Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Leonhard Woepcke in Annaburg bei Magdeburg v.21./28.7.1845 (Keilhau)


F. an Leonhard Woepcke in Annaburg bei Magdeburg v.21./28.7.1845 (Keilhau)
(BN 699, Bl 1-8, 3 datierte Entwürfe fol. a) BN 699, Bl 1-4R; b) BN 699, Bl 5-6R; c) BN 699, Bl 7-8R; BN 58, Bl 1-24, undat. Abschrift 12 B 8° 48 S. der aus dem Entwurf a) v. 21.7.1845 entstandenen Anlage zum Brief F.s an Woepcke v. 29.8.1845. Edition der Abschrift durch Lange 1862 /L II, 559-583 unter Weglassung der Seiten 1-4, 22-24R sowie der 12R genannten Liste der Veröffentlichungen F.s zur Spielpädagogik. Die Abschrift bietet den gesamten Text des Briefs und gliedert sich in drei Teile: 1-4 Mitte: F.s Erziehungsphilosophie mit christlicher Akzentuierung, 4 Mitte-22 Mitte: Systematik der Gaben und Beschäftigungsmittel; 22 Mitte-24R: erneuter Bezug auf die christliche fundierte Erziehungsphilosophie von F. Entwurf a) bringt den substanziellen Text zu allen drei Teilen der Abschrift, Entwurf b) bietet den Text von 1-4 einschließlich der Eingangspartie zur Systematik, Entwurf c) den Text von 1-2 Mitte sowie den Text von 22R unten bis 24R. Die Entwürfe b) und c) beschränken sich also auf den erziehungsphilosophischen Rahmen der Briefabhandlung F.s. – Bei 8R ist der Rand rechts oben abgebrochen. Auch die übrigen Ränder der drei Entwürfe zeigen erhebliche Bruchschäden. – Entwurf a) enthält im letzten Abschnitt 4R die weitere Datierung „28 Jul 1845“ und den Entwurf einer Denkmalsinschrift für Wilhelmine F. . Entwurf b) und c) dürften daher nach dem 28.7.1845 entstanden sein, die Reinschrift wohl erst Anfang August 1845. - Hier werden zunächst die drei Entwürfe und dann der vollständige Text der Abschrift wiedergegeben. Die in der Abschrift S.1-4 benutzten Kürzel wie z:B „sond.“ = „sondern“ wurden aufgelöst.- Bei Entwurf c) liegt Bl 8 falsch: 8R kommt vor 8V.)

Entwurf a) [BN 699, Bl 1-4R]

Sr Hochwürden dem Herrn Prediger und Schulinspector Woepke in Annaburg

Keilhau bei Rudolstadt am 21 Juli 1845.

Hochgeehrtester Herr.

