Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 15.1./19.1.1846 (Keilhau)


F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 15.1./19.1.1846 (Keilhau)
(Autograph nicht überliefert, ed. Jänicke 1880, 107-111. - In der Edition gesperrte Passagen werden hier unterstrichen wiedergegeben [so wohl im Orig.]; Passagen, die in der Edition in Normalschrift statt Fraktur gesetzt sind, werden hier kursiv wiedergegeben [im Original wohl Antiqua-Schrift].)

Keilhau, am 15. Januar 1846.


Mein hochgeschätzter, lieber Herr Prediger und theurer Freund!

Wissen Sie, daß ich mich in diesen Tagen nicht nur nach einigen Zeilen von Ihnen, sondern nach einer unserer stillen Abendunterhaltungen mit Ihnen gesehnt, ja offen will ich es nur gestehen, die ersteren wirklich erwartet habe; letztere wie um des geistigen Austausches, so auch um der Erlaubnis, die mir dadurch geworden wäre, Ihnen schon wieder schreiben zu dürfen, indem ich letzteres wirklich kaum wagen darf, da Ihnen seit meiner Abreise aus N. [sc.: Annaburg] eine so große Anzahl von Briefen von mir schon vorliegt, daß mir die Vermehrung derselben auch nur noch um einen kaum gestattet scheint und mir doch die Gegenstände des äußeren und inneren Lebens, über welche ich mich mit Ihnen besprechen möchte, so zahlreich und in beiden Beziehungen gleichwichtig und zu einem Ganzen verschlungen vorliegen.
In Beziehung auf den äußeren Fortgang des Lebens habe ich Ihnen zu schreiben, daß mir seit meinen letzten Mittheilungen wieder ein Aufsatz bekannt geworden ist, welcher die Sache der Kindergärten, und, geknüpft an eine Thatsache, die segensreiche Ausführung derselben bespricht. Der Aufsatz ist enthalten in Nr. 331 des Allg. Anz. d. D. 1845. Die Spalte ist überschrieben: "Erziehungswesen. Der Kindergarten zu Gotha." Der Verfasser Dr. unterzeichnet ist ohne allem Zweifel der Bankbuchhalter Drescher in Gotha. Da Sie die Leiterin Christ.[iane] Erdmann und in gewisser Beziehung das ganze Verhältnis als Thatsache kennen, so wird der Aufsatz mehrfach für Sie Anziehendes haben, ja bei der sich aufgegebenen Arbeit selbst Wichtiges haben. Denn hier spricht die thatsächliche Erfahrung und deren Eindruck auf einen Geschäftsmann aus dem Kerne des Volkes.
Das zweite Äußere, was ich Ihnen mitzutheilen habe, ist, daß ich gestern einen Brief vom Schul- und Stadtrath Grubitz in Magdeburg erhalten habe, worinnen derselbe mir anzeigt, daß auch er so glücklich gewesen sei, zur Ein- und Ausführung einer entsprechenden Kinderführungsweise in Magdeburg, ein, wie es scheine, sehr geeignetes Mädchen gefunden zu haben, was er denn auch mir in den allernächsten Tagen zur Ausbildung überschicken werde. Ich freue mich recht, wenn es dadurch gelingen sollte, für diese Sache und deren gedeihliche Ausführung an der Mittelelbe, in der Provinz Sachsen, einen Ort von so vielfacher Wichtigkeit und Bedeutung wie Magdeburg zu gewinnen. So könnte sich meine Wirksamkeit dafür im nächsten Sommer zu einem schönen Ganzen gestalten. Leid und doppelt leid thut es mir nun, daß sich sowohl der in Hinsicht auf Herrn W.'s [sc.: Will] Schwester, als der in Hinsicht auf Fräul. H. [sc.: Hesse] angeregte Gedanke in seiner Ausführung aufgelöst zu haben scheint; /
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denn wie die Sache vor mir liegt, würde sich für die Wirksamkeit beider, nach vollendeter Ausbildung derselben, gewiß in der Prov. Sachsen eine entsprechende Wirksamkeit gefunden haben.
