Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 23.4.1845 (Dresden)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 23.4.1845 (Dresden)
(KN 56,45, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Dresden Mittwochs am 23. April 1845.

Lieber Barop.

Die Hochzeit Frankenbergs ist am Freitag Sonnabe[n]d unter den schönsten
Begleitleben und Vorbedeutungen gefeiert worden. Meine
persönliche Theilnahme so wie die Keilhaus überhaupt war
allen besonders aber Frankenberg[e]n und seiner nunmehrigen
l. Frau ein hohes Festgeschenk; doch darüber, wie über
die Feier der Hochzeit selbst mündlich.- Jetzt nur warum
ich nicht, wie ich noch in Leipzig berechnete, heut oder späte-
stens morgen nicht bei Euch eintreffen kann.
Auf Frankenbergs Hochzeit traf ich Dr Beger mit welchem ich
viel verkehrte; er zeigte sich für die literarische Fortpflege
des Ganzen sehr geneigt; doch erlaubt es ihm eine gleich am
folgenden Tag (Sonntags) begonnene Reise nicht mit mir
weiter deshalb zu verkehren, erst Morgen, Donnerstags Nach-
mittags wird dieß möglich; die Umstände zeigten sich mir
aber so wichtig, daß ich die Gelegenheit dazu nicht vorüber
gehen lassen durfte ohne die Wirku[n]gen dieser Theilnahme u
Erneueru[n]g bleiben[d] zu machen zumal da ich überdieß
noch einen besondern Freund Dr Begers, den Her[r]n Dr Hofer
kennen lernte, welcher außer allgemein[em] Interesse am [sc.: an]
dem Gegenstande der frühen K[in]d[e]rpflege überhaupt, noch be-
sondere Theilnahme an den Erzieh[un]gsvereinen zeigte; so
daß es möglich ist, daß nach Mitberathung mit Dr Beger
sich hier in Dresden doch am Ende sich noch etwas für [die] Aus[-]
führu[n]g eines Erzieh[u]ngsvereines thun läßt.
Auch in Zaukerode zeigt sich Bergverwalter Lindig für
die Sache geneigt, so wie ich einen Kindergarten in se[i]nen
Bereich von neuen [sc.: neuem] in Anregung brachte.- Morgen
soll ich auch über diese Fortentwickelung der Sache Nach[-]
richt bekommen, vielleicht von ihm, d[em] He. BergVW.
Lindig und einigen seiner Freunde selbst hier einen
Besuch, um den Gegenstand sogleich weiter zu besprechen.
[1R]
Vor Freitags (den 25') Abends oder Sonnabends (den 26)
früh werde ich daher nicht von hier abreisen können.
Nun aber scheinen mir auch die Vereinen oder die
Volksversamml[u]ngen an der Elbe, besonders die persön-
liche Bekanntschaft mit ihrem Ordne[r], dem Her[r]n Pastor
Uhlig in Pömmelte wichtig. Ich höre von diesem nur Gutes
was ihn als einen, allgemein als tüchtig anerankannten [sc.: anerkannten] Mann
bezeichnet; darum denke ich von hier über Leipzig nach
Pömmelte bei Magdeburg zu gehen, wo ich sonach nun
erst in nächster Woche nach Keilhau zurück kehren
werde; es thut mir dieß gar sehr leid; allein
alles, alles hängt jetzt vom persönlichen Einwirken
ab; wo dieß erscheint da zeigt sich sogleich Leben;
und unser Lieber Fr. könnte hier jetzt ungemein für
das Allgemeine nützen wenn er es mehr und leben-
voller nicht im Auge blos sondern auch im Willen und der
That festhielt; doch hat sich leider der Durchfall bei ihm
bestätigt, über welchen von W. aus Kunde nach K. kam
welches welcher ihn nun noch besonders für das allgemeinere
Fortwirken für die Sache in dem Augenblick geschwächt
hat bis da wieder eine höhere Lebensstärkung eintritt[.]
Über alles dieß mündlich - alles aber bestätigt sich
mir - daß im Leben Unglaubliches davon abhängt ob
eine Person sich im rechten Verhältniß zum großen
Ganzen erkennt und dem getreu handelt. Frkbg in
dem Streben sich persönlich auf Kosten des Ganzen fest
zu halten, hat sich unglaublich geschadet, wenn er es
es [2x] auch selbst wohl nicht, in seiner Gutmüth[i]gkeit
will ich sagen einsieht.- Offen gesagt so steht Frkbrg
jetzt obgl. Bürger von Dresden, in Beziehung auf sein erziehe[n]d[e]s
Wirken, in hohem Sinne ganz Bodenlos da - die Thatsache
spricht nicht - der Erfolg entspricht nicht - seine Beurkundung
pädagogischer Ein- Über- und Durchsicht spricht nicht.- An der
Idee als solche hat er sich nicht e[i]gentlich festgehalten.- Was
die Frau nun giebt, d[a]s muß die Zukunft lehr[e]n.
Von allen Fre[u]nden Grüße bald mehr von Eurem
DFrFröbel

[1V]
[Nachschrift auf dem Rand]
Unsern l. He. Pfarrer grüße besonders u sage ihm daß die Idee der Erz. Vereine überall Ankla[n]g finde - nur Thatsachen müßte[n]
wir in Eichfeld rc liefern; Eichfeld ist darum höchst wichtig, recht bald etwas Öffentliches darüber.
NB Ich eile zurück, nur darf ich nichts versäumen.