Sie haben meinem Wirken und Streben, meiner Erziehungs- Unterrichts- und Lehr- überhaupt
meiner Bildungsweise Ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt; gleiches haben andere erfahrene
denkende und wissenschaftliche Männer, andere lebenserfahrene gemüthvolle, sinnige, men-
schen- und kinderliebende, kindliche Personen beider Geschlechter, mehrere Strebende jedes Alters und
Standes, des verschiedensten Alters Bildungsganges und Bildungsgrades, überhaupt Menschen
der verschiedensten Verhältnisse, Lebensansichten und bürgerlichen Berufe gethan; dieß muß
nothwendig eine tiefgegründete Ursache, einen allgemeineren Grund in dem Wesen in der Bestim-
mung des Menschen, in seinem Berufe als solcher, wie in dem Geist Ziele u den Ergebnissen des Strebens haben, kurz es muß dieß in dem Wesen der
Menschheit wie in dem Geiste des Strebens liegen, mit demselben beiden zugleich gegeben seyn. Ihre Theilnahme, Hochgeehrtester Herr, wünscht
nun von mir eine Darlegung des Ausgangspunktes wie des innern nothwendigen Zusammen-
hanges und des endlichen eigentlichen Zweckes und Zieles der von mir aufgestellten und angebahn-
ten entwickelnden und erziehenden Spiel- u. Beschäftigungs- überhaupt Kinderbethätigungs- und
Bildungsmittel. Ehe sich nun aber dieser Ihre wahrhaft eingehende, förderliche Theilnahme bewei-
sende Wunsch erfüllen läßt, dünkt es mich vor Allem nöthig und ganz besonders ersprieslich den
innersten und letzten Grund jener eben erwähnten, durch alle Alter, Stände, Lebensverhältnisse,
Berufe und Bildungsstufen wie durch beide Geschlechter hindurch gehenden Theilnahme an
dem Gegenstande aufzusuchen; welche vielfach angeregte und – ich darf wohl, nach Ihren eigenen be-
stimmten Äußerungen aussprechen - mehrfach befriedigte Theilnahme Sie ja selbst an sich wahrge-
nommen haben. Also zunächst der allgemein durchgreifende Grund dafür, das h. das Streben
nach Aufsuchung desselben.
Daß der Mensch ein sinnlich-geistiges Wesen, und daß demnach der Körper, der Leib (: in wel-
chem Grade wechselseitiger Durchdringung thut hier dünkt mich nichts zur Sache: ) gleichsam
ein Träger des Geistes ist (: ohne jedoch hier in das ursprüngliche Verhältniß beider zueinander hier weiter einzu-
gehen :) glaube ich als eine g[an]z allgemeine Überzeugung annehmen u voraus setzen zu dürfen.
Ebenso, daß der Mensch im Äußern und am Äußern, so vor Allem in und an der Natur pp
das Innere und Innerste, den Geist zu finden, zu erkennen, wahrzunehmen habe. Oder
dort die Einheit das Unsichtbare und die Einheit an dem Sichtbaren und Mannigfaltigen und durch dasselbe kund zu
thun und umgekehrt an und in dem Sichtbaren und Mannigfaltigen und durch dasselbe das Un-
sichtbare und die Einheit wahrzunehmen und zu erkennen, und
hier an und in dem Äußeren und durch dasselbe , so vor Allem an und in der Natur pp und
durch dasselbe das Innere, Innerste, den Geist zu finden, also in dem Vergänglichen das Blei-
bende darzustellen und das <und> Bleibende und Unvergängliche an und in dem Vergänglichen
aufzufassen und zu schauen, darum an und in dem Zeitlichen das Ewige und umgekehrt; an dem
Irdischen das Himmlische, in dem Menschlichen das Göttliche und so weiter, u.s.w. also mit einem /
[1R]
Worte: in der Erscheinung das Seyn zu sehen und in dem und durch das Seyn die Erscheinung
zu deuten und Aufzulösen. Das Vergängliche ist seiner äußersten Erscheinung ist aber der Tod und
das Bleibende in seiner Erscheinung ist das Leben.
Das Vermittelnde dieses hierdurch mehrfach ausgesprochenen und allseitig angedeuteten
Entgegengesetzten, ist nun aber dem Menschengeschlechte und so mit auch jedem einzelnen Men-
schen auf die dem Wesen der Menschheit zu finden,
das gleichsam Versöhnende dieses in der Erscheinung Widerstrebenden,
Feindschaftlichen zu erkennen und - da das Geistige ebenso gleichsam durch das Körperliche ge-
bunden, gefesselt erscheint – das Erlösende für den Geist, das Belebende, das Leben rc zu suchen
zu finden ist nun aber der Grundzug, die Ursehnsucht wie auch die Hoffnung und Ahnung des Menschengeschlechtes und
somit auch jedes einzelnen Menschen, so lange als das Menschengeschlecht und jeder einzelne Mensch sich seiner
bewußt ist. Dieß Vermittelnde, Versöhnende, Erlösende ist nun aber dem ganzen Menschengeschlechte und
somit auch jedem einzelnen Menschen auf die dem Wesen der Menschheit entsprechendste und
genügendste Weise durch Jesus Christus kund gethan und (begründend, anbahnend) gezeigt pp
worden.
In jedem einzelnen (christlichen oder doch wenigstens unter dem Einflusse des Christlichen lebenden) Menschen des jetzigen Geschlechtes lebt und wirkt nun, wenn auch auf und in verschiedenen
Stufen der Stärke und Klarheit, die Ahnung, Hoffnung, ja Überzeugung, daß jene kund gethanene
(begründende und angebahnte) dem Menschengeschlechte wirklich gewordene Vermittelung, Versöhnung und Erlösung, eine nunmehr auch ge-
genständlich (objectiv) dem besonderen und allgemeinen Verstande, der besonderen wie der allgemeinen Vernunft einsichtig gemacht, und sie in ihrer darum
nothwendigen durchgreifenden Allgemeinheit nachgewiesen und erkannt werde.
Dieß das rein objective kann aber immer nur sinnbildlich geschehen/seyn indem nicht der Geist den Geist unmittelbar in seiner Hülle erfaßt allein dieß gegenständliche muß darum ein höchst allgem[eines] seyn welches die größte Besonderheit zuläßt u wieder das Besonderste was die größte Allgemeinheit erschaut, zuläßt [.]
Diese nun in jedem (Christen und vom christlichen Princip erregten) Menschen wirkende lebende
Ahnung und Hoffnung, ja in verschiedenen Stufen der Einsicht in ihr lebende gewonnene Überzeugung, - daß
das subjectiv Wahre auch objectiv dem Denken der Vernunft einsichtig legt
nun den prüfenden Maaßstab sogleich ja unbewußt an alles und jedes was die Möglichkeit zeigt was Weg und Mittel zeigt ergiebt [verspricht]
daß jene Ahnung Gewißheit werde, jene Hoffnung in Erfüllung gehe, jene Überzeugung
sich bestätige und bewähre und somit auch in meine - sich mit einer gewissen Allgemeinheit
gebende Erzieh[ungs]weise, an die von mir aufgestellten KinderSpiel- und Beschäftigungsmittel und dieß um somehr als diese sogleich eine gewisse Stetigkeit in der Beschränkung Genügsamkeit
und in der Einzelnheit, Allgemeinheit, in dem Körperlichen das Geistige rc. rc. rc. erkennen mindestens ahnen lassen, [die] von mir auf-
gestellten Kinderspiel- und Beschäftigungsmittel Vermittelung des Getrennten, Versöhnung des Widersprechenden, Lösung des gleichsam Körperlich Gebundenen [zeigen] Menschen nahe gebracht werden, sobald sie von jener Ahnung u. Hoffnung
durchdrungen u von jener Überzeugung belebten sind und dieß
um so mehr als diese Spiel- und Beschäftigungsmittel und Weisen und somit Erziehung [bricht ab]
Ahnung nun weckt Ahnung, Hoffnung weckt Hoffnung, Schauen weckt Überzeugung, Streben u Geben weckt aber im Streben-
den und Sehnenden Theilnahme, Streben und Sehnen ist aber das fast durchgehend jetzt in dem Menschen gleichfalls Wirkende und somit erklärt sich mir Klären Pflegen, Wecken, Stärken, Geben rc. eben das Streben meiner Kinderführweise als tief in dem Menschenwesen und besonders in dem
christlich gebildeten Menschen gegründet die sich von Personen jedes Alters, Geschlechtes rc. aussprechende
Theilnahme an meinen erziehenden Bestreben und besonders an den von
von mir aufgestellten und angebahnten Erzieh- Spiel- und BeschäftigungsMitteln, Wegen und Weisen.
Und somit glaube ich den allgemeinen tief in dem menschen Wesen, der menschlichen Natur und ganz be-
sonders in der christlichen Bildung, Sehnsucht u Erwartung liegenden Grund der oft genannten Theilnahme
als erste Aufgabe dieses Briefes nachgewiesen zu haben und wie so den Weg angebahnt zu haben
diese ganz besonders im christlichen, im Vermittelungs- Versöhnungs- und Erlösungsprincip ruhende und daraus mit Nothwendigkeit in der von von mir aufgestellten Allgemeinheit und durchgeführten Besonderheit hervorgehenden Kinderbeschpflege- BeschäSpiel- u Beschäftigungs Mittel, Wege und Weisen in ihrem nothwendigen Zusammenhang nachgewiesen zu haben.
Gottes Geschöpf der Mensch als Kind entwickelt sich – erreicht seine Bestimmung und erfüllt seinen Beruf zunächst
in Einigung und Gegensatz mit der Natur und somit als Vermittler, Versöhnender u Erlösender zwischen /
[Randnotiz*-*]
[*] Die g[an]ze Bibel enthält nur subjectiv Wahres u subjective Wahrheit; und ist nur in sofern
unter ihrer Wahrheit an sich für Andere wahr als sie subjectiv Anklang gleichsam Echo finde [.]
Die Bibel ist ohngeachtet ihrer bestimmten Wahrheit in sich doch u in so
fern für Andere wahr als sie in diesen ihr Echo findet, sie
soll aber auch objective Wahrheit erhalten (Theilnahme [hervorrufen und als wahr von] [bricht ab] [*]
[2]
der Natur und Gott, geknüpft durch seinen Körper an die Natur und geeint mit Gott durch seinen Geist mit
Gott wie durch diesen seinen Leib, den vom Geiste beseelten, mit der Menschheit die körperliche und leibliche
Pflege des Menschen besonders als Kind die Gesundheit des Körpers u Leibes des Kindes als dem Seyn desselben entsprechend ist somit die erste Aufgabe und Sorge der Menschen- und
Kindererziehung die erste Sorge der Mutter als vermittelnd zwischen Kind u Natur. Gesund
ist aber wie eben angedeutet das Kind wenn es sich in all seinen geistig[en] und leiblichen Anforderungen dem <Friede> Seyn
seines und Wesens entsprechend äußern und bethätigen kann. Und gesund soll vor allem zuerst das Kind seyn, wo immer dieß ist. Dazu sind nun vor allem dem Kinde
(dem Menschen) vermittelnd zwischen ihm, seinem Wesen (Seyn) und der Natur wieder, außer seinem
Körper und Leib mit seinen Gestaltungstheilen, Ernährungs- und Belebungs- u Fortbestehensorganen, an demselben <wieder> die Glieder und Sinne gegeben; und zwar beide in Beziehung
auf die Seele, den Geist und Willen unter sich wieder im Gegen-
satz, die Sinne als überwiegend sich durch dieselbe[n] sich das Wesen der Dinge außer sich (aneignen) gleichsam innerlich machen die Glieder als
den Willen des Geistes äußerlich kund machend und zwar Arme u Beine unter sich wieder in Gegensatz; die
Arme mit den Händen als die Dinge um sich, sich nahe [zu] bringen; die Beine mit den Füßen dagegen als sich selbst und
seinen Körper den Dingen nahe [zu] bringen; also dort, die Dinge zu sich und hier sich zu den Dingen bewegend.
Zwischen den Sinnen und Gliedern stehen besonders die Hände mit den Fingern und den sich an ihren Spitzen
befindlichen Tastsinnes wieder vermittelnd da; wie dagegen die beiden Arme mit ihren Händen und die
beiden Beine mit ihren Füßen jede wieder unter sich entgegengesetzt sind. Die Sinne dagegen kann man
wieder als den 3 Zusammenhangs-, Cohärenzzuständen, dem Festen Flüssigen Gasförmigen, oder dem Mechanischen, Chemischen, Dynamischen
entsprechend betrachten. An jenen an den Leib mit seinen Theilen schließt sich die physische und
diätetische Behandlung des Kindes in sich ihrem ganzen Umfange [an], an diese schließt sich die Sinnen- und Glieder-
Pflege, Stärkung, Entwickelung, Übung und Ausbildung [an]; alles dieses [ist] zunächst vorzüglich wichtig für die Säuglings- und
Kindheit Stufe des Kindes. In Beziehung auf die Gemüths-, die Willens-, die Gewohnheits- und somit
im Allgemeinen auf die sittliche überhaupt eigentlich menschliche Entwickelung des Kindes ist besonders
die Beachtung seines Verhältnisses zur Mutter und zu allen denen wichtig, welche zeitweilig Mutter-
stelle bei ihm vertreten also überhaupt die Beachtung seines Betragens gegen seinen Eltern und Pflegerinnen alles dessen was entwickel[n]d u erziehend [auf dasselbe] einwirkt wichtig.
Wie mit der Entwickelung der Körper- Glieder- und Sinnenkraft dem Kind somit auch die Thätigkeit, der Thätigkeits- ja schon der Beschäftigungs-
trieb des Kindes wächst, so fordert es nun auch einen Gegenstand für
denselben; dieser muß in seiner Vollkommenheit die Eigenschaft haben, daß er das in allen Dingen Gemeinsame, also das körper-
lich und räumlich Daseyende also Form Körperraum, Form, Größe
Farbe, Inhalt, Ruhe, Bewegung und somit allen Forderungen des Kindes entspricht, ja selbst <objectiv> das Kind noch nur Gefühlbar schon in der Mannigfaltigkeit die Einheit, an dem Äußern und durch dasselbe
Äußere das Innere u somit in dem Sichtbaren das Unsichtbare ahnen läßt und zeigt; dieser
Gegenstand muß ferner um den Anforderungen an ihn ganz zu genügen weder dem Kinde Schaden
zufügen können noch das Kind ihm noch durch ihn etwas anderes beschädigen können; ebenso wenig darf
es [sc.: er] die Sinnlichkeit des Kindes weder reizen noch ihn [sc.: sie] nähren noch andere fehlerhafte Richtungen seines Geistes u Gemüthes wecken. Dieß alles aber leistet wie an vielen Orten
schon nachgewiesen also gleichsam selbst als ein
moralischer Talisman der Ball. Hier ist es nun aber nicht der Ort weiter das Entwickelnde Erziehende pp über-
haupt das Bildende überhaupt das für diese Kinderstufe genügende u erschöpfende dieses
ersten Kinderspielzeuges nachzuweisen. Genug es repräsentiren sich in ihm und durch ihn alle alle we-
sentlichen Eigenschaften Erscheinungen und Verhältnisse der sämmtl[ichen] Umgebung des Kindes.
Es ist das wahre Entwicklungs- u Erstärkungs- Erkenntnißmittel der
eignen Kraft u Fähigkeit wie das Einführungsmittel zur Erk[enntniß]
der allgemeinen Eigenschaften der Dinge um sich und deren Gebrauch u Verh[ältnisse.]
Doch des Kindes Kraft wächst, es sucht zugleich, um auch seine Thätigkeit zu hören einen
tönenden mindestens lärmenden Körper der bei sonst gleichen vielseitigen Eigenschaften des Balles, und dieß ist die schwere, feste harte Kugel.
Mit ihm [sc.. ihr] wünscht das Kind zugl[eich] das von ihm [sc.: ihr] rein Entgegengesetzte und dieß ist ohne es im Einzelnen hier
d[urc]hzuführen der ruhende, stehende, mehrflächige, mehrkantige mehreckige gleichsam träge sich nur
schieben und werfende aber nicht eigentlich rollen lassende nicht leicht bewegliche Würfel. Vermittelnd zwischen beiden
fordert das Kind die so leicht gleich der Kugel rollende lassende u gleich dem Würfel fest stehende Walze, und hinwiederum alle drey vermittelnd, das heißt die Eigen-
schaften aller 3: - Ecken (Punkte) Kanten (Linien)
[Seiten] Flächen und so das runde u Gerade einend und hier gerade u gebogene Fläche einend den kreisenden Kegel /
[2R]
Kegel, Walze, Würfel und Kugel haben alle 4, drei unter sich gleiche rechtwinklich zu einander geneigte Richtungen.
Dieß haben alle diese 4 Körper miteinander gemein, verschieden oder entgegengesetzt sind sie dadurch, wie
diese 3 Richtungen bleibend und sichtbar sind, so sind sie z.B. in der Kugel wechselnd und unsichtbar.
In dem Würfel dagegen sind ist jede dieser 3 Richtungen einmal unsichtbar, dann jede viermal äuß-
erlich sichtbar und wieder jede viermal unsichtbar-sichtbar, d.h. sie ist an und für sich unsichtbar
kann aber durch Hervorhebung sichtbar gemacht werden
sie sind wieder das Vermittelnde pp zwischen dem bleibend Unsichtbaren und dem äußerlich sichtbaren u aus welchem alle übrigen mit Nothw.[endigkeit] hervorgehen [.]
Wegen dieser Eigenschaften ist der Würfel
der Kugel rein entgegengesetzt gleich, wie Ruh u Bewegung
Rund u Gerad, Einheit u Vielheit u.s.w. Was also in der Kugel gleichsam unsichtbar lag, tritt nun in dem
Würfel heraus und wird nicht nur gerad zu sichtbar, sondern zu tieferer geistigen Einsicht ist so sogar unsichtbar sichtbar, d.h.
wie schon gedeutet, ist an sich unsichtbar, kann aber durch Hervorhebung sichtbar gemacht werden.
Die Spielweise mit diesen allen ist besonders die verschiedenen Bewegungen derselben deren verschiedenartige Anschauungen und Auffassungen[.]
All diese Spielkörper sind ungetheilt. Doch das Kind liebt den Wechsel der Entgegensetzung;
wie es Anfangs gern alles zusammenballt, so zertheilt es später selbst
(zertheilt) gern alles wobey seine Kraft dazu ausreicht
und setzt und baut gern das Getheilte wieder zusammen, wie man sagt, das Kind macht sich gern etwas zu schaffen. Dieser Gestaltungs[-] und Schaffenstrieb des Kindes ist
nun gern vor allem sorglich u stetig zu stetig [sc.: pflegen], denn jemehr es selbst aus u d[urc]h seinen Geist in Selbstthätigkeit schafft um so mehr wird es einst seinen <Schöpfer->
<Denk>unterricht u die Lehre von allen diesen dem Wesen ausfüllen.
Das nächste Spielzeug ist also der einmal aber nach allen Richtungen hin getheilte Würfel. Angedeutet und gleichsam
vorgebildet ist diese Theilung durch die 3 unter sich so rechten Theilungsebenen wovon jede gleichlaufend zweier
Seitenflächen durch die Mitte des Würfels geht. Die verschieden[en] Spiele mit demselben sind die verschiedenartige Zertheilung
und Zusammensetzung derselben wobey zweierley zu bemerken, erstlich u unerläßlich, daß stets alle 8 Würfel zu jeder Dar-
stellung gebraucht werden müssen, dann daß zweitens wo möglich immer die folgende Form aus der vorhergehenden entwickelt werden
muß, so daß also das bereits Gebildete nicht gleich zerstört werden darf um dadurch ein[e] Neue darzustellen.
Die zu bildenden Formen haben einen 3fachen Charakter wegen welchem man sie als Erkenntniß[-] oder Lernform[en], als
Lebens[-] oder Bauform[en] u als Schönheits- oder Bildformen unterschieden werden. Vermittelnde Formen verknüpfen wieder die getrennten.
Obgleich jeder dieser 8 Würfel nun 3 unter sich gleiche Richtungen zeigt so tritt doch auf, wenn auch wech-
selnd und vorübergehend durch Zusammenhang in einer Ebene <u in sich> ungleiche Richtungen hervor und dieß bestimmt, - nach dem Gesetze, daß aus dem
Vorhergehenden (Frühere) das Folgende hervorgehe, als das nächste Spielzeug. Jeder der 4 gleichen säulenförmigen Theile des H[au]ptwürfels wird nämlich durch seine Mitte gleichlaufend den Seitenflächen in 2 somit natürlich unter sich gleiche Hälften ge-
theilt, so daß nun der Würfel in 2 Backsteinformartige Theile getheilt wird wo sich die Dicke zur Breite u diese zur Länge
verhält wie 1 zu 2 zu 4 also die 3 verschiedenen Richtungen durch 3 verschiedene Längen sich bleibend verschieden <zeigen>. Durch diese scheinbar unbedeutende Veränderung erhält das neue Spielzeug doppelten Flächen[-] u
Längsraum und es schließt einen mehr als 12 mal so großen Körperraum ein, als die 8 Würfel. Das hiermit ebenfalls nach den im Vorigen angegebenen 3 verschiedenen Beziehungen Darzu-
stellende erhält dadurch eine kaum glaubliche und keineswegs durch Darstellung zu erschöpfende aber doch gesetzlich nachweisbare Verschiedenheit.
Wie unter No 3 die Tafelform, aber wieder verschwindend hervortritt welche dann unter No 16 bleibend
festgehalten wird, so tritt auch unter No 3 das Schräge und Schiefe aber ebenfalls wieder schwindend
hervor und ist aber eben so auch als Spielform festzuhalten; dieß geschieht nun in dem allseitig 2[-]
mal getheilten Würfel oder bei der der 5ten Gabe.
Gleichlaufend mit dieser 5ten Gabe entwickelt sich nun mit Nothwendigkeit die 6e von der Grundlage Gabe, wobei wie bei der 4ten die Backsteinform und ein Gesetz der Dreizahl <anderes theilbar> das bestimmt
Gegebene ist, und der Zahl nach wieder eine gleiche ähnliche Theilung wie bei der 5en Gabe erscheint.
Als nothwendige Fortentwickelung erscheint folgt nun die 7. Gabe in welcher alle aus der Mitte und durch die Mitte des Würfels
[Zeichnung] gehenden schiefflächige gleiche Theile 1/2 1/3 ¼ u 1/6el erscheinen, zur Gestaltung durch welche sich der des Acht[-] u Zwölf-
flächners als dem wesentlichsten gleichflächigen Körper als in der Mitte dem Innern des Würfels bedingt und aus derselben sich gleichsam entwickelnd.
Der 7n Gabe geht zur Seite [Zeichnung] die 8e, welche sich zur 7ten verhält wie die 6e zur 5n u die 4 Gabe zur 3en .
Wie oben durch den Ball die erste SpielReihe des Kinderspiel gegeben
durch Kugel Würfel, Walze u Kegel die zweite Stufe desselben
So sind ist hier d[urc]h den 3 mal allseitig getheilten Würfel, mit der 3. 5. u. 7. Gabe der Würfligen Formen die dritte
[mit] der 4n 6 u 8en Gabe der Backsteinartigen Formen die 4e Reihe des Kinderspielzeuges geschlossen.
Indem nun auch die Erscheinung der Entwickelung aus dem Innern und der Mitte dem Kinde zur Anschauung tritt.
Die weiter hierher gehörige Auseinandersetzung muß freilich ganz der mündlichen <bleibenden> thatsächlichen Vorführ[ung] Darstellung und Nach-
weis überlassen bleiben indem die schriftliche noch überdieß nicht an Zeichnung geknüpft viel zu unvollkommen ist [Dazu gehört in]
einem Umschlage Anleitung worauf hier gänzl[ich] bezogen werden muß. Durch diese Darstellungen tritt mehrmals L[än]g[e] Br[eite] u Dicke aber wechselnd hervor. /
[3]
Mit der Ausbildung der Körperformen und Theilung tritt besonders auch die Flächenerscheinung theils als selbstständig, theils aber als mehr vergeistigend
theils hervor und zeigt sich so auch als anziehendes Kinderspielzeug besonders wenn sich daran eben als Ausdruck der
Vergeistigung die Farbengebung knüpft, und so erscheint eine <> neue Classe Abtheilung der entwickelnd erziehenden, die Schaffenskraft des Kindes weckenden Kinderspiele, es sind [dies] die Tafelför[m]igen
welche sich wieder in 4 Verschiedene Reihen theilen.
A in die Reihe der Gevierttafeln, Bin die [Reihe] der Rechtwinklich gleichwinklichen Dreiecke C in die [Reihe] der Gedritte oder Gedritttafeln und D in die [Reihe] der
rechtwinklichen ungleichwinklichen u zugl[eich] stumpfwinkl[ich] gleichwinklichen 3 Ecke.
