Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Robert Kohl in Neustadt a.d.Orla v. <?>5.1845 (Keilhau)


F. an Robert Kohl in Neustadt a.d.Orla v. <?>5.1845 (Keilhau)
(BN 519, Bl 3-6, undat. Reinschrift 1 ½ B fol 6 S. Abschr. Kohls. Bl 3 = Deckblatt. Adressatort und Datierung: Kohl war Musiklehrer in Keilhau, lebte 1845 in Neustadt an der Orla und war an der Entwicklung des dortigen Erziehungsvereins zur Gründung eines Kindergartens beteiligt, auf den F. 6V anspielt. Vgl. auch Brief F.s an Barop v. 31.5.45, 1R/2V. Datierung dieser Briefabhandlung F.s auf Mai 1845, da F. 6R den im Mai 1840 entstandenen Blankenburger Spielkreis als ”seit fünf Jahren” existierend bezeichnet.)

[4]
Äußere Bedingungen und
Kostenbetrag
eines
zu errichtenden Kindergartens

Obgleich die Grundsätze eines zu errichtenden Kindergartens einfach, klar und
bezeichnend, dessen Geist sehr bestimmt und dessen Lebensausdruck eigenthümlich
u charakteristisch sind; so sind doch, wirklich merkwürdiger Weise, ganz im Gegen-
theil mit diesen unabänderlich Bleibenden: Grundsätze, Geist und Lebensausdruck, die
äußeren Bedingungen und somit auch der Kostenaufwand eines auszuführenden Kinder-
gartens ganz beweglich und im Allgemeinen, genau gar nicht bestimmbar. Ich halte
dieß aber für eine ganz vorzügliche Eigenschaft der Kindergärten, weil sie sich in Bezieh-
ung auf Äußeres, auf Bedingungen und Kostenbetrag in der Ausführung an jedes bestehen-
de Verhältniß anschmiegen. Es ist dies der schlagendste Beweis der Allgemeingültigkeit und
allgemeinen Anwendbarkeit der Idee, des Gedankens der Kindergärten. Der Grund davon
ist: man kann den Kindergarten der Zahl der Kinder nach eine größere od. geringere Aus-
dehnung geben; schon das Alter bis zu welchen man herabsteigen will, macht eine kleine Ver-
schiedenheit, weil z. B. wenigere 1 ½ od. 2jährige Kinder mehr Aufsicht fordern als
mehrere 4 und 5jährige.Man kann ferner die Zeit während welcher man die Kinder
des Tages entwickelnd beschäftigt auf eine größere Stundenzahl ausdehnen oder auf eine
geringere beschränken. Man kann weiter einen Kindergarten nur auf das Haus und Zimmer
beschränken (: wie man ja auch wirkliche Stuben- ja sogar Fenstergärten hat:) man kann den
Kindergarten auf Stube Haus und Hof ausdehnen; ja man kann ihn aber auch über Stube und Hof
(:oder Spielplatz im Freien:) hinaus sogar bis [zum] eigentlichen Garten der Kinder erweitern; das
Versammlungslocale der Kleinen kann eine Familienwohnung sein, es kann dies Local
sogar von 8 zu 8, oder 14 zu 14 Tagen, od. von Monat zu Monat wechseln, od. es kann
eine bleibend dazu bestimmte Wohnung und diese kann wieder gemiethet blos, oder gekauft
sein. Unter allen diesen Bedingungen läßt sich – wenn guter Willen, Liebe zu den Kindern,
Streben und Lust zu der Ausführung der Idee ist – ein wirklich lieblicher Kindergarten ausführen.
Ich selbst und Herr Middendorf[f] haben es unter den ganz verschiedensten und den angeführten
oft ganz gleichen Umständen in Keilhau -–Blankenburg – Rudolstadt – Hildburghausen u Dresden gethan.
Ein ächter Kindergarten gleicht einer Kugel, einen Würfel, er vereinigt immer unver-
kürzt alle seine Eigenschaften in sich, er sei groß od. klein, wie jeder Würfel alle würflichten
jede Kugel alle kuglichten Eigenschaften in sich schließt, es sei nun jeder von Beiden so groß oder
klein als es wolle.
