Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Becker (= Redaktion „Allgemeiner Anzeiger der Deutschen“) in Gotha v.21.10.1845 (Keilhau)


F. an Friedrich Gottlieb Becker (= Redaktion „Allgemeiner Anzeiger der Deutschen“) in Gotha v.21.10.1845 (Keilhau)
(BN 38, Bl 5, hier: 5R, tw. dat. Entwurf ½ Bl fol 1 S. Daß der Entwurf 1845 geschrieben wurde, ergibt sich aus inhaltlichen Bezügen, u.a. dem „Aufruf“ F.s in der Didaskalia und der Gründung des Gothaer Kindergartens durch Drescher im Sommer 1845. – Beim beigelegten „Aufsatz“ handelt es sich um den mit Datum 15.10.1845 versehenen Text: „Friedrich Fröbel und dessen Erziehungsgrundsatz“ BN 39 2 Bl Reinschrift, ed. Heiland/Gebel 2004, 211-214.)

Am 21 8br abgesandt

Verehrtester HErr Hofrath.

Ihr vielgelesenes u steigend geschätztes Blatt hat
in der jüngsten Zeit, wie auch andere öffentliche Blätter
mehrmals wieder meiner erziehenden Bestrebungen Erwähnung
gethan. wie auch andere Dadurch bin ich von Freunden
derselben aufgefordert worden mich doch auch einmal auch öffen[tlich]
und klar
über die Grundl[a]ge wie über das Ziel derselben
öffentlich klar auszusprechen.
Das Ergebniß einer Berathung mit den zunächst stehenden
Freunden war daß dieß wohl zwar jetzt wo so vieles
dem deutschen Volke dem Einzel[ne]n wie dem G[an]zen zur Prüfung
und Entscheidung vorliegt nicht unzweckmäßig sey: Ich
selbst fand nun dazu eine hist gleichsam geschichtliche Darlegung der
Entwicklung meines obersten Erziehungsgrundsa[tz]es und wie dad[urc]h zugl[eich]
eine Darlegung des innern geschichtlichen Zusammenhanges meiner
erziehenden Bestrebungen am zweckmäßigsten und
zwar zunächst für Ihr vaterländisches Blatt, in ge-
wisser Beziehung einem Archive derselben, bestimmt
um den weiteren desfallsigen Verhandl[ungen] u Besprech[ungen] einen festen
Beziehungspunkt zu geben.
Beiliegend übersende ich nun auch Ihnen denselben mit dem
Wunsch u <innigen> Bitte wenn auch Sie mit uns über dessen
Zweckmäßigkeit einverstanden sind, solchen gefälligst
in einer der nächsten Nrn des All[gemeinen] Anz[eiger] als ersten Aufsatz aufzu-
nehmen. Sollte dieß geschehen, so wünschte ich gar
sehr daß es möglich wäre ohngefähr 50 Stück dieser
Nummer bekommen zu können welche ich sehr gern
besonders vergüten würde, die geehrte Expedition
könnte sogl[eich] den Betrag derselben bey deren Übersendung
von der Post nachnehmen. Würden Sie aber die Aufnahme
dieses Aufsatzes Ihrem Blatte nicht angemessen finden so erbitte
ich mir denselben mit nächster Post ergebenst zurück
um anderweitig davon Gebrauch zu machen indem
mein Zweck ist auf die so gewonnene Grundlage hin nun

theils um für die weitere Besprechung der Sache eine feste Gr[un]dl[age]
zu gewinnen u theils um auf die Gr[un]dl[age] hin nun auch <weiter[es] Mitthun>
aus dem ausführenden u darstellenden Leben folgen zu lassen.
Erfreul[ich] war es mir in der Dorfz[ei]t[un]g u in der Didaskalia
Nachricht von der Eröffnung des d[urc]h HE Bankass[essor] Drescher be-
gründeten Kindergartens in Gotha zu hören so wie von ihm schriftl[ich] <->
Nachricht von der S.[ache.] Sehr angenehm würde es mir seyn wenn
uns Ihr Blatt bald auch gute Nachricht von dem frischen
u <fröhligen> Gedeihen u Fortgang desselben melden könnte u würde
dann könnten Sie vielleicht auch einige Mittheilungen aus Dr.
Hagens
Aufsatz über Nationalerziehung in besonderer Beziehung
auf mein erziehendes Unternehmen in Dr Weils constitu[tionell]en
Jahrbüchern machen. Ich hoffe daß Ihnen solche HEr B[an]kass[essor]
Drescher verabredeter Maaßen in mein[em] Nam[en] zur geneigte[n] Einsicht
(mitgetheilt) abgegeben hat. Neuerdings ist auch wieder ein
junges Frauenzimmer welches sich <in> meinem letzten [Cursus] hier für Kinderpflege
ausgebildet hat für diesen Zweck in eine Familie nach Amerika
abgegangen, so wie der G[e]g[en]st[an]d an [sc.: in] mehreren andern <Gebieten> neuen Gr[un]d u
Boden genommen hat und in meh[rer]en lebenserfahr[enen] u kräftig[en] Männ[ern]
von Neuen tüchtige Vertreter gefunden hat
In der angenehm[en] Hoffnung daß ich auf irgend eine Weise mich
bald <einiger> Erwiderung von Ihn[en] [zu] erfreu[en] haben werde
und bey mit den herzl[ichen] Grüßen von HEr[rn] Midd[endorff] u Barop unterzeich[ne]
ich mich mit unverändert wahr[er] Gesinnung
Ihr
ergebener
[Unterschrift fehlt]