Die erste Reihe A besteht aus einer Gabe, die zweite Reihe B der Zahl nach aus (: 4. 8. 12. 16. 64. :) fünf gaben [sc.: Gaben].
Die dritte C Reihe aus 9. 18. 27. 36 54 aus fünf gaben [sc.: Gaben] die vierte D Reihe aus 1 Gabe 28 56
In diesen schaffenden Bethätigungsmitteln treten in den sogen[annten] Schönheitsfor[me]n g[an]z besonders die Entwickelungsgesetze u die Entfaltungsgesetze aus dem Innern [Zeichnung] zu dem Entgegen-
gesetzten d[urc]h die Vermittelungsformen hervor.
Ebenso zeigen Sie [sc.: sie] klar von dem (Ausgangspunkt) Einfachen der Einheit ausgehend und d[urc]h den Gegensatz u die Vermittelung hindurchgehend, die
Rückkehr zur Einheit; sie zeigen mehrfach wie aus der gesetzmäßig geordneten Verknüpfung der Gegensätze (Galvanismus) sich Bewegung entwickeln können [sc.. kann].
Diese Spiele sind für das Kind wegen ihrer <blosen> Ausführung und da sie in ihren Ergebnissen wie in ihren deren Entstehen u
Werden nun somit die Gesetze derselben immer allseitig gegenständlich klar vor Augen legen, für das Kind und dessen Geistige harmonischen Entfaltung so wie in der <leichten> Ausführung Entfaltung g[an]z besonders wichtig.
Mit der Ausbildung der Tafel- und Flächenform und Theilung tritt nun aber auch besonders wieder die Linienanschauung wieder theils als
selbstständig theils als mehr vergeistigend hervor und zeigen sich so auch die Stäbchen als noch unverbunden wieder als anziehendes Kinderspielzeug
die Spiele mit denselben zeigen die größte Mannigfaltigkeit.
Es können dieß Formenspiele d[urc]h Darstellungen von Figuren u Gegenständen geknüpft an die Zahl seyn, wo also die Form überwiegt die Zahl aber untergeordnet ist
Es können aber auch ächte Zahlspiele seyn frey u geknüpft an Formen u frei, wo die Beachtung der Zahldas vorherrschende [ist].
Es können Spiele zur Anschauung linearer u flächiger Größen und Lagen besonders auch der Lagen[-] u Neigungsverhältnisse bei Linien seyn. – Es können sich daran Buchstaben- gleichsam (Schreib- oder) und Wortlege- und
hinwieder Lesespiele knüpfen wobei m[an] die großen Römischen Buchstaben I N M K rc zu Grunde legen kann
Es können sich daran Vorbildungen zum Zeichnen d[urc]h Legen von Formen u Gebilden knüpfen, wobei die Anschauung und die Bildung
des Auges und Augenmaßes die Hauptsache ist. Auch hier treten wieder die Bildungs[-] u Entwickelungs Gesetze verschiedener
Formen aus dem Innern u Bedingt d[urc]h das Innere als für die Anschauung des Kindes und für dasselbe wichtig hervor
Wie bei u mit der Ausbildung der Tafel[-] u Flächenform u Theilung die Lilien[sc.: Linien]anschauung theils als selbstständig u mehr vergeistigend
hervortrat, so tritt bei der Linienanschauung ebenso wieder die [sc.: der] Punkt als selbstständiges u vergeistigendes Anschauungs-
mittel und als liebes Spielzeug der Kinder Entgegen Gegen In sich Abgesch In sich punktartig Abgeschlossene Gegenst[än]de jeder Art: Saamen
Steinchen, kleine Blätter, Papierstückchen können dazu benutzt werden. Hier knüpft sich zugleich das Sammeln von Naturge[gen]st[änden] Früchten Saamen Steinen Blättern rc. als Spielzeug für das lehrende
Aussuchen, Ordnen rc an[.]
Und somit sind wir bis zur gänzl[ichen] Zertheilung, Vereinzelung, Auflösung und in gewisser Beziehung zur Vergeistigung des Körperlichen
gekommen indem wir durch die Auflösung des Körperlichen in das Flächige, in das Lineare und Punktige gleichsam
der Entwickelung des Baumes aus dem Kerne, durch die Stamm- Ast- Zweig-, Blatt- und Blumen- bis
zur Staubweg u Blumenstaubentwickelung bis zu dessen Zerstreuung gefolgt sind; daher müssen wir nun
auf entgegengesetzte gleiche Weise den sammelnden, verbindenden u einenden Weg wieder Zurückkehren.
Zuerst die Verknüpfung der Punkte zu Linien und durch diese zur Gestaltung. Dieß geschieht am Besten durch eine kleine Künstliche Verrichtung entweder
Ebenso die Köpfe von Stecknadeln, indem man diese in entsprechende Flächen einsticht
die durch das Aneinanderreihen u Verbinden von Nadelstichen in den sogen[annten] Ausstech-
hefte[n] was das Gute hat, daß jedes Erzeugniß dieses Fleißes zugleich bis
10 u 12mal vermehrt werden kann. Solcher Folgen von Ausstechheften sind jetzt 3 ausgefertigt
für die kleineren mittl[ern] u größern Kinder wod[urc]h die letztere
durch die dad[urc]h bewirkte Ausbildung des Augenmaßes u Formensinnes zur Vorbildung für das Zeichnen und den Zeichenunterricht wird.
Auch knüpft sich daran die Darstellung von Buchstaben, Worten u Sätzen u deren Vervielfältigung
also das Schreiben u Lesen. NB Ein<>richtungen um Geschenke zu machen auch zu geben Statt das [sc.. daß] viel empfangen wird.
Wie sich im Vorigen die Punkte wieder zu in Linien und so zu Gestalten vereinten, so werden auf gleiche Weise
einzelne Stäbchen und Streifen zu Flächen verbunden und zwar auf 3fache Weise entweder
a) d[urc]h Verschränkung von etwas breiten u biegsamen Stäbchen Holzspänchen rc gleicher Breite u Länge
Dieß Verschränkte läßt man zur <willkührlichen auflösung oder man> kann auch die Enden d[urc]h Leim <verbinden>
oder
b) d[urc]h Zusammenflechten von Papierstreifen am besten von verschiedenen Farben Muster um so zugl[eich] auch Flächenformen
darzustellen. Das Ergebniß dieser Thätigkeit läßt sich gleich gemusterten Papier zu verschieden[en] Gegenständen
Brieftaschen, Schreib- Nadelbücher Umschläge Serviettenringe rc. zu Kästchenbekleidungen u.s.w
Gläserdecken Riechbüchsen [anwenden.]
Hier findet dieselbe Bemerkung hinsichtl[ich] auf Geben u Empfangen wie beim Ausstechen statt. /
[3R]
c. Verbindung von feinen zugespitzten Stäbchen durch erweichte Erbsen 1) zu einfachen Figuren Dreiecken
Vierecken u.s.w. jeder Art u dadurch wieder zusammengesetztern Formen d[urc]h verschiedenartige[s]
Zusammenbodnen [sc.: ordnen] zu bilden 2. zu durchsichtigen gleichflächigen u andern ebenmäßigen Körpern wie 3
auch zu Haus Gebäuden und Hausgeräth z.B. Stuhl, Tisch, Sopha, Bank, Bettstelle, Vogelkäfig rc.
Durch das Spalten der Stäbchen aus Plättchen u Tafeln knüpft sich hier das Schnitzen u Bilden aus <-> <feinen> Holzstückchen an . Leiter Sägbock Pflug
Durch das Zusammensetzen der gleichflächigen u ebenmäßigen Körper läßt sich besonders die Entwicklung jeder
folgenden Form aus der vorhergehenden und zuletzt aus der Grund[-] u Urform gleichsam auf d[urc]h[-] und einsichtige Weise darstellen. Diese Übung ist für die Einsicht in das innerste Wesen der Formen[-] u Körper-
verwandtschaft u Entstehung und zum Einblick in die Bildungsgesetze der Natur, wie überhaupt zur
Entwickelung des schaffenden Thätigkeitstriebes auf das höchste wichtig, besonders wichtig für den Geist
fürs Gemüth.
Eine neue u die nächste Folge der Beschäftigungen bildet das Verbinden der Flächen zu körperräumlichen Darstellungen
Kästchen der verschiedensten Art - gleichflächige u ebenmäßige <> Körper - und Gebäude der verschieden[sten] Art
erstl[ich] d[urc]h Befestigen d[urc]h bloßes Falten Einbiegen - zweitens d[urc]h Verschränken – drittens durch
Leimen, Haus[-] und Wirthschaftsgeräth
Der Nutzen fürs Leben wie für den Geist ist hier besonders hervortretend.
Eine große neue Abtheilung der Beschäftigungen ist das Umwandeln der Formen
A. aus biegsamen Linien Fäden das Verschlingen derselben zu Schnüren zu andern Gegenständen
B. aus <einem> gegliederten Stäbchen (Maßstäbe) Darstellung der verschiedenen Winkel u Figuren d[urc]h Umwandlung
C. Aus biegsamen Flächen Papier das Brechen u Falten verschiedner Formen aus einer und ebendieser Geviertfläche
D. Das Kästchenmachen aus zusammenhängenden Flächen
E. Das Ausschneiden aus gleichgroßen Geviertflächen, unsichtbar sichtbar, Schließen vom Theil aufs G[an]ze vom Unvollen aufs Volle
1.[sc.. a.] Verschiedene Formen α geradlinigt β gebogen linigt γ Gemischt linigt
b. Verschiedene Gegenstände des Hauses u der Wirthschaft der Natur Baum Blume Thier Mensch
Leiter, Sägbock, Trage, Häuschen Mensch Puppe und deren Kleider
c. Ausschneiden Gebildete Dargestellte Gegenstände Geräthe, Thiere Soldaten – Trauf – Handlungen – Landschaft
Hier Entfaltung des ganzen menschlichen Gebietes – des Rechtes – der Sitte – des Betragens – der Gesinnung – der
Lebensansicht
Am Äußern das Innere im Mannichf[achen] die Einheit u in der Einheit das Mannigfaltige <Gesinnung>
Umwandlung der Körper
A fester Stoff aus Holz, Korde [sc.: Korken], Thon Nudeln, Kartoffeln,<Kohl> d[urc]h Schneiden gleich<flächen eben>
weichen Stoff Thon Lehm d[urc]h <Kneten> drücken , Nudeln zu bilden zu Körpern u Gegenständen wechselnder Gestalt u Art Thiere
bei dem Ausschneiden die belebte Natur der Mensch u Menschen als Puppen das menschliche Leben in all seinen hohen, geistigen u gemüthlichen Beziehungen u Verhältnissen in das Spiel des Kindes ganz (wie
auch Theilweise, doch besonders recht in der gestalteten Ausdehnung theilweise beim Bauen u Legen der Fall war) so ist dieß doch noch mehr
so ist dieß doch noch mehr bei dem körperl[ichen] Gestalten der Fall, welches sich zuletzt jeder Form u Art bemächtiget u sie im selbigen Spiel des
Kindes zieht u verwebt. Doch dieß führt zunächst wieder zum Spiel mit dem Runden allein Betrachtung des Ganzen zurück u hier
A mit des dem Runden der Kugel in verschiedener Größe u Zahl
B mit des dem Schahlen [sc.: Schalen] Runden Ein- Kugelform Walzenform
C. mit dem Runden in Scheiben[-] Ringen[-] u Bogenformen
D. Zur Verknüpfung des Runden u Geraden äußerl[ich]
I in Bauform u Legeform
II innerl[ich] zu Bewegung verknüpft als Rolle, Rad Gefährt Wagen rc. Hier knüpft sich das Mechanische Gebiet an
I Mechanisches Gebiet
II Naturbeachtendes Gebiet
III Menschliches Gebiet A Geschäftsgebiet B Geselliges [Gebiet] C Gebiet der Alleinigung (Religiöses Gebiet)
[Rand*-*]
[*] bis hierher
Wie sich schon überhaupt bei all dieser Spiel[-] u Beschäftigungs[-]
weise stets höheres geistiges u gemüthliches also
<kindliches> u <wissenschaft> liches Verhältniß selbst zum Höchsten zur Einheit
alles Lebens u (mit) selbst in seinen höchsten Beziehungen zu Gott
u dessen Vermittelung zu den Menschen
als <> eigen<t[hüm]liches> <relig[iöses]> Band <und> Seele d[urc]h d[a]s G[an]ze zieht
ja eben diese Spiele [so] ihr[e] entwickelnde u erziehende
Wirkung bekommen; wie dieß schon vielfach bestimmter [dargestellt wurde.] [*]
Freie Verknüpfung der Gegenstände in der mannichfachsten Art in der mannichfachsten Art [2x] u zu den verschiedensten Spiel[-] Beschäftigungs[-] u Unterhaltungs[-]
Zwecken Besonders zur Darstellung des Menschen in den mannichfachsten Entwickelungsstufen, Verhältnissen, Berufen, Thätig[-] u Wirksamkeiten
u wie sich die Bewegungs[-] u Darstellungsspiele die Wort[-] u Sprachspiele, die Ton[-] u Singspiele, das Singen rc. die Farbenspiele u Übungen des Farbensinnes Beachtungs- u Vergleichungsspiele sich überall vorthun,
ja vordrängen z.B. die Farben bey den Gaben, dem Legen, dem Aus stechen – die Töne beim Darstellen u Gestalten so erhalten sie als eigentl[iche] Farb- u Tonspiele auch ihre selbstständige Behandl[ung] so z. B. die Farben
d[urc]h das Legen farbiger Gegenst[än]de z.B. rundes Papierschneiden Oblaten wo die Form als Träger zurücktritt, wie bei d[em] Ton das Wort.
Zuletzt wird der Naturgegenstand selbst, der Stein, die Pflanze
das Thier [und] der Mensch sich selbst das Kind selbst Spielgegenstand, d.h. das Kind stellt <das> Innerste treu dar nimmt das gesam[m]te umgebende Leben in [sich] auf, spiegelt es in sich ab
vergleicht und entwickelt bildet erzieht sich so selbst und ist dieß die höchste u letzte [Aufgabe des Spielganzen] /
[4]
Durch alles dieß liegt das ganze Leben der Natur u des Menschen, das Wesen aller Dinge und vor allem des Menschen dem Kinde als ein G[anze]s und Einiges alle Entgegensetzung u Widersprüche Lösendes somit zur Aussöhnung in einem (selbst geschaffen[en]) Spiegel [seiner Spiele] offen u vor.
Es sieht zur Einsicht dieses Einigen u Stetigen kommt es nur d[urc]h stete Vermittelung[.]
Wie nun die Natur dem Menschen ihre Gegenstände auch nicht immer ja nur selten in der Folge und Reihe ihrer Entstehung
nacheinander, sondern sogleich als ein Neben- oft sogar als ein Mit- und Ineinander giebt und darstellt, wo nun der Mensch theils nur
das besonders hervorhebt und sich aneignet, was ihn besonders anzieht und theils aber auch wohl den innern Zusammenhang
und die Folge[n] der Entwickelung, Aus- und Fortbildung theilweise zu erforschen und sich zur Anschauung zu bringen sucht, so auch bei den Spielen und dem Gebrauche der Spielgegenstände der Kinder,
gegenständl[ich] u zum Sichtbarwerden u somit Anschauung u Auffassen des stets <unverkürzt> u bleibend Einigen u Unsichtbaren
es nur d[urc]h die Vermittelung des Unsichtbarsichtbaren, hier gleichsam zur Lösung u Anschauung des Innern Geistigen Bestimmenden (zur Erlösung [)]
desselben wieder nur d[urc]h Vermittelung komme, ja man könnte sagen d[urc]h die richtige Auffassung des Doppel X [sc.: Jesus Christus] komme.
Aber der Lehrer oder vielmehr der Kinderführer weil es tiefer bezeichnend aber der Kindergärtner muß dieß große Ganze stets klar in sich tragen um es in jedem einzelnen Fall wo sich nur Gel[egenheit] dazu zeigt zunächst im Einzelnen
Besondern nachzuweisen. Dieß vermittelnde, das hohe
Wesen die Wichtigkeit schon im Spiel (gegenst[än]dl[ich]) persönl[ich] zu fühlen ja gegenständl[ich] und zur wahrhaftig zur [Einigung] bringen zu sehen, um so auch nicht nur für die große Menschheit Vermittelung Aussöhnung Erlösung
empfängl[ich] zu werden welche durch X [Jesu Christi] Tod u Blut besiegelt wurde
was der Mensch als Mensch seiner Natur nach ist un[d ja der Große Menschheits Vermittler auch Mensch
war, sondern sich dieselbe auch für den Verstand gegenständl[ich] für die Vernunft einsichtig u wahr
in ihrer Allseitigkeit wahrnehmbar zu machen. Durch Jesu aber wurde auch die Vermittelung die Stetigkeit zwischen Gott (als Vater) u den Menschen (als seinen Kindern) und somit die Erlösung
und Versöhnung Aussöhnung zwischen Gott u den Menschen hergestellt und, da der Mensch zugl[eich] ein Glied der Natur ist also auch die Erlösung, Versöhnung der
ganzen Natur u aller Wesen bewirkt, was längst geahnet ja erkannt aber der die Darlegung das Wie? desselben – bis her noch vorbehalten war.
Durch dieß alles bethätigt [sc.: bestätigt] sich aber nun auch die von mir aufgestellte Kinderführung- Erziehungs- Spiel- Bethätigungs- und Be-
schäftigungsweise nicht nur als eine ächt christl[iche] sondern in ein[em] Umfange als christl[ich] in welchem das christl[iche] als ganz allgemein
auch als Naturerlösend u Naturversöhnend noch gar nicht allgem[ein] anerkannt war. Da nun aber die Welt das All, [(:] den Menschen
als seel geistl (beseeltes) leiblich beseeltes (sinnlich geistiges) daseyendes Wesen mit eingeschlossen :) hierd[urc]h als ein fried[-] und freudvolles als ein in Gott ruhendes u d[urc]h Gott
d[urc]h Gott lebendes in sich Einiges lebendes G[an]ze nicht nur erscheint sondern wirkl[ich] erkannt wird ein allseitig in sich selbst ruhendes selbst Ganzes für die äußere Betrachtung u Auffa[ssun]g aber
keinen ausgesonderten Anfangs[-] u Ausgangspunkt zeigt, sondern ebenfalls aus dem dargelegten unscheinbaren Grunde weil
alles und jedes Äußere auch der erscheinend kleinste Punkt aus u d[urc]h das Innerste, die Einheit hervor gegangen ist, so kann auch
wenn man will - der Anfangs[-] u Ausgangspunkt dieser Betrachtung von jedem Punkt aus geschehen wie jeder Punkt an der Kugel Fuß[-]
u Scheitelp[un]kt seyn u so die Mitte bestimmen kann. Auch kann nun - da die ( objective ) Wahrheit dieser Gemüths Ahnung, Kundmachung u Offenbarung u wie
man es sonst noch nennen will auch nicht objectiv gegenständl[ich], sondern auch allgemein u d[urc]hgreifend erkannt und somit in ihrer Wahrheit
nachweislich ist, - die Betrachtung des Welt- und Lebensg[an]zen der LebensEinheit (die religiöse Welt- Lebens- u Menschheitseinsicht) – ebenso auch dem Gange der Entwickelung der Menschheit u jedes Einzelnen Menschen gemäß mit jener
innern Ahnung - Innern Kundmachung u innern Offenbarung begonnen werden. Somit ist nun auch – bei ins Augefassen u Festhalten des Ganzen in
sich einigen Friede u Freudigkeit im Äußeren, wie in Hinsicht auf den Ausgangs- u Fortschreitungspunkt so wie für jedes Einzelnen Menschen
Inneren gegeben. Es zeigt sich das [sc.: daß] mit der Entwickelung des Menschen für Vollendung (nur in der Vollendung liegt mein Ziel) von jedem
Punkte der Entwickelung u Bildung ausgegangen werden kann, und muß der welcher dabey lehrend, führend, [er]ziehend, wartend, bildend
seyn will, das Ganze in sich tragen. Indem so das ganze Leben All als eine d[urc]h stetige Vermittelung Aussöhnung Klärung Ausgleich des Menschen ausgleichende Erlösung u allgemeine Klärung des Geistigen
hind[urc]hgehende Gottes Offenbarung und somit auch Erziehung des Menschengeschlechtes wie des Einzelnsten desselben zum Ziele der Menschheit Gotteinigkeit
ist. Dieses Vermittelnde, Versöhnende, Erlösende (Sphärische) findet nun nicht blos in Beziehung auf das Religiöse des Leben[s] sondern <überhaupt> auch auf
die geselligen u rechtlichen (socialen u politischen) Verhältnisse des Lebens in allen Beziehungen statt. Nutzbar für bürgerl[iches] Gewerbe u Gesellschaft[.]
Zweck des Spiels dem entgegen dahin aber das Menschengeschl[echt] in u d[urc]h jedes Kind frühe zu bilden ist meines Strebens Zweck u Ziel. Friede
Zweck des Wollens des Menschen
Das Kind der Mensch will u soll durch Selbstschaffen, Selbstthun die Welt gleichsam aus sich entfalten, Erweitern die Welt er-
kennen als was sie ist nicht als ein leeres Gehaltloses, Zusammengewürfeltes, Zusammengebautes Bedeutungs- Sinn[-] u Geistloses Unbeseeltes, To[t]des sondern als
ein in sich Zusammenhängendes, Volles Gehaltenes (seinen zunächst) Geist (seine zunächst) Seele, (sein zunächst) Leben,
(seine zunächst) Empfindung in sich tragend (: Das Spiel ist dem Kinde Lebens[-] u Weltdarstellung :)
- durch das Spiel soll das Kind das Kind soll u will wenn es spielt sbild (s bild, s pielt) aus sich und durch Selbstthätigkeit und aus sich nach u nach ein Bild von
von der Umgebenden Außenwelt
welt [2x], damit es sie nicht als ein leeres Gehaltloses, todtes Zusammengewürfeltes, aufgebautes, sondern
vielmehr zuerst darin seinen Geist sein Leben seine Seele seine Empfindung sich als Ganzes darinn finde
sein Geist Seele Leben rc ist aber ein Theil des Menschheits Geistes, Seele, Leben, also den Menschheits Geist Seele Leben
darinn Friede – dieser aber ist ein Theil des Allgeistes, der Allseele, des Alllebens, welches [in uns] lebt
daß es auch <finde> diesen dad[urc]h in sich finde – dieser ist aber ein Ausfluß (Funke) des in [sich ruhenden] Urquell, als sellich [sc.: selig] lebender
ewiger Urquell aller Dinge und so soll es diesen darin finden; so die Entwickelungs[geschichte der] Menschheit, des
All – der Gotterkenntniß – die Einsicht [in das] Gute an sich in Gott.
[Randnotiz*-*]
[*] das Kind will auch ein Bild der Außenwelt erst nur weich selbstständig (Ball) 2ens hartund beweglich
und unbeweglich u verbindend {Kugel/Kegel/Würfel} <das> Vielfältiges/Getheiltes Machen/in Gleichheit 2e Gabe} in verschieden[er] <Wahrheit> des Ruhens 4e Gabe Wechseln der Ruhe [*] /
[4R]
Das Spiel ist die Objectivi[e]rung gegenständlich Machen des eigenen/einzelnen} und die Subjectivi[e]rung eigenlebig Machen des Alllebens
und die Wahrnehmung der Gleichheit beider (Bewußtseyn)
der Mensch ist aber zum Bewußtseyn, zum Bewußtwerden bestimmt liegt im Wesen des Menschen und deßhalb liegt auch das Spiel die freye Objektivi[e]rung des eignen Lebens in dem Wesen in der Bestimmung des Menschen
Das Spiel ist ein Selbst Bild des Lebens des Menschen in sich u des Wechsellebens + der Außenwelt / das Spiel des Kindes {ist in u mit/liegt in} der Bestimmung des Menschen gegeben
Im Spiel liegt der Keim der Philosophie der Moral der Religion des {geselligen des staatlichen menschlichen} Lebens der Natur beachtung
Die Spiele haben einmal den Zweck der Darstellung des Innern Aufnehmen des Äußern u das Finden der Einheit beider
deßhalb spie bezieht sich das Spiel nicht blos auf das Entwickeln der physischen sondern auch der geistigen
intellectue[l]len u der moralischen der sittl[ichen] Kräfte. Also bezieht sich darauf die Darstellung der gesammten Innen[-] und
der gesammten Außenwelt jedes als eines und beide wieder als ein G[an]zes. Spiel ist ein ineinander Spiegeln
des Natur[-] u Lebensbildes. Spiel ist Lebens[-] u Welt Gestaltung – Lebens[-] u Weltdurchdringung – Spiel ist Selbst[-] u Weltoffen-
barung u Erkenntniß. Heilige Religiöse Mystische Spiele
NB Das Spiel und das Spielen der Kinder
in seiner wahren Bedeutung
und
die Spiele u Spielweise
FriedrichFröbels
(Gar hoher Sinn liegt oft im kindschen Spiele)
““Denn nur in der Erziehung eines neuen Geschlechtes liegt das Heil der Menschheit <>““
Ächte LebensEinung geht daraus hervor
Allen denen gewidmet welche es um
endl[iche] Einigung Klärung, um Friede u Freude
um Eintracht u Verständniß
um ächte LebensEinung
der Kindheit
in und d[urc]h dieselbe zu tun ist.
Das Spiel u Spiele ist [sc.. sind] das wichtigste für des Kindes Leben u dessen Entfaltung (denn es ist ein Spiegelbild des Lebens des Doppellebens Inn[en] Außen des Kindes [)]
Was ist das Spiel u fordert das Spiel – Lebensdarstellung}
Was zeigt das Leben? Trennung Endgegtzg [sc.. Entgegensetzung]}
Was sucht das Leben? Einigung, Vermittelung}
Was ist das Spiel, was will das Spiel[?] Lebensvermittelung} dadurch Lebensvermittelung

