein für den im
Aufrufe bezeichneten Zweck in
unsrem Pfarrspiele u Pfarrdorfe
Eichfe[l]d entstand. Schon bei
der 3[en] Versamml[ung] wurden um dem
[Verein] die nöthige Best Festigkeit zu Wirksamkeit zu
geben die VereinsBestimmungen besprochen
u festgesetzt. - Ich erlaube
mir Ihnen solche zur Prüfung bei-
liegend abschriftl[ich] zu übersenden.
In dieser 3n Versamml[ung] war
auch der in seinem Berufe gleich /
[3V]
hochgeachte[te] HErr Pfar[rer]
Teubl [sc.: Heubel] aus Schwarza
bei Rudolst[a]dt gegenwärtig
u die Wirkung der Sache auf
die Leute machte
einen solchen Eindruck auf
denselben, daß er nicht
nur sogl[eich] dem Verein
als Mitglied beitrat
sondern nach einer Vorbe-
rathung am 3 März - am 10
 März auch einen Erziehungs
Verein für seine Gemeinde
gründe[te] - vergl[eichen] Sie
gefälligst die Bl[ätter] No [2. 5. 10].
Nicht minder thätig zeigte
sich der d[urc]h seine treffl[ichen]
Bibelarbeiten viel
bekannte HErr Dr. Wohl-
farth
[Pfarrer] in Kirchhasel
bei Rudolstadt, so wohl
nach der Ferne hin
als auch in seiner nächsten
Nähe u eigen[em] Pfarrspiel.
Vergl. Sie gef. d. Bel. No [6 u. 7].
Wichtiger war es jedoch
noch, daß sich auch in
unserer Landesstadt Ru[-]
dolstadt ein in sein[em]
Berufe hochgeachtet[er] Mann
der HE. Archidiaconus M. 
Schumann
für die Ausführung
des Gedankens von dessen Wichtigkeit tief überzeugt förderl[ich]
wirksam zeigte. Vergl[eichen]
Sie gef. die Beil. No [3. 9. 11.]
Aber auch äußerl[ich] unseres
Heimatländchens sollte
der Gedanke Anklang finden u Männer für Ausführung desselben wecken,
so z.B. in Salza, Neustadt a. d.O. und Saalfeld.
Vergl. Beil No [4. 8. 12.] Ebenso besonders auch der HErr <Archidiacon Dachels>, welcher
noch den Gedanken und Urtheil zur Ausführung
eines Erziehungsvereines für Saalfeld pflegend festhielt[.]
So lagen also schon Beweise für die Ausführbarkeit des Gedankens in
Stadt und Land vor und Urtheile stimmberechtigter so wohl wissenschaftlich gebildeter
als lebenserfahrener Männer über die Nützlichkeit, Wichtigkeit u Zeitgemäßheit
der beabsichtigten Erziehungsvereine [.]
Möchten sich nach den nun bereits vorliegenden Erfahrungen wie auch mehrere Männer
an verschiedenen Orten finden, um den Gedanken gleicher
praktischer Prüfung zu unterwerfen. Um Ihnen Hochzuehren[der] HEr Oberconsist: Rath
nicht durch meine persönliche Auffassung, die Prüfung der [bricht ab]

b) korrigierte Reinschrift

[22]
Sr Hochwürden dem Herrn Oberconsistorialrath und Dr theol: Nonne in Hildburghausen

Keilhau b. Rudolstadt am 20 März 1845.

       Hochzuehrender Herr Oberconsistorialrath.

