Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Darmstadt v. 1.7.1845 (Keilhau)


F. an Ida Seele in Darmstadt v. 1.7.1845 (Keilhau)
(BN 651, Bl 17-18, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. u. Adresse; ed. KG 1888, 122)

Keilhau bei Rudolstadt am 1en Juli 1845.

      Sehr liebe Ida.

Gegen Ihren und der Madme Bruère Wunsch und gegen
mein Erwarten reist Henriette Ackermann erst
morgen Mittags 11 Uhr von hier ab. Der Ursachen
dieser Verspätung sind mehrere: weil wir nicht un-
mittelbar im Orte des Postamtes wohnen, so em-
pfing ich den Brief erst vorgestern, Sonntags früh;
an diesem Tage konnte ich nun leider nichts zur För-
derung der Sache thun, weil an demselben, wegen
Rückkehr des Herrn und der Frau Barop ein klei-
nes Musikfest in der Anstalt war und ich mich na-
türlich von der Theilnahme daran nicht ausschließen
konnte. Gestern bereitete ich nun alles vor und ich
hoffte daß Henriette heute würde abgehen können;
da zeigte sich denn, daß sie noch nicht ganz mit ihren
wenigen Sachen in Ordnung war; so wird sie nun
wie ich schon sagte morgen Mittag 11 Uhr bestimmt
von Rudolstadt nach Gotha abgehen, wo sie gegen
Abend ankommen wird. Leider muß nun das Mäd[-]
chen 18 Stunden in Gotha warten, weil nach einer
neuern und bessern Einrichtung der ein Postomnibus
aber, was für uns unangenehm erst Mittags 12½ 
Uhr von Gotha nach Frankfurt a/m geht. Diese Post
braucht 26 Stunden, so daß Henriette erst
Freitags den 4en Juli Nachmittags in Frankfurt a/m ankommen
wird. Zu unserm Leidwesen geht nun in diesen Stun-
den, wenn ich rec nicht irre, kein Omnibus mehr direc-
te von Frankfurt nach Darmstadt, wohl aber gegen
5 Uhr noch ein Eilwagen; sollte also Henriette zum
Abgang dieser [sc.: dieses] noch zur rechten Zeit nach Frankfurt
kommen, so könnte sie Freitags Abends zwischen 9
und 10 Uhr in Darmstadt eintreffen; wo es dann
schön wäre, wenn Sie liebe Ida so freundlich seyn, und /
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solche bei der Post empfangen wollten. Wie ich erwarte
steht nach dem gewöhnlichen Laufe der Posten diesem Ein-
treffen der Posten und somit der Ankunft Henriettens
Freitags Abends in Darmstadt nichts entgegen. Sollte
nun aber wieder [sc.: wider] Vermuthen selbige noch die Nacht vom
Freitag zum Sonnabend in Frankfurt bleiben müssen;
so würde ich sie im Landsberge logiren lassen; von wo
sie dann Sonnabend früh 5 Uhr a mit einem gewöhn-
lichen Personenwagen abfahren und zwischen 9 und 10 Uhr
in Darmstadt ankommen und auf dem Platze vor der
Traube aussteigen würde. Doch wie gesagt, ich hoffe, daß
Henriette schon Freitags Abends zwischen 9 u. 10 Uhr (:
Sie werden sich schon des Näheren bei der Post erfragen) in
Darmstadt eintreffen wird.
Erlauben Sie mir nun noch eines Punktes erwähnen zu
dürfen. Henriette hat wie Sie wissen Rth 14 Reisegeld er-
halten; nach meiner Berechnung nun, wenn alles gut geht,
wird sie mit Neun Thalern nach Darmstadt kommen;
Fünf mindestens Vier Thaler wir[d] sie also über behalten.
Nun ist aber Henriette ganz besonders arm an wirklichen
Kleidern; lieb, sehr lieb wäre es mir nun wenn sie den
Rest des Reise Geldes für sich zu einem Kleide, was sie
so nothwendig wie des Brotes bedarf behalten dürfte;
Ich schreibe Ihnen dieß, damit Sie vielleicht das Nöthige
schon vorbereiten, daß mit Beginn der neuen Woche sie
einen angemessenen Anzug erhält. Was ich konnte habe
ich wenigstens gethan, sie etwas mit Wäsche und Strümpfen
in Stand zu setzen; allein für ein sogleich anziehbares Kleid
[(]Von Meta Rauch wird sie eines zum Umändern erhalten, vielleicht (?) auch noch ein zweites von Rudolst.[)]
zu sorgen, mangelte mir besonders die nötige Hülfe, in-
dem die Frauen und Mädchen Keilhaus so beschäftigt sind,
daß ich deßhalb gar keine Bitte wagen durfte.
Weiteres in einem Briefe welchen Ihnen Henriette selbst
abgeben wird. Nach dem Betragen den Henriette während
der jetzigen wenigen Tage ihres Aufenthaltes hoffe ich zu
Gott daß Ihre und Madme Br. (welche ich zu grüßen bitte) Er[-]
wartungen erfüllt werden werden. Leben Sie wohl
Ihr treugesinnter Friedrich Fröbel. /

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[leer] /
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Fräulein Ida Seele,
Kinderführerin in der Kleinkinder-
Schule
zu
         Darmstadt.
Vor dem [o]bern Jägerthore.