Am 28 Jul 1845
[Die folgenden Textteile stehen im Briefentwurf zentriert in 4 Spalten nebeneinander]
[1]
Hier ruhet
nach ädlem aufopfernden Wirken
die Frau W. Ch. H. [Wilhelmine Charlotte Henriette] Fröbel
geb Hoffmeister
die Frau mit still kinderliebenden Gemüth u Menschheit
deren einfaches Gebet
zu ihrem Gott war:
Mach mich klar
Mach mich wahr
Mach mich treu
Mach mich frey
[2]
Kommt laßt uns [unsern Kindern leben]
Diesen
Vorsatz u Streben
begrüßte Sie [sc.: sie] mit den Wort[en:]
Ein wilder leichter Sinn der faßt [es] nicht
Ein leichter stiller Sinn der faßt es nicht
Ein lauter Sinn verspottet nur
Ein tiefer [Sinn] folgt all der Spur
sterbend gab
ihren Seegen
Um sorgend blühe Ihr Andenken daher seegnend im
Gedächtniß
[3]
[Zeichnung der 2. Gabe als Denkmal
  für Wilhelmine]
<Lebenskunst Sch?>

Des Gatten höchste
Seelenfried
Ist die sichre feste Hoffnung sein[es] Gemüthes
<unendliches Ahnen> seines Geistes
einstiges Wiedersehn u Wiedereinigen mit ihr
zur seegenreichen <Freude>
im Kreise der Geister

*
[4]
Wie schon als Mädchen lebte u wirkte
Sie war Dir die innigste Freude
u Sie in Jesu r[einem] Sinn
in dessen Sinn sie lebte, leuchtend darlebt[e]
u (wirkte) ihre Menschheit
dafür [ihr] g[an]ze[s] Menschl[iches] Wesen
verklärte
NB Sägespäne
Hobelspäne
Papierabschnittseln

Entwurf b) [BN 699, Bl 5-6R]

[5]
Sr Hochehrwürden dem Herrn Prediger und Schulinspector Woepke in Annaburg

Begonnen Keilhau bei Rudolstadt am 21 Juli 1845.

Hochgeehrtester Herr.

Sie haben meinem Wirken und Streben, meiner Erziehungs-, Unterrichts- und Lehr-
überhaupt meiner Bildungsweise Ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt; Gleiches
haben auch andere erfahrene, denkende und wissenschaftliche Männer, andere ge-
müthvolle, sinnige menschen- und kinderliebende, kindliche Personen beider Ge-
schlechter, mehrere Strebende jedes Alters und Standes, des verschiedensten Bil-
dungsweges und Bildungsgrades, überhaupt Menschen der verschiedensten Verhält-
nisse, Lebensansichten und bürgerlicher Berufe gethan; dieß muß nothwendig ei-
ne tief {liegende / gegründete[}] Ursache, einen allgemeinen Grund in dem Wesen, in der Bestim-
mung des Menschen, in seinem Berufe als solcher, wie in dem Ziele und Ergebnissen
des Strebens als solcher haben, kurz es muß dieß in dem Wesen, in der Bestimmung
der Menschheit, wie in dem Geiste des Strebens liegen, mit beidem zugleich gegeben
seyn.
Ihre Theilnahme, Hochgeehrtester Herr! wünscht nun von mir eine Darlegung
des nothwendigen Ausgangspunktes, wie des innern stetigen Zusammenhanges und
des endlichen Zweckes und Zieles der von mir aufgestellten und angebahnten, entwik-
kelnden und erziehenden Spiel- und Beschäftigungs-, überhaupt Kinderbethätigungs-
und Bildungsmittel. - Ehe sich nun aber dieser, Ihre wahrhaft eingehende und
förderliche Theilnahme beweisender Wunsch erfüllen läßt, dünkt es mich vor Allem
nöthig, und ganz besonders ersprieslich den innersten und letzten Grund jener oben
erwähnten, durch alle Alter, Stände, Lebensverhältnisse, Berufe, Bildungsstufen
u. s. w. wie durch beide Geschlechter hindurchgehende Theilnahme an dem Gegen-
stande aufzusuchen; welche vielfach angeregte und -ich darf wohl, nach Ihren ei-
genen bestimmten Äußerungen hinzufügen - mehrfach befriedigte Theilnahme
Sie ja selbst an sich wahrgenommen, bethätigt und ausgesprochen haben.
Also zunächst Aufsuchung und Nachweis des allgemein durchgreifenden Grundes
der so vielseitig bethätigten Theilnahme an dem, der Betrachtung vorliegenden
Gegenstande.-
Daß der Mensch ein sinnlich-geistiges Wesen, und, daß demnach der Körper,
der Leib – (: in welchen Graden wechselseitiger Durchdringung thut hier nichts
zur Sache :) - gleichsam der Träger des Geistes ist, glaube ich - (: und ohne jedoch hier
in das ursprüngliche Verhältniß beider zu einander hier weiter einzugehen
zu müssen :) - als eine ganz allgemeine Überzeugung annehmen u voraussetzen zu dürfen.
Ebenso, daß der Mensch am Äußeren und durch Äußerliches, am Körperlichen
und durch Körperliches, sein Inneres und Innerstes, sein Geistiges darzu-
stellen, sich sein Wesen so gegenständlich zu machen, sich seiner selbst be-
wußt zu werden habe.
Ebenso, daß der Mensch im und am Äußeren u. durch Äußeres, so vor /
[5R]
Allem auch in und an der Natur und durch dieselbe pp das Innere und Innerste
den Geist zu finden zu erkennen, wahrzunehmen habe. Oder daß derselbe
dort das Unsichtbare und die Einheit an dem Sichtbaren und Mannigfaltigen
und durch dasselbe kund zu thun und hier umgekehrt an und in dem Sichtbaren und
Mannichfaltigen und durch dasselbe das Unsichtbare und die Einheit wahrzuneh-
men aufzufassen (und zu erkennen) habe; daß also sogar das Selbstgefühl, die Selbstwahrneh-
mung, das Selbstbewußtseyn Selbsterkennen durch Äußeres, Körperliches, Leibliches Vergängliches erst
möglich werde; und weiter, daß der Mensch
hier in dem Vergänglichen das Bleibende darzustellen und das Bleibende
und Unvergängliche an und in dem Vergänglichen aufzufassen wahr[zu]nehme[n] (und zu schauen)
habe, darum an und in dem Zeitlichen das Ewige, und umgekehrt, an dem
Irdischen das Himmlische, in dem Menschlichen das Göttliche u. s. w. u.s.w.
also mit Einem Worte: - in der Erscheinung das Seyn zu (sehen) schauen zu erkennen habe, und in dem
und durch das Seyn die Erscheinung_zu deuten und aufzulösen habe.
Wie nun schon Inneres und Äußeres, Seyn und Erscheinen, Einheit und
Vielheit, Einigung und Trennung so ist besonders Leben und Tod, das äuße-
re Vergehen Geist und Körper ihren Zweck mit [eine] wahrhaft[e] dem Menschen zum
Nachdenken zum Selbstbewußtseyn Selbsterkennen bringende Erfahrung, Beachtung. Das Vergäng-
liche ist aber in seiner äußersten Erscheinung der Tod und das Bleibende in seinem
Erscheinen ist das Leben.
Für dieß nun hierdurch mehrfach ausgesprochene und allseitig angedeutete
dem Menschen ja selbst schon dem kleinsten Kinde seinem Gemüthe mehrfach ebenso mehrfach u allseitig entgegentretende
Entgegengesetzte, Getrennte das Vermittelnde, für dieß in der Erscheinung
Widerstrebende, gleichsam Feindschaftliche, das Versöhnende zu erkennen, und
- da das Geistige ebenso gleichsam durch das Körperliche gebunden, gefesselt er-
scheint – für den gebundenen Geist, für das gefesselte Belebende, für das gefesselte Leben gleichsam das Erlösende
zu suchen; zu finden ist nun aber der Grundzug, die Ursehnsucht, wie auch
die erste Ahnung und erste Hoffnung des Menschengeschlechtes und somit auch jedes ein-
zelnen Menschen und dieß so lange, als das Menschengeschlecht und jeder Einzelne sich
seiner bewußt ist; sie lebt und spricht sich, wenn auch nach den verschiedenen Entwickelungsstufen auf die verschiedenste Weise, in Jedem aus.
Dem Kinde selbst schon tritt sehr frühe bei dem unmittelbaren Gefühle der Trennung
und Entgegensetzung des Widerstrebenden gleichsam Feinseligen, des Gebundenen
und Gefesselten die, wenn auch noch so dunkle Ahnung, gleichsam ein ebenso unmittel-
barer Zug entgegen, später sich selbst zur Hoffnung entfaltend, ja selbst im milden Getön
als süße Verheißung in seinem Innern sanft erregend wiederhallend - in der Mutter und durch
die Mutter das ersehnte, ja bedürfende Vermittelnde, in gleicher Weise Versöhnende,
und ebenso Lösende, Erlösende zu suchen, zu finden; wie dieß ja schon eine nun nicht
ganz oberflächliche Beachtung des Kindheitlebens, der Kindheitschmerzen, der
Kindheit- ja der Säuglingsleiden zeigt. - In dieser Ahnung um das Vermittelnden, Ver-
und Aussöhnenden, Befreienden und Erlösenden in der Mutter und durch die Mutter
(: später zugleich auch mit durch den Vater :) zu finden, hat nun auch das hohe Vertrauen des Kindes zu der
Mutter, die tiefe Einwirkung der Mutter auf des Kindes Leben, Gemüth undGeist
ihren Grund; wie dieß die Geschichte der Menschheit, des Menschengeschlechtes so viel-
fach zeigt.
Dem Menschengeschlechte aber als einem Ganzen und somit aber auch jedem
einzelnen Menschen ist nun aber dieß früh geahnete, wie früh verheißene Ver-
mittelnde
, Versöhnende, Erlösende und auf die dem Wesen der Menschheit ent-
sprechendste und genügendste Weise durch Jesus Christus kund gethan und begründend und
anbahnend pp gezeigt worden. Ja, er ist selbst dieß Vermittelnde, /
[6]
Versöhnende, Erlösende in seinem Selbstbewußtseyn und seiner Wiederspiegelung seines Lebens in der Geschichte seines Volkes der mit ihr verwobenen g[an]zen Menschh[eit]
und somit subjectiv-objectiv, wie allen die seine Aussprüche subjec-
tiv wahr erkennen, subjectiv von deren Wahrheit durchdrungen sind.
Allein mit welcher Macht sich nun auch diese subj-ob[jecti]ve Überz[eugun]g im Gemüthe d[urc]h die sich gegenseitigen das objective ahnen[d]
sich abspiegelnden subjectiven Überlegungen im Gemüthe immer
Welche Macht nun aber auch diese subjective Überzeugung d[urc]h ihr gegen-
seitiges sich Abspiegeln im Gemüthe immer erhalten möchte,
- so liegt <der Gr[un]d> diese Macht doch ganz besonders in der Ahnung welche gleichsam im Hintergrund liegenden Erwartung
daß die Ursache daß die überwiegend subjective Überzeugung sich auch als rein objective Wahrheit beurkunden zeigen werde und so lebt und wirkt denn auch
in jedem
Aber In jedem einzelnen christlichen, auch selbst blos unter
dem Einflusse des Christlichen lebenden Menschen des
jetzigen Geschlechtes lebt und wirkt nun, auch wenn auch auf
und in sehr verschiedenen Stufen der Stärke und Klarheit
die Ahnung, Hoffnung, ja Überzeugung, daß jene kund-
gethanene, begründende und angebahnte, dem Menschen-
geschlechte wirklich gewordene, im Innern im Gemüthe im subjectiven Bewußtseyn
schon im Glauben (Einzelner wie und) ganzer Geschlechter ihre
Anerkennung findende Vermittelung, Versöhnung und
Erlösung, nunmehr endlich auch gegenständlich, objectiv, dem
besonderen und allgemeinen Verstande, der besonderen u.
allgemeinen Vernunft einsichtig gemacht, sie in ihrer
darum nothwendigen, durchgreifenden Allgemeinheit nach-
gewiesen und erkannt, und so nicht nur als die dem Menschengeschlechte
nicht nur wirklich zu werdende, sondern [als] wirklich gewordene
zur Aallgemeinen auch Anerkenntniß werde gebracht werden.
Diese nun aber auch wirklich in jedem Christen und vom christlichen Princip er-
regten Menschen theils unbewußt und g[an]z dunkel lebende Ahnung u. Hoffnung,
theils wohl auch schon in verschie-
denen Stufen der Einsicht gewonnene Überzeugung, - daß
das subjectiv Wahre auch objectiv dem Verstande der Ver-
nunft einsichtig werden werde, legt nun den prü-
fenden Maaßstab
sogleich, ja unbewußt an alles
und jedes was worin sich die Möglichkeit zeigt ausspricht und was Weg und Mit-
tel zu zeigen ergiebt verspricht, daß jene Ahnung Gewißheit
werde, jene Hoffnung in Erfüllung gehe, jene Über-
zeugung sich bestätige und bewähre, und somit auch
in meine sich mit einer gewissen Ausdruck durchgreifender Allgemeinheit
gebende Erzieh[ungs]weise, an die von mir als ein in sich geschlossenes Ganzes aufgestellten
Kinderspiel- und Kinderbeschäftigungsmittel, sobald sie
Menschen nahe kommen, die von jener Ahnung u. Hoff-
nung durchdrungen, von jener Überzeugung belebt
sind, und dieß um somehr als diese Spiel- und Beschäfti-
gungs-, diese Erziehungsmittel, Wege und Weisen sogleich
Einfachheit, Stetigkeit, in der Beschränkung Genügsamkeit, in dem
Einzelnen Allgemeinheit, in dem Körperlichen das Gei-
stige rc, Vermittelung des Getrennten, Versöhnung
des Widersprechenden, Lösung des gleichsam Körper-
lich-Gebundenen zeigen, mindestens ahnen lassen
und durch für sich einnehmen.
[Rand*-*]
[*] Dieß kann aber nur geschehen wenn das Vermittelnde Versöhnend[de] erlösen[de] Princip
als d[urc]h die ganze Weltordnung in allgemeinen geistigen Leben wirkt mit unabweislicher Nothwendigkeit
d[urc]hgehend nachgewiesen wird; oder wenn das Subjectiv
Wahre auch rein objectiv wahr nachgewiesen werden kann selbst das subjectiv objectiv wahre[.]
Diese Ahnung Hoffnung Überzeugung daß das geschehe lebt aber in jedem gleichsam unbew[ußt] u sie liegt ebenso unbewußt [im Kinde.] [*]
Ahnung nun weckt Ahnung, wie Hoffnung die weckt
Hoffnung weckt, Schauen weckt Überzeugung, Streben
Gefundenhaben und Geben wecken aber im gleichfalls
Strebenden, Sehnenden und Suchenden - Theilnahme,
Streben, Sehnen u. Suchen ist aber das fast durchgehende /
[6R]
jetzt in dem Menschen Wirkende, wie Pflegen, Stärken,
Kräftigen, Befähigen, Stärken, Finden und Geben das Wesen meiner Kinder-
führungsweise und somit erklärt sich mir, als tief in
dem Menschenwesen und besonders in dem christlich
gebildeten Menschen, in dem Christen gegründet -
die, - sich mir von Personen jedes Alters, Geschlechtes
aussprechende Theilnahme an meinen erzieh-
enden Bestreben, und besonders an den in demselben von mir
aufgestellten und angebahnten Erzieh- Spiel- und
Beschäftigungsmitteln Wegen und Weisen. -
Und somit glaube ich den allgemeinen, tief in dem
menschlichen Wesen, in der menschlichen Natur und ganz
besonders in der christlichen Bildung, Sehnsucht und Er-
wartung liegenden Grund der oft genannten Theil-
nahme als erste Aufgabe dieses Briefes klar
und genügend nachgewiesen und wie so zugleich den
Weg angebahnt zu haben die Kinderpflege- Spiel-
und Beschäftigungsmittel, Wege und Weisen
selbst in ihrem natürlichen, einfachen und stetigen Zu-
sammenhange und Wesen darzulegen; was nun hier
als die Lösung der zweiten Aufgabe dieses Briefes
folgt.
[Ergänzung auf Rand*-*]
[*] Nur einzig und ausschließend zu dem brieflichen u somit g[an]z persönlichen Hausgebrauch als Handschrift d[urc]h den Druck
vervielfältigt [*]
Gottes Geschöpf der Mensch als Kind als sinnlich geistiges Wesen erscheint auf
der Erde als Kind vermittelt durch seine Eltern und zunächst
unmittelbar vermittelt durch seine Mutter also als lebenswichtiges Glied einer lebenvollen Familie
diese Auffassung des Kindes in dieser Einheit u d[urc]h thätige Beziehung Einigung
seines Wesens und in der Allseitigkeit seiner Verhältnisse; die-
ses ist mir zuförderst für die allseitig gedeihliche Ent-
wickelung des Kindes in seinen natürl[ichen] Verknüpfungen und Verhältnissen
– und wird von mir als die
erste Grundlage und als der Ausgangspunkt einer all-
seitig genügende Erziehung, Pflege des Kindes fest-
gehalten indem die Mutter ihrem Wesen u ihrer Stellung nach nicht nur
für das Kind mehrfach vermittelnd
[Randergänzung*-*]
[*] [insbe]sonders das Kind erhält auch d[a]d[urc]h nicht nur
seine richtige sondern auch allseitig befriedigende
Stellung zu Gott, Natur, u Menschheit, und somit zu u mit sich selbst
wie ebenso aber der [sc.: zur] Mutter, dem Vater, die gesammte Familie rc [*]
dasteht
einmal und zuerst vermittelnd zwischen ihm und sei-
nem Urgrunde, seinem Schöpfer, dem Urquell seines
Lebens – Gotte
  dann vermittelnd zwischen ihm dem Kinde und ihrem
Gatten dem irdischen Vater des Kindes
  hierdurch weiter vermittelnd zwischen ihm dem Kinde
und der Menschheit, dem Menschengeschlechte
  weiter (später) vermittelnd zwischen ihm dem Kinde
und dem Mittler zwischen der Menschheit und Gotte
  endlich und zuletzt aber auch ganz besonders noch
vermittelnd zwischen ihm dem Kinde und der Natur.
Über keines dieses Vermittelungsarten darf die Mut-
ter, als ächte menschliche und christliche Mutter ja keines der Familienglieder unklar seyn,
[bricht ab]

