Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Dr. Heine in Zörbig v. <um 15.> 3.1846 (Keilhau)


F. an Dr. Heine in Zörbig v. <um 15.> 3.1846 (Keilhau)
(BN 469, Bl 1-7, undat. Entwurf 6 Bl 8°,1 Bl fol, 14 S. Blatteinteilung Wollkopfs zum Großteil falsch. Dem Text entsprechend ergibt sich folgende Seitenserie: 1V, 2V, 1R, 5R, 2R, 3R, 4V, 4R, 3V, 5V, 6V, 7V, 7R, 6R. Teilweise hat F selbst die Seiten numeriert. Zur Datierung: Dr. Heine schrieb F. am 7. (F.: 9.) 3.1846. F. könnte diesen Brief unter Berücksichtigung des Postwegs v. ca. 4-7 Tagen zwischen dem 11. u.15.3. erhalten haben. F. hat postwendend am gleichen Tag geantwortet. Hildenhagen nimmt am 24.3.46 auf die Antwort F.s an Heine Bezug, die Heine gegenüber Hildenhagen am 23.3. erwähnt hat.)
(Zeilenverhältnis nicht 1:1)

[1V]
Herrn Dr. Heine Wohlgeboren rc in Bitterfeld. Zörbig ohnweit Halle. (preuß. Provinz Sachsen)


Wohlgeborener
Hochgeehrtester Herr Doctor.

Ihren ho mich hocherfreuenden lieben Brief vom 9. d. M. habe welchen ich heut erhalten habe, beeile ich mich sogleich zu beantworten denn außer dem persönlich Erhebenden was Ihre Güte und Theilnahme in demselben ausspricht enthält derselbe auch so viel thatsächlich Förderliches, daß ich es für ganz unverzeihlich halten würde, wollte ich Ihnen nicht unmittelbar dafür meinen innigsten wärmsten Dank dafür und weiter (dasjenige) aussprechen daß nicht nur jeder darin mitgetheilte Vorschlag, sondern selbst jedes Wort desselben gleichsam als als als [3x] von mir selbst ausgesagt in meinem Herzen freudig und beistimmend wiederhalle. Und so erscheint mir Ihr lieber Brief als eine recht feste Grundlage Ihrer und unserer aller gedachten der hochgeehrten Deutschen Männer und meiner Zusammentritte zu für segensreicher früher Kindheitpflege und fortgesetzte JugendErziehung zum Heil u Wohle unseres Volkes u jedes Einzelnen desselben. Erlauben Sie mir, - was ich bei solchen lebenswichtigen Briefen gerad thue, weil es in dem Herzen wiedergehal[l]te u d[urc]h den Geist bestätigt gleichsam eine festere u lebenvollere Ges persönl[iche] Gestaltung gewonnen hat - Ihnen das Ihre Briefe /
[2V]
1) Zuschrift mit der Feder in der Hand noch mals zu lesen u dasjenige selbst wörtl[ich] hervorheben zu dürfen, dem meine Seele als dem wichtigsten beystimmt:
1. Die Lebensgesetze der menschl[ichen] Natur mit Begründung einer dem Wesen der Mensch[heit] <gemäßen> Erziehung und mit <aus> ihnen <ganz> u durch sie die Gesetze der ganzen Natur von in welcher der Mensch als das <-> wesentl[ich] <eine> Glied ist erscheint zu erforschen
u zu erkennen, und das treu Erforschte u wahr Erkannte auch mit Sorgsamkeit u Ausdauer in der Erziehung <zu> der Menschh[eit] d.h. <wenn> auch in andern <?> als Gesetze anzuwenden, halte ich für Erreichung ders Bestimmung des menschl[ichen] Berufes im Allgemeinen wie selbst im Besonderen so hochwichtig daß ich in mir tief überzeugt bin, ich würde das Streben nach Erforschen dieser Gesetze ja ich wäre noch fortsetzen selbst wenn ich augenblickl[ich] in diesem Streben von dieser Erde gegenwärtigen Erdverhältnis[sen] entrückt werden sollte; denn ich halte dieß als die Bedingung nicht nur der Erziehung des Menschen als Erdner zu einem freyen Wesen, sondern als die Bedingung der Entwickl[ung] aller in einer Endlichkeit erscheinenden Geister wirkl[ich] gleich wichtig; also nicht dem Wesen sondern nur der Form u dem Grade nach verschieden.
