Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an H. Windorf in Stadtilm v. 8.4.1846 (Keilhau)


F. an H. Windorf in Stadtilm v. 8.4.1846 (Keilhau)
(BlM XV,3, Bl 113-114, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.)

Keilhau am 8’ April 1846.

Hochgeschätzter Herr und Freund.
Sehr gern hätte ich Sie in dieser meiner Fest-Freizeit gern
besucht um mich mit Ihnen über Mehreres ruhig auszuspre-
chen; allein weder die Zeit noch das Wetter will es mir er-
lauben; denn in ersterer Beziehung bin ich jetzt zwar für einige
Tage von den laufenden Geschäften d.h. von den zu gebenden Stunden
frei, allein es nimmt so viel Anderes mich persönlich und meine
Zeit in Anspruch daß ich über sie gar nicht gebieten kann; und jetzt
komme ich eben auch dadurch veranlaßt mit einer Bitte zu Ihnen.
Meine erziehenden Bestrebungen haben jetzt besonders in ihrer
höheren menschlichen Bedeutung die Aufmerksamkeit einiger Kinder-
und Volksfreunde auf sich gezogen, wo besonders die religiöse grund-
lage den Einigungs- und Ausgangspunkt bietet. Innige Einigung
auf dieser Grundlage fordert natürlich gegenseitige offene Mitthei-
lungen der desfallsigen Überzeugungen. Nun ist aber meine Zeit
besonders in diesem Augenblick zu beengt mich darüber in einiger
Ausführlichkeit auszusprechen; da ich mir nun erlaubt habe dieß
mit einiger Ausdehnung in einem meiner früheren Briefe, beson-
ders über die Ausdrücke Religion und Gotteinigung, dann über
das allgemein in [sc.: im] Gebiet der ganzen Schöpfung sich aussprechende
Gesetz der Vermittelung zu thun, so würde[n] Sie mich Ihnen ganz
besonders verbinden, wenn Sie die Güte haben wollten mir diesen
Brief gefälligst schon morgen mit der Post zu überschicken; sollte
der Brief in dieser oder in einer anderen Hinsicht irgend ein Inter-
esse für Sie haben, welches ich mich nicht entsinne, so steht Ihnen der
Brief nach einiger Zeit gern wieder zu Diensten; für mich wäre
er gerad jetzt zur Pflege innigen Einverständnisses wichtig indem
mir zu einer schriftlichen Bemerkung desselben die Zeit gebricht. -
Wie ich ehegestern von Herrn Mengers Bruder gehört habe so
wird Herr Lehrer Menger in StadtJlm ganz bestimmt im Laufe dieses
Sommers nach Amerika gehen. Es wäre nun gar schön, wenn Sie schon
frühe die Verhältnisse so einleiten könnten, daß in StadtJlm ein
Kindergarten auszuführen möglich wäre. Ich meines Theils würde
alsdann alles thun was mir möglich wäre um in dem freundlichen /
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Orte der sinnigen Pflege der wichtigsten Zeit meines Knaben[-]
alters durch möglichst musterhafte Ausführung einesKinder-
gartens auch noch nach meinem Tode ein Denkmal der Dankbar[-]
keit als ein gewesener Schüler Ihrer Schule und zum bleibenden
Gedächtniß des hochachtbaren Superintendenten Hoffmann, meines
Oheim, dessen sich gewiß noch gar manche StadtJlmer und viele
StadtJlmerinnen dankbar erinnern - zu hinterlassen. Auch dem
hochgeachteten Herrn Mag. Temper meinem treuen Lehrer, dessen
Andenken mir noch immer in guten Gedächtniß ist, auch diesem sollte
und würde dadurch zu dem Gedächtniß was er sich in dem dankba[ren]
Herzen Vieler gestiftet auch noch dieß gestiftet, als durch seinen
Schüler gestiftet werden in welchem er, im Einklange mit meinen
seel. Oheim die Gesinn[un]gen der Menschen u Kinderliebe rc. gepflegt
hat. So wird das Leben im Kleinen, wie dadurch auch bald im
Großen ein geschichtliches ein lebenvolles ein geistvolles sich stetig
immer zu höherm Einklange und Bewußtseyn fortentwickelndes
Ganzes, was uns Deutschen in jeder Hinsicht so Noth thut; lassen Sie
uns beide uns gegenseitig dazu die Hand bieten.
Ein schöner herrlicher Gedanke der sich nicht nur thatsächlich sondern
dann sogar räumlich aussprechen würde: - Schule, Kirche,
Familien- und bürgerliches Leben, durch die Kinderwelt, durch
die Kindheit, durch die Pflege ihres Lebenstriebes, Jihres Friedens
Jihrer Unschuld und ihres Vertrauens geeint.!
Gegen Sie herzliche Grüße Ihrer lieben Gattin und Kleinen
          von
Ihrem
aufrichtig ergebenen
FriedrichFröbel
Die Freunde grüßen Sie. Alles ist jedoch ausgeflogen, so eben
auch Herr Barop nur Herr Middendorff u ich sind noch da
und auch ich gedenke noch in den Festtagen auf 8 Tage zu ver[r]eisen.
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