Entwurf c) [BN 699, Bl 7-8R] [8R kommt vor 8V]

[7]
Sr Hochwürden dem Herrn Prediger und Schulinspector Woepke in Annaburg

Begonnen Keilhau bey Rudolstadt am 21 Juli 1845

Hochgeehrtester Herr

Sie haben meinem Wirken und Streben, meiner Erziehungs-
Unterrichts- und Lehr-, überhaupt meiner Bildungsweise
Ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt; Gleiches haben
auch andere erfahrene, denkende und wissenschaftliche
Männer, andere gemüthvolle, sinnige, menschen- und
kinderliebende, kindliche Personen beider Geschlechter,
mehrere Strebende jedes Alters und Standes, des verschie-
densten Bildungsganges und Bildungsgrades, überhaupt
Menschen der verschiedensten Verhältnisse, Lebensansichten
und Berufe gethan; - dieß muß nothwendig eine all-
gemeine Ursache, einen tiefliegenden Grund in dem
Wesen, in der Bestimmung des Menschen, in seinem
Berufe als solcher, wie in dem Ziele und Ergebnissen
des Strebens als solcher haben, kurz es muß dieß in
dem Wesen, in der Bestimmung der Menschheit, wie
in dem Geiste meines erziehenden Strebens, mit bei-
dem zugleich gegeben seyn.
Ihre Theilnahme, Hochgeehrtester Herr! wünscht
nun von mir eine gedrängte Darlegung des noth-
wendigen Ausgangspunktes, wie des innern stetigen
Zusammenhanges und des endlichen Zweckes und Zieles
der von mir aufgestellten und angebahnten, entwik-
kelnden und erziehenden Spiel- und Beschäftigungs-,
überhaupt Kinderbethätigungs- und Bildungsmittel.-
Ehe sich nun aber dieser, - Ihre wahrhaft eingehende
und förderliche Theilnahme beweisender Wunsch er-
füllen läßt, dünkt es mich vor allem nöthig und der
Sache ganz besonders ersprieslich den innersten und
letzten Grund jener oben erwähnten, durch alle
Alter, Stände und Lebensverhältnisse, Berufe,
Bildungsstufen u.s.w. wie durch beide Geschlechter
hindurch gehende Theilnahme an dem Gegenstande
aufzusuchen; welche vielfach angeregte und -ich darf
wohl, nach Ihren eigenen bestimmten Äußerungen
hinzufügen - mehrfach befriedigte Theilnahme Sie ja /
[7R]
selbst an sich wahrgenommen und ausgesprochen haben.
Also zunächst Aufsuchung und Nachweis des allgemeinen
durchgreifenden Grundes der so vielfach bethätigten
Theilnahme an dem, der Betrachtung vorliegenden
Gegenstande.-
Daß der Mensch ein sinnlich-geistiges Wesen, und,
daß demnach der Körper, der Leib gleichsam der Trä-
ger des Geistes ist, glaube ich - (: ohne jedoch hier in das
ursprüngliche Verhältniß beider zu einander weiter
eingehen zu müssen :) - als eine ganz allgemein erkannte
Thatsache und Erfahrungsthatsache, als ganz allgemeine Über-
zeugung voraussetzen zu dürfen.
Ebenso, was mit Nothwendigkeit daraus folgt: daß der Mensch am Äußeren und durch Äu-
ßerliches, am Körperlichen und durch Körperliches
sein Inneres und Innerstes, sein Geistiges darzustel-
len, sich sein Wesen so gegenständlich zu machen,
sich seiner selbst bewußt zu werden, habe und umgekehrt
Ebenso daß der Mensch im und am Äußeren u.
durch Äußeres, so vor Allem auch an und in der Natur
und durch dieselbe pp das Innere und Innerste, den Geist
zu suchen und zu finden habe; oder, daß derselbe Mensch
bestimmt sey dort das Unsichtbare und die Einheit an dem Sicht-
baren und Mannigfaltigen und durch dasselbe kund zu
thun, und
hier umgekehrt an und in dem Sichtbaren und
Mannigfaltigen und durch dasselbe das Unsichtbare u.
die Einheit aufzufassen habe bestimmt sey; und weiter
daß derselbe der Mensch in dem Vergänglichen das Bleibende
darzustellen und das Bleibende in dem Vergänglichen
wahrzunehmen, darum an und in dem Zeitlichen
das Ewige, und umgekehrt, an dem Irdischen das
Himmlische, in dem Menschlichen das Göttliche u.s.w.
u.s.w. also mit Einem Worte: - in der Erscheinung
das Seyn zu schauen, zu erkennen, und in dem Seyn
und durch dasselbe Seyn die Erscheinung zu deuten und
aufzulösen habe; daß also das sogar das Selb[st]gefühl,
die Selbstwahrnehmung das Selbstbewußtseyn und
Selbsterkennen dem Menschen erst durch Äußeres, Körperliches, Leibliches
Vergängliches erst dem Menschen an welchem und durch welches sich sein
Wesen entwickelt und sich selbst gegenständlich wird [,] möglich werde.
Das Vergängliche ist aber in seiner äußersten Er-
scheinung ist dem Menschen der Tod, und das Bleibende in seinem
innersten Wirken ist ihm das Leben./
[8R]
Einsichtig u. für das Leben seegensr.[eich] zu machen wie Durch Jesu aber wurde nun auch die ursprüngliche Vermittelung
(die Stetigkeit, die Einigung) zwischen Gott (als Vater)
und dem Menschen (als seinem Kinde) wieder hergestellt d.i. erkannt und so[-]
mit da alle Trennung auch die zwischen den Menschen u. Gott gesetzte Fesseln und Feindschaft <->,
erzeugt - durch Ihn die Vernichtung beider, darum Erlösung und Aussöhnung gebracht, und – da weil der
Mensch zugleich ein Glied der Natur ist, - also auch
die Erlösung und Versöhnung der ganzen Natur und
aller Wesen die Einsicht in den Frieden und die Freude des
Weltganzen und dadurch die Anerkenntniß jedes
Seyns und Wesens an seiner ursprünglichen Stelle u Bestimmung
bewirkt wurde, was längst geahnet, ja
erkannt, aber die Darlegung des Wie? – noch nicht
nachzuweisen war.
Durch dieß Alles bestätigt sich aber nun auch die
Da nun aber auch die im Vorstehenden aufgestellte dargelegte Kinderführungs-, Er-
ziehungs-, Spiel-, Bethätigungs- und Beschäftigungs-
weise wie nachgewiesen auf dem auf durch Jesu gebrachten
vorgelebten und im Leben <besiegelten> Gedanken der Vermittelung
ruht, so bestätigt sich dieselbe Kinderführungsweise durch alles dieß diesen daselben
nicht nur als eine dem Wesen nach sondern auch
dem Ziel und Zwecke nach ächt christliche und z[war]
in einem dem Umfange als christliche, in welchem das
Christliche, als zugleich das Naturerlösende und Naturversöhnende
noch gar nicht allgemein erkannt war mit umfaßt,
indem aber dadurch bei der Erscheinung äußerer
Trennung und Entgegensetzung die Auffassung und Anschauung der
innern Einheit angebahnt und vorbereitet
wird, was ja in dieser Form und auf diese
Weise (wie es deren verschiedene giebt) ausge-
sprochen, das eigentliche Wesen der christlichen
Religion, (der Religion der Vermittelung und <WeltEin[igun]g> rc) aus[-]
macht, welche eben darum auch die Grundlage
aller um- und erfassenden Menschen[-] u Menschheitserziehung ist.
Wie nun aber so hierdurch die Welt, das All – den Menschen
als körperlich leibliches Daseyendes sinnlichgeistiges
Wesen
mit eingeschlossen – hierdurch hierin als ein somit ächt fried-
und freudvolles, als ein aus Gott hervorgegangenes in Gott ruhendes und durch
Gott lebendes Ganzesnicht nur erscheint, sondern auch
wirklich erkannt wird: - ein allseitig gleichmäßig
in sich selbst ruhendes Ganzes aber wie als Anschauungsmittel (z.B. Kugel) dafür die
äußere Betrachtung und Auffassung aber keinen
fest ausgesonderten Anfangs- oder Ausgangspunkt zeigt;
sondern jeder Punkt an und in demselben dazu festgehalten werden kann
sondern so kann auch, wenn man will – aus dem
dargelegten einfachen Grunde: weil alles und jedes
Äußere eines Ganzen, auch der kleinste Punkt desselben aus dem Innersten
und aus der Einheit hervorgegangen ist – der
Anfang und Ausgang dieser Betrachtung
der Verlagerung der Einigung durch die Vermittelung aus von jedem
Punkte
des Ganzen aus geschehen; wie durch jeden Punkt an dem-
selben (und z.B. an der Kugel) dem der gleichsam Fuß- und

Scheitelpunkt seyn, und so die Mitte, die unsichtbare Einheit desselben bestimmen kann.
Auch kann nun – da die
Wahrheit der
Gemüthsahnung, Gemüthskundmachung,
Offenbarung und wie man es sonst noch nennen
will, nicht
wie gegenständlich so auch als allgemein
wie durchgreifend man somit in ihrer Wahrheit
nachweislich ist – der Betrachtung des Welt-
und Lebensganzen, der Lebenseinheit, die religiöse
Welt- Lebens- und Menschheitserkenntniß u Einsicht, /
[8]
- dem Gang der Entwickelung der Mensch[heit und]
jedes einzelnen Menschen gemäß, mit je[ner Ahnung,]
jener innern Kundmachung und Offenbarun[g begon-]
nen werden. Somit ist nun auch - beim Ins-[Auge-Fassen]
und Festhalten des Ganzen als In-Sich-Einigen – in Hinsicht auf
den Ausgangs- und die Fortschreitungspunktweise Friede u. Freudigkeit im Äußeren
so wie für jedes einzelnen Menschen
Inneren gegeben. Es zeigt sich also, daß mit der Entwik-
kelung des Menschen für Vollendung, für Vollkommen-
heit von jedem gegebenen Punkte der Entwickelung und
Bildung ausgegangenwerden kann, immer muß wie
dieß schon vorhin ausgesprochen worden ist – die Person
welche dabei pflegend, erziehend bildend rc ist stets das
Ganze klar und mindestens kräftig lebenvoll in sich
tragen, das ganze Leben, überall wo sich Leben k[und thut]
als ein, durch stetige Vermittelung (Freimachung
des Geistigen, somit Klärung, Aussöhnung, Erlösung)
hindurchgehende Gottesoffenbarung und somit
auch die Erziehung des einzelnen Menschen wie
des ganzen Menschengeschlechtes zum Ziel der
Menschheit: - Gotteinigung, Gotteinigkeit
festgehalten werden. Dafür hier die Ahnung und Hierfür zur Ahnung dieses Ganzen
um den Menschen schon frühe zu wecken ist [der Weg]
daß er das geahnete und erkannte Wahre <selbst> und
selbstthätig thue; das ist das Ziel der hier vor-
geführten Spiele und Spielweise; damit so das Kind
durch das was es spielt, was es frey u selbstthtätig in sich aufnimmt
u was es frey u selbstthätig wieder aus sich darstellt
also aus und durch sich, ein
Bild von der äußeren Umgebungs- und von seiner
innern Empfindungs- und Vorstellungswelt wer-
de [sc.: schaffe] es so den innern Lebensgrund und Quelle beider
als den Urquell und vater aller Dinge und
alles Lebens erkenne, und dem gemäß
auch selbst arbeite, lebe, wirke, schaffe lebe [.] –