2) Sie haben g[an]z recht: es hat mich auch gar oft bis zur tiefsten Trauer ja zu noch weit mehr, selbst bis zur Entmuthigung gebracht, daß so <unser> treustes ausdauerndstes Wirken, Zeit Mittel u Kraft dagegen zu die Er<fül[lun]g> in Anschlag gebracht - fast ohne Frucht geblieben ist scheint; aber neues läßt <führt> eine Ausdauer <auch > dennoch immer fest es ist dieß mit gänzl. ermatten die tiefste Überzeugung der Mensch ist zur Gottähnlichkeit zum Streben vollkommen wie er zu werden befrufen [sc.:berufen], nun aber ist Gott in sich frey so soll auch der Mensch d[urc]h eigene Kraft als fr[e]yes Wesen frey u selbstthätig u selbstthätig u selbstständig aus sich empor u hervorsteigen darum hasse ich mindestens fliehe u meide ich <vorsorglich> alle Autorität als die der großen Natur u Lebenserfahrung und jeden Vorsatz suche ich durch diese zu begründen.- Könnte ich den Menschen d[urc]h Autorität, durch Autoritätsglauben glücklich machen u ihm 2) /
[1R]
alle ersehnten Güter verschaffen, so glaube ich dennoch, ich würde mich schwer an ihnen und an der Menschheit versündigen wenn ich es thäte, denn der Mensch darin bin ich, in all meiner Unvollkommenheit u Schwäche in der Erscheinung tief in mir überzeugt - trägt in sich und ist in enger Einigung mit dem großen Natur[-] Welt- u Lebens- u Geisterganzen im vollen Besitz der Kräfte rc u. der Mittel, welche zur freyen u selbstthätigen u selbstständigen erfassung unseres hohen Berufes unerläßliche Bedingung sind; allein unsere Augen sind nur noch zu blöde sie zu sehen unsre Kraft zu schwach sie zu erfassen unser Leben zu gebunden u gefesselt um Ssachgetreu anwenden u gebrauchen zu können; also unser Auge suche ich zu stärken gleich dem Auge des Adler u unsere Kraft zu erhöhen gleich der <Eiche> die Jahrhundert[e] hind[urc]h den <Gefahren trot[z]t> u das Leben zu entfesseln und da wie dieß die Million streuender Saamkerne Blätter- u Blüthenknospen einer Frucht zeigen.
Darum bemühe ich mich u suche nach dem Gange Gottes welchen er selbst das Menschengeschlecht in seiner Entwickelung führte dem Menschen also dem Kinde allen zuvor das Buch der Natur u das seiner eigenen Lebensbeachtung zu vor also die Beachtung der Sach[-], That[-] u Lebensoffenbarung zu eröffnen, ehe ich ihm das Buch der Wortoffenbarung gebe. Wie jenes beides die ersten Menschen 3) /
[5R]
3) rein aus und durch sich verstanden wenn auch wohl mißdeuteten, so werden es auch die Kinder rein aus und durch sich verstehen, wenn ihnen nur frühe das Auge und der Sinn zur richtigen eigenen Deutung ich will nicht einmal sagen geöffnet wird, denn es öffnen sich [sie] selbst, sondern im schauen u selbstforschen nur nicht gehemmt, sondern wohl aber zum Vergleichenden Selbst Beachten an der Hand der Erfahrung geleitet wird. -
Sehen Sie darum sind mir Lebensregung u Lebensdrang Kraft u That, <Erregen u Erzeugen> u Vergleichen Kinder u Natur ein ich möchte sagen unzertrennliche Einheit denn die Natur ist seines Lebens u Strebens Spiegel u sein Leben der Natur Offenbarung d. h. ihres Thuns Deutung.