Nun zur Mittheilung einer, mir in diesen Tagen bei der Feier des Pestalozzi-Festes, welches auch wir in einfacher Weise als Anstalts- und Thalbewohner begangen haben - klar, ein- und übersichtlich gewordenen innern Lebensthatsache. Es war natürlich, daß bei Begehung dieses Festes in meinem Kreise besonders mein und Pestalozzis Wechselverhältnis und Geistesverband in seinem Ausgangspunkte, seinem Fortgange und seinem Ziele und Schlusse zur Betrachtung und Vorführung kommen und daß dabei noch die Ein- und Mitwirkung anderer individueller und persönlicher Geister als Thatsache erkannt werden mußte.
Das Ergebnis dieser großen Lebens- Ein-, Über- und Durchschau, hervorgehend aus einer bedeutenden Anzahl vielen der Glieder des Hauses, mindestens der bewußtesten derselben, bekannten Lebensthatsachen - war nun:
erstlich die Bestätigung einer meiner Ur- und Grundüberzeugungen, daß alles geistige Leben unter sich in ununterbrochen fortgehender Ein- und Wechselwirkung ist, und daß somit alles geistige Leben ein großes, in sich innigeiniges Ganze ausmacht;
zweitens, daß dies um so mehr der Fall ist, als die Individualität und Persönlichkeit dieser Geister ausgebildet ist, und
drittens, als sie sich daher ihrer persönlich und individuell klar und vollständig bewußt sind;
viertens, daß diese Wechselwirkung ganz besonders sowohl persönlich, individuell, wie für das Ganze hebend und förderlich ist, als die Geister ein einiges, bestimmtes Lebensziel, tief gegründet in dem Wesen und der Würde des Menschen und der Menschheit haben, und in den daraus hervorgehenden Lebensrichtungen und Strebungen;
fünftens. Diese Lebensrichtungen und Strebungen fallen zuletzt in sehr wenige zusammen, welche, sich, als scharf von einander unterscheidend, neben einander erhalten, sie sind:
a. Selbstbeachtung und Selbsterkenntnis;
b. Naturbeachtung und Einsicht;
c. Lebensbeachtung und Lebensein-, über- und durchsicht.
d. Ahnung, Beachtung der Lebenseinheit, des Lebensurgrundes und
e. die Aus- und Durchführung eines, sowohl mit jedem Einzelnen von diesen, wie mit dem Ganzen derselben in
Übereinstimmung stehenden, auf verschiedenen Stufen klar bewußten Lebens, in Kreisen verschiedenen Umfangs. Alles dies zusammengenommen, in seinem äußersten Endpunkte sich beziehend auf Menschheitspflege, Entwickelung, Menschheits-Erhebung und Menschheits-Bildung und ­Erziehung; rückbeziehend zuletzt auf ihren letzten Einigungs-, Ausgangs- und Keimpunkt; auf ihren letzten Urgrund und Quell.
Erlauben Sie mir nun, daß ich Ihnen in Beziehung auf unser Sichzusammenfinden, Zusammenleben und Zusammenwirken, zur Klärung dieser meiner Lebensanschauung und Überzeugung einige andeutende Nachweisungen geben darf, insoweit mir solche selbst jetzt schon ein- und durchsichtig vorliegen.
