Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Darmstadt v. 19.6.1845 (Keilhau)


F. an Ida Seele in Darmstadt v. 19.6.1845 (Keilhau)
(BN 651, Bl 16, Brieforiginal/Fragment 1 Bl 8°2 S., ed. KG 1888, 74f.. Die problematische Schlußpassage wird in Ed. ausgelassen; unklar, ob dem Fragment lediglich einige Wörter fehlen oder z.B. ein ganzes zweites Blatt eines Bogens.)

Keilhau Donnerstags am 19 Juni 1845.

     Meine liebe Ida.

Daß Sie so nahe bei uns waren und uns nicht haben besuchen
können, thut uns allen und besonders mir gar sehr leid; doch
freuen wir uns aber auch alle recht herzlich, daß Ihnen
diese stärkende Freude geworden, und besonders wieder
freue ich mich, daß Sie auch in der von Ihnen so sehr geliebten
Heimath Anerkennung für den von Ihnen gewählten Beruf, für
die von Ihnen doch nicht ohne Kampf fest gehaltene Wirksamkeit
erhalten und nun auch die Freude gehabt, daß die trüben Erwar-
tungen mancher Ihrer Verwandten sich nicht bestätigt haben.
Was den Antrag nun den ehrenden und erfreuenden den Vä-
ter von Ihrer Vaterstadt betrifft davon nachher; jetzt das Nächste.
Ob ich gleich mit Henr. A. - um ihr nicht etwa eine vergebliche
Hoffnung zu machen, welche mir ohne Zweifel viel Verdruß gebracht
hätte - bis jetzt noch nichts von der Stelle und Wirksamkeit in
Darmstadt gesagt hatte, so nimmt sie solche dennoch mit Vertrauen
auch auf Ihre Hülfe und der Mad. Br: anfängliche Nachsicht
dankbar an; und ich werde nun, so sehr gern sie wenig-
stens 8-14 Tage noch hier geblieben wäre, dennoch Sorge tra-
gen, daß Henriette womöglich am 29' <d.> in Darmstadt eintrifft.
Sie wird wieder in Frankfurt in der Windmühle absteigen
und ohne Zweifel dann erst mit dem Omnibus von Frankfurt
wegfahren, welcher von einem Gasthof in der <Fahrgasse / Fehrgasse> abgeht.
Ich habe Madnn Br. [sc.: Madame Bruère; so auch im folgenden] [gebeten,] ihr nur sogleich das Reisegeld zu schicken.
Sie können dessen Betrag am besten beurtheilen. 10 Rth em-
pfingen Sie hier und einige Thaler waren weiter zu bezahlen so
daß ich, ich glaube Rth. 14 von Ihnen zurück empfing. Nun
hatten Sie freilich einen Aufenthalt von einigen Tagen in Frkf.
Rth. 12 möchten also doch wenigstens nöthig seyn. Um nun aber
das Mädchen auf der Reise oder gar in Frkfurt nicht in Ver-
legenheit zu setzen habe ich Madm Br. um Rth. 14-15
Reisegeld für dasselbe gebeten; es kann ihr ja gesagt werden /
[16R]
daß sie die Reisekosten, welche ja alle ganz fest bestimmt sind
der Madnn Br. zu berechnen und den Überschuß des Empfange[-]
nen entweder zurück zu zahlen ha oder auf den zu empfangenden
Gehalt in Abrechnung zu bringen habe. Gut ist es ja immer wenn
das Mädchen nicht bis auf den letzten Gulden leer in Darmstadt
ankommt, denn besonders bei Mädchen tritt mit einer neuen Lage
auch gar manche kleine neue Ausgabe ein, dieß wissen Sie wohl
<auch / noch>.
Freilich, liebe Ida, annehmen werden Sie sich des Mädchens
nach Möglichkeit müssen; denn das wissen Sie ja, ihre ganze
Bildung ist nur eine gelegentliche und darum gestückelte. Nach
meiner Ansicht müssen Sie deßhalb Mad. Br. bitten, das
Mädchen Anfangs so oft es geht zu Ihnen in den Zeiten kommen
zu lassen wo solches etwas von Ihnen gewinnen kann. Auch
ist es gut, wenn Sie, Ida - besonders Sonntags - zum
Öfteren Madnn Br. besuchen, und dort mit Henrietten in
Madnn Br. [sc.: in Madame Bruères Haus / bei Madame Bruère] und deren eigenen Kindern spielen können.
Doch Sie werden dieß alles gewiß selbst aufs Beste au[s-]
führen; doch, wie sieht es mit dem Spielmaterial aus.
Soll Henriette einiges und was? und wie viel? mitbringen[?]
Doch über dieß Verhältniß genug. Nun zu dem Ihrigen.
Daß mich der Ihnen von Ihrer Vaterstadt aus geworde[-]
ne ehrende und vertrauende Antrag hocherfreut hat, hab[en]
Sie schon aus der Art ersehen können, wie ich dessen gleich Ein-
gangs erwähnte: denn wohl ist es wahr, es kann uns die Heimath
z unter Umständen zur Wüste und Qual werden; allein ein Wir-
ken daselbst, wenn wir uns dadurch die Herzen derer gewonnen
haben, mit welchen wir schon durch des Lebens und der Verwandt[-]
schaft Bande verknüpft sind, kann auch zu einem Vorhofe des
Himmels werden; wer sollte nun sich, wer sollte seinen Lieben
und Freunden, wie sollte ich Ihnen nicht ein solches Wirken
wünschen?- Wenn Sie aber solcher Früchte von Ihrer Rück-
kehr nach Ihrer Heimath und sich deren bleibend erfreuen
wollen, so muß solche[s] sehr vorbereitet, vielfach vorbe-
reitet und sehr besonnen geschehen; denn nicht nur eine <Fam[ilie]> /
[* fehlender Text von unklarer Länge *]
[am Rand]
stalt mit mir in Verbindung zu setzen.- Was meinen Sie, vielleicht ließe Ihnen sich zu einem helfenden Mädchen in Nordhausen /
[Rand 16V]
die Auguste Wolfram dadurch ausbilden, daß sie längere d.h. einige Zeit hier in Keilhau lebte.
Von allen d[ie besten] Gr[üße,] besonders von <mir> Fr. Fr.