Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Max Leidesdorf in Berlin v. 8.4.1846 (Keilhau)


F. an Max Leidesdorf in Berlin v. 8.4.1846 (Keilhau)
(BlM XV,3, Bl 111-112, Reinschrift 1 B 8° 3 S.)

Keilhau bei Rudolstadt a/d.S. am 8 April 1846.


Geehrter, lieber Herr Leidesdorf.

Hoffentlich werden Sie meinen Brief nebst Beilage, worinne ich
Ihnen zu diesem Osterfeste die Zusendung einer Darlegung meiner
Erziehungsgrundsätze verspreche erhalten haben; beikommend
erfülle ich nun mein Versprechen, was wie ich nicht zweifle Ihnen
besonders deßhalb lieb ist als der Überbringer dieser Zeilen nebst
Beilage Herr Barop selbst ist. Ich habe dabei nun weiter nichts
zu sagen als daß ich mich um des Ganzen willen, gar sehr dieses
glücklichen Ohngefährs freue und ich hoffe Sie werden sich gegensei-
tig ganz verständigen; haben Sie daher die Güte Herrn Barop mitzu-
theilen was Sie bisher in der Sache gethan, welcher Erfolg Ihnen ge-
worden ist, besonders auch was Sie für die Öffentlichkeit bereits
ausgearbeitet haben. Haben Sie unter Ihren Berliner Freunden
welche, die sich besonders für Aus- und Durchführung meiner Be-
strebungen und wirklich thatsächlicher Einführung der Kindergärten
interessiren, so verabsäumen Sie doch ja nicht Herrn Barop, zu
gegenseitiger weiterer Verständniß, vielleicht auch Handbietung,
mit diesen Personen seyen es Männer oder Frauen, Erzieher
vom Fache oder Laien bekannt zu machen.
Ob Sie meine Blätter für Ihre Darlegung und Abhandlung
viel benutzen können, weil ich noch nicht Zeit hatte in denselben
ganz bis zur Ausführung der Anwendung herabzusteigen; doch
habe ich auf gar manchen Stellen besonders auch noch am Schlusse
derselben darauf hingedeutet; vielleicht wenigstens, daß Sie da
und dort leitende Gedanken finde, welche freilich mit Sorgsam-
keit zu einem Ganzen und in dasselbe verwebt werden müssen
damit solche nicht paradox überhaupt aber sonderbar erscheinen
und den Gegnern noch mehr Stoff zur Entgegnung bieten. Auch
deßhalb können Sie sich ja mit Barop nachdem Sie für sich die
Blätter durchgegangen haben, besprechen. Könnten Sie sich
während der Anwesenheit Barops die Ihnen nützlich dünkenden
Auszüge aus den Blättern machen und mir solche sogleich
durch denselben zurück schicken, so geschähe mir ein großer/
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Freundschaftsdienst, weil ich selbst nicht einmal eine klare Abschrift
derselben besitze. Überhaupt muß [ich] auch gar sehr bitten von die[-]
sen Blättern bei Anderen keinen und mit großer Discretion im Ganzen
nur Gebrauch zu machen; indem solche nur zunächst für Sie lei
hingeworfene leitende Gedanken enthalten. Ich verlasse mich
hier ganz auf Ihren rechtlichen und freundschaftlichen Sinn,
denn Sie wissen gewiß aus dem Leben wie viel Nachtheiliges
einer, an sich guten Sache, durch den Mißbrauch solcher blos per-
sönlich, aber keinesweges für eine größere Veröffentlichung an-
vertrauten Mittheilungen geschehen und gebracht werden können.
Sie wünschten besonders auch mit den Entgegnungen gegen mich
um Ihnen [sc.: ihnen] begegnen zu können bekannt zu werden. Gern sen-
dete ich Ihnen hier die Originalschriften selbst aber leider besitze
ich sie selbst nicht; Genannt habe ich Ihnen schon in dem letztern Briefe
welche z.B.[:]
1. eine Preisschrift von Curtmann. Barop kann Dir solche Ihnen
genauer bezeichnen.
2. Gräfe in Kassel pädagogische Zeitung
3. eine Schrift von Dr. und Director Beger in Dresden, die aber
eigentlich mehr für, als gegen mich ist, doch hat sie ein Recensent
in der Allgem. Darmstädter Schulzeitung als ganz gegen mich und
besonders gegen das Ende dieser Recension ganz schief aufgefaßt.
Diese Recension findet sich
4. in der Allgem. Darmstädter Schulzeitung N° 107 vom Dienstag
den 9 Jul. 1844. Spalte 877-880.
5. Eine andere Entgegnung findet sich in der Didaskalie N° 39. Vom
Sonntag den 8 Febr 1845 (:Eine Erwiderung darauf in demselben
Blatte N° 43 vom Mittwoch den 12 Febr: 1845.)
Vielleicht können Sie sich diese Blätter in Berlin verschaffen; doch
dünkt mich ist diese Einzelnentgegnung und Berichtigung auch gar
nicht nöthig wo die einfache wahre Darstellung für die Sache selbst
spricht.
Über Gräfe kann Ihnen Barop der ihn kennt, persönlich Mithteilungen
machen.
So weiß ich Ihnen von mir nun nichts zu schreiben, als daß /
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ich mit dem Bisherigen in dem Erfolge meines Bildungscursus, alle
Ursache habe zufrieden zu seyn, die Schülerin[nen] haben Liebe zu den
Kindern und Geschick wie neigung zu den Kinder Beschäftigungen, da-
bei Fleiß und Achtsamkeit.
Die eine dieser Schülerinnen Fräul Auguste Windhorn nun bittet
Sie durch mich, den beikommenden Brief an ihren Bruder -welcher
früher so gefällig war Ihnen einen von mir zu überbringen - sogleich
gütigst durch die nächste Stadtpost zu besorgen; indem sie hofft
vielleicht durch Herrn Barop alsbald Rückantwort zu erhalten.
Auch ich werde mich freuen durch die gleiche Gelegenheit einige
freundliche Zeilen mit guten Nachrichten von Ihnen zu empfangen.
Leben Sie wohl dieß der Wunsch
Ihres

aufrichtig ergebenen

FriedrichFröbel.

Herr Barop hat verschiedene
Drucksachen von mir bei und
mit sich, welche Sie sich von demselben
freilich zur schnellen Durchsicht
erbitten können; doch glaube ich
daß Sie das Meiste davon schon
von hier mitgenommen haben.
Das beste was für mich geschrieben ist
enthält 1) die oben genannte Schrift von Dr. Beger in Dresden
dann 2) die ”Constitutionellen Jahrbücher von Dr. Weil 1’ Band
1845.[”] Ein Aufsatz von Dr. u. Professor Hagen in Heidelberg
3) ein Aufsatz im Großherzogl. Hessischen Schulblatte vom Jahr 1844 vom
Pfarrer Wagner in Oberingelheim
(Diesen Aufsatz hat Barop bei sich)
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