Deßhalb müssen den Kindern, - soll dem Menschengeschlechte, wie den Völkern bis zur <Einze[l]nsten> Mittellosesten Menschen ehe nach welcher nichts als seinen Leib u die ihm in denselben gegebene Gotteskraft hat - geholfen - wieder ihr Kinderparadi[e]s zurück gegeben werden worin sie leben schaffen, u thun, aber auch sehen schauen u vergleichen, Kräfte üben u Kräfte gebrauchen, sehen, wo sie sehen, dem todten Stoff Bedeutung geben, und hören in der stillen Natur das Leben zu ahnen zu pflegen zu entfalten lieben als das Gegenbild des Mensch[en] u dieß sind u sollen meine Kindergärten seyn 4) /
[2R]
4) in ihnen u durch sie soll der Mensch das Menschenkind das werden wozu es von Gott seinem Vater als Gotteskind berufen ist: - ein freyes sich selbstbestimmendes Wesen und merkwürdig über alles merkwürdig: - die Natur lehrt ja zeigt uns thatsächl wenn nur unser Auge u Sinn dafür geöffnet ist und ohne alle Zweideutigkeit bis ins Kleinste hin g[an]z dasselbe was uns der Lehrer u Seher im eignen Gemüthe u Geist wie in dem Leben der Natur und der Menschheit lehrte.
Darum sollen die Kinder in diesen Para[dies] in ihren Kindergarten hingeführt werden in dem Buchen [sc.: Büchern] zu lesen in welchen Er selbst las und aus welchen er uns lehrte , damit sie dad[urc]h eben in den Stand gesetzt werden aus sich u d[urc]h sich u ihr Leben nicht nur seine Lehre u sein Leben zu <meistern> sondern auch gleich ihm demgemäß zu leben zu handeln.
Darum nur keine todten Kinderanstalten und seyen es selbst die so unter trefflicher Leitung Manches ja vielleicht viel leistenden Bewahranstalten - sondern Lebenvolle Kindergärten mit wirklichen Gärtchen für Kinder in welchen so Gott d[urc]h seine Werke unmittelbar spricht - Man sage nicht dazu ist ja die g[an]ze Natur! - Muß nicht das ärmste Kind ein <Stubennah> Gärtchen <> - um mit J. P. [Jean Paul] zu reden wieder ein Infusionsgärtchen haben? --/
[3R]
5.) Sehen Sie diese Lebens Ansicht ist es die mich bestimmte der größten Sache freudig alle mir nur immer zu Gebote gestandenen Mittel freudig zum Opfer zu bringen und die mich nicht nur - wie Sie so wahr so sehr wahr aussprechen bei Nichtbeachtung sondern sogar Verhöhnung u gröbstem Unglauben ruhig gelassen haben - wenn auch bei den ersten Erscheinen desselben als rein nach hierin Lebenserfahrung dad[urc]h fast wie d[urc]h eine Vergiftung fast d[urc]h u d[urc]h Lebens vernichtet.
