Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 16.12.1845 (Annaburg)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 16.12.1845 (Annaburg)
(KN 56,52, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

    Annaburg bei Torgau am 16 Decbr. 1845.

Als die Frucht innigen Einklanges Freude, Friede und
frohe Fortentwickelung zum Ziele, Dir u. Euch allen.

Obgleich draußen und der Jahreszeit nach Sturm und Wetter,
s Schnee und Frost aber um mich nicht nur fröhliches Aufblühen
des Frühlings, sondern schon ansetzende Früchte für die
Reife des Sommers, wie es nun aber auch im Frühling und
Sommer f viel im Garten und Feld zu besorgen und es oft wenig
Rast giebt, so ist auch meine Reise keine Erholungs- sondern
ich darf wohl sagen eine Ermüdungsreise, aber eine Reise
zu[r] Erweckung Frucht verheißender Blüthen, ja wie ich sagte
schon ansetzender Frucht und alles dieß eben die Früchte
die Ergebnisse einträchtigen einmüthigen Handelns und der
Treue u des pflegenden Sinnes erst eines Mannes (Prediger W)
dann zweier (Er und Dr Seyler) und dann einer ganzen Gemeinde.
Doch nun kurze Skizze - Donnerstags d. 11 Jan De. giengs wie ich schrieb
nach Arensnesta zum Prediger Giese, dort liebe Familie, herzliche
Theilnahme an mehrstündiger Mittheilu[n]g und Anknüpfung zur Fort-
pflege - Freitags den 12 Dec. früh nach Großtreben. Nachmittags
mehrstündiger Vortrag bis Abends gegen 7 Uhr - dann zu Abend
bei der trefflichen Familie des Rittergutsbesitzer Delius daselbst.
Viele Anknüpfung zur Fortpflanzu[n]g. Sonnabends Morgen Besuch
der Anstalt u wieder 2 Stunden Mittheilung an die Seminaristen
dann Mittagessen. Einpacken Nachmittags u. Abreise[.]
[Einschub hierhin:]
Welchen Eindruck die Mittheilungen dort bei den Seminaristen
zurück gelassen haben könnet Ihr aus den beiliegenden
Zeilen eines angehenden Seminaristen, einem früheren
Pflegesohn des Herrn Pred. Wöpke, an diesen ersehen.
Ich wünsche und hoffe, daß er Euch allen ein angenehmes
Christgeschenk seyn möge, so wie überhaupt alle Blüthen
und Früchte meiner jetzigen Reise.
Sonntag früh. Ortskirche. Mittheilung des Dr Seyler an heil. Stätte
über die in Annaburg zu errichtende Kinderpflegeanstalt.
Nachmittags Mittheilung an 25-30 Zöglinge der Anstalt erst von 2-4 
dann von ½5-½7.
[1R]
Sonntagsabends als ich eben mit Einordnen beschäftigt war
kam Herr Dr Seiler [sc.: Seyler] mit einem Orts- und Kirchenvorstande Herrn
Lichtenberg (:dem Schwiegervater des früher genannten Apotheker
Violett) mir im Auftrag der hiesigen Bürgergesellschaft anzeig-
end, daß man sich entschlossen habe Frl. Anna Heß [sc.: Hesse] von
hier zum Neujahr Cursus zu mir nach Keilhau zu schicken um
zu [sc.: sie] zur Führerin des hier d[urc]h Utgenannt schon angebahnten Kindergartens
ausbilden zu lassen. Alles wieder sogleich vorläufig abge[-]
schlossen und die Bestimmu[n]gen so getroffen, daß sie spätestens zum
Sylvester in Keilhau eintrifft - Bitte also eine Bettstelle
für sie besorgen zu lassen, bei Löhn in Blankenburg. Er soll
sich sogleich daran machen.
Nachdem dieß besprochen kam eine Einladung nach Torgau
zum Superint: Hauptmann für morgen zum Vortrag.
Also Montags früh müde vom Zusammenpacken nach Torgau
im fürchterlichsten Wetter. Dort sogleich in den, aber sehr schönen