Sie haben einen so erfreulichen Beweis Ihrer förderlichen Theilnahme an der Bildung von
Erziehungsvereinen, durch Ihre so entsprechende Einführung des sie betreffenden Aufrufes
in das größere Publikum durch No 36 der Dorfzeitung gegeben, daß Sie es ganz in der Ord-
nung finden werden, wenn gleichsam der Gedanke selbst sich dadurch verpflichtet fühlt,
Ihnen Hochverehrtester Herr Oberconsistorialrath seinen Dank dafür darzubringen.
Wie könnte dieß aber wohl auf eine Ihnen entsprechendere Weise geschehen als in der
Mittheilung des bereits durch den Gedanken wirklich Bewirkten, und so bitte ich Sie auch das
Nachfolgende gütig aufzunehmen:
Meiner festen Überzeugung getreu, jeder Gedanke muß sich zuerst in seiner Wahr-
heit bestätigen, wo er geboren wurde; so war es auch schon am 14 Febr daß durch die thätig[e]
Mitwirkung unseres sehr würdigen und strebenden Herrn Pfarrer Meyer in Eichfeld (:<uns[e-]>
rem Pfarrdorfe:) der erste Erziehungsverein für den im Aufrufe bezeichneten Zweck, in <uns[e-]>
rem Pfarrspiele entstand. Schon bei der 3en Versammlung wurden um dem Vereine <wei[te-]>
re Wirksamkeit zu geben die Vereinsbestimmungen besprochen und festgesetzt. Ich erlau[be]
mir solche zu Ihrer Prüfung in No 1 abschriftlich beizulegen. In dieser 3en Versammlu[ng]
war auch der in seinem Berufe gleich hochgeachtete He. Pfarrer Heubel aus Schwarza b. <[Rud.]>
gegenwärtig. Die Wirkung der Sache auf die versammelten Männer auch Jünglinge machte <e[inen]>
so wohlthätigen Eindruck auf denselben, daß er nicht allein dem Verein als Mitglied beitre[ten]
sondern nach einer Vorberathung am 3' März am 10' März auch einen Erziehungsverein für
seine Gemeinde gründete. Vergleichen Sie gefälligst in der Beilage No 2. 5. 10.
Nicht minder thätig zeigte sich der durch seine trefflichen Bibelarbeiten vielbekannte
He. Dr. Wohlfarth, Pfarrer in Kirchhasel b. Rud. sowohl nach der Ferne hin als auch <[in]>
seiner nächsten Nähe und eigenem Pfarrspiele. Vergl. Sie gef. in d. Beil. No 6 u. 7. /
[22R]
Wichtiger war es jedoch noch, daß sich auch in unserer Landesstadt Rudolstadt ein, in
seinem Berufe hochgeachteter Mann der He. Archidiaconus M. Schumann, für die Aus[-]
führung des Gedankens, von dessen Wichtigkeit überzeugt - förderlich wirksam zeigte.
Vergleichen Sie gef. in der Beil. No 3. 9. 11.
Aber auch außerhalb unseres Heimatländchens fand der Gedanke Anklang und Männer dafür
W wirksam besonders in Saalfeld. Vergl. S. in der Beilage No 4. 8. 12.
So lagen also dort schon einige Beweise für die Ausführbarkeit des Gedankens in
Stadt und Land vor, und Urtheile stimmberechtigter, sowohl wissenschaftlich gebildeter,
als lebenserfahrener Männer über das Nützliche, Wichtige und Zeitgemäße der Erziehungs[-]
vereine; um nun aber diesen Wirkungen des Gedankens durch meine persönliche Auf[-]
fassung desselben nicht eine falsche Färbung zu geben, habe ich in der Beilage, das mir
darüber schriftlich Zugekommene mit den eigenen Worten des Mittheilenden bei[-]
gefügt.
Möchte nun, das Ausführung und That immer wieder zur Ausführung und That ermu[-]
tiget und kräftiget, das hier mitgetheilte im Stande seyn Ihnen Veranlassung zu geben
den Lesern Ihres für Volksbildung so wesentlich wirksamen Blattes, Muth und Vertrau-
en erweckende Mittheilungen über das bereits Geschehene zu machen.
Ja, verehrtester Herr Oberconsistorialrath! ich wünschte wohl, daß Sie persönlich