Freudig sehe ich auf die Tausende welche mich die Ausführung der Idee der Kindergärten kostete, ist sie doch in einigen Orten Deutschlands (Gotha Frankfurt a/m, Dresden, u Homburg vor der Höhe) schon als Kindergarten schon zur Wirklichkeit geworden, wenn auch noch nicht in der kindl[ich] freyen Lebensfülle als es die reine Darstellung der Idee fordert; doch daß auch dieses läßt mich ja Ihr lieber Brief sey es es auch nur in einem einzigen Ort Deutschlands u sey es das mit nichten das Kleinste Städtchen ein Bothen oder das unscheinbarste Dörfchen ahnen. Und wenn ich heut einen Kindergarten in reiner Erfassung der Idee ausgeführt sehe - und ich hoffe Sie später überzeugen zu können daß wo und wenn fester Wille, Liebe, Begeisterung dafür dazu da ist sich auch die [sc.: das] Weitere leicht finden - so will ich morgen gerne sterben, denn die Idee wird sich schon aus sich eben entwickeln, wie aus dem unscheinbaren darum grünen Keim mit ihrem die goldnen Früchte /
[4V]
6. Alles was Sie über die Hemmnisse zur in u bei jeder menschl[ichen] Verbesserung aussprechen unterschreibe ich wörtlich ganz vor allem aber wo Sie aussprechen „- die Schuld liegt aber auch theilweise in uns selbst“[.] Diese Überzeugung ist die tiefste u erfassendste meines Lebens, darum erziehe ich aber auch - dieß darf ich mit Wahrheit sagen - Niemals mit so unermüdl[icher] Geduld, Ausdauer u Unablässigkeit wie mich selbst u ich suche zuerst bei allen Hemmnisse[n] die mir entgegen treten die Schuld zuerst in mir <von> wo ich sie aber auch leider immer finde, aber zur Anerkenntniß meiner Idee muß ich aber auch der Wahrheit g[an]z getreu aussprechen: ich habe keinen treuern strenge[r]n und unerbittl[ichern] Gehülfen bei meiner Selbsterziehung als eben meine Kinderführungs[-] u BeschäftigungsMittel u Weise selbst; die so unscheinb[are]n u einfachen Forderungen bewähren sich an mir wenn ich ihn[en] treu nachgehe mit einem Erfolge dessen ich mich kaum bei einem andern Erziehungsmittel erfreue und ich kann dieß Thun wie jedes Andere gleichsam mathematisch u anschaulich nachweisen, darum auch der immer von neuem wachsende Muth u die sich verjüngende Ausdauer zu ihrer Verwirklichung im Leben.
7) Was Sie von sich aussprechen muß ich gleichfalls auch von mir behaupten auch mir fehlt alles was sie [sc.: Sie] nennen; doch ich tröste mich dabei und sage es soll so seyn damit die Idee, d[urc]h ihre Erscheinung u Ausführung ohne alle Autorität eben d[urc]h sich für sich spri[ch]t /
[4R]
7. „Was ist aber hierbei zu thun?“ fragen Sie <helfend>und ich unterschreibe Ihre Antwort „Ich denke Kraft zu sammeln also Verbindung Gleichgesinnter und Gleichstrebender, um mit gemeinsamen (geeinten) Kräften ein Ziel zu erreichen, was für den Einzelnen unerreichbar ist“. An der Verwirklichung dieses Satzes arbeite ich nun seit länger als 40 Jahren und was selbst durch die Vereinigung wenige[r] möglich ist zeigt meine nun seit 30 Jahren bestehende hiesige Die Allgem: Deutsche Erziehungsanstalt: Mit Als ich begann mit den Gedanken faßte eine Erziehun[gsanstalt] auszuführen zu leben begann und alles dafür deßhalb hingabe was sonst für das Leben Werth hat, war mein g[an]zes Vermögen <unter> der Summ[e] Rth pp. Als mir unter<wegs> auf der Reise zu diesem Zwecke der Gedanke mir entstieg ehe daß er wohl in dem dießen stillen Thale sich <festlich> zur Ausführung dieser Idee eigne (deren wozu aber sich auch im treusten Kreis Mögl[ich]keit aber zeigte [)] besaß ich nur noch cca 9 silberGr[oschen] und auch sonst weder sogen. Grume [sc.: Krumme=Grundbesitz] u Prodection [sc.: Protektion] oder Verhältnisse oder große bedeutende Verwandtschaft. Als endlich das gemeinsame kindl[iche] Vertrauen zwey 5-6 [jährige] Knaben dem einem schon vertrauenden Vater den Ausschlag gab um mir zur Ausfüh[rung] meines Lebensgedankens diese zur Erziehung und mir damit die Mittel zu meinen <Existenz ge> Bestehen zu geben besaß ich noch 18 hiesige Pfen[ni]ge kaum etwas mehr als 3 Sgr in mein[em] g[an]z[en] Vermögen, in dem nun gleich d[urc]h und so begann ich am 13 Nov 1816 2/1 3 - 1/2= 10 ½ 5 ¼ als den unbekannten Punkt, meine [Anstalt] mein selbstst: erziehendes Wirken indem nun sogl[eich] dad[urc]h zu ähnl[ichem] Vertrauen geweckt nun noch 3 andere Knaben gab mir hierfür anvertraut wurden mein[e] jetzige Erzieh[un]gsanstalt.
