Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Heubel in Schwarza v. 31.3.1845 (Keilhau)


F. an Heinrich Heubel in Schwarza v. 31.3.1845 (Keilhau)
(FMMO, Brieforiginal 1 B 4° 3 S. ohne Adressatangabe. Adressat erschlossen aus dem im Brief genannten Partnerbrief v. 15.3.1845 [BN 477]. Heinrich Heubel ist Ehemann von F.s Halbbruder Karl Popos Tochter Flora und Pfarrer in Schwarza. Bei der auf 1V genannten und zitierten "Gegengabe" handelt es sich um eine Abschrift F.s des Briefs von Sommer an F. v. 27.3.1845 [BlM XV,2, Bl 53-54; Zitat hiesiger Brief 1R aus 53R]. Diese Abschrift befindet sich schlecht erhalten [1 Blatt 4° mit Einrissen und fehlenden Teilen] ebenfalls in FMMO.)

Keilhau am 31 März 1845.

Hochgeehrter lieber Herr Vetter.

Noch bin ich Ihnen meinen Dank für Ihren freundlichen Brief vom 15en
dieses schuldig welcher mir die feste Gründung eines Erziehungsver-
eines auch in Ihrer so achtbaren Gemeinde ausspricht. Daß mir diese
Nachricht ein recht erwünschtes Geschenk war und ist bedarf ich nicht
erst auszusprechen, so wie besonders auch die Mittheilung der verständigen
Äußerungen womit der lebenserfahrene Sinn dieser wackern Männer
die Gründung begleitete. Für solche freundliche und erfreuliche Mitthei-
lungen wünschte ich nun wohl eine entsprechende Gegengabe, ohne jedoch
auf solche gewartet zu haben, so ist es mir doch gar sehr lieb sie gerad
empfangen zu haben als ich im Begriff bin Ihnen meinen Dank für Ihre gütige Mittheilung
und Ihrem achtbaren Erziehungsverein den
sehr brüderlichen Bewillkommungsgruß von unserm Eichfelder Verein
auszusprechen. Die Mittheilung Ihres lieben Briefes wirkte, wie es
nicht anders seyn konnte erfreuend, ermuthigend und bekräftigend
auf den unsrigen welcher mit jeder Versammlung an Mitgliederzahl
wächst; haben Sie die Güte Ihrem Vereine Gruß und Wirkung aus[-]
zusprechen. So sich gegenseitig hebend, kräftigend und klärend werden
die Erziehungsvereine ihr eben so einfaches als schönes und hohes Ziel
wenn auch nur allmählig erringen.
Was ich Ihnen nun geehrtester, lieber Herr Vetter als Gegen-
gabe für Ihren jüngsten Brief zu bringen habe ist ein Brief unseres
hochachtbaren Herrn ConsistorialAssessors und Professors Sommer
in Rudolstadt welchen ich vor ein paar Tagen in dieser Angelegenheit
von ihm empfing. Obgleich dieser Brief nur ein Privatbrief ist
so erhält er doch für uns Begründer und für alle Mitglieder der Er-
ziehungsvereine eine große Wichtigkeit indem derselbe durch seine /
[1R]
amtliche Stellung des Herrn Professors als LandesschulInspector
eine halbofficielle Bedeutung bekommt, und in dieser Beziehung
ist vor allem die Stelle des Briefes von uns allen zu beachten in
welcher es heißt: - "und so würde es meiner Ansicht nach gut
"seyn, wenn die höhere Behörde, nachdem erst einige Vereine sich
"gebildet und das Was und Wie ihrer Wirksamkeit erprobt hätten
"über die Sache vorläufig billigend und anerkennend und zu wei[-]
"terer Ausbreitung empfehlend sich vernehmen ließe.["]
Es spricht sich also hierdurch und durch die Fortsetzung des Briefes
klar aus unter welchen Bedingungen wir de nicht nur der Leistung
sondern auch der Förderung der Angelegenheit durch die hohe Landes-
Erziehungs- und Schulbehörde uns zu erfreuen haben werde[n]; und ich
bin in mir fest überzeugt Ihr Verein wird unter Ihrer Leitung
mit dem unsern Hand in Hand diese Bedingungen zu erfüllen suchen
damit wir bald der genannten Behörde vorlegen können wie "die
Idee auch im Einzelnen ihrer Durchführung sich bewährt hat."
Ich hoffe daß die Mittheilung dieses Briefes an ihren [sc.: Ihren] achtbaren Verein
bei demselben dieselbe hocherfreuende Wirkung hervorbringen wird
welche sie in unserm Eichfelder Verein bewirkte.
Daß übrigens die Erziehungsvereine sich immer mehr als einem
Zeitbedürfnisse entsprechend herausstellen werden geht mir auch
aus einer Äußerung in einem der allerjüngsten Blätter des Allg.
Anzeigers der Deutschen hervor.
In No 84 desselben vom 29 März S. 1176 heißt es nemlich am
Schlusse eines "Schul- und Erziehungswesen" überschriebenen
Artikel[s], wie ich es wörtlich der beiliegenden Abschrift d[es] He. Prof. Sommer
beigefügt habe. Gestützt auf beide werden Sie nun geehrtester
Herr Vetter gewiß nicht unterlassen auch die Ihnen befreundeten
Herrn Amtsbrüder, welche mit Ihnen zur Förderung ihrer Gemeinden
gleichen Sinn in sich tragen, gelegentlich auf die Bildung von Er- /
[2]
ziehungsvereinen aufmerksam zu machen, und wo ihr wohl-
wollendes Wort Eingang findet, zugleich dahin wirken, daß alle
wir bestehenden Erziehungsv[er]eine ein lebenvolles brüderliches
Ganze[s] zum Wohl des Einzelnen wie des Ganzen und Aller bilden.
Es wird mich in dieser Hinsicht gar sehr erfreuen von Ihrem
Vereine recht bald weitere Kunde zu erhalten um solche zur
Fortentwickelung auch dem unsrigen mittheilen zu können.
Überhaupt bitte ich Sie so gütig zu seyn mir gelegentlich die
Tage der Zusammenkunft Ihres Vereines zu melden; er-
laubt es dann Wetter und Verhältniß, so werde ich Sie bitten
von Zeit zu Zeit mich dazu einfinden zu dürfen um Ihn dem
Verein manche Erfahrung aus dem Gebiete früherer Kinderpfleg[e]
zur Prüfung vorzulegen.
Erwähnung will ich doch kürzlich noch eines Gedankens thun
welchen gestern unser Herr Pfarrer am Tage unserer wie[-]
derkehrenden Versammlung aussprach, nemlich den: - aus
dem Gebiete des ganz gewöhnl[ichen] häuslichen und Kinderlebens
Fragen zur allgem: Beantwortung aufzustellen. z[.] B.
wie trotzige - oder lügenhafte rc Kinder zu behandeln seyen
erstlich während desselben, zur Abgewöhnung - nach Ablegung des
Fehlers zur Befestigung im Guten und vor demselben zur Verhin[derung]
Der Bote eilt -
          Mit seegens Gruß der Ihrige

FriedrichFröbel /
[2R]
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