Nur die Neigung, der Wille, die Lust, die Liebe, die Hingabe, der Geist der ausführenden
Person, der <theil> aller, diese Person muß ächte Gärtnernatur haben daher nenne ich sie am liebsten
Kindergärtner” oder ”Kindergärtnerin” und ich wünschte wohl, daß diese Benennungen, hier bei-
läufig gesagt, allgemein würden, denn in ihnen liegt alles; das ganze Criterium für eine
solche Person ist in diesen Namen gegeben nur ist er keineswegs eine Sonderbarkeit o. Eigenheit
von mir, welche[r] ihn schuf. –
Doch zur Bestimmung des Kostenbeitrags zurück. Nach der Größe des Kindergartens
nach seiner Ausdehnung in jeder der oben abgegebenen Bedingungen, kann er nur eine einzige
Person sein, die ihn führt; es kann derselbe eine Führerin und ein beistehendes Mädchen fordern;
ja es kann derselbe aber eine wirkliche Kindermutter od. Wärterinn, eine Führerin od. wie ich es /
[4R]
nannte Kindergärtnerin und eine dienende Gehülfin, letztere auch wohl sogar 2
fordern, wie es in größeren Anstalten z.B. in Gräfstadt und Coburg der Fall ist.
Je nachdem nun eine solche Person mehr oder weniger Zeit auf die Anstalt verwendet
wird sie natürlich auch reichlicher od. weniger reichlich vergütet. Ich will Ihnen in einiger
Zeit von mehreren Anstalten die bestimmten Unterhalts- und Herstellungskosten angeben.
Jetzt erlauben Sie mir einige Preisbestimmung anzugeben, welcher ich mich eben erinnere.
Die hier gebildete Amalie Henne bekam als Kindergärtnerin in Hildburghausen
monatlich nebst freier Wohnung 4 rth Pr.Crt. hatte die Kinder von früh bis Abends
zu beschäftigen; die Zahl der Kinder war 30-40. Ihr zur Seite stand noch, da die Kinder
auch in der Anstalt beköstigt wurden, eine Hausmutter; doch trat diese nur selten
bei der Kinderführung hinzu. – Jetzt ist dieser Amalie Henne das Ganze übertragen
indem die Hausmutter ausgetreten ist, hat noch ein Mädchen für die Küche als Köchin zur Seite
und bekommt nun monatlich 6 1/4 rth pr.Crt: - Als ich hier eine Kindermutter anstellen wollte,
welche mit ihrer Tochter alles zu besorgen hatte, der dann die Kinder dann auf den ganzen
Tag (nur Mittags nicht) ihrer Beachtung u ihrer Tochter Mithülfe übergeben waren, forderte
diese Frau jährlich 75 rth Pr. Crt.- Dieß aber zerschlug sich – Später wollte eine gewisse Fräul F.
die Stelle als Kindergärtnerin hier übernehmen; diese wollte abwechselnd bei den Eltern der
theilnehmenden Kinder täglich speisen u forderte 40 rth Pr. Crt. Jährlich allein bei einer Kinder-
zahl von 50-60.
Herr Menger in Rudolstadt bekommt rth 60 u 40rth also 100 rth nebst freier Wohnung
und 6 Klafter Holz jährlich für sich und zur Heitzung zweier Spiel[-] und Beschäftigungsräume
der Kinder. Dafür muß er:
1) täglich während 3 Stunden, wenn es 30-40 Kinder sind und während 2 mal 3 Stunden
        (vormittags u nachmittags) wenn es 50-60 Kinder sind, sie beschäftigen. Hierfür
        wird Wohnung Holz u 60 rth gerechnet.
2) muß er täglich 1 Stunde Vormittags während ohngefähr 4 Monaten 30-40 Kinder in
        der fürstlichen Bewahranstalt beschäftigen, hierfür wird 40 rth gerechnet.
3) Außerdem muß H M. noch die Gärten der Kinder besorgen, jedoch steht ihm dabei ein
        fürstlicher Gartengehülfe bei der ersten Einrichtung zur Seite. –
4) Noch steht ihm eine Wärterinn zur Seite welche wöchentlich 8 gr glaub ich erhält, diese
        muß einheizen, auskehren pp.
Hat nun aber eine Stadt od. ein Eltern- und Bürgerverein irgend über eine entsprech-
ende Summe zu gebieten, sei diese nun der Ertrag eines stehenden Fonds od. werde sie
collectiv zusammengebracht od. durch beides wie gewöhnlich zugleich, so würde ich, wenn
es nur einigermaaßen möglich wäre, rascher das Ganze mit einer gewissen Selbständigkeit
auszuführen [suchen]. Wie ausgesprochen, so trägt die Zahl der Kinder nichts dazu bei und muß
gleiche Selbständigkeit bei 12 wie bei 60 Kindern statt finden, nehmen wir nur eine
Mittelzahl von 20-30 Kindern an.