Abschrift

[1]
Sie haben meinem Wirken und Streben, meiner Erfahrungs-
Unterrichts- und Lehr- überhaupt meiner Bildungsweise
Ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt; Gleiches haben
auch Andre, erfahrene, denkende und wissenschaftliche
Männer, andre gemüthvolle, sinnige, menschen- und
kinderliebende, kindliche Personen beider Geschlechter, meh-
rere Strebende jeden Alters und Standes, des verschieden-
sten Bildungsganges und Bildungsgrades, überhaupt
Menschen der verschiedensten Verhältnisse, Lebens-
ansichten und bürgerlichen Berufe gethan;- dies muß
nothwendig eine allgemeine Ursache, einen tiefliegenden
Grund in dem Wesen, in der Bestimmung des Menschen,
in seinem Berufe als solcher, wie in dem Ziele und den
Ergebnissen des erziehenden Strebens, kurz es muß
dies in dem Geist, Wesen, in der Bestimmung der Menschheit,
wie in dem Geiste des erziehenden Wirkens und Strebens
mit beiden zugleich gegeben sein.
Sie wünschen von mir eine gedrängte Darlegung des
des [2x] nothwendigen Ausgangspunktes, wie des innern
stetigen Zusammenhanges und des endlichen Zweckes und
Zieles der von mir angebahnten und aufgestellten
entwickelnden und erziehenden Spiel- und Beschäfti-
gungs- überhaupt meiner Kinderbeschäftigungs[-] und
Bildungsmittel.
Ehe sich nun aber dieser Wunsch erfüllen läßt, dünkt
es mich vor Allem nöthig und der Sache ganz besonders
ersprießlich, den innersten und letzten Grund jener eben
erwähnten, durch alle Alter, Stände, Lebensberufe, Verhält-
nisse, Bildungsstufen u.s.w. wie durch beide Geschlechter
hindurch gehenden Theilnahme an dem Gegenstande,
aufzusuchen; welche vielfach angeregte und – ich
darf wohl nach Ihren eigenen bestimmten Äußerun-/
[1R]
gen hinzufügen - mehrfach befriedigte Theilnahme
Sie ja selbst an sich wahrgenommen und ausgesprochen
haben.
Also zunächst Aufsuchung und Nachweis des allgemein durch-
greifenden Grundes der so vielfach bethätigten Theil-
nahme an dem der Betrachtung hier vorliegenden
Gegenstande.
Daß der Mensch ein sinnlich-geistiges Wesen,
und daß demnach der Körper, der Leib gleichsam der Trä-
ger des Geistes ist, glaube ich - (ohne jedoch in das ur-
sprüngliche Verhältniß beider zu einander weiter
eingehen zu müssen) - als eine ganz allgemein erkannte
That u. Erfahrungssache als ganz allgemeine Überzeugung
voraussetzen zu müssen dürfen.
Ebenso glaube ich - was unmittelbar mit Noth-
wendigkeit daraus folgt, voraussetzen zu dürfen:
das Geistige an dem Sinnlichen wahrzunehmen und kund zu thun
daß der Mensch am Äußerlichen und durch Äußerliches, am Kör-
perlichen und durch Körperliches sein Inneres und Innerstes,
sein Geistiges darzustellen, sich sein Wesen so
gegenständlich zu machen, sich seiner selbst bewußt
zu werden, - und umgekehrt in und am Äußeren
und durch Äußeres, so vor Allem auch in und an der Natur,
und durch dieselbe das Innere und Innerste, das Wesen,
den Geist zu suchen und zu finden habe; - oder daß derselbe
bestimmt sei -
dort das Unsichtbare und die Einheit an dem Sichtbaren
und Mannigfaltigen und durch dasselbe kund zu thun, und hier
umgekehrt an und in dem Sichtbaren und Mannigfalti-
gen und durch dasselbe das Unsichtbare und die Einheit auf-
zufassen; und weiter -
daß der Mensch in dem Vergänglichen das Bleibende dar-
zustellen, und das Bleibende in dem Vergänglichen /
[2]
das Bleibende darzustellen, u. das Bleibende in dem
Vergänglichen wahrzunehmen, darum an und in dem
Zeitlichen das Ewige und umgekehrt, - an dem Irdischen
das Himmlische, in dem Menschlichen das Göttliche u.s.w.
also mit Einem Worte: - in der Erscheinung das Seyn
zu schauen, zu erkennen, und in dem Seyn in und durch dasselbe
die Erscheinung zu deuten und aufzulösen habe; -
daß also sogar das Selbstgefühl, die Selbstwahrneh-
mung, das Selbstbewußtsein, das Selbsterkennen
und die Selbsterkenntniß dem Menschen erst durch Äu-
ßeres, Körperliches, Leibliches, Vergängliches – an
welchem und durch welches sich sein Wesen entwickelt
und ihm selbst gegenständlich wird, - möglich werde.
Das Vergängliche äußerer Erscheinung ist dem Menschen
aber der Tod und des Bleibenden innerstes Wirken
ist ihm Leben.
Wie nun schon Inneres und Äußeres, Sein und Er-
scheinen, Einheit und Vielheit, Einigung und Trennung,
Bleiben und Vergehen, Geist und Körper, so ist ganz
besonders Leben und Tod die erste den Menschen zum
Nachdenken, zum Selbstbewußtsein, Selbsterkennen
zur Selbsterkenntniß drängende Erfahrung.
Für dies nun hier mehrfach ausgesprochene und
allseitig angedeutete Entgegengesetzte, Getrenn-
te das Vermittelnde, für dies in der Erscheinung
Widerstrebende, gleichsam Feindschaftliche das Ver-
söhnende zu erkennen und - da das Geistige ebenso
gleichsam durch das Körperliche gebunden, gefesselt er-
scheint - für den gebundenen Geist, für das gefesselte Leben
gleichsam das Erlösende zu suchen, zu finden ist nun aber
der Grundzug, die Ursehnsucht wie auch die erste Ahnung,
die erste Hoffnung, die erste vernehmende Verheißung
des Menschengeschlechts und somit auch jedes einzelnen Menschen /
[2R]
und dies so lange das Menschengeschlecht und jedes Einzelne
sich seiner bewußt ist; sein leben und sprechen sich als ein
in sich innig Einiges, wenn auch nach den verschiedensten Ent-
wickelungsstufen auch auf die verschiedenste Weise in jedem
Menschen aus. - Dem Kinde selbst schon tritt sehr früh
bei dem unmittelbaren Gefühle der Trennung und Entge-
gensetzung des Widerstrebenden gleichsam Feindseligen,
des Gebundenen und Gefesselten, die wenn auch dunkle Ah-
nung, gleichsam ein ebenso unmittelbarer Zug entgegen,
später sich selbst zu immersteigender Hoffnung entfaltend,
ja selbst im milden melodischen Getön als süßer Ver-
heißung in seinem Innern sanft erregend wiederhallend -
in der Mutter und durch die Mutter, das ersehnte, ja bedürfen-
de
Vermittelnde, in gleicher Weise Versöhnende und ebenso
Lösende, Erlösende für seine Schmerzen zu suchen, zu finden;
wie dies ja schon eine nur nicht ganz oberflächliche Be-
achtung des Kindheitlebens selbst schon des allerfrühesten,
der Kindheitschmerzen, der Kindheit[-] ja der Säuglingsleiden
zeigt.-
In dieser Ahnung um das Vermittelnde, Verbindende und
Aussöhnende, Befreiende und Erlösende in der Mutter
(später auch zugleich mit durch den Vater) zu finden, hat nun
eben auch das hohe Vertrauen des Kindes zu der Mutter,
die tiefe Einwirkung der Mutter auf des Kindes Leben,
Gemüth undGeist ihren Grund; wie dies die Geschichte der
Menschheit, des Menschengeschlechtes so vielfach zeigt.
Dem Menschengeschlechte aber als einem Ganzen und
somit aber auch jedem einzelnen Menschen ist nun auch dies
früh geahnete, wie früh verheißene Vermittelnde, Versöhnende
Erlösende und auf die dem Wesen der Menschheit entsprechendste
u. angemessendste Weise durch Jesus Christus kund gethan,
begründend u.anbahnend pp gezeigt worden. Ja er ist selbst dies
Vermittelnde, Erlösende, Versöhnende in seinem Selbstbewußtsein /
[3]
und in der Wiederspiegelung seines Lebens in der Ge-
schichte seines Volkes und in der mit ihr verwobenen
Entwickelungs[-] und Erziehungsgeschichte der ganzen
Menschheit und somit subjectiv-objectiv, wie allen
denen, die seine Aussprüche in ihrem Gemüthe und
Geiste (subjectiv) wahr erkennen, die von deren Wahr-
heit in sich (subjectiv) durchdrungen sind.
Welch Macht und Gewalt nun aber auch diese subjec-
tive und objective Überzeugung, durch ihr gegenseitiges
Sichabspiegeln im Gemüth immer erhalten möchte,
so ist doch die letzte Ursach derselben ganz besonders
die, wenn auch noch so verschleiert im Hintergrund
liegende sichere Erwartung, daß die bis jetzt noch über-
wiegend subjective-objective Überzeugung, sich auch
als rein objective Wahrheit beurkunden werde und
so lebt dann auch und wirkt in jedem einzelnen christlichen, auch
selbst blos unter dem Einflusse des Christlichen stehenden
Menschen des jetzigen Geschlechtes, wenn auch auf und
in sehr verschiedenen Stufen die Ahnung, Hoffnung,
ja Überzeugung, daß jene kund gethanene, in
subjectiv-objectivem Bewußtsein, schon im Glauben ganzer Ge-
schlechter ihre Anerkennung findende Vermittelung
Versöhnung und Erlösung endlich auch rein objectiv, dem besonderen
und allgemeinen Verstande, der besondern und allgemeinen Vernunft
einsichtig gemacht, sie in ihrer darum nothwendigen,
durchgreifenden Allgemeinheit nachgewiesen und
erkannt und so als die dem Menschengeschlechte nicht nur
wirklich zu werdende, sondern als wirklich gewordene -
zur allgemeinen Anerkenntniß werde gebracht werden.
Diese nun in jedem Menschen und vom christlichen Prinzip
erregten Menschen theils noch mehr oder minder unbewußt
und dunkel lebende Ahnung und Hoffnung, theils wohl auch /
[3R]
schon in verschiedenen Stufen der Einsicht gewonnene Über-
zeugung, - daß das subjective Wahre und selbst auch das
Subjectiv-objectiv Wahrgewordene, auch rein objectiv
dem Verstande und der Vernunft werde einsichtig werden,
daß das vermittelnde, erlösende, versöhnende Prinzip als wirklich
thätiges durch die ganze Weltordnung in allem Geistigen
und Leben mit unabweislicher Nothwendigkeit durchgehend
werde nachgewiesen werden - legen den prüfenden Maß-
stab sogleich, mehr oder minder, ja unbewußt an Alles und Jedes
worin sich die Möglichkeit zeigt und Weg und Mittel ausspricht,
daß jene Ahnung werde Gewißheit werden, jene Hoffnung werde
in Erfüllung gehen, jene Überzeugung sich bestätigen und
bewähren, und somit auch in die von mir, mit dem Ausdruck
durchgreifender Allgemeinheit, gegebenen Erziehungsweise, an
der von mir, als ein in sich lebensvolles Ganzes, aufgestellten
Kinderspiel- und Kinderbeschäftigungsmittel, so bald
sie Menschen nahe kommen, welche von jener Ahnung und
Hoffnung durchdrungen von jener Überzeugung belebt sind und dieses
um so mehr, als diese Spiel[-] u. Bethätigungs- diese Erzieh-
mittel, Wege und Weisen wie ursprüngliche Natürlichkeit
und somit Einfachheit, Stetigkeit, in der Beschränkung Genüg-
samkeit, in dem Einzelnen Allgemeinheit, in dem Körperlichen das Geistige
in der Gestaltung das Sinnbildliche, die Vermittelung des Ge-
trennten, Versöhnung des Widersprechenden, Lösung des gleichsam
körperlich gebundenen Geistigen mindestens ahnen lassen und dadurch
anziehend wirken.
Ahnung nun weckt aber Ahnung, wie Hoffnung Hoffnung weckt,
Schauen weckt Überzeugung, Streben Gefundenhaben und Geben
wecken aber im gleichfalls Strebenden, Sehnenden und Suchen-
den – Theilnahme; - Streben, Sehnen und Suchen ist aber das
fast durchgehend jetzt in dem Menschen Wirkende; - wie da-
gegen Pflegen, Stärken, Kräftigen, Befähigen, Findenmachen /
[4]
und Finden und so wieder Geben das Wesen des in Frage
stehenden Kinderführungsweise, - und somit erklärt
sich mir, als tief in dem Menschenwesen und besonders in dem
christlich gebildeten Menschen, in dem Christen gegründet, die, -
sich von Personen jeden Alters, Geschlechtes aussprechende
Theilnahme an dem hier zur Betrachtung vorliegenden
erziehenden Bestreben und besonders an den in demselben
aufgestellten und von demselben angebahnten Erzieh- Spiel- und
Beschäftigungsmitteln Wegen und Weisen.
Und somit glaube ich den allgemeinen, tief in dem menschlichen
Wesen, in der menschlichen Natur und ganz besonders in der
christlichen Bildung, Sehnsucht und Erwartung liegenden Grund
der oft genannten Theilnahme als erste Aufgabe dieses
Briefes klar und genügend nachgewiesen und zugleich den Weg
angebahnt zu haben die Kinderpflege- Spiel- u. Bethäti-
gungsmittel Wege und Weisen selbst, in ihrem noth-
wendigen Ausgangspunkte, in ihrem natürlichen einfachen
und stetigen Zusammenhange und Wesen, wie in ihrem Zweck
und Ziele darzulegen.-
  Dies soll nun als die Lösung der zweiten Aufgabe dieses
  Briefes folgen.
Gottes Geschöpf der Mensch erscheint als sinnlich-geistiges
Wesen auf der Erde, als Kind, vermittelt durch seine Eltern, und
zunächst unmittelbar vermittelt durch seine Mutter, also als leben-
volles, seelenvolles Glied einer leben- u. seelenvollen Fami-
lie
. Diese Auffassung des Kindes in seinem ursprünglichen Wesen
in seinen natürlichen Verknüpfungen und Verhältnissen ist mir nun zur
allseitig gedeihlichen Entwickelung, zur allseitig genügen-
den Pflege und Erziehung derselben die erste Grundlage und
der ächte Ausgangspunkt.
Wie nun dadurch das Kind seine, nicht nur richtige, sondern somit
auch allseitig befriedigende Stellung zu Gott, Natur und
Menschheit, und somit auch zu und in sich selbst erhält,
eben so aber auch die Familie mit allen ihren Glie- /
[4R]
dern und jedem Einzelnen derselben, so vor allem die
Eltern und hier ganz besonders die Mutter.
Diese erscheint nun hierdurch vorzüglich in ihrem wah-
ren Wesen, in ihrer ächten Stellung und in ihrer für das
Kind so hochwichtigen mehrfachen Vermittelung; denn zuerst steht
sie vermittelnd zwischen ihm, ihrem Kinde und seinem Urgrunde,
seinem Schöpfer, dem Urquell seines Lebens – Gott;
  dann vermittelnd zwischen ihm dem Kinde und ihrem Gatten,
dem irdischen Vater des Kindes; vermittelnd zwischen ihm und der
Familie dessen Glied es ist; hierdurch weiter vermittelnd zwischen
dem Kinde und dem Menschengeschlechte, der Menschheit und jedem
einzelnen Gliede derselben;
weiter vermittelnd zwischen ihrem Kinde und dem Mittler zwischen
der Menschheit und Gott: Jesus Christus, endlich und zuletzt aber
auch noch ganz besonders zwischen ihm, ihrem Kinde, und der
Natur.
Aber keines dieser Vermittelungsämter darf die Mutter,
als ächte menschliche und christliche Mutter, ja keines der Familien-
glieder unklar sein, und wie sie in demselben allgemein aner-
kannt werden muß, so muß dagegen, auch sie dieselbe mit
möglichster Einsicht, Umsicht, Pflichttreue und Hingabe ihren
Forderungen entsprechend verwalten; keines derselben darf
sie vernachlässigen oder verkürzen; denn am Ende sind sie
alle, indem sie sämmtlich auf den Einen Urgrund alles
Daseienden hinweisen – gleich wichtig, weil nur in die-
ser und durch diese allseitige Vermittelung sich das Kind
allseitig und möglichst irdischer Vollkommenheit entgegen
entwickelt. Auch soll das Kind so, einst selbst zum mög-
lichst vollendeten Menschen entwickelt, selbst wieder nach
allen diesen Seiten vermittelnd auftreten, was sogleich
in seinem ersten Auffassen zu beachten ist; so soll das /
[5]
Kind später besonders als Vermittler, Versöhnender und Erlösender
zwischen der Natur und Gott sich zeigen; denn es ist als Mensch
geknüpft durch seinen Körper an die Natur in ihrer Vielsei-
tigkeit, und geeint mit Gott durch seinen Geist wie durch die-
sen und seinen Leib, den im Geiste beseelten, mit der Mensch-
heit.
Wie nun das Kind überhaupt nur in der angedeuteten viel-
fachen Vermittelung und durch dieselbe seiner Bestimmung und Er-
füllung seines Berufes genügend entgegen erzogen werden
kann, so entwickelt es sich zuvörderst - zunächst von der Mut-
ter aus – in der und durch die Vermittelung mit der Natur.
Wo aber Vermittelung statt findet, da liegt bei dem zu Ver-
mittelnden in irgend einer Beziehung immer Gleichheit zum
Grunde, welche aber in entgegen gesetzter Weise entgegen tritt;
oder:
  Vermittelung setzt, wie die Entgegensetzung in der Erschei-
nung, Gleichheit in dem Wesen voraus; d.h.
  Vermittelung kann nur zwischen und unter entgegenge-
setzten Gleichen stattfinden;
  Wenn nun das Kind von der Mutter durch und in Ver-
mittelung mit der Natur erzogen werden soll, so setzt
dies im Kinde und in der Natur Entgegengesetztgleiches also:
- Gleichheit und Entgegensetzung voraus d.h. Gleichheit in ei-
ner Hinsicht und Entgegensetzung in einer andern.
Gleichheit bedingt Uebereinstimmung, Entgegensetzung einen Gegensatz
der äußern Bedingung nach aber erscheint das Kind, als Mensch
und Erdgeborner zunächst als Glied und Theil der Natur; da-
rum ist auch zuerst von der Mutter vermittelnd für Ent-
wickelung des Kindes in Uebereinstimmung und in Gegen-
satz mit der Natur Sorge zu tragen. Denn was von /
[5R]
Seiten der Natur mit Nothwendigkeit geschiehet, das soll von Seite
des Menschen, als geistiges Wesen mit Verstand und Vernunft erwo-
gen werden, mit Ueberlegung, mit Bewußtsein und Einsicht, mit
Geistes- Willensbestimmung geschehen. – Der Gegensatz besteht al-
so hier nicht darin, daß das Entgegnende, Wiederstrebende, dieß
das der Natur Entgegengesetzte (das Entgegengesetzte der Natur),
sondern dieß das was von der Natur geschehe und geschiehet,
von dem Menschen mit Einsicht also mit Beziehung auf un-
gestörte harmonische Entwickelung seiner Selbst, also mit
stets bewußter und stets nachweislicher Beziehung auf die
ungetrübte und ungehemmte Darstellung seines Seyns also
darum in und für all-seitige körperliche und geistige
Gesundheit geschehe.
Die Sorge für die Gesundheit des Kindes und ihrer All-
seitigkeit ist also die erste deren Beachtung der Mutter
und allen denen welche es als Pflicht erkennen an der
Erziehung des Kindes Theil zu nehmen, obliegt. –
Gesund ist aber, wie eben angedeutet das Kind, wenn es
sich in allen seinen geistigen und leiblichen, in all seinen
menschlichen Anforderungen seinem Seyn und Wesen
entsprechen und äußern und bethätigen kann. Gesund
soll darum, allem vorerst, wo immer möglich, das Kind
sein.
Zur Erhaltung allseitiger Gesundheit und somit zur
Vermittelung zwischen ihm seinen Wesen, Sein und
der Natur ist dem Kinde (dem Menschen) sein Kör-
per
oder Leib mit seinen Gestaltungstheilen mit sei-
nen Erhaltungs-, Belebungs- und Willensorganen rc, an
dem Körper aber die Glieder und Sinne gegeben; und /
[6]
zwar beide in Beziehung auf die Seele, den Geist und Will-
len einerseits und die Natur, die Außenwelt andrerseits
unter sich wieder im Gegensatze, die Sinne als überwie-
gend durch dieselben sich das Wesen der Dinge, wie es sich
in Äußerung, Gestalt, Bewegung, Ton wie rc. kund thut,
gleichsam innerlich zu machen sich aneignen.
Die Glieder dagegen als den Willen, das Wollen des
Geistes, der Seele äußerlich kund machend, und zwar hier
wieder Arme, mit Händen und Finger und Beine mit Füßen und
Zehen unter sich im Gegensatz; - die Arme u.s.w. als Werk-
zeuge und [sc.: um] die Dinge um sich, sich nahe zu bringen; die Beine
u.s.w. dagegen als Werkzeuge um sich selbst seinen Körper
den Dingen nahe zu bringen, also dort, die Dinge zu sich,
und hier sich zu den Dingen zu bewegen.
Zwischen den Sinnen und Gliedern stehen besonders die
Hände mit den Fingern und mit den sich an ihren
Spitzen befindlichen Tastsinne wieder vermittelnd da;
wie dagegen die beiden Arme mit ihren Händen und
Fingern und die beiden Beine mit ihren Füßen und Ze-
hen, jede wieder unter sich entgegengesetzt sind.
Die Sinne dagegen kann man wieder als den drei
Zusammenhangs-, Cohärenzzuständen, dem Festen, dem Flüssi-
gen und Gasförmigen, oder auch dem Mechanischen Dynamischen
und Chemischen entsprechend betrachten.
An dem Körper, den Leib mit all seinen Theilen und
Organen schließt sich die physische und diätetische Behand-
lung des Kindes in ihrem ganzen Umfange [an].
Die Glieder und Sinne fordern ebenso ihre ganz
eigenthümliche Beachtung, Behandlung, Pflege, Stärkung, /
[6R]
Entwickelung, Uebung und Ausbildung. Alles dieses [ist] zunächst
schon wichtig für die Säuglings- und Kindheitsstufe;
wie denn auch das Kind stets in dem großen und all-
gemeinen Lebenszusammenhange in welchem das Kind ge-
boren wird zu beachten und zu pflegen ist. In Be-
ziehung auf die Gemüths-, die Willens-, die Gewohnheits-
und somit im Allgemeinen auf die sittliche, überhaupt
eigentlich menschliche Entwickelung des Kindes, ist beson-
ders die Beachtung seines Verhältnisses zur Mutter und
zu allen denen wichtig welche zeitweilig Mutterstelle
bei ihm vertreten also überhaupt die Beachtung seines
Benehmens gegen alles das, was erregend, anfordernd
und bestimmend auf dasselbe einwirkt.
Mit dieser Beachtung und Pflege entwickelt sich
nun auch entsprechend des Kindes Körper- Glieder- und
Sinnenkraft und Gebrauch, und somit weiter mit dem
Wachsthum und der Uebung derselben auch die Thä-
tigkeit, der Thätigkeits- ja schon der Beschäftigungs-
trieb desselben. Genügen ihm nun Anfangs zur Be-
friedigung desselben seine eignen Händchen und Fin-
gerchen, die Hände und Finger der, es pflegenden [sc.: Pflegenden] und
die wenigen, meist nur theilweise wenig bewegli-
chen Gegenstände, die es mit seinen kleinen Händ-
chen in Bereiche derselben ergreifen kann, so for-
dert es doch gar sehr bald nach einiger Entwickelung
seiner Ärmchen und Hände zur Behandlung für die-
selben einen Gegenstand, welchen es ganz frei und un-
gehemmt bewegen und gebrauchen kann. Die Rück- /
[7]
wirkung, welche man von diesem Gebrauch der Gegenstände
auf das Kind beachten kann, ist anfangs ganz einfach
ein doppelter, gleichsam die Prüfung der Dinge um sich her
auf ihr selbstständiges Dasein und hier ihre freie Be-
weglichkeit, dann die Uebung und das Gefühl der eige-
nen Kraft. Diesem gemäß muß nun auch das erste
Spielzeug beschaffen sein, was man dem Kinde jetzt zu ge-.
ben hat und es fordert: es muß gleichsam der, in sich
abgeschlossene Stellvertreter aller räumlich daseyenden Ge-
genstände seyn, und somit sämmtliche allgemeine Eigen-
schaften derselben an sich tragen; dieses Spielzeug muß
ferner noch, um allen Anforderungen an ein solches als
erstes Spielzeug ganz zu genügen, weder dem Kinde
Schaden zufügen können, noch das Kind, es selbst, noch durch
dasselbe etwas Anderes beschädigen können. Aber eben
so wenig darf es auch die Sinnlichkeit des Kindes rei-
zen und nähren, noch irgend andere fehlerhafte Richtun-
gen seines Geistes und Gemüthes wecken u.s.w.
Dieses alles aber leistet nun, wie dieß an vielen
Orten schon nachgewiesen und ausgesprochen, gleichsam
als ein moralischer Talisman – der Ball. Es ist hier
nun aber nicht der Ort weiter das Entwickelnde Erziehende
pp, das Bildende, überhaupt das für diese Kindesstufe Ge-
nügende, ja Erschöpfende dieses ersten Spielzeuges nach-
zuweisen; genug es repräsentieren sich in ihm und durch
dasselbe alle wesentlichen Eigenschaften Erscheinungen und
Verhältnisse der sämmtlichen Umgebung des Kindes: Stoff,
Form und Gestalt, Größe Beweglichkeit wie Ruhe, alle /
[7R]
Arten der Bewegung, wie alle Arten der Raumesverhält-
nisse wienicht minder der der Zeit, auch der Lichterschei-
nungen und selbst der Farbe; er der Ball ist das wahre
Uebungs- Erstärkungs- und Erkenntnißmittel der eigenen
Kraft und Fähigkeit für das Kind selbst, wie das Einfüh-
rungsmittel zur Erkenntniß der allgemeinen Eigenschaften,
der Dinge um sich, deren Gebrauch und Verhältnisse, wie be-
sonders auch klares Einführungsmittel in die für das Kind
schon zu seiner Vermittelung mit der umgebenden Welt
und zu seiner geistigen Ausbildung so wichtigen Sprache.
Die sich anderweitig um das Spiel mit dem Ball durch Ton,
Rhyt[h]mus und Gesang anknüpfende harmonische und Gemüths-
entwickelung des Kindes läßt sich eigentlich nur durch die
eigene sinnige Anwendung des Balls beim Spiel mit
dem Kinde erkennen und durch eigne Anschauung wahr-
nehmen.
Bemerkt soll hier nur noch werden, daß das Spiel mit
dem Ball, als ein Bild d.h. Darstellungsmittel der eige-
nen Innenwelt des Kindes und als ein Auffassungs- und
Erkenntnißmittel der Außen[-] und Umwelt desselben sich
durch dessen ganze spätere Jugend hindurch und in dersel-
ben hinaufzieht.
Doch wir gehen hier zu den frühesten Kindheitleben
zurück.
Wie des Kindes Kraft und der Gebrauch derselben auf die
angedeutete Weise wächst, so sucht es nun um seine Thä-
tigkeit, den Ausdruck derselben auch zu hören, zugleich
einen auch tönenden, mindestens lärmenden Körper,
bei sonst gleichen vielseitigen Eigenschaften des Balles, /
[8]
und dies ist die schwere, feste Kugel. Zugleich mit diesem Spiel-
zeuge mit der Kugel, wünscht das Kind und fordert dessen
Natur das ihr Entgegengesetzte und dieß ist, ohne den
Nachweiß hierfür allseitig und im Einzelnen durchzuführen -
der mehrflächige, mehrkantige mehreckige festruhende, fest-
stehende, gleichsam träge, sich nur schieben und werfen,
aber nicht eigentlich rollen lassende, nicht leicht beweg-
liche Würfel.
Kugel und Würfel sind aber wie leicht anschaulich und
einsehbar und noch leichter nachweisbar rein und mehrfach
entgegengesetzt gleich. Für solche Gegenstände fordert aber des
Kindes allseitiges Wesen und Natur wie ebenso wieder und
leicht anschau[-] und eben so leicht nachweisbar das Vermittelnde,
wie dieß ja seinen Forderungen, Spielen und Beschäftigun-
gen aber die Stetigkeit und hierdurch das Erziehende, Ent-
wickelnde und Bildende giebt.
Vermittelnd zwischen der rollenden, leicht und all-
seitig beweg- und drehbaren rundflächigen Kugel und
dem überwiegend gleichsam trägen und grundflächigen Wür-
fel die gleich der Kugel leicht rollende und gleich dem
Würfel feststehende, so das Runde und gradflächige [sc.: Gradflächige] ei-
nende Walze. Da aber die Walze die Anschauung der
Ecke um [sc.: und] das bestimmte Sich-drehen-können auf ei-
nem Punkte ausschließt so fordert und bedingt die Walze