Saal des vereinten Schulgebäudes - Anord[n]ung des Ganzen.
Um ½4Uhr beginn des Vortrags, ohngeachtet des schlechten
Wetters bei gefülltem Saale bis ½7. Ergebniß; Bedauern
daß nicht noch mehrere wegen Kürze der Zeit u schlechtem Wetter
daran Antheil nehmen konnten. Zweites Ergebniß, sogleich
Bestimmung einer Person Fräul[.] Hoffmann, welche[s] einst nach
Keilhau gesandt werden soll. Vielleicht schon zum Neujahrcursus /
[2]
Also wäre eine zweite Bettstelle in Bereitschaft zu
halten. Löhn soll auch diese wenn es nöthig sogleich in
Arbeit nehmen. Morgen schreibt Wöpke von hier durch
Expressen nach Torgau um womöglich die Sache noch zu Neu-
jahr ins Werk zu setze[n].- Die vernunftsvolle und vom Herr[n]
Dr Seyler sogenannte schlanke 18jährige Klara des Herrn Sup. Hauptmann
wäre sogleich mit nach Keilhau gegangen um sich für Kinder-
pflege auszubilden, wenn nur die Mutter die einzige Tochter
entbehren könnte u. wollte. Um ½9 war alles wieder
Nun aber hat w eingepackt - etwas zu Nacht gegessen
wo das Erwähnte besprochen wurde um 10 Uhr wurde
in Wagen gesetzt um 1½ rollten wir wieder im Schloßhofe
zu Annaburg ein.
Heut früh einzelne Mittheilungen. Nachmittags von
½3-4 Spiel im beginnenden hiesigen Kindergarten mit cca 
30 Kindern. Dann Besprechung des Obengesagten.-
Nun die weitere Kunde daß auch der Lehrer der Anstalt
Herr Will den Wunsch habe seine Schwester noch zum Neu[-]
jahrcursus nach Keilhau zu senden. Doch erst Rücksprache
mit den Eltern zu nehmen die einige Stunden von hier wohnen.
A Die Beistimmung derselben ziemlich gewiß. Also wäre
durch Deine Güte l. Barop für Bereithaltung auch von 3
noch einer dritten Bettstelle Sorge zu tragen. Kann
sie Löhn auch braun anstreichen so ist es um der Reinlich[-]
keit willen sehr gut.
Zum Schluß des heutig[e]n Tages ein musikalisches Lebewohl
(eine Polonaise) von den hiesigen Musikschülern.-
Doch ich muß eil[i]gst schließen - Wie ich schrieb hoffe ich Donners[-]
tags über Wittenberg, Dessau, Halle heim zu kehren. Weih[-] /
[2R]
Weihnachten werde ich nun abwesend von Keilhau
und entweder in Wittenberg oder Dessau (oder Quetz)
halten müssen, ich denke im letztern Orte. Von Witten-
b[e]rg denke ich wieder zu schreiben, sollte mir m Wichtiges
zu melden seyn so aderessire den Brief an den
L Herrn Arnheim, Vorsteher der Franzschule
in Dessau.
oder nach Halle an Wislicen[us].
Herr Prediger Wöpke ruft mir durch die Thür
die herzlichsten Grüße an Euch alle zu[.]
Gut wäre es wenn im Rudo[l]st: Wochenblatte
und vieleicht auch im Thüri[n]ger Volksfreunde - dann
im Allgem: Anzeiger der Deutschen - auch in der Dorf-
zeitung eine kurze Anzeige des gleich nach Neujahr
beginnenden Bild[un]gscursus für Kinderpflegerin[nen] ange-
zeigt würde. Du oder Middendorff könnt die
paar Worte u Schwarzkopf die Schreiberei
deßhalb besorgen. Es wäre mir besorgen besonders um
<Schleusingen> willen lieb. (Angezeigt könnte vi)
Angezeigt könnte vielleicht zugl[eich] werden, daß der
nun folgte nächste Cursus erst künftigen Michaelis
beginnen würde.
Das schönste Christfest wünscht Euch allen
D u E.
FrFröbel
Mögest Du mein Geschmiere lesen können[.]
Da No 2 u 3 noch in der Schwebe ist, so wirst Du es
nicht als positiv aussprechen damit nicht Abschwächung erfolge[.]