Das erste Bedürfniß ist wenigstens ein großes geräumiges Spiel- Beschäftigungs- u Lebe-
zimmer.
Ist die Zahl der Kinder größer od. sind viel Knaben dabei, besonders von lebe- und springlustig-
er Natur, so ist es sehr angemessen, wenn zu besondern Übungen für diese, noch über einen
2ten Raum, sei er Stube od. Vorplatz, letzter doch von angemessener Größe verfügt werden
kann.
Zur weitern Bestimmung des noch nöthigen Raumes ist weiter zu wissen nöthig: -
ob sich die Kinder sogleich nach Tisch wieder im Raum des Kindergartens versammeln
od. ob sie, d.h. die Kleineren zwischen 1 ½ u 3 Jahren erst zu Hause ihren nöthigen Nach-
mittagsschlaf machen. Ist das erstere, so ist auch noch ein kleinerer Raum nothwendig /
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worinn sich eine Einrichtung zum Schlafen für 4 bis 8 Kinder befindet. Welche Bettchen-Zahl von
der Zahl Kinder abhängig ist. Kommt die fragliche Anstalt zu Stande, so will ich gerne zu allen
diesen die weitere Nachweisung geben. In diese bettgestellartigen allein unmittelbar nur mit
kleinen durchnähten Strohmatrazzen mit eben solchen keilförmigen Kopfkissen. Diese Bettchen und Matrazzen
können dann gemeinsam mit od. jede einzeln mit einen weißen Lein- od. Betttuch bedeckt sein.
Ebenso kann die Decke, eine wollene od. eine durchnähte baumwollene; entweder wieder über
alle Bettchen od. Schlafstellen eine einzige od. es können davon so viele sein als es Bettchen sind.
Wir bräuchten also:
1) ein Hauptbeschäftigungs- und Spielzimmer für alle mit angemessener Größe nach Anzahl der Kinder.
2) ein besonderes Zimmer zu den mehr Raum erfordernden und lauteren Bewegungsspielen der Knaben, (:Jedoch kann dies unter Umständen auch wegfallen:)
3) ein Schlafraum zum Stellen der Bettchen für die Kinder. (Wie jedoch angegeben so kann auch dieser unter Umständen wegfallen:)
4) In das Hauptbeschäftigungszimmer darf man nicht unmittelbar von der Straße
gehen müssen, weil sonst bei nassen Wetter der Fußboden des Beschäftigungszimmers
leicht schmutzig wird; also bedarf es noch eines Vorplatzes. Hier kann nun die Vorricht-
ung zum Aufhängen der Mäntel, Hüte, Kappen pp. Angebracht werden so wie auch
eine Vorrichtung zum Waschen etwa schmutziger Kinder.
5) Ist die Anstalt aber zugleich auch Bewahranstalt für solche Kinder, welche in der
Anstalt nach Ankunft ganz umgekleidet werden müssen, so bedarf es auch hierzu
eines besondern Raumes.
1) Hauptbeschäftigungsraum
2) Raum für die regern u lautern Knabenspiele
3) Schlafraum für die Kleinen
4) Wasch- u. Umkleideraum
5) Endlich Vorplatz od. Hausflur: vor dem Hauptzimmer.
Sollen die Kinder in der Anstalt Mittags beschäftigt werden, so bedarf es noch 1) Küche 2) Vorraths-
oder Speisekammer 3) auch wohl eines Kellers. Wenn nun die an dem Kindergarten thätigen Personen noch in dem Locale mit wohnen sollen so bedarf es natürlich auch für diese die [sc.: der] nöthigen Räume. Doch ist dies letztere ja gar nicht nöthig und man erschwert sich durch solche
Forderungen nur die Ausführung, man erschrickt über die Menge jener und so unterbleibt diese.
