Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 26.12.1845 (Magdeburg)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 26.12.1845 (Magdeburg)
(KN 56,54, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. - Der Brief erwähnt am Schluß u.a. einen Brief F.s an Barop aus Dessau, der bei seinem am 22.12.1845 endenden Aufenthalt geschrieben worden sein dürfte. Dieser Brief ist nicht erhalten.)

[Oberer und linker Blattrand:
Von Ornamenten umgebene Lithographie
des Magdeburger Doms mit Bildunterschrift:
"Dom zu Magdeburg"]

Magdeburg am 2en Christtage 45.
Freude und Dank umgiebt Dich l. Barop,
auch mich hat hier in diesen Festtagen viel
reine kindliche und elterliche Freude umgeben,
und selbst auch Dank ist mir mehrfach geworden.
Warum ich Dir von hier aus nochmals schreibe, da
ich doch in wenigen Tagen bei Dir bestimmt einzutreffen
gedenke?- Jetzt da ich mich selbst erst deßhalb fra-
ge fühle ich daß es eigentlich mehr Drang des Her-
zens als äußere Nothwendigkeit ist; doch auch diese
kommt hinzu, denn noch siehest Du mich gegen mein
Erwarten und wohl auch gegen das Deine hier; d allein
ich wollte ein paar Anknüpfungen sich doch erst in ihren
Ergebnissen entwickeln lassen, denn Magdeburg scheint
mir ein Jahr später das zu geben und ich selbst meine in
demselben das zu finden, was ich jetzt vor einem Jahr ge-
rad, in Frankfurt zu finden hoffte. Der Herr Schul- und
Stadtrath Grubitz
hat sich bis jetzt auf das regeste für die
Sache der Kindheitpflege thätig gezeigt. Heut Mittag als
ich ihm den Abschiedsbesuch machte - (:denn ich wollte Nachmit-
tags abreisen:) - sagte er mir, daß er heut schon drei Mäd[-]
chen bei sich gehabt h und ihnen den Vorschlag gemacht habe für
Kinderpflegebildung nach Keilhau zu gehen; Sie müßten
es sich nun erst mit ihren Eltern überlegen, doch hoffe er
mir mit Neujahr schon deßhalb schreiben zu können. Dieß
der eine Grund dieses Briefes, doch ein zweiter ist: gestern /
[1R]
sagte mir Pastor Uhlich, welcher Dich wie Grubitz grüßt, - das [sc.: daß]
bereits in Leipzig ein großer Erziehungsverein unter der
Leitung des Herrn Archidiaconus Fischer bestehe, welcher sich
alle Mittwoche versammele. Da ich nun heut nicht von hier
weggekommen bin, so werde ich morgen ganz früh, directe
von hier nach Leipzig gehen um selbst zu sehen und zu hören,
Nachmittags denke ich dann nach Halle zurück zu kehren
jedoch kann ich es nicht wandellos bestimmen. Ich halte den
Vorsatz und dessen Ausführung zum Silvester Abend in Keilhau
zu seyn in mir aber fest. Dennoch schreibe ich Dir heut, damit
das Ganze immer vollständig übersichtlich vor liege, denn jetzt be-
ginnt sich wie es scheint das Leben zu organisiren und da ist es
nöthig nichts zu übersehen von dem sowohl wah was die Organisa-
tion in ihrer Klarheit fördern, wie von dem was sie stören könne.
Ja Barop es wäre schön wenn wir mit Ende 1845 und Anfang
1846 einen s neuen fried- als freudvollen großen Lebensorga-
nismus
, sey es auch nur in seinen ersten Keimen anbahnen.
Friede u Freude umgebe Dich und Euch alle auch in den letz-
ten Tagen dieses schönen Lebenserneuenden Jahre[s] 1845 = 9:
D. u. E. FrFr.

Meinen mit Bleistift geschriebenen Brief von Schönebeck
wie den von Dessau wirst Du erhalten haben?-