Doch was vermag der Einzelne auch in u für das ge kleinste Erziehungsgeschäft allein? - Nur innig geeintes Zusammenwirken Ei[n]iger welche für den Erziehungsgedanken dastehen wie ein Mann, wie ein deutscher Mann geeint d[urc]h KHerz, Kopf u That; und zwei solcher Männer /
[3V]
hatte der deutsche Kampf 1813/14 als Lützower und später[es] Leben gemein[sames] Streben nun mit mir, so unscheinbar als innig u fest mir geeint und so traten wir als ich wie gesagt 1816 gleichsam den Gr[un]dstein gelegt 1817 alle diese als Einn Mann zu gemeins[am] als wirkend für ächt deutsche Erzieher [sc.: Erziehung] zusammen und wurden so nun aus den frühe[r]n Kriegern für deutsche Selbstst[ändigkeit] deutsche Pflicht u deutsches Recht zu Erziehern dafür - was wir hier ernstlich durch daraus weiter entwickelndes Vertrauen wirkten liegt der Prüfung nun schon fast 30 Jahr[en] der Prüfung vor [.]
[8.] Mir nun <um> auch für die Ausführung der einer allgem. deutschen Kindheiterziehung in und d[urc]h auszuführende Kinderparadiese = Kindergärten, so auf gleiche Weise zwei aber zugleich auch im großen geselligen u bürgerl.[ichen] Lebensverkehr stehende deutsche Männer Bürger, Väter [zu erhalten], das wollte mir seit einem nun fast 10jährigen Streben noch nicht gelingen[.] Doch fast scheint es als sollten wir diese wie die ersten beiden aus dem StreiteKriege Kampfe für Selbstständigkeit im Leben u Handeln, so diese aus dem Kampfe für Selbstständigkeit des Geistes, des Lichtes u der Liebe heraus und wie die ersten beiden auch wieder aus einer Vereinigung an der u d[urc]h die Elbe rc. hervorgehen u.s.w. wie ich nun unser Erziehendes Streben, als die eigentl[ich] bleibende sichtbare Frucht aus den Lützower Verein hatte; deßwegen ist auch mir mit Ihnen die geistige Pflege der von Ihnen genannten deutschen Landestheile so hochwichtig. Und gleichsam mir selbst zur vertrauenden Erstarkung Erlaubte ich mir Ihnen aus meiner Lebensführung vorzufüh[ren] was aus solcher treuen Pflege auch bei Anfangs geringsten Mitteln hervorgehen kann u viell[eicht] finden sich in Halle nicht 3, sondern 3 mal 3 und dad[urc]h bestimmt bald 3 mal 3 mal 3 solcher deutschen Männer zusammen. - Was solche dann d[urc]h <Wille> Liebe u Leben, gleich <einem Mann> [wirken.] /
[5V]
9. Er [sc.: Es] ist mir wichtig wie Sie so wahr aussprechen als Hauptsatz richtiger Einsicht u wahrer Menschenbildung sowie größerer Materieller Mittel dann aber auch in Geschichtl[icher] Hinsicht u hier eingedenk der Worte Göthes: Die Städte [sc.: Stätte] die ein Guter Mensch betrat wirkt segensreich noch nach Jahrhunderten fort.