Deinhardt schrieb seine bekannte Schrift über Gymnasien und Gymnasialunterricht.- Ich kann mich nicht mehr erinnern, durch welches Blatt oder auf welche Weise ich darauf aufmerksam gemacht wurde; genug ich ließ mir solche kommen, ich las sie und las sie mehrmals an verschiedenen Stellen. Ob nun gleich diese Schrift scheinbar einen von dem meinen verschiedenen /
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Standpunkt und verschiedenes Ziel hat, ich mich auch der einzelnen, besonders fesselnden Ansichten nicht mehr klar erinnere, so zog mich die Stringenz und Konsequenz der Schrift, ihr klares, sicheres Streben nach einem bestimmten Ziele gar sehr an und ich weiß, daß sie mir gar viel Belehrendes gab. Dies wurde noch mehr belebt durch einen sich bald darauf ganz zufällig anknüpfenden, vielfach persönlichen Verkehr mit W. So trat denn auch bald R.'s Wirken und Streben in den Kreis der geistigen Wechselwirkung und des geistigen Verbandes, sich nun schon in einem bestimmten Objekte: erziehende Kinder- und Jugendbethätigung findend.- Eine Reise zur Pflege und neuen Bekräftigung der Gesundheit bestimmte Herrn R. und R. eine Kaltwasserheilanstalt zu besuchen. Herr Deinhardt begleitete sie einen Theil der Reise. Sie hatten Elgersburg am Thüringer Walde gewählt, in Weimar wurden sie für Blankenburg bestimmt, und was jetzt gleichsam innerer, unbekannter geistiger Verkehr war, wurde nun ein äußerer, bekannter, und noch getrennt stehende geistige Strebungen wurden nun geeint. Das nächste Jahr verstärkte die innere geistige Einigung, sie zeigte sich auch nach außen wirkend, anziehend. Ihr freundlicher Besuch, lieber Herr Prediger, in Keilhau war in einem weiter folgenden Jahre das Ergebnis, wie besonders Ihre so innig förderliche, thätige Theilnahme an meinen kinderpflegenden Bestrebungen. Der weitere Erfolg war die, ich möchte sagen: selbst häuslichpflegende Aufnahme dieser Idee in meiner Person am Schlusse verflossenen Jahres; wo sich nun durch weitere Mittheilungen ergab, daß ein höheres Geistesband zunächst Sie vier, Sie, D., R. und R. eine Idee, ein Gedanke, gleichsam eine Person (Hegel) individualisirt, umschlinge und einige.- Jetzt aber zeigte sich uns, wenn Sie sich einiger Mittheilungen in N. erinnern, daß sich eigentlich die Hegelsche Philosophie (Weltansicht) oder, wenn Sie lieber wollen, der Hegelsche Geist in und durch andere Personen, oder in der individuellen Entwickelung Anderer, schon seit längerer Zeit und mehrfach den von mir vertreten werdenden Ideen früher Kinderbethätigung förderlich beachtend zugewandt habe, z.B. in Ruge, Echtermeyer, in den Halleschen Jahrbüchern und noch in und durch Andere; daß sich aber die pflegende Beachtung dieser Geistesrichtung und Lebensansicht in Ihnen zum Bewußtsein, zu einer zu lösenden, bestimmten Lebensaufgabe mit erhoben habe. Oder, darf ich den Thatsachen, wie solche vor mir liegen und ich sie lese, Bewußtsein und Worte geben: Der Hegelsche Geist, der Geist Hegels erkennt in meinem Kindheit-beachtenden, pflegenden und entwickelnden Streben die Keime der ihm wahren philosophischen Welt- und Lebensan- und einsicht; darum die beachtenden und förderlich pflegenden Erscheinungen in einer Mehrheit seiner Jünger und Bekenner. Diese meine Absicht scheint auch Bestätigung zu finden durch das, was ich mich erinnere, früher einmal über Hegels Philosophie gelesen zu haben: "Die Philosophie hat nun nach Hegels Bestimmung die Aufgabe, die Welt als eine entwickelte Idee zu begreifen, - und in Hinsicht auf dessen Methode: sie will die Urform der Lebensentwickelung selbst darstellen." Verstehe ich nun dies beides richtig und im Sinn und Geist Hegels, so finde ich darin das Streben meiner Kinderbeachtungsspiel- und Bethätigungsweise, und die Idee, den Gedanken angedeutet, welchen ich durch dieselbe verwirklichen, ins allgemeine Bewußtsein erheben will.
Bin ich nun in dem, was ich hier ausgesprochen habe, klar, so wird daraus hervorgehen, wie dadurch, d.h. durch diese die Geister einigende Lebensansicht, das bis jetzt vereinzelt stehende Wirken ganz verschwindet, und sich so ein unbewußter Geister- und Geistesverband zeigt, welcher ins Bewußtsein getreten und mit Bewußtsein gepflegt und gefördert, für die Menschheit zur /
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zur [2x] Erreichung ihrer Bestimmung, wie im Allgemeinen, so im Besonderen höchst wichtig sein und werden muß.