Wie sich aber jene nach und nach entwickeln, so entwickeln und zeigen sich auch nach und
nach die Mittel zu ihrer Befriedigung. Hätte ich den ersten Weg gehen wollen und wäre
ich in meinem ganzen Leben nur den letzteren gegangen, so wäre kein Wartensee,
kein Willisau, kein Burgdorf, kein Griesheim, kein Keilhau, kein Blankenburg, kein Rudol-
stadt
er Erziehungs- u Kinderpflegeanstalt entstanden, der Gedanken der Kindergärten
Und des deutschen Kindergartens wären nie geboren worden, und der letztere würde
nie ausgeführt werden. Ich selbst habe mir in meiner Gutmüthigkeit in meinem Selbst-
in meinem Menschen- u. Gottvertrauen, dadurch die Ausführung des letzteren so sehr
erschwert, daß ich außer mir, an Andere hin, aussprach, was ich wohl ahnte, was die Aus-
führung in ihrer Vollendung kosten würde. Durch die Forderung jener Gesammtsumme sind
sind die Menschen wie vor den Kopf geschlagen u sprechen von Unmöglichkeit, während die
Ameisen und Bienen in Deutschland, deren es gewiß noch lange nicht so viel als Menschen sind /
[5R]
diese Summe zusammenbringen würden, wenn ich mich ihnen nur verständlich machen
könnte; allein so ist es, der stolze Mensch, wenn er seine ihm von Gott geschenkte Kraft an-
wenden soll, stellt sich ehe er es thut lieber unter das Thier – sei es eine Ameise eine Biene.
Ganz offen gestanden, ich wollte man ließ mich an den anfragenden Ort zur Ausführung
des in Frage stehenden Kindergartens kommen und dort sagte man zu mir: - Sehen Sie
Fröbel das möchten wir – das haben wir dazu – nehmen Sie es und nun machen Sie daraus
was Sie können. – ”Thun was nicht ist kann werden”, würde ich in Gott- in Menschen- in
Selbstvertrauen sagen, lasset uns nur vor allen GeistWahrheitLebenTrieb – u Willen
geeint mit Thatkraft und Ausdauer in das Ganze bringen; sehen Sie lieber Kohl! So würde
ich sagen u. so gewiß ein Keilhau, eine allgemeine deutsche Erziehungsanstalt, einzig u.
ganz allein durch jenes entstand, so gewiß würde dann auch in den fragenden Orten
der gewünschte Kindergarten sich von Stufe zu Stufe zur Vollkommenheit entwickelnd – er- u. entstehen, und mindestens bleiben bis der ganze Ort zu Einem Kindergarten geworden.
Dieß erstrebe ich für jeden Ort, wo ich einen Kindergarten errichte, erstrebe es für Blanken-
burg; der erste Ort aber, welcher es ausführt, wer er auch sei, ist der wahre deutsche
Kindergarten. –
Sie können sich aber auch blos, alle sich an den in Frage stehenden Ort vorfindenden
Bedingungen zur Ausführung eines Kindergartens (: er schließt eine Bewahranstalt in
sich :) mittheilen lassen: vorläufige Zahl der Kinder, bis zu welchen Alter herab, Localitäten,
dann läßt sich Weiteres bestimmen.
Doch jetzt liegt es mir ob, die weiteren äußern Forderungen zur Ausführung eines
Kindergartens anzugeben I. Mit dem Haus- u. Zimmerraum waren wir fertig. II ist
ein Spiel- od. Hofraum zu den Körperbewegungsspielen nöthig, daß er wo möglich luftig,
d.h. nicht dumpfig, sonnig und doch schattig sei, sind Eigenschaften welche man gerne
in ihnen vereinigt sieht, so wie, daß er nahe, womöglich unmittelbar bei dem Hauptraum,
dem Gebäude sei. So nöthig wie dieser Spielplatz ist aber III auch ein Gartenraum für die
Kinder, worinn jedes Kind, wieder seinen Kindergarten und mit J. P. [sc. Jean Paul] zu reden, sein Infusionsgärtchen hat.
Das Kind im Kindergarten muß im lebensvollen Zusammenhange mit allen <rein> s.g.
Naturelementen erzogen werden: in frischer reiner Luft, im klaren hellen Wasser, in der
entwickelnden Wärme des Sonnenfeuers; aber auch im Zusammenhange in inniger mit der
alles tragenden, entwickelnden Erde, und dieß letztere – welches wieder alles drei vor-
hergehende und so alles dieses in sich eint – in schönen Gärtchen. Ein Gärtchen ist dem
Kinde eben so nöthig als Wasser und Luft, gar viele <Zeiten>fehler der Kinder, der Jugend
und der Erwachsenen haben einzig darinn ihren Grund. Daß so viele kinder jetzt, ohne Garten
das h. ohne Naturpflege heraufwachsen. Also einen Gartenraum muß jeder Kindergarten
haben, Wie groß der Raum dazu sein soll? – Nun er kann nicht leicht zu groß und nicht
leicht zu klein sein, u wie er sich darum findet muß er recht sein.