Auch Ihre Ansicht hinsichtl[ich] der Herren Landpfarrer theile ich auch, wie sich denn auch hier in meiner nächsten Umgegend eine bestimmte Zahl Land[-] u Stadtpfarrer finden welche sich persönlich sehr für den Gegenst[an]d interessiren, doch mangelt bei ihnen zu wahrer Bethätigung die schlagende Wirkung einer durchgreifenden Anerkennung des Gegenstandes[.] Gut, sehr gut meinen es viele aber zum Handeln wartet immer einer auf den andern; doch zeigen sie wenigstens unter jener Bedingung Hoffnung zur Förderung des Werkes der Menschheit. Sie fordern zu viele einzelne persönl[iche] Anregung welche ich ihnen leider wegen zu größerer nöthiger Thätigkeit für unmittelbares Wirken ihnen nicht werden mögl[ich] machen kann.
Deßhalb bin ich auch längst Ihrer Meinung der Gegenstand [m]uß nothwendig Volkssache werden, sie muß möglichst mit gemeinsam[en] Kräften u mit bedeutenden Gestalten hinaus ins große Leben treten, damit jeder prüfen u sich bethädigen [sc.. bethätigen] kann. Seit 1840 bearbeite ich diesen Plan, habe es aber trotz der wohl Tausende, die ich deßhalb zum Opfer brachte es d[enn]och bis jetzt zu keinem Ergebniß bringen können warum? - Weil ich kein dafür vorgebildetes geeintes Publikum finden konnte /
[6V]
10 [ob]Wohl die Beweise der größten persönl[ichen] Anerkenntniß u Theilnahme allein vereinzelt u ohne Mittel, besonders ohne geeinte Mittel zur Ausführung.
Also mit dieser Ihrer bisher dargelegten Ansicht der jetzigen Sachlage bin ich auf das vollkommenste bis ins Einzelnste so weit es mir einsichtig ist einverstanden; so wie ganz auch damit, „daß um vorwärts zu kommen es jetzt weit mehr auf das praktische Erfassen der Sache als auf theoretische Festhaltung ihrer Grundsätze ankomme [“] und wohl schon vor 26 Jahren sprach ich in einem m[ei]ner Anzeigeschriftchen aus, es ist nichtmehr die Zeit des Redens u des Wortes sondern des Thuns und der That - „Des Mannes Wort ist jetzt seine That [“] u seit jener Zeit hat sich jährl[ich] die Wahrheit dieses Ausspruches bestätigt.
Für das was Sie darum für praktische Anregung der Sache durch Rücksprache mit dHE Pastor Hildenhagen mit Lehrer Eisfeld u Dir. Niemeyer gethan haben, kann ich Ihnen gar nicht <genug> d[urc]h Worte danken. Es ist alles so schön u klar bedacht als Lebenvoll u bestimmt ausgeführt, der Erfolg dünkt mich ist schon in der Anlegung des Planes gesichert, und Sie hatten ganz recht als Sie mir aussprachen: „Sie müßten sich sehr irren wenn die Ausführung /
[7V]
11) eines durchgreifenden Volkserziehungsplanes <mit> der Gründung von Kindheitpflegeanstalten (Kindergärten) beginnend u sich zu Fortbildungsanstalten für die reifere Jugend entwickelnd nicht schon jetzt gelingen sollte wofern die Sache nur richtig u kräftig eingeleitet werde. [“] - Diese Denn diese Einleitung haben Sie ja so trefflich entsprechend getroffen. HErn Past[or] Hildenhagen kenne ich längst in all den treffl[ichen] Eigenschaften mit welchen Sie mir denselben zeichnen u ich hätte ihn mir gern bei meiner jüngsten Elbreise kurz vor Neujahr die Freude u den Genuß verschafft ihn zu besuchen, wenn mich ich dort nicht dringend zur Heimath gezogen worden u während eines kurzen Aufenthaltes in Halle das Wetter [nicht] zu schlecht gewesen wäre. Ebenso se[hr] hocherfreue ich mich daß sich Niemeyer der Leitung einer allgemein[en] Besprechung unterzieh[en] will zu welcher nach Ihrer Andeutung Männer hinzutreten werden, wie sie mir mein Herz u Sehnen wünscht. Sie sind so gütig mich mit einer Einladung zu dieser Besprechung zu erfreuen und ich bin sehr beglückt daß diese gerade in eine Zeit fällt wod[urc]h es mir d[urc]h die Festzeit hinsichtl[ich] meiner Arbeiten mögl[ich] wird derselben Folge leisten zu können. Kommt Kämen also nicht Hindernisse drein die nicht zu be<sorgen> [sc.: beseitigen] sind so hoffe ich bestimmt zu der festgesetzten Zeit in Halle einzutreffen. Ja ich denke sogar vielleicht schon <daß> vorher nach Zörbig, Quetz oder Ostrau zu kommen was mir dann mögl[ich] werden wird, mich vorher vorläufig zunächst mit Ihnen u HErn Pastor Hildenhagen über das G[an]ze zu verständigen, Ihnen beiderseits vielleicht auch über meine Strebung manche Erläuterung[en] zu geben von welchen es vielleicht gut ist wenn solche vor der allgem.[einen] Besprechung statt gefunden haben[.]