Doch erlauben Sie mir, gütig nachsichtiger Herr Prediger, daß ich über diesen Gegenstand, wie er in mir liegt, und von der Überzeugung, welche ich deshalb in mir trage, Ihnen noch eine weitere Andeutung geben darf. Ich habe Ihnen einen gewissen Herrn von Leonhardi, Dr. phil. in Heidelberg genannt, ja in meinem jüngsten Briefe selbst noch Mittheilungen darüber gemacht, und Ihnen von demselben erzählt, wie er gleich Ihnen, hingebend förderlich thätig zur Verallgemeinerung und Ausführung der von mir vertreten werdenden Kindheit-pflegenden Idee ist. Ich habe Ihnen auch gesagt, daß er in sich einen der eingedrungensten und treuesten Jünger Krauses, wie einen wandellosen Vertreter der Krauseschen Philosophie sieht. Außer von Leonhardi wirken aber auch noch andere Jünger Krauses förderlich pflegend für Verallgemeinerung und Anerkennung der von mir angeführten Kinderbeachtungs- und Führungsweise. Nun aber habe ich Ihnen auch gesagt, das [sc: daß] Krause lange vorher schon, ehe ihn diese Männer kennen lernten, die Grundsätze meiner Erziehungsweise öffentlich mit vollster Anerkennung vertrat, so wie sein Geist, ich möchte sagen: auf verschiedene Weise durch mehrere Personen gleichsam hindurch, noch ununterbrochen förderlich für meine Bestrebungen wirkt, indem sie, und so namentlich auch von L., in sich die Überzeugung tragen, wie durch die von mir angebahnte Kinderbeachtungs- und Führungsweise einem Verständnis und einer Anerkennung und Verallgemeinerung der Krause'schen höchsten und letzten Lebensansichten (Philosophie), gleichsam vorgearbeitet werde, ist mir anders v. Leonhardis Ansicht und Wirken in dieser Beziehung klar und einsichtig.
Hegel und Krause stehen aber in gewissen Punkten einander bestimmt entgegen, so wie auch ich weder Krauseaner noch Hegelianer mich nennen kann; beider Geist eint sich aber in ihren und durch ihre erfassendsten Jünger in der beachtenden Pflege einer und ebenderselben Kinderführungsweise; darum muß nothwendig in derselben ein Höheres, Drittes, Vermittelndes liegen; das Heraus- und Durchbilden desselben muß darum auch nothwendig zu einer höheren menschlichen Bildungsstufe führen.
Was ich nun hier in Beziehung auf den Geist Krauses und Hegels anzudeuten mich bemühte, hätte ich eben so leicht auch noch - durch das von mir 1817 gestiftete lebendige Denkmal Luthers hindurch gehend - in Beziehung auf den Geist Luthers durchführen können; wodurch sich in gewisser Beziehung noch ein allgemeinerer und höherer Einigungspunkt zeigen würde. Ich wünschte wohl, daß es mir möglich geworden wäre, mich Ihnen, hochgeehrtester Herr Prediger und Freund, über diesen Punkt hinlänglich klar auszusprechen; denn derselbe ist mir so tief gegründet wahr, als für die Lebenserkenntnis und Lebensführungssache wichtig, indem namentlich in Beziehung auf des Lebens Wichtigstes nicht blos alle Vereinzelung aufhört, sondern an deren Stelle nun die höchste sich verstehende Lebenseinigung tritt, und das Leben nun als das erkannt, anerkannt, beachtet und behandelt wird, was es in sich wirklich ist: ein organisches, lebensvolles, und - in Beziehung auf den Menschen als zum Bewußtsein berufen - ein sich und in seinen Gliedern bewußtes Ganzes, und was für ein Ganzes! Jeder einzelne individuelle Geist bleibt nicht nur in seiner Individualität ungekränkt, sondern ihm ist dadurch zugleich die Freiheit und Möglichkeit gegeben, sich in seiner Individualität stetig der Vollendung entgegen zu entwickeln. Steigen Sie nun mit dieser sich im Leben und durch das Leben faktisch nachweislichen Ansicht (was ich ja oben im Vorstehenden thatsächlich versuchte) bis zu Jesu, bis zur Betrachtung /
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von dessen Wirken und dessen vielseitig persönlichen Verhältnissen hinauf, welche Ergebnisse! welche Klarheit! welche Lebensfülle! u.s.w. Welche Lebenseinheit und Einigung!