bei dem, bisher mit den einfachen Männern Verhandelten gegenwärtig gewesen wären
um sich selbst unmittelbar von dem erfreulichen, man darf wirklich schon sagen, seegens[-]
reichen Wirken dieser Vereinigung zu überzeugen; denn was ist denn eigentlich der
innerste und letzte Zweck dieser Erziehungsvereine: - In jeder einzelnen Person rück-
sichtslos auf Geschlecht, Alter, Beruf und Stand, wie in jedem kleineren oder größerem
Ganzen, sey es Familie oder Gemeinde, das mehr oder minder noch schlummernde, wenig-
stens in seinem Wesen Ziel und Zweck noch nicht klar bewußt[e] Erziehungselement, nicht nur den Trieb u.
das Streben nicht nur zur Selbsterziehung und Bildung für sich und seine nächsten Kreise
zu wecken, frei zu machen, zu klären, kräftigen, sondern ihm jedem an seinem Ort auch zur Wirksamkeit dieses /
[23]
Elementes, zur Befriedigung dieses menschenwürdigen Triebes, zur Ausführung dieses
höchsten Strebens die einfachen, so oft im eigenen Leben und Verhältnissen wie auch in der Na-
tur besonders für Christen ganz nahe liegenden Mittel und deren richtigen Gebrauch ken-
nen zu lernen, um sich so mehr oder minder klar die bei aller äußer[n] Verschieden[heit] der Äußern Erscheinung doch innere Einheit des Erziehungszweckes und Zieles
und der Nothwendigkeit der Erziehungsgesetze und der Unerläßlichkeit ihrer Gesetze <Befähigung> bewußt zu werden, so wie
auch mehr oder minder klar einzusehen daß das ganze Leben ein erziehendes Herauswirken
und Aufnehmen und demgemäßes Handeln und Schaffen, dem Ziele der Menschheit ent-
gegen ist, welches wir als Christen so klar erkennen, als einfach ihm als solche nachleben können.-
Ich nach meiner tiefsten Überzeugung muß dieses Streben: die Bildung des
Menschen, im einigen, unverkürzten Zusammenhange mit den gesammten Lebensganzen,
aus dem Innern zu entwickeln, besonders durch geweckte Selbstthätigkeit, (allein nicht
durch etwas von Außen Aufgeprägtes) zu bewirken - für so ersprieslich und seegensreich,
als jetzt wirksam und zeitgemäß erkennen, und somit auch als alles das gebend, was wir als
Menschen, Volk, Familie, Familie, Individuen und Christen besonders jetzt ersehnen
und deßhalb halte ich die Bildung der Erziehungsvereine im Ganzen wie im E[in]zelnen für
uns Deutsche jetzt besonders über alles wichtig denn - sie mach[en] den Geist frey. Eine Anschauung, ein
Gleichniß für diese Überzeugung giebt mir der Baum: - denn wie ein Baum erst mehrere
Jahre nur Blätterknospen treibt, und später Blüthenknospen aus sich entwickelt, dann
aber in diesen Blüthen in der Stille die Früchte ansetzt und diese an der Sonne der Natur zur
Reife bringt; so meine nun ich, soll auch die Menschheitblüthe, welche in jedem Menschen ruht,
sich in dem Innern desselben entfalten und gewiß die an der Sonne des Lebens gereiften, längst
ersehnten Früchte bringen[.]
Möchte diese, wie mich dünkt so einfache als natürliche Idee, welche sicher zum Ziele führt
und doch in kein Lebensverhältniß störend eingreift, sondern jedes nur zu der ihm von
Gott bestimmten Vollkommenheit bringt, möchte sie in Ihnen einen pflegenden Obs[t-]
gärtner und dadurch fin viele treue Mitarbeiter finden und bald, bald würde es im lieben
deutschen Vaterlande anders und besser stehen denn es handelt sich hier blos um treue Beach[-]
tung und Pflege des Allseitig von Gott gegebenen.[Text bricht ab]