Den Plan dieser Besprechung den Ihre Güte mir briefl[ich] mittheilt muß ich wieder ganz unterschreiben. Ohne alle Einschränkung haben Sie freyl[ich] wahr [sc.: recht] wenn Sie aussprechen: „Allerdings wird der Erfolg dieser Besprechung hauptsächl[ich] von der Art u Weise abhängen, wie die wahren Grundsätze der Erziehung dargestellt u vertreten werden.“ Deßhalb halte ich es eben für so hoch wichtig wenn es mögl[ich] [wäre] daß zunächst wir drey Sie, Hr Past[or] Hildenhagen u ich, uns darüber klar u fest darüber zu verständigen suchen und dann sogl. der so viel geachte[te] HE Past[or] H.[ildenhagen] wie auch Sie in Ihrer allgem.[einen] Anerkennung sogl.[eich] die Sache durch schlagende[s] u entsprechendes Wort u Rede vertreten; da ich selbst nur ein Mann bin der höchstens die Sache den Gegenst[and] als lebensgesetzige Thatsache vorführen und nach Mögl[ich]keit für sich selbst sprechen machen u lassen kann. Mein Bestreben wir[d] also dahin gehen die Thatsache die es mir zur Pflicht u Beruf mache für die Kindergärten als so orga[n]ische Bildungs[-] u Erziehungsanstalten, einzutreten - einfach zur Prüfung darzulegen; die Entscheidung deshalb aber ruhig der Lebens<ersch[einung]> u rein solchen erziehenden Männern aller Verhältnisse ruhig zu überlass[en]
[7R]
12) und wenn es mir gestattet werden sollte meine eigene deßfal[l]sige Überzeugung so klar u einfach als bestimmt mit den mir wesentl[ichen] Gründen auszusprechen.
Zuförderst aber wird es mir unerl[äßliche] Pflicht seyn Ihrem so gütigen Wunsche als gerechten Forderung so schnell als mögl[ich] also in den nächsten Tagen <nahezu> [sc.: nach] zu kommen u ihnen [sc.: Ihnen] die nicht nur gewünsch[ten] sondern längst von HErn Eisfeld bezahlten Erz[iehungs]g[e]g[en]st[än]den zu übersenden. Der Gru[nd] dieser Verspät[eten] Übersendung liegt in einfach[em] erstl[ich] daß ich nach bei Ankunft des Briefes [Eichfelds v.1.12.1845] einige Wochen abwesend war u zweitens daß ich der Sendung gern d[urc]h beigefügte erklärende Worte, die größtm[ögliche] Anwendbarkeit geben wollte ich aber daran durch mich ganz fesselnde Arbeiten gehindert wurde; da denn d[urc]h eine mögl[ichst] persönl[iche] Besprechung diese aber unnöthig erscheint so soll die Abs[en]d[ung] des G[an]z[en] so vollst[än]d[ig] als mögl[ich] gleich in den ersten [nächsten] Tagen erfolgen[.]
