Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Lina von Arnswald in Eisenach v. 24.3.1846 (Keilhau)


F. an Lina von Arnswald in Eisenach v. 24.3.1846 (Keilhau)
(BlM XXVII,5,3, Reinschrift 1 B 8° 1 S.)

Der Frau Lina von Arnswald Hochwohlgeb. in Eisenach
Keilhau b. Rudolstadt am 24/III 1846


Verehrte Frau.

Was werden Sie sagen: seit Monaten liegt
der Brief, welcher die Beilage begleitet in mei[-]
nem Schreibtisch ohne an Sie abzugehen, denn
unmittelbar nach Eingang des gütigen Briefes
Ihres theuern Gatten an mich, wurde er von mir
geschrieben. Was nun aber dessen Absendung so
verspätete?- Es war der sich so lang verzögernde
Eingang der Hefte die ihn begleiten sollten, bei mir.
Ich fürchte nicht deßhalb von Ihnen nicht verstanden
zu werden: Liebende Herzen möchte ich, wenn es
auch nicht möglich ist noch inniger zu einen, doch dieser
Einigung sich immer inniger und deren Grund: der
Seelen Einklang und des Geistes Übereinstimmung
immer mehr bewußt zu werden; denn, wo zu denn [sc.: dem]
tiefen lebenvollen Gefühle die Klarheit des Geistes
und Bewußtseyns, die Sicherheit und Schönheit des Han-
delns, das Verständniß des Lebens kommt; da
senkt sich der Himmel zur Erde und wird im ächten
Familienleben heimisch; aber nicht als ein nothwendiges
Naturproduct, sondern als die Blüthe u Frucht sinniger Pflege.
Wo ich nun solchen Himmel in die jungen Familien sich
senken sehe, möchte ich zugleich die schützenden Genien mit
erscheinen und beachtet sehen. Dieß Euch beiden zum Seelengruß
Eures Euch herzlich ergebenen

        FriedrichFröbel. /
[7R/8VR]
[leer]