hinwiederum einen alle drei Körper vermittelnden d.h. die
Eigenschaften aller drei: - Ecken (Punkte) Kanten (Linien)
Seiten (Flächen) und hier wieder gerade und gebogene
Flächen einenden Körper und ist dies der kreisende Ke-
gel
. Mit diesen 4 Körpern ist somit nun das naheste
zweite Spielganze des Kindes geschlossen, sie sind ein /
[8R]
in sich geschlossenes Ganzes; denn sie haben alle vier, drei
unter sich gleiche rechtwinklich zu einander geneigte Richtun-
gen. Verschieden aber entgegengesetzt sind sie dadurch wie diese
3 Hauptrichtungen bleibend und sichtbar sind. So sind sie
z.B. in der Kugel wechselnd und unsichtbar, in dem
Würfel dagegen ist jede derselben ein mal unsichtbar,
dagegen wieder jede viermal äußerlich sichtbar; aber eben-
so auch wieder jede viermal unsichtbar-sichtbar, d.h. sie
ist an und für sich besonders für äußerliche und oberfläch-
liche Betrachtung unsichtbar, kann aber durch Hervorhebung
sichtbar gemacht werden. Aus dieser Eigenschaft gehen
nicht nur die übrigen entgegengesetzten dieser 4 Körper
mit Nothwendigkeit hervor, sondern diese Eigenschaften
sind auch für des Kindes geistige Entwickelung und besonders
für die seiner Vorstellungskraft auf das Höchste wichtig, und
für die Entwickelung der innern Anschauung und Auffassung
des Unsichtbaren.
Die unsichtbaren sichtbaren Linien sind hier wieder auf
eine für das Kind besonders belehrende Weise das Vermittelnde
zwischen den nie sichtbaren stets im Innern verborgenen
und den äußerlich stets klar als Kanten sichtbaren Linien.
Noch mehreres hierher Gehöriges, aus der Vergleichung die-
ser 4 Körper unter sich hervorgehendes und für die gründ-
liche und verständige Ausbildung und Erziehung des Kin-
des Hochwichtige, kann hier abermals nicht hervorgehoben
und ausgeführt werden, sondern muß den [sc.: dem] mündlichen
Nachweis bei der Sachanschauung überlassen bleiben.
Wichtiger ist hier, wegen unmittelbarer Anwendung
und Ausführung auf dieser Kindesstufe schon, die Hindeutung
auf den Gebrauch und die Spielweise mit diesen Körpern /
[9]
welche für das erste und frühere Kindesalter eben in der Be-
wegung dieser Körper besteht, deren Ergebnisse und Erscheinun-
gen so höchst mannigfaltig, oft so unerwartet und überraschend,
so wunderbar und fast zauberhaft erscheinen, so daß sie durch ihre
nicht augenblickliche wenigstens für das Kind nicht leichte Erklärung
eben demselben hohe Freude machen, jedoch demselben die für
das Leben wichtige Wahrheit lehren. Die Sache das Seyn von
deren Erscheinung von dem Scheinen zu unterscheiden; sich so vor
Täuschung zu hüten.
Durch diese Formen und Bewegungserscheinung geben diese
Körper und die Spiele besonders damit für die etwas vorge-
rückte Kindheit gar viele Hindeutung zu Formen- Größen- und
Zahl[-]Beachtung und Betrachtung, so wie sie gar vielfach in die um-
gebende Natur und lebenserscheinungen einführen also gleich-
sam der Mittelpunkt und Quell für die spätere Schul- Lebens-
und Schulbildung sowie wieder für deren Einigung sind.
Wie zu dem Gebrauch des Balles „aller erstes Spielzeug
und der bleibend liebste Spielgenosse des Kindes“ ein Heftchen
Text nebst einer litographischen Tafel – (auch abgedruckt in dem
Sonntagsblatte) und ein Heft mit „100 Ballliedern [“] Anleitung ge-
ben; so giebt
zum Gebrauch der Kugel und des Würfels „der Kinder Lust“
ebenfalls ein Heftchen Text nebst einer lithographischen Tafel -
(ebenfalls auch abgedruckt im Sonntagsblatte) – einige An-
leitung; das wesentlichste darüber muß aber noch mündlicher
Mittheilung überlassen bleiben. So sehr man nun auch diese
Spielzeugvier aus Unkunde und Ungewandtheit in der Auf-
fassung des Wesens als im Gebrauche derselben wirklich ange-
feindet und vielfach sogar mich mit denselben lächerlich zu
machen gesucht hat, so kann mich dies doch nicht abhalten
auf das bestimmteste zu erklären daß ich dieses /
[9R]
Spielzeug nicht nur für diese frühere Kindesstufe, sondern fort-
schreitend bis zum Eintritte in die Schulreife für die [sc.: ein] so ange-
messenes als unterhaltendes und belehrend erziehendes halte und
gern erbötig bin für die Behauptung durch Anschauung und
Wort vielfach den Beweis zu geben, welchen noch besonders
die Selbsterfahrung einen jeden bestätigen wird.
Ich durfte diese Erklärung hier nicht umgehen, weil es sonst
hätte scheinen können als wollte ich diese Entgegnungen igno-
riren indem es mir nicht möglich wäre, sie zu widerlegen,
was jedoch ohne alles polemische Wort jede einfache Vorführung
durch die Thatsache selbst thut.
Nun zur Entwickelung der Spielgaben und Spielweisen zurück.
Alle diese bisherigen Spielzeuge sind ungetheilt. Doch das Kind
liebt wie schon erwähnt, den Wechsel der Entgegensetzung; wie es
Anfangs gern Alles zusammenballt, so zertheilt es später gern
Alles wo seine Kraft dazu ausreicht, und setzt und baut
gern das so Getheilte wieder zusammen; wie man denn
sehr schön und bedeutungsvoll sagt: das Kind macht sich gern
etwas zu schaffen. Dieser Gestaltungs[-] und Schaffenstrieb des
Kindes ist nun ganz vor Allen auf das Sorglichste und
stetig zu pflegen; denn jemehr es selbst aus und durch sich
mit seiner Kraft und seinem Geiste in Selbstthätigkeit und
Sinnigkeit schafft um so mehr wird es einst sich selbst, die
es umgebende Natur, dem und seinen Schöpfer und das Le-
ben in seinen Werden wie in seiner ruhigen Entscheidung und
dem Unterricht und die Lehre von all diesem und die Anwendung
auf das eigene Thun verstehen.
Das nächste Spielzeug muß also wenigstens einmal, aber all-
seitig nach allen Richtungen getheilt sein und dieß [bietet] der einmal
allseitig und so in acht gleiche Theilwürfel getheilte Würfel die /
[10]
dritte Spielgabe, „der Kinder Freude“
Irre ich nicht, so habe ich schon im vorstehenden angedeutet,
daß jedes folgende Spielzeug schon in dem vorhergehenden und früh-
heren mit Nothwendigkeit gegeben und gefordert ist; so sind
z.B. die 3 mal 4 Kanten des Würfels in den 3 Hauptrichtun-
gen der Kugel und die 6 Flächen des Würfels in den 6 End-
punkten jener 3 Hauptrichtungen gegeben; ebenso sind nun auch in
dem ungetheilten Würfel durch dessen 3 unter sich rechtwinklichen
Flächenrichtungen die 3 Theilungsebenen wovon jede gleichlaufend
mit 2 Seitenflächen durch die Mitte des Würfels geht, gegeben welche
in der 3ten Spielgabe als wirkliche Theilungsflächen erscheinen,
und so den Würfel in die schon genannten acht Theilwürfel
theilen.
Die verschiedenen Spiele mit demselben sind durch die ver-
schiedenartige Zertheilung und Zusammensetzung derselben be-
dingt, wobei zweierlei wesentlich als mit zum Wesen der
Spielweise gehörig zu beachten ist: erstlich und unerläßlich,
daß stets alle 8 Theilwürfel zu jeder Darstellung gebraucht
werden müssen, dann das[s] zweitens so viel als möglich die
folgende Form aus der vorhergehenden so entwickelt und
gebildet werden muß, dass das bereits Gebildete in gewis-
ser Beziehung zur Grundlage und zum Mittel zur Dar-
stellung des Folgenden dienen muß.
Die so gebildeten Formen zeigen aber einen dreifachen
unter sich wesentlich verschiedenen Character wegen welchem
sie als Erkenntniß[-] oder Lernformen als Lebens[-] oder Bau-
formen
und als Schönheits[-] oder Bildformen unterschieden
werden. Diese Unterscheidung ist auch zu Entwickelung und
Bildung des Kindes wesentlich festzuhalten; doch verknüpfen
vermittelnde Formen wiederum die getrennten. /
[10R]
Jede diese Darstellung nun wird an das klärende Wort
zur bestimmten Auffassung und wo möglich auch zur be-
stimmten und erfreuenden Festhaltung derselben an das
rhythmische Wort und den Gesangston, die Melodie geknüpft;
denn wie Körper und Geist so soll bei diesen Spielen auch
das Gemüth in Anspruch genommen und genährt werden.
Zum Gebrauch dieser Spielgabe giebt das Sonntags-
blatt und eine Mehrheit von 11 litographischen Blättern
mit einem Umschlage sowie 100 kleine Reimliedchen und Vers-
chen zu den Lebens- oder Bauformen, 71 Liedchen und Reim-
chen zu den Schönheits- oder Bildformen und 22 dergleichen
zu den Erkenntniß- oder Lernformen vielfach Anleitung wie zu
diesen allen noch besonders eine, ausgeführte 3te Spielgabe nebst
einem zum Gebrauche anleitenden Heftchen Text – auf wel-
ches alles hier gänzlich bezogen werden muß. –
Durch und in alle diese Darstellungen treten nun mehr-
fach die 3 verschiedenen Hauptrichtungen im Raume als Länge,
Breite und Dicke, oder Höhe, Länge und Breite, allein wech-
selnd und veränderlich hervor, und dieß bestimmt, nach
dem Entwickelungsgesetze: - daß in dem Früheren
das Spätere liege, oder aus dem Vorhergehenden das
Folgende hervorgehe und somit auch nach der fortschrei-
tenden Entwickelung des Kindes selbst – das nächste
Spielzeug. Wie entsteht nun aber dieß in Einfachheit
und mit Nothwendigkeit aus der vorhergehenden der 3en
Spielgabe 1-7 oder der 4 gleichen säulenförmigen Theile
in welche man sich den Hauptwürfel getheilt denken kann
und welcher in der 3en Spielgabe durch eine Ebene, welche
gleichlaufend den beiden Stirnflächen der Säule durch /
[11]
deren Mitte geht und in 2 gleiche Würfel getheilt erscheint;
[Zeichnung] jeder dieser 4 säulenförmigen Theile wird nun bei
dieser folgenden Spielgabe auch wieder durch eine Ebene, welche
durch die Mitte der Säule, aber gleichlaufend zweier Seiten-
flächen
in 2, unter sich ganz gleiche aber Backsteinformartige
Theile getheilt
[Zeichnung] deren 3 verschiedene Hauptrichtungen nun auch
als Länge, Breite und Dicke 3 bleibend verschiedene Größen zei-
gen, welche sich zu einander verhalten wie 4 zu 2 zu 1. Hier-
aus entsteht nun die 4e Spielgabe, der in 8 Bauklötzchen
getheilte Würfel „der Kinder lieber Baustoff“. Durch die
angegebene kleine Veränderung in der Richtung der Theilungs-
ebene erhält dieß Spielzeug doppelten Flächen- und Längs-
raum und es schließt einen mehr als 12fachen hohlen Kör-
perraum ein, als die 8 Theilwürfel. Das hiermit – natürlich
nun ebenfalls nach dem [sc.: den] im vorigen angegebenen 3 ver-
schiedenen Beziehungen Darzustellende erhält dadurch eine
kaum glaubliche und keineswegs durch Darstellung zu er-
schöpfende, aber doch gesetzlich nachweisbare Verschiedenheit.
Wie bei der 3en Gabe, so sind auch die mit der 4en dar-
zustellenden Formen von 3fach verschiedener Art näm-
lich Erkenntniß[-] oder Lernformen, Schönheits- oder Bildformen
und Lebens- oder Bauformen.
Bei den Darstellungen mit der 3ten Spielgabe er-
schien die Tafelform, an welcher zugleich die 3 verschiedenen
unter sich rechtwinklichen Richtungen hervortreten, da sie
aber, wie entstehend, so auch wieder schwinden, so wur-
den sie in den Bauklötzchen der 4ten Gabe bleibend
festgehalten. Ebenso erscheint nun auch bei den weitern Darstel- /
[11R]
lungen mit der 3ten Spielgabe die schiefe Richtung,
aber veränderlich, doch auch diese wird als ein Wesentli-
ches der Form und Gestaltung bleibend gefordert,
und ist darum unerläßlich als Spielform festzuhalten;
dieß geschieht nun in der 5ten Spielgabe in welcher
deßhalb eine doppelte Fortschreitung erscheint, erstlich von
dem einmal nach allen Seiten hin getheilten Würfel
der 3ten Spielgabe zu der nach allen drei Seiten hin
zweimal getheilten Würfel, da nun somit in diesem
Würfel das Gesetz der 3n [Gabe] hervortritt, so bleiben in
den 3n Drittel der 27 Theilwürfel, drei Würfel unge-
theilt a, drei Würfel werden dagegen durch eine Schräg-
linie
jeder in 2 dreiseitige Säulen b) und jeder von
den 3 andern Linien durch zwei Schräglinien in 4 der-
gleichen Säulen getheilt c) von welchen jede ¼ tel eines
Würfels wie dort immer ½ eines derselben ist, c wo-
durch die schiefe oder Schrägrichtung mehrfach bleibend
gegeben ist. [Zeichnung mit Zuordnungen a) b) und
  c)]
Die Darstellungen mit dieser 5n Spielgabe
sind in jeder der mehrfach genannten 3 Haupt-
arten: Erkenntniß- Schönheits- und Lebensformen, höchst
wichtig und eben so unterhaltend als belehrend und bil-
dend; es läßt sich hierüber bei Mangel an Hinweisun-
gen auf Anschauung hier nichts nachsagen als: Diese
Darstellungen sind eben so einführend in Schule und Le-
ben als sie stärkend und entwickelnd für Gemüth und
Geist sind.
Wie sich nun oben gleichlaufend der 3ten Spielgabe
eine 4e entwickelte, so entwickelt sich nun ebenfalls
gleichlaufend der 5en Spielgabe eine 6e Spielgabe, /
[12]
wobei, wie bei der 4ten die Backsteinform das bestimmt ge-
geben[e] ist, und der Zahl nach wieder eine ähnliche Theilung
wie bei der 5en erscheint. Diese Gabe hat das Eigenthüm-
liche, daß durch sie besonders hohle Räume und säulige Ge-
bilde dargestellt werden können; mit der 5en Gabe hat
sie das Gleiche, daß durch sie Schönheitsformen ausgeführt
werden können, deren Grundanschauung oder Grundlage das
Geviert und Gedritt ist.
Als nothwendige, vielfach bedingte Spielgabe folgt nun
aus der 5nte die siebente Spielgabe, indem der Wür-
fel nach jeder Seite hin 3 mal und so der ganze Wür-
fel in 4 mal 4 mal 4 oder in 64 Theilwürfel getheilt
erscheint,von diesen Theilwürfeln aber wieder mehrere
aus der Mitte und durch die Mitte besonders in schief-
flächige gleiche Theile: 1/2, 1/3 ,1/4 und 1/6 getheilt werden,
durch deren Zusammenordnung in Beziehung auf eine ge-
meinsame
Mitte, sich die wesentlichsten gleichflächigen Kör-
per: der Acht- und Zwölfflächner als in dem Innern
des Würfels bedingt, und aus demselben sich gleichsam
entwickelnd, darstellen lassen. Diese Spielgabe ist höchst-
wichtig indem wenn auch nur zuerst die äußere Form
einiger gleichflächiger Körper als in dem Innern, in
der Mitte derselben bedingt und durch dieselbe gefordert
erscheinen.
Der 7ten Spielgabe geht zur Seite die achte, welche sich
zur 7ten verhält wie die 6te zur 5ten und die 4te zur
3ten Gabe. Weitere Ausführung derselben ist hier nicht
gestattet.
Zur Uebersicht über das Ganze und zur Uebereinstim-
mung und zum Verständniß der beiliegenden Uebersicht /
[12R]
sei nur noch ausgesprochen:
Durch die Körper- Glieder- und Sinnenbethätigung und
der daraus hervorgehenden Spiele, ist die erste Stufe der
Kinderbeschäftigung und Spiele gegeben.
Der Ball in seiner mannichfachen Anwendung bildet die
erste Reihe des Kinderspielzeuges; die Kugel, der Würfel,
die Walze und der Kegel bilden gemeinsam die zweite
Reihe derselben.
Die 3e 5e und 7e Gabe bilden die Reihe der würfelförmi-
gen und der darin gegebenen Spielformen, die dritte Reihe
der Kinderspielzeuge.
Die 4e 6e und 8e Gabe bilden die Reihe der Backsteinar-
tigen, oder die 4e Reihe der Kinderspielzeuge.
Die weitere hierher gehörige Auseinandersetzung muß
hier theils der weiteren mündlichen und thatsächlichen Vor-
führung, theils dem bisher darüber durch Druck und Litho-
graphie darüber Veröffentlichten überlassen bleiben. Es ge-
ben nämlich Nachweisung
1.) über die erste Körper- Glieder- und Sinnenbethäti-
       gung des Kindes Anweisung: die Mutter[-] und Kose-
       lieder.
2. Ueber den Gebrauch des Balls „ein Heftchen Text nebst
       einen litographirten Blatte“ und [„] Hundert Ballieder“
3.) Ueber Kugel und Würfel: ein gleiches Heftchen Text
       nebst einer lithographirten Tafel.
4.) Ueber die dritte Spielgabe: „eilf lithographirte Tafeln
       in einem Umschlage“
5.) Ueber die 4e Spielgabe: das ganz Gleiche
6.) Ueber die 6e Spielgabe: vierzig lithographirte Tafeln in einem /
[13]
 Umschlage.
7.) Ueber die 5e Spielgabe: sechs (eigentlich 8) und vierzig litho-
       graphirte Tafeln in einem Uschlage.
8.) Vollständige Anweisung über die fünf ersten Spielgaben
       giebt das „Sonntagsblatt 1e 2e Band worin auch die oben
       gedachten Hefte zur 1n und 2n Gabe abgedruckt sind; jedoch
       sind nur einige wenige Lithographien als Andeutung
       dabei gegeben und sind so bei dem Sonntagsblatte selbst,
       die lithograpirten Hefte unentbehrlich.
*
Mit der Ausbildung der Körperformen und deren Theilung
welche besonders der Gegenstand der letztgenannten Spiel-
reihen sind, tritt nun auch die Auffassung der Fläche
als selbstständig und abgesehen von dem Körperlichen
hervor und zeigt sich so, gleich dem früheren Körperli-
chen, als anziehendes Kinderspielzeug, besonders wenn sich
daran, eben als Ausdruck der Selbstständigkeit der
Fläche die Farbe knüpft und erscheint mit Nothwendig-
keit eine neue Abtheilung der entwickelnd erziehen-
den, die Schaffenskraft des Kindes weckenden Kinderspiele,
es sind dies die tafelförmigen, welche sich wieder in vier
verschiedene Reihen theilen.
in die Reihe der Gevierttafeln; bestehend aus 1er Gabe
A.)mit acht Gevierttafeln, doppelfarbig.
B.)in die Reihe der Rechtwinklichgleichwinklichten Dreiecke;
bestehend aus 5 Gaben; die 1e zu 4 die 2e zu 8; - die 3e
zu 12; die 4e zu 16; - die 5e zu 64 gleichwinklicht-
rechtwinklichtrechtwinklichten [sc : gleichwinkligrechtwinkligen] Dreiecken /
[13R]
C . in die Reihe der Gedrittafeln; bestehend aus 5 Gaben
die erste Gabe aus 9, die zweite aus 18; die dritte aus
27; die vierte aus 36; die fünfte aus 14 [sc.: 54] Gedrittafeln
Endlich
D. in die Reihe der rechtwinklichungleichwinklichten Drei-
ecke
bestehend aus einer Gabe mit 56 solcher Dreiecke.
Mit dieser Gabe können auch gleichwinklichtstumpfwink-
lichte
Dreiecke dargestellt werden, wodurch also alle
Hauptarten der Dreiecke erschöpft sind. Die Ableitung
dieser Spiele aus dem früher Dagewesenen kann hier
nicht durchgeführt werden; doch liegt sie auch dem Den-
kenden und dem das Mannigfaltige in seiner Einheit
Auffassenden ziemlich nahe.
In diesen schaffenden Bethätigungsmitteln treten ganz beson-
ders in den sogenannten Schönheitsformen die Entwickelungs-
und Erhaltungsgesetze aus dem Innern zu dem Entgegen-
gesetzten durch die Vermittelungsformen hervor. Ebenso zei-
gen sie klar – von dem Einfachen der Einheit ausgehend
und durch die Gegensätze und durch die Vermittelung hin-
durchgehend – die Rückkehr zur Einheit; gleichsam auf die-
sem Wege die nothwendige Reihe der Erfahrungen der uner-
läßlichen Bedingung zur Erkenntniß durchlaufend; die noth-
wendigen Bedingungen gleichsam des Bewußtwerdens, des spä-
tern Bewußtseyns. – Diese Spiele zeigen mehrfach wie aus der
gesetzmäßig geordneten Verknüpfung der Gegensätze, sich Be-
wegung
entwickeln können [sc.. kann]. Sie, diese Spiele sind wegen
des classischen, normalen allgemeingültigen auf Natur und
Menschenleben anwendbaren Geistes, welcher sich aus ihnen
ausspricht, und der sie in ihren Ergebnissen wie in de- /
[14]
ren Entstehen und Werden die Gesetze desselben immer
gegenständlich klar, man könnte fast sagen mit Händen er-
faßlich vor Augen legen für das Kind und dessen gesetzmä-
ßige geistige, wie harmonische Gesammtentwickelung ganz be-
sonders wichtig.
Außerdem daß hier bei den Darstellungen ebenfalls wie
früher die 3fache Verschiedenheit der Erkenntniß[-] Schönheits- und
Lebensformen hervorgehoben werden kann; so ist auch noch zu
bemerken, daß sich hier die Farbenübungen besonders bei A
anknüpft [sc.: anknüpfen].
Es können aber auch Größe Formen- und Farbenverhältnisse
zusammen verbunden werden; was in zwei, eigen dafür
ausgeführten Spielgaben geschieht.
Mit der Ausbildung der Tafel- und Flächenformen und
deren weiteren Theilung tritt nun weiter besonders die
Linienauffassung und Anschauung hervor; und es zeigen sich
so die einzelnen Stäbchen, gleichsam als verkörperte Linien
wieder als anziehendes Kinderspielzeug und sie diese Stäbchen
bilden eine ganz neue Abtheilung der entwickelnden Spiel[-]
und Beschäftigungsmittel. Die Spiele mit denselben, mit
den geraden unverbundenen Stäbchen zeigen wieder die
größte Mannigfaltigkeit.
Einmal und zuerst können diese Spiele Formenspiele
sein das heißt: Darstellungen von Figuren und Ge-
genständen
geknüpft an die Zahl, wo also die Form
überwiegt und die Zahl untergeordnet ist z. B. was
kann ich alles durch 3 gleichlange Stäbchen darstellen? -
z. E. ein Gedritt [Zeichnung]; einen Regenschirm [Zeichnung]; einen Schnee-
pflug [Zeichnung]; /
[14R]
Zweitens können es aber auch ächte Zahlspiele sein, wohl
auch geknüpft an Form, wo aber die Beachtung und das
Hervortreten der Zahl die Hauptsache ist, z.B. in wie viel
verschiedene Lagen und Folgen läßt sich die Zahlenreihe
1 bis 3 durch gleichlange Stäbchen legen? Z.E. [drei
  Zeichnungen]
pp.
Drittens können es Spiele zur Anschauung und Auffassung
der linearen und flächigen Größen- besonders auch der La-
gen
[-] und Neigungsverhältnisse der Linie sein z. B. Verknüp-
fung von senkrechten und wagrechten Linien = Stäbchen, wo
das wagrechte eben <> oder 2, 3 pp. mal so lang als das
senkrechte ist, z. E. I - -, I - - - pp.
Oder dass das wagrechte Stäbchen ½, 1/3 pp des senkr: ist z.B
[Zeichnung] Auf gleiche Weise bei Gevierten oder vielmehr Recht-
ecken [Zeichnung] pp [Zeichnung] pp.
Auf gleiche Weise auch das Auffassen schiefer Linien
d.h. Stäbchen, wo sie angeschaut werden z.B. als Balken
oder Bäume die sich immer tiefer neigen.
[4
  Zeichnungen]
Die eigentliche kindliche Spielweise kann natürlich hier nicht
angegeben werden, wo es sich blos um zusammenhängende
Darstellung des Spielmittels handelt. Hieran schließt sich be-
sonders Bildung des Auges und des Augenmaßes. Auch tre-
ten hier wieder besonders bei den Formenspielen die Bil-
dungs- und Entwickelungs-Gesetze verschiedener Formen
aus dem Innern und bedingt durch das Innere für die
Anschauungs- und Auffassungskraft des Kindes erkennbar und
für dasselbe anregend und wichtig hervor; denn die Erfah- /
[15]
rung und die wiederkehrenden Aeußerungen des Kindes leh-
ren, daß es in allen Erscheinungen gern den innern Grund zu
erkennen sucht.
Aus der Verknüpfung des Vorhergehenden entwickelt [sc.: entwickeln] sich
viertens Darstellungs- und Gestaltungsspiele aus Stäbchen
bestimmter Lagen und bestimmter Länge z.B. aus senkrech-
ten Linien vierfacher Länge [Zeichnung]
Da nun durch Alles dies wie die Darstellungs- und
Beachtungskraft, so auch die Sprach- und Sprechkraft, die Spra-
che und das Gehör des Kindes entwickelt ist, so entwickelt
sich auch durch den Trieb der Nachahmung, durch die Nothwen-
digkeit und das Gesetz desselben in dem Kinde der Trieb das
Hörbare und Gehörte, hier besonders das Wort an das sicht-
bare Zeichen an die Schrift, an den Buchstaben zu knüpfen
und so geht aus der ersten und der vierten Spielweise,
fünftens, besonders das Buchstaben- und Wortlegen gleichsam
die Schreib- und Lesespiele hervor, wobei natürlich die über-
wiegend gradlinigten, großen Römischen oder lateinischen
Schriften oder Buchstaben (: INVM pp) zum Grunde zu
legen sind (: Um Rundes zu legen werden grade Stäb-
chen geknickt z.E. P :)
Die Spiele mit dem unverbundenen Stäbchen wären
demnach: Nachahmungs- oder Gestaltungsspiele – Zahlspiele –
Größen- und Verhältnißspiele – reine Formenspiele – end-
lich Buchstaben- und Wort[-] oder gleichsam Schreib- oder
Lehr[sc.: Lese]spiele.
Wie sich nun bei den Spielen mit den Tafeln beson-
ders die Farbenübungen anknüpften; so knüpfen sich hier /
[15R]
ganz einfach die Zeichen und die eigentlichen Schreib- und Lese-
übungen an. Die Anknüpfungspunkte für die Hervorhebung,
Beachtung und Uebung des Gesangtones treten so vielfach
entgegen, daß sie früher gar nicht besonders hervorgeho-
ben wurden. Ebenso die Anknüpfungspunkte für die Natur-
und Lebensbeachtung, für die Sprach- und Sprechübungen, so
die Beziehungen auf die Entwickelung des Ordnungs- Rechts-
Sittlichkeits- ja selbst des Religions-Gefühles, der Willens-
und Characterbildung pp. Die Entwickelung, Stärkung und Bil-
dung der Thatkraft, des Familien- des Gemeinde[-] oder viel-
mehr Gemeinsinns treten vielfach und oft entgegen, daß
sie im Vorstehenden nicht besonders hervorgehoben wurden
doch muß sie alle diese Beziehungen, die Kinderführung, die
Kinderführerin und der Kinderführer der ächte, klar und
bestimmt in sich tragen, damit er sie überall wo sich
ihm dazu Gelegenheit und in dem Kinde vor allem Empfäng-
lichkeit dafür zeigt hervorgehoben im Kinde geweckt und
gepflegt werden können. Diese Bemerkung als eine
welche sich über diese gesammten Kinderspiel- und Beschäfti-
gungsmittel und Weise verbreitet.
*
Ganz auf dieselbe Weise wie bei der Ausbildung der Ta-
fel- und Flächenform und Theilung die Linienanschauung her-
vortrat; so tritt bei mit und in dieser besonders wieder
die Anschauung und Auffassung der Punkte theils als Realan-
schauung, theils mehr vergeistigt hervor, und sogar als
Stoff und Mittel zum Spielen für Kinder entgegen und
bildet wieder eine neue Abtheilung dieser Spielmittel wie /
[16]
Spiele. In sich punktartig abgeschlossene Gegenstände jeder Art:
Saamen, Steinchen, kleine Blätter, selbst Papierstückchen pp. kön-
nen hier als Vertreter des Punktes angewandt werden. Da-
rum knüpft sich hier das Sammeln von Naturgegenständen
Früchten pp. zu weiteren Spielmittel[n] an; sowie auch das Aus-
suchen und Sondern pp. des Gleichartigen aus dem Ungleichar-
tigen und Mannigfaltigen.
*
Somit sind wir nun bis zur gänzlichen Zertheilung und Ver-
einzelung, Auflösung und in gewisser Beziehung bis zur Ver-