Auch für Ihre jetzige alttestamentalische Bibelforschung, dünkt es mich, muß diese Ansicht wichtig sein.- Weit lieber spräch ich mich freilich darüber mit Ihnen mündlich aus, als ich es jetzt blos schriftlich thun muß.
Sein Sie so gütig, mir recht bald Ihre Gedanken über diesen Gegenstand auszusprechen, und ob Sie in dieser Lebensansicht Wahres und Ersprießliches finden; sie steht eigentlich im innigsten Zusammenhang mit dem, was ich Ihnen früher über Vermittelung aussprach und mittheilte, so wie es, was ich in diesem Augenblicke in mir schaue, höchst merkwürdig ist, daß sich diese ganze Ansicht und Überzeugung auch augenfällig in dem Systeme der 72 Schönheitsformen anschauen läßt.- Mich dünkt und mir ist es klar, die Menschheit entwickelt sich immer mehr dem Punkte entgegen, wo das Glauben Schauen wird. Es tritt hier wieder der zwischen uns viel besprochene Satz des Entgegengesetztgleichen und die Wichtigkeit desselben hervor.

Montags am 19. Januar. Denken Sie sich, lieber Herr Prediger, erst heute habe ich meine Kisten erhalten, welche gegen drei Wochen in Jena standen, ohne daß es möglich war, wie ich hoffte, durch Gelegenheit solche hierher zu bekommen, welche sich sonst alle Tage fand; so geht es, wenn man etwas am unrechten Orte und zur falschen Zeit ersparen will. Ich scheute dort die Überfracht von Jena mit der Post, und nun habe ich noch mehr bezahlen müssen und habe die Sachen drei Wochen später empfangen und so bin ich, was mich wirklich schmerzt, mit der Erfüllung meines gegebenen Wortes, Ihnen gleich nach meiner Heimkehr Dr. Hagens Aufsatz zu senden, so in Rückstand gekommen. Möchte Ihnen dessen Empfang zu Ihrer Arbeit jetzt noch einiges nützen.- Sie haben doch das Packet mit den mancherlei Nachweisungen, sowie meine Briefe von Wittenberg, Halle empfangen? Wie kommt es aber, daß ich von Ihnen bis jetzt ohne alle Nachricht blieb?- Vom Herrn v. Beltheim auf Ostrau habe ich heute einige freundliche Zeilen erhalten und eine Einladung, ihn bei einer ähnlichen Vorbeireise doch zu besuchen. Jetzt wäre meine Reise zu ihm so ohne Wirkung gewesen, indem er gerade in der Zeit derselben vom Hause abwesend war. Ich bin aber dem Herrn Dr. S. [sc.: Seyler] gar sehr dankbar verbunden, durch dessen gütige Worte in einen näheren Lebensverkehr mit Herrn v. B. [sc.: Beltheim] gekommen zu sein.
Heut am Morgen ist auch das zu einer Kinderführerin und Erzieherin für Magdeburger Anstalten bestimmte junge Mädchen Auguste W. [sc.. Windhorn] angekommen; ich glaube, daß Herr Stadt- und Schulrath Grubitz eine sehr entsprechende Wahl getroffen hat, sie scheint milde Weiblichkeit und kinderliebenden Sinn mit Ernst und Einsicht und der nöthigen Vorbildung zu einigen, sie ist 23 Jahre alt. Es kann dies einst zwischen R. und Magdeburg einen schönen Wechselverkehr geben; ich wollte W.'s Schwester hätte sich noch (wenn sie anders entsprechend war) dazu gefunden; ich glaube, daß man ihr bald eine Anstellung in Magdeburg hätte zusichern können.-
In Darmstadt ist ein kleines Schriftchen herausgekommen: "Anklagen der Kinderbewahranstalten von Fölsing"; ich halte es für wichtig, um auf die Mängel dieser Anstalten hinzuweisen. Selbst gelesen habe ich das Schriftchen nicht.- Sie sind doch gesund?- Von all' Ihren Freunden und Bekannten hier die achtungsvollsten Grüße, sowie von mir an Sie und alle in N. [Annaburg]
Friedrich Fröbel.