In der Vertheilung und Anordnung dieses Gartens und dieser Gärtchen der Kinder
muß jedoch ein eigener Geist herrschen, welchen hier anzugeben, Zeit u Raum zu kurz
und klein ist, nur eines sei bemerkt: Allgemeines u. Besonderes, Einiges u. Einzelnes,
Trennung u. Einigung muß sich darinn wechselseitig durchdringen, der Garten der Kinder
muß ihnen ein Bild des großen Lebensgartens, d. ist der Familien u. geselligen bürger-
lichen Lebens sein; wie ein Einigendes für das Getrennte in der Natur, also wieder
ein Spiegel zu Natur u Leben; wie dies seine Beschäftigungen früher in Haus und Stube
waren. Jene Spiele in Haus u Stube und diese Gartenpflege müssen sich wieder ergänzen, /
[6]
und gegenseitig erklären; darum heißt denn, wegen dieser durchgreifenden, sich gegenseitig
entwickelnden Gartennatur das Ganze – ein Kindergarten.
Können No II u III Garten u Spielplatz dicht beisammen sein so ist es schön und
gut – ist’s nicht, so ist es wieder nach der entgegengesetzten Seite recht. Dem Kindergarten
ist es wie seinem ersten Spielzeuge, dem Ball u der Kugel: wie er ist u wie er steht, so
steht er eben recht; so soll nun aber wieder frühe der Mensch zu seinem Schicksal u. seinem
Gotte stehen; d.h. er soll nicht unthätig das Gegebene hinnehmen, sondern er soll in dem
Gegebenen, das ihm gegenwärtig Nöthige, Beste zu finden, d.h. daraus sich zu entwickeln
suchen, oder mindestens die Mittel, sich das ihn gegenwärtig Nothwendige durch sich zu verschaffen.
So ist der Garten dem Kinde, wie die Kugel u der Würfel, wieder ein Bild seines Verhältnisses
zu Gott. Und Gott selbst wollte als er den Menschen in den Paradies-Garten (= Garten Garten)
setzte, daß er jenes, d.h. das ihm gerade Nöthige in demselben suchen, finden darum sich
entwickeln sollte rc, darum fällt, wie ich an einem dem andern Orte sagte der Kindergarten
mit den Paradiesgarten, wieder in Eins zusammen pp.pp. was hier alles nicht weiter-
auszuführen ist. Genug, ich muß wieder auf ein früher Ausgesprochenes zurückkommen.
Der Geist ist’s der da wirket Alles in Allem.
Also mein lieber theurer Hr Kohl wenn ich den Männern, Ihren Freunden, welchen es
eine Herzens- u Lebensangelegenheit ist in ihrem Wohnorte einen Kindergarten auszuführen,
muß vor Allen daran liegen den geist, die Gesinnung, den Willen dafür in dem Orte zu wecken,
dies geschieht aber nicht durch Worte, nicht durchs lange Deliberiren; die That weckt Geist
mit Gesinnung, also frisch ans Werk! Wo zwei Männer für eine Sache, gleiche gesinnung
gleichen Willen, gleiche Thatkraft, gleiches Leben in sich tragen und damit in der Quelle alles Lebens
ruhen, da ist schon viel, ja da ist schon alles gewonnen; denn so wie ein jeder den andern gewann,
so wird doch jeder wieder einen zu gewinnen im Stande sein? Wie das geübt schon hier. Doch
ich will nicht wieder in den früheren alten Fehler der Progressionsreihen verfallen, sondern
Noch einen weitern Blick auf die Bedürfnisse des Kindergartens thun. Diese sind besonders
zunächst nun.
Tisch u Bänke. Ich glaube daß es gut ist, wenn die Tische, besonders wo der Raum
beengt ist, nicht zu lang sind: 4-6 Kinder an jeder Seite, sich gegenseitig nicht hemmend,
von angemessener Breite, daß die gegenseitigen Spielzeuge sich nicht vermengen. Die Bänke gleich
der Tische lang, u. so daß sie wie die Tische in der Höhe u. Breite genau aneinander stoßen.