geistigung des Körperlichen gekommen, indem wir durch die
Auflösung des Körperlichen in das Flächige in das Lineare
und Punktige gleichsam der Entwickelung eines Baumes,
eines Gewächses aus dem Kerne, dem Saamen, durch die Stamm-
Ast- und Zweigbildung, durch die Blätter und Blumen [sc.: Blüten]
bis zu Staubfäden und Staubweg, bis zur Blumenstaub-
entwickelung und dessen Zerstreuung gefolgt sind; daher müs-
sen wir nun auch auf die entgegengesetzt gleiche Weise den
sammelnden verbindenden und einenden Weg, bis zur ersten
Einheit wieder zurückkehren.
Es ist daher höchst merkwürdig, daß die Vereinzelung
die Zerstreuung sogleich wieder Vereinigung und Sammlung
bedingt, daß die Trennung sogleich wieder eine Zusammen-
ordnung eine Zusammengehörigkeit fordert. Diese Zusammen-
gehörigkeit, Zusammenstellung zu einem Ganzen kann
nun, wie im vorigen Abschnitte angedeutet mehrfach aus-
geführt werden, so z.B. auch durch die Köpfe von Steckna-
deln, indem man diese in entsprechende weiche (durchstechbare)
Flächen, fest aufgespannte Zeuge oder Kissen einsticht. - /
[16R]
auch das Anschauen von runden Körpern z.B. Perlen von ver-
schiedener Farbe und Größe gehört hierher.
Besonders ausdrucksvoll, sammelnd und vereinigend ist die
Verknüpfung der Punkte zur Linie und durch diese zur Ge-
staltung. Dieß geschieht am Besten durch eine kleine künst-
liche Verrichtung, durch das Aneinanderreihen und Verbinden
von Nadelstichen in den sogenannten Ausstechheften, wel-
ches das so sehr überraschende Neue hat, daß jedes Erzeug-
niß dieses Fleißes zugleich mehrfach, 6 bis 12fach werden kann,
indem nämlich so vielfach zusammengefaltete Blättchen in
eine Art von Umschlag gelegt wird auf dessen einer Seite
sich die Verbindung der Punkte durch Linien angegeben ist,
welche auf jedem der Blätter dargestellt werden soll.
Solcher Folgen von Ausstechheften sind jetzt 3 ausge-
fertigt, die erste Folge für kleinere Kinder, die zweite Folge
für die mittleren, und die dritte Folge für die größeren
Kinder. Die letztere Folge ist nach einer strengen Fort-
schreitung vom Leichtern zum Schwereren und vom Einfa-
chen zum Zusammengesetzten bearbeitet, wodurch die letztere,
durch die so bewirkte Ausbildung des Augenmaaßes und
des Formensinnes zur Vorbildung und Vorschule für das Zeich-
nen und den Zeichenunterricht wird. Auch knüpft sich hieran
wieder die Darstellung von Buchstaben – als Namenszei-
chen – von Worten in kleinen Sätzen, also Schreiben
und Lesen. Da alles dieß durch den Stich vervielfältigt
wird; so kann das durch den Stich Dargestellte durch
Farben wieder im Ausdruck hervorgehoben und ver-
vielfacht werden, so knüpfen sich daran wieder Farben- /
[17]
übungen. Diese Erzeugnisse sind wichtig zu kleinen Geschenken,
damit das Kind nicht blos empfangen [sc.: empfange].
*
Wie sich nun im Vorigen die Punkte wieder in Linien
und so zu Gestalten vereinten, so werden auf gleiche Weise
einzelne Stäbchen, zum Theil auch in einiger Breitenausdeh-
nung als Streifen zunächst zu Flächen, später aber auch zu
Körpern verbunden. Ersteres kann auf 3fache Weise ge-
schehen.
a.) Durch Verschränkung von wenig breiten und biegsamen
Holzstäbchen, Rohrstäbchen, Fischbein, Spänchen von unter
sich gleicher Breite, und ebenso wieder zu gleicher Länge. [Zeichnung]
Dieß Verschränkte gestattet entweder willkührliche Auflö-
sung, so, daß man mit denselben Stäbchen verschiedene
Formen ausführen kann; oder man kann auch die Ende[n]
der Stäbchen durch ein Bindemittel: Leim, Kleister, Obla-
ten verbinden. Auf diese Weise können Musterformen
für andere Kinder und Anstalten ausgeführt werden.
b.) Durch Verschränken oder vielmehr Flechten von Papier-
streifen
am besten von verschiedenen sich gegenseitig
ergänzenden d.i. hebenden Farben. Es lassen sich auf
diese Weise wieder die verschiedensten Flächenformen
darstellen, das Ergebniß dieser Thätigkeit läßt sich gleich
gemusterten Papieren wieder zur Ausführung und Ver-
schönerung der verschiedensten Gegenstände: Brieftaschen
Schreib- und Nadelbücher Umschlägen, Serviettenringen rc.
zu Kästchenbekleidungen, zu Gläserdecken und Gefäß-
unterlagen rc. – also wieder zu verschiedenartigen /
[17R]
kleinen Gaben und Geschenken von den Kindern an-
wenden.
Der Gebrauch welcher von diesen kleinen Erzeugnissen
[gemacht wird] ist, wie schon oben bei den Ausstechheftchen erwähnt
wurde zur Versittlichung zur Pflege des kindlichen Seyns
und Gemüthes höchst wichtig; denn das, wofür Kinder so
sehr viel empfangen und dagegen von ihren kleinen Er-
zeugnissen fast gar nichts dagegen geben können, erkenne
ich als eine der wesentlichsten Ursachen, der so häufig zu-
rücktretenden kindlichen Liebe und Gesinnung. Dieß muß
als Andeutung eines der wichtigsten Punkte, der Erzie-
hung hier genügen.
Bei fortgeschrittener Kraftentwickelung, und unter
bestimmt gegebenen Verhältnissen knüpft sich hier an
das Deckenflechten von Stroh pp. und selbst das Korb-
flechten. Mit den oben erwähnten Musterblättern pp.
pp. zugleich ein Erwerbszweig für ärmere Kinder pp.
c.) Die dritte Verbindung ist die von fein zugespitzten
Stäbchen vermittelst erweichter Erbsen.
   1. zu einfachen Figuren: Dreiecken, Vierecken be-
sonders aber blos Dreiecken nach bestimmten Gesetz. Diese
einfachen Figuren können dann wieder auf die man-
nigfachste Weise, allein gleichfalls wieder nach bestimm-
ten Gesetzen zu Gebilden zusammengestellt werden.
Diese Zusammenstellungen sind wieder die trefflichste
Ausbildung und Vorbildung des Auges zum Zeichnen. –
   2.) zu durchsichtigen, gleichsam nur durch die Kontur
in Umrissen dargestellten gleichflächigen und andern /
[18]
ebenmäßigen Figuren wie
   3.) auch zu ebenso durchsichtigen Gebäuden, Haus- Stuben-
und Wirthschaftsgeräthen[.]
Durch die innere Verbindung und Zusammensetzung der
gleichflächigen und ebenmäßigen Körper, läßt sich beson-
ders die Entwickelung jeder folgenden Form aus der vor-
hergehenden und zuletzt aus der Grund- und Urform gleich-
sam auch durch[-] und einsichtige Weise darstellen.
Diese Beschäftigung ist für die Einsicht in das innerste
Wesen der Formen- und Körperentwickelung des schaf-
fenden Thätigkeitstriebes auf das höchste wichtig; beson-
ders auch wichtig für die Entwickelung und Ausbildung
des Gemüthes durch die Ahnung und den Einblick der
Einheit alles vom Leben und durchs Leben Gestalteten.
Hierzu kommt noch daß die Kinder diese Beschäftigung
sehr lieben.
Drei Bemerkungen seien hier erlaubt.
erstlich: durch das Spalten der Stäbchen und Plättchen
und Tafeln und das Zuspitzen der ersteren knüpft sich
hieran das Schnitzen aus Holz von allerhand kleinen
Haus- und Wirthschaftsgeräthen: Leiter, Schlitten, Sägbock
pp.
Zweitens können durch diese Beschäftigungen Muster Körper
und Gegenstände für andere Kinder und Anstalten
dargestellt werden, wodurch sich zugleich ein Erwerbs[-] und
Unterhalts[-] und zugleich Erziehungs- und Bildungsmittel
für ärmere Kinder zeigt, wie dies schon mehrfach er-
wähnt wurde. /
[18R]
Drittens werden hierdurch die Kinder befähigt viel-
fach denen die sie lieben kleine Geschenke zu ma-
chen.
*
Eine neue doch die natürlichste nächste Folge der
Beschäftigungen bildet das Verbinden der Flächen
zu Körpern wenigstens zu körperähnlichen Darstel-
lungen hier zu Kästchen der verschiedensten Art, ohne
und mit Deckel, dort zu gleichförmigen ebenmäßigen
Körpern und zu Gebäuden; dieß jedoch besonders
in Verbindung mit einer später folgenden Uebung, der,
des Ausschneidens. Die Befestigung der Seitenwände steigt
natürlich ebenfalls von den [sc.: dem] Leichtern und Einfacheren
zum Schwierigeren und Zusammengesetzteren empor: -
zuerst Befestigung durch bloßes Zusammenbiegen; dann
durch Verschränken und Zusammenschließen; endlich durch
Zusammenleimen oder Kleistern. Gleich wie diese Beschäf-
tigung gesetzmäßig fortschreitet, so ist sie auch für das
Kind unterhaltend, erfreuend, bildend und belehrend.
Hier knüpft sich nun das eigentliche Papierarbeiten
und die Arbeiten aus Pappe bei ältern und entwickel-
tern Kindern, besonders für Knaben an, und es gel-
ten darum auch hier die Bemerkungen, welche oben in
Hinsicht auf Kindergaben und bildende Erwerbsmittel
für ärmere Kinder gemacht wurden.
*
Eine weitere neue und große, so unterhaltende als beleh- /
[19]
rende und nützliche Abtheilung der Kinderbeschäftigungen
ist das Umwandeln der Formen und zwar
A.) bei gleichbleibender Masse des Stoffes und Materials
und hier
a. zuerst aus biegsamen Linien-Fäden das Verschlin-
gen zu Schnüren und anderen Gegenständen.
b. aus gleichmäßig gegliederten Linien, Stäbchen wie z.B.
die gewöhnlichen Zollstäbe. Hier besonders Darstellung
der verschiedenen Winkel und Figuren durch Umwand-
lung.
c. aus biegsamen Flächen, aus Papier; das Brechen
und Falten verschiedener Formen und Gegenstände aus
einer und eben derselben Geviertfläche, oder was das Gleiche
ist: aus mehreren gleich großen Geviertflächen.
d. aus weichen biegsamen Stoff: Wachs, Lehmen, Thon; das
Modelliren schließt sich hier an.
B. Bei Verringerung der Masse des Materials
a. das Ausschneiden von verschiedenen Schönheitsformen
aus stets gleichgroßen Geviertflächen nach festem be-
stimmten Gesetz; im Allgemeinen nach dem Gesetze der
Hervorhebung des Sichtbaren aus dem Sichtbarmachen des
Unsichtbaren, oder was gleich ist, dem verschleiert Sicht-
baren. Die Formen sind hier
α. geradlinigt, β. gebogen γ. gemischtlinigt.
b. das Ausschneiden verschiedener Gegenstände
α. aus freier Hand: Haus- und Wirthschaftsgegenstände
Naturgegenstände – des geselligen Lebens. /
[19R]
β. schon vorgebildeter Gegenstände: Thiere, Geräthe, Men-
schen – Trachten – Krieger – Handlungen – Landschaften.
Hier findet für das Kind nun die Entfaltung des gan-
zen menschlichen Gebietes, des geselligen wie des Naturle-
bens statt: - der Sitte – des Betragens – der Gesin-
nung – des Rechtes – der Lebensan- und Einsicht, der Ge-
schichte; so wie von Seiten des Kindes die Anwendung
all seiner entfalteten Kräfte und Anlagen, seines Geistes
wie seines Herzens, seiner Sprache wie seiner Körper- Glie-
der- und Sinnenthätigkeit statt.
Durch diese Beschäftigung und Spiele bekommen die
Kinderbethätigungen für diese Entwickelung des Kindes
ihren vollständigen, das gesammte Leben des Kindes
in jeder Hinsicht er- und umfassenden Abschluß: der
Mensch in all seinen Verhältnissen zu Gott, Natur und
Menschheit steht vor ihm;
c. das Umwandeln der Körper aus weichen schneid-
baren
Stoffe z.B. Thon, Lehm, Kartoffeln, Rüben, Kraut-
strunken, weichen Holze und zwar zunächst des Würfels
und der Kugel durch Abschneiden α der Ecken β der
Kanten.
Dieß zeigt die erweiterte zweite Spielgabe oder [„] die
Kugel und der Würfel nach nothwendiger Gesetze abgelei-
teten Körperform[en]“.
Es thut sich hier ganz besonders das Streben des Kindes
kund: im Äußern das Innere zu schauen am Äußern
das Innere darzustellen, wie umgekehrt in der Mannigfal-
tigkeit die Einheit zu finden und aus der Einheit die Man- /
[20]
nigfaltigkeit zu entwickeln; wie diese Kinderbethätigung zur
höhern und wahren (religiösen) Erfassung der Natur und des
eigenen Lebens hinführt liegt am Tage, und somit ist auch
hier ein vollständiger Schluß.
Dieß führt uns wieder zurück zu der Betrachtung der
Spiele mit dem körperlichen festen Runden und zwar hier,
als Anknüpfungspunkt an das frühere, zunächst
A. zur ungetheilten Kugel und zu den Spielen und Be-
schäftigungen mit denselben in verschiedenen Größen und Men-
gen.
B. zum getheilten Runden. Zuerst wieder
a. Kugeln getheilt,
[1.] gleichlaufend der Umfassungsfläche;
also Halbkugeln und Kugeln in einander
2. gleichlaufend eines größten Kreises also Schei-
ben gebend.
3. durch die drei größten, sich rechtwinklicht durch-
schneidenden Kreise, also in acht gleiche 4flächige
Körper.
b. die Walze getheilt, ebenfalls zunächst
1. gleichlaufend der Walzenfläche; also in Cylinder
verschiedener Größe
2. gleichlaufend der Fuß- und Deckfläche; also in
gleichgr[oße] Scheiben.
3. durch die zwei größten sich rechtwinklicht durch-
schneidenden Theilungsebenen; also in viersäulige,
2 und 1flächige Körper
4. in Kreise oder Ringe aus 10-1
c. der Kegel getheilt wiederum
1. gleichlaufend der gebogenen Fläche
2. gleichlaufend der Fußfläche in Scheiben, /
[20R]
3. durch die sich rechtwinklich in der Achse schnei-
denden Theilungsebenen
4. die Theilung nach den Kegelschnitten.
Aus der Verknüpfung der so entstandenen Runden mit
dem Geraden und zwar:
1. Aus der äußerlichen Verknüpfung des Runden mit
dem Graden gehen die Bau- und Legeformen, und
2. aus der innerlichen Verknüpfung beider die Rolle
das Rad, die Welle, das Gefährt, die Wagen rc.
hervor.
Hieran knüpft sich also als Spielgegenstand
I. das mechanische Gebiet.
II. das Gebiet der Naturbeachtung und Einführung in
dieselbe.
III. das Gebiet des menschlichen und geselligen Lebens.
Aber auch in flächiger und linearer Auffassung
und Verknüpfung findet das Runde weiter seine erziehende
Spielanwendung.
*
Aus diesen allen geht nun die freie Verknüpfung jedes be-
liebigen Stoffes in jeder beliebigen Form in der man-
nigfachsten Art und zu den verschiedensten Spiel- Beschäf-
tigungs- und Unterhaltungs- wie dadurch Erziehungszwek-
ken und andern Zwecken der Pflege und Beachtung
des menschlichen Lebens und der menschlichen Verhältnisse
hervor z.B. zu Liebesgaben, wie dieß schon vielfach er-
wähnt worden [ist].
Hieran knüpft sich weiter als erziehende Spiel- und Unter- /
[21]
haltungsbeschäftigung, zuerst das Sammeln der Naturerzeugnisse:
Steinchen, Blätter, Blümchen der verschiedensten Farben und
Formen; wozu das Kind so frühe neigt um daran seine Be-
achtungs- und Vergleichungskraft zu üben, wie dadurch seine
Gegenstandskenntniß zu erweitern, vor allem sich Kenntniß von
Naturgegenständen zu verschaffen.
Das Sammeln des Gegenstandes, des Blümchens des Pflänz-
chens, des Käfers, der Raupe u.s.w. führt zu dessen Pflege
zur Pflege desselben für Wachsthum und Entfaltung, also
zur Lebenspflege, wozu sich gleichfalls in dem Kinde sehr
frühe, sobald es davon nur Ahnung und Anschauung hat,
der erfreuende Trieb zeigt alles dies zu belehrenden Win-
ken für die Eltern, sowie überhaupt für Alle, welche er-
ziehend auf das Kind und die Kinderwelt einwirken.
Die Gärtchen für Kinder gehören wesentlich hierher. Zuletzt
wird der Mensch, das Kind selbst, für das Kind, wie der
genügende Spielgegenstand, so der erfreuendste Spielge-
nosse, wie dadurch alle menschliche Lebensäußerung Spielstoff,
gleichsam die Träger des Spiels werden, woraus die Ton-
und Singspiele, die Wort- und Sprechspiele, die Bewegungs-
und Darstellungs-Spiele; besonders die Darstellungen des
Menschen in den mannichfachsten Entwickelungsstufen, Ver-
hältnissen, Berufen, Geschäften und Wirksamkeiten, über-
haupt also die Beachtungs- Vergleichungs- und somit Erkennt-
nißspiele des Nachdenkens zur Pflege und Entwickelung
zur Ausbildung des Verstandes, der Vernunft, des Kopfes
und Herzens, der Sitte und Sittigkeit, wie der Sittlichkeit
und der höchsten Lebenseinigung, der höchsten Lebenspflege /
[21R]
und Lebensbeachtung in allen Beziehungen hervorge-
hen: denn das Kind stellt so an und durch sich selbst
sein Leben, sein innerstes, ihm selbst noch unbekanntes
unbewußtes Leben dar und nimmt das umgebende
Gesammtleben, das Innere und Innerste desselben in
sich auf, spiegelt es gleichsam in sich ab, vergleicht so ver-
mittelt
, beide Leben, findet das Gemeinsame, Gleiche, Einige
derselben und entwickelt, erzieht und bildet sich so selbst
zu wahrer allseitiger und inniger Lebenseinigung, wie
somit zur Lebensverständniß Lebenseinsicht, Lebensbeherr-
schung (: in soweit dies in dem Kindesalter und auf den
verschiedenen Entwickelungsstufen des Kindes möglich ist :) -
und dieß ist das eigentliche und höchste Ziel dieses Spiel-
ganzen, dieser Spielmittel und Weisen, dieses Spielgan-
ges. Wie nemlich bei diesen Spielen stets ein höheres
geistiges Band
gleichsam als Seele sich durch das
Ganze hindurchzieht, so macht das Kind in demselben
auch die Erfahrung, daß es zur Einsicht, zur Ausübung
dieses Einigen und Stetigen, nur durch stete Vermitte-
lung
komme; in diesen dreien und der davon in dem
Kinde erkannten und vorausgesetzten Ahnung liegt eben
das Entwickelnde, Erziehende, Bildende, die hohe Wirkung
dieser Spiele; sie diese hohe Wirkung liegt in der in dem
Kinde noch tief schlummernde und dennoch schon thätigen
Ahnung: zum gegenständlich, zum Sichtbarwerden und somit
zum Auffassen des in sich bleibend Einigen und Unsicht-
baren, also gleichsam zur Lösung und Anschauung des
Innern, Geistigen, Bestimmenden kann nur vermittelnd /
[22]
durch das Unsichtbarsichtbare führen; Hierin hat der Nachah-
mungstrieb, der Trieb und die Kraft der Wiedererzeugung,
der Reproduction im Kinde seinen Grund wie sein Ziel,
wie sich darin das Wesen der hier dargelegten Spiele
und Spielweise kund thut.
Durch alles dieß nun liegt das ganze Leben der Natur
und des Menschen, das Wesen aller Dinge und vor den [sc.. allem]
das des Menschen dem Kinde als ein Ganzes und Einiges,
alle Entgegensetzung und Widersprüche Lösendes, somit als
ein Ausgesöhntes in dem Spiegel seiner Spiele vor ihm da.
*
Wie nun die Natur ihre Gegenstände dem Menschen
auch nicht immer ja nur selten in der Folge und Reihe
ihrer Entstehung nach einander, sondern sogleich als ein Stre-
ben, oft sogar als ein Mit- und Ineinander, meistens
als ein Durcheinander giebt und darstellt, wo nun der
Mensch theils nur das hervorhebt und beachtend sich aneig-
net, was ihn besonders anzieht oder abstößt, Nutzen oder
Schaden bringt, theils aber auch, getrieben von innerer Ah-
nung, wohl der innere Zusammenhang und die Folgen der
Entwickelung, Aus- und Fortbildung mehr oder minder
als ein Ganzes zu erforschen und anzueignen sucht, so auch
bei den Spielen der Kinder und den Spielgegenständen
derselben; auch hier folgen die Spiele so, daß nicht erst
eine Spielreihe beendigt zu sein braucht ehe eine neue
beginnt, sondern es können recht gut verschiedene und
nach Maaßgabe der fortgeschrittenen Entwickelung, mehrere
Spielgegenstände nach einander benutzt, so verschiedenartige
Spiele nebeneinander mit den gleichen Kindern gespielt
werden; aber der Kinderführer und die Kinderführung /
[22R]
der eigentliche Kindergärtner und die Kindergärtnerin, wer
dies auch immer sei, muß nach Möglichkeit das Ganze in
größern oder geringern Umfange in sich tragen und es eben-
so den Pflegebefohlenen, wo sich dazu Gelegenheit zeigt, in ein-
zelnen Fällen ahnend und anschaulich, einst später einsichtig
zu machen. Die Spiele werden dann so was sie eben dem
Kinde sein und werden sollen: - das Vermittelnde zwi-
schen seiner Innern[-] und der es umgebenden Außenwelt
,
das Erkenntnißmittel zu beiden; so wie diese Spiele und
Spielweisen ihm eben das Mittel werden das Vermit-
telnde an und für sich
, welches durch die ganze Natur
und durch das ganze Leben des Menschen durchgeht, da-
rum das hohe Wesen und die Wichtigkeit desselben
zu ahnen, persönlich zu fühlen, ja gegenständlich zu sehen
und sich zur Einsicht nicht nur, sondern auch selbst zur
Beachtung und zum Nachleben zu bringen; zu ahnen
und einst weiter zu erkennen, wie der Mensch sei-
ner Natur nach, Vermittler ist zwischen Gott und
Natur
, um so für die große Wahrheit der Menschheits-
vermittelung mit Gott (: Aussöhnung, Erlösung, Heiligung :)
nicht nur empfänglich zu werden, derselben entgegen
zu bilden, sondern ihm dieselbe für den Verstand auch
gegenständlich und wahr, für die Vernunft einsichtig
und in ihrer Allseitigkeit wahrnehmbarer, wie für das
schaffende, wirksam[e] und thätige Leben desselben frucht-
bar und segensreich zu machen.
Einsichtig und für das Leben fruchtbar und segensreich
zu machen, wie durch Jesu die ursprüngliche Einigung /
[23]
und deren Vermittelung zwischen Gott (als Vater) und
dem Menschen (als seinen Kindern) wieder hergestellt,
d.i. erkannt und somit, da alle Trennung - also auch die
zwischen dem Menschen und Gott gesetzte - Fesseln und
Feindschaft erzeugt[e] - durch Ihn die Vernichtung beider,
darum Erlösung und Aussöhnung gebracht, und – weil
der Mensch zugleich ein Glied der Natur ist - also auch
die Versöhnung und Erlösung der Natur und aller Wesen, -
d. i. die Einsicht in den Frieden und die Freudigkeit des
Weltganzen und dadurch die Anerkenntniß jedes Dinges
und Wesens an seiner ursprünglichen Stelle und in sei-
ner ursprünglichen Bestimmung bewirkt wurde.
Da nun aber auch die in Vorstehenden dargelegten
Kinderführungs- Erziehungs- Spiel- Bethätigungs- und Be-
schäftigungsweise, wie nachgewiesen, auch [sc.: auf] der durch Jesu
vorgelebten Wahrheit der Vermittelung ruht, so bestä-
tiget sich diese Kinderführungs- und Beachtungsweise
durch alles dies, nicht nur als eine dem Wahren, son-
dern auch dem Zwecke und Ziele nach ächt christlichen und
zwar in dem Umfange als christlich, in welchem das
Christliche zugleich das Naturlösende und Naturversöhnende
mit umfaßt, indem aber dadurch bei der Erscheinung äu-
ßerer Trennung und Entgegensetzung die Auffassung
und Anschauung der innern Einheit angebahnt und vorberei-
tet wird, was ja - in dieser Form und auf diese Weise
(wie es deren verschiedene giebt) ausgesprochen - das eigentliche
Wesen der christlichen Religion (: der Religion in der Vermit-
telung rc. und dadurch der Einigung :) aus macht, welche da- /
[23R]
rum eben die Grundlage aller um- und erfassenden Menschen[-]
und Menschheitserziehung ist.
Wie nun so die Welt - den Menschen mit eingeschlossen,
als in ihrem Wesen nach fried- und freudenvolles, als ein
aus Gott hervorgegangenes in Gott ruhendes und durch Gott
dastehendes Ganzes nicht nur erscheint, sondern auch als
solches wirklich erkannt wird: - ein allseitig gleichmäßig
in sich ruhendes selbst Ganzes eben (: wie ein Anschau-
ungsmittel dafür z.B. die Klingel [sc.:Kugel] zeigt:) für die äu-
ßere Betrachtung und Auffassung jeder Punkt an und
in demselben als Anfangs[-] und Ausgangspunkt festgehalten
werden kann, so kann auch, und weil Alles und jedes
Äußere eines Ganzen, auch der kleinste Punkt desselben
aus dem Innersten, aus der Einheit hervorgegangen, in
derselben bedingt ist - der Anfang und Ausgang dieser
Betrachtung der Einigung durch die Vermittelung von
jedem Punkte des Ganzen aus geschehen.
Auch kann nun - da durch diesen Entwickelungs-
gang die Gemüthsahnung, Gemüthskundmachung, Offen-
barung wie gegenständlich, so auch als allgemein in ih-
rer Wahrheit nachweislich erscheint - die Betrachtung des
Welt- und Lebensganzen der Lebenseinheit, die religi-
öse Welt- Lebens- und Menschheitserkenntniß und Ein-
sicht - dem Gange der Entwickelung der Menschheit und
jedes einzelnen Menschen gemäß - mit jener Ahnung,
jener innern Kundmachung und Offenbarung begonnen
werden.
Somit ist nun auch - beim Ins-Auge-Fassen und /
[24]
Festhalten des Ganzen, des In-Sich-Einigen - selbst in
Hinsicht auf den Ausgangspunkt und die Fortschreitungsweise
der Erziehung und Bildung, Friede und Freudigkeit im Aeu-
ßeren und in Beziehung auf das Aeußere, so wie für
jedes einzelnen Menschen Innere gegeben.
Es zeigt sich also auch, daß mit der Erziehung des Men-
schen für Vollendung, für Vollkommenheit, von jedem ge-
gebenen Punkte der Entwickelung und Bildung ausge-
gangen werden kann, z.B. von der Selbstwahrnehmung
des eigenen und Einigen und Innern jedes Einzelnen
von der Wahrnehmung des Einigen und Innern der
Außen- und Umwelt und von dem Gegebenen der
Selbstwahrnehmung der Menschheit als einem Ganzen
und ihrem Einigen und Innern, dessen Entwickelungs-
gang und Weise und deren Urkunden oder - und dieß
jedoch vollkommener, von dem sich gegenseitig Ergän-
zenden, und Erklären, denn alles dreien gemeinsam
und geeint - nur muß, wie dieß schon vorhin ausge-
sprochen worden ist, - die Person welche dabei pflegend,
erziehend, bleibend [sc.:bildend] rc. ist, stets das Ganze klar, minde-
stens kräftig und lebensvoll in sich tragen, das ganze
Leben als eine, durch stetige Vermittelung (Freimachung
des Geistigen [)], somit Klärung, Aussöhnung, Erlösung hin-
durchgehende Gottesoffenbarung und so auch die Erziehung des
einzelnen Menschen wie die des ganzen Menschengeschlechts
zum Zeichen der Menschheit: Gotteinigung, Gotteinigkeit
festhalten. /
[24R]
Hierzu und zur Ahnung dieses Ganzen nun den Menschen
frühe zu wecken ist der Zweck, daß er das geahnte und
erkannte Wahre will und selbstthätig thue, das ist das
Ziel
der hier vorgeführten Spiele und Spielweise; da-
mit so dem Kinde durch das, was es spielt, was es frei
und selbstthätig in sich erzeugt, wie frei und selbstthä-
tig in sich aufnimmt wie ebenso wieder außer sich dar-
stellt, - also aus und durch sich, ein Bild von der äu-
ßeren Umgebungs- und von seiner inneren Empfindungs-
und Vorstellungswelt werde, es so den innern Lebens-
grund und Quell beider als den Urquell und Vater
aller Dinge aus [sc.:auch] alles Lebens und aller Wesen also
auch seiner, erkenne und demgemäß auch wirke, schaffe,
lebe.-/