Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Frankfurt/M. v. 13.6.1845 (Keilhau)


F. an Johannes Arnold Barop in Frankfurt/M. v. 13.6.1845 (Keilhau)
(KN 56,48, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Keilhau Freitags am 13 Juni 1845. Nachts nahe 12 Uhr.

Lieber Barop.


Alles um mich her schläft und ich habe so eben einen Brief an Ida Seele in der Dir bewußten Angelegenheit geschrieben[.] Da meine ich denn es könne Dich doch noch [e]in Brief in Frkfurt treffen und Dir einige Nachrichten von hier lieb seyn, so setze ich mich denn Dir solche zu geben.- Die erfreulichste ist, daß alles ohne die geringste Störung sich ganz gesund befindet. Auch Albertine kommt noch regelmäßig zu Tisch und ist in ihrer Art munter und froh. Meine Schwägerin, Deine Schwiegermutter ist so gesund und flink, daß ich vor ein paar Tagen glaubte ein junges Mädchen schwippe vorüber, als sie nach dem Garten gieng. Mit dem Unterrichte und den Zöglingen geht auch alles streng geordnet fort, u es scheint, bis auf manche schwache Brüder denken alle daran Dir durch ein gutes Lob, daß [sc.: das] sie sich während Deiner Abwesenheit verdient haben Dir Freude zu machen, wenn Du wieder kommst.
- Am Sonntage, wo wir einen Wolkenbruch ähnlichen Regenguß u. <Wasserfr[ont]> hatten, welcher auch uns durch überfluthen, viel Graswuchs verdorben hat; am Sonntage im Beginne dieses Sturmes kam aus Ronneburg durch Kohl in Neustadt vermittelt ein Mädchen, Ida Weiler, hier an, welche[s] sich für Kinderpflege bestimmt
hat. Sie ist in der Mitte der 20er hat sehr viel[e] gute Eigenschaften, besonders Milde, Fleiß, Handgewandtheit, gutes Gehör, wie gute Naturstimme ein frommes u bescheidenes Gemüth. Ich wollte Dir dieß doch schreiben, wenn Dir etwa in dieser Beziehung eine Forderu[n]g ausgesprochen würde, daß Du weißt wozu Du Hoffnung machen kannst; zwar habe ich sie in Gedanken für Darmstadt bestimmt, aber doch weiß ich nicht ob man dort noch bis 1n Okbr warten kann.
Christiane Erdmann ist nun fest für Gotha bestimmt; Drescher welcher in dieser Woche nach Elgersburg ist, schreibt, daß er für Ausführung eines Kindergartens daselbst wieder 2 Männer einen gewissen Kornemann u <Blenk> gewonnen habe; vielleicht hörst Du das nähere bei Mad: <Drescher> wenn Du zurück kehrst.
- Diesen Abend ist der Zögling aus Vevay mit seinem Vater gekommen. Morgen scheint der Vater wieder abreisen zu wollen. /
[1R]
In voriger Woche habe ich vom Montag bis Donnerstag über Blankenburg nach Braunsdorf - Dischnitz - Wittgendorf - Meura - Wallendorf - Neuhaus - Scheibe - Katzhütte [-] Meuselbach - Ober- und Unterweißbach mit d[em] He. Pfarrer in Eichfeld eine kleine Vorbereitungsreise nach dem Th. Wld [sc.: Thüringer Wald] gemacht. Ich habe dort bei mehreren Pfarrern einen recht warmen Antheil für die Erziehungsvereine wie für die Kindergärten gefunden; so daß ich für beide einen recht guten Erfolg von dieser Reise hoffe. 3 He. Pfarrer wollen mich in dieser Angelegenheit demnächstens besuchen.- Weil sich jetzt der Wunsch nach Mittheilung von allen Seiten so drängt, so bin ich W willens in freien Zwischenräumen in einem Blatte mit fortlaufender Nummer Nachrichten zunächst an die s nähern Freunde mitzutheilen, vielleicht entwickelt sich daraus eine festere Gestaltung. Ich wollte das Blatt -

                   Freie Grüße
an die Freunde der entwickelnd erziehende[n] Kinderpflege
nennen; und alle Freunde um v Verbreitung desselben bitten. "Mittheilungen" wollte ich es nicht nennen; alle Welt hat solche Dr <Nägel[i]>, Fellenberg, ich glaube auch <Blochmann> rc.
Nun Mitternacht ist vorüber; überall die Grüße des Fortschrittes - daß die Volksversammlungen verboten rc rc das wirst du wissen.
Gott führe Dich und Deine Emilie gesund in den Kreis der Unsrigen zurück. Lebe bis dahin recht wohl
D u E Fr Fr.