Wie ich schon oben erwähnte daß ich durch den Beabsichtigten Zusammentritt der angedacht[en] Männer ihrer geistige[n] u moralische[n] Bedeutsamkeit und wie d[urc]h die sich in ihnen u ihren Verhältnissen <zeigenden> Mittel des auch die öffentl[iche] und allgemein lebenvolle prüfende Besprechung des Gegenstand[es] als für Erreicht halte so halte ich gleichfalls dad[urc]h daß der HEr Pastor H.[ildenhagen] zur prüfenden Ausführung ein[es] Kindergartens: den Ergebnissen desselben ruhig – ausführlich beachtend <positiv> ansprechend - ausführt [,] die den Sinn die der Sache für die weitere thatsächliche Ausführung Verbreitung schon ganz gewonnen, weil sich da Person Mittel u Verhältnisse Umstände im günstigsten Gleichmaß einigen denn wie es bei der sich d[urc]h Jahrtausende hind[urc]h d[urc]h Sturm u Ungewitter hind[urc]h sich entwickeln[de] als höchstes wirksames bedeutungsvolles Symbol eines g[an]z[en] Volkslebens d[urc]h Jahrtausende hindurch sich entwickelnden Eiche alles zuerst auf die ruhige, nach Zeit, Raum Ort u Verhältnisse Umgebung entsprechende Entwicklung derselben aus dem unbedeut[enden] Saamenkorn ankommt, so auch bey einem ein g[an]zes Volk erhebenden erziehenden veredel[n]den Unternehmen, wobei wir aber die Forderung der gegenwärtige[n] Forde Stufe der Menschheitsentwickelung fest beachten im Auge behalten werden müssen[.]
Daß ein solches Unternehmen nach Maaßgabe der Entwickelung des Menschheitsgeistes mit der größten Klarheit Einsicht u Umsicht nach Grund Ausgang Weg Mittel u Zweck ges daß es nach Maaßgabe der welche aus jener <-> Stufe hervorgehenden <Mündig>keit des Menschengeschlechtes u so namentl[ich] des unseres d.[eutschen] Volkes aus dem gesammt[en] Willen hervorgehen und d[urc]h diesen Leben u Daseyn erhalten muß und
drittens daß es in alle[n] diesen Beziehungen zeitgemäß, seyn muß oder wie sich sagen [läßt] sich bewähren muß ob es wahres Leben ist /
[6R]
13) Bedürfniß sey -
In all diesen Beziehung[en] nun hoffe ich werden wir als Männer klar wie der Einsicht so der Ausführung nach
klar
wahr
treu
frei
aus jener Besprechung hervorgehen und unser deutsches Vaterland zunächst das Land des Hauptsatzes seyn soll den Tag segnen u d[urc]h Kind u Kindeskind hind[urc]h <segnen> wo Männer für zur Schlichtung der wichtigsten Angelegenheit der Menschheit –
entsprechende frühe Kinderbeachtung
u Pflege
zusammentraten[.]
Verzeihen Sie daß ich Ihren Brief [nach meiner] Weise mit der Feder in der Hand [Ihren] Brief u wieder las und ich Ihnen alles mittheile was das Lesen dess[elben] in mein[er] Seele u <was es [sc.: sie] dabei erfuhr>
so laß [sc.: las] ich habe mir oft gesagt bei Briefen welche ich schrieb gesagt: ich wisse doch nicht was der Empfänger unmittelbar bei Lesung desselben gedacht hat. Ihnen nun dieß von meiner Seite klar auszusprechen, hielt ich für die <Sache> uns[ere] gemeinsa[me] Sache <für> ganz <nunwichtig>[.]
Deßhalb wünsche ich nach der rein menschl[ich] allgemeinen hohen wie nach der ich wünsche besonders auch auf dieser Stufe hin der von mir vorgeschl[agenen] Kinderziehung mittel und gründl[iche] Prüfung [Text bricht ab]