Hinsichtlich der Höhe bin ich nicht dafür, daß die Tische wie fast in allen Bewahranstalten
niedrig sind, In Blankenburg wie auch in Frankfurt a/m u Keilhau sitzen die Kinder auf ge-
wöhnlich hohen Bänken u. an gewöhnlich hohen Tischen u. überall hier hat man es am
zweckmäßigsten gefunden. Gründe dafür hier aufzuführen ist hier der Raum nicht, doch
ergeben sie sich leicht von selbst; einer nur drängt sich auf, ich halte es für natürlicher, selbst den
Sehnen und Streben des Kindes angemessener das Kind zu sich zu erheben, als sich neben das Kind
hin zu kauern. Bänke ohne Lehnen halte ich für zweckmäßiger als Bänke mit Lehnen. –
Nun zu den Spiel- u Beschäftigungsmitteln u Gegenständen
Die ersten Spiel- u. Beschäftigungsmittel u Gegenstände sind mir, wie Sie lieber Kohl wissen, die
eigenen Glieder u Sinne des Kindes u der kinderpflegenden Person, Mutter od. Wärterinnen
selbst , so wie als Beachtung u. Aufmerksamkeit u. somit die innere geistige Kraft weckend, be-
thätigend u. beschäftigend, - alle das Kind umgebenden, besonders belebten u. beweglichen Ge-
genstände, eben als Gegenstände der Beachtung nicht der Behandlung. –Wie ich dies meine
habe ich vielseitig in den Mutter- Kose- und Spielliedern, deren Sinn u Bedeutung Sie ja selbst
durch die Singweisen so schön erhöhet haben, dargethan. /
[6R]
Das eigentlich erste Spielzeug des Kindes aber ist, was ich vielfach dargelegt habe, der
Ball mit seinen hundert u mehr verschiedenen Behandlungsweisen. Daß alles Thun der Kinder
vom Worte gedeutet werden müssen [sc.: müsse] und dieses Wort, wenn auch nicht gleich durchs Verständniß,
doch durch den Gesangston dem Gemüthe des Kindes nahe gebracht werden müsse, ist ja nun
auch von mir ziemlich allgemein bekannt, hundert solche Liedchen haben Sie ja entweder selbst
eigene Töne gegeben od. das [was] Sie schon hatten, geläutert.
An Ball schließt sich wie gleichfalls allgemein bekannt KugelWürfelWalze in der ersten
Abtheilung – in der zweiten Abtheilung die Festgestalten mit ihren Übergangs- u. Nebengestalten
aus, welche sich aus jenen mit Nothwendigkeit entwickeln. – Die Einführung in alle Arten
der Ruhe u des Ruhens, der Bewegung u des Bewegens wie der Form u. Gestalt, ist hier
der Zweck.
Jedes Kind muß während des Spieles nach Umständen sein eigenes Spielzeug haben oder,
wenn es besondere Forderung ist, 2 eines gemeinsam.
Daß nun zunächst die 3e u 4e Spielgabe kommt ist gleichfalls bekannt. Hier ist es ganz
wesentlich, daß jedes, der gleichzeitig beschäftigt werdenden Kinder sein eigenes Spiel- u
Beschäftigungsmittel haben muß. Man muß also wenigstens so viel Exemplare Spielkästen
haben, als man Kinder gleichzeitig beschäftigen will.
Hier erscheint nun wirklich die Ausgabe etwas groß – ob ich mich gleich bemühe diese
Spiel- u Beschäftigungsmittel durch meine Anstalt in Blankenburg so billig als möglich
u immer billiger zu liefern. Allein man muß bedenken, daß diese Spielzeuge, wenn
nur einigermaßen geschont fast unverwüstlich sind, wie denn meine Kinder in Blankenburg
seit 5 Jahren damit spielen und noch nach 5 Jahren sind sie ihnen noch eben so lieb und
nutzbar, wie heut u wie vor 5 Jahren.
Wie weit das Spielzeug ausgedehnt werden soll, hängt von den, den Kindergarten
begründenten [sc.: Begründenden] ab – die ersten 4 Gaben sind für Jahre genug und werden ohne Lithographie
auf 1 rth zu stehen kommen. Später schließen sich noch Springel [sc.: Kegel?] –Schubkärrchen, Körbchen -
Wannen - <?> daran an. –Dieß muß Alles einer weitern Ausbildung überlassen
bleiben. Für jetzt sind Sie wohl lieber Kohl mit diesen Mittheilungen zufrieden. –
Ziehen Sie nun von den Mitgetheilten aus, was Ihnen genügt.
Ihr FrFr