Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an H. Windorf in Stadtilm v.30.6.1846 (Keilhau)


F. an H. Windorf in Stadtilm v.30.6.1846 (Keilhau)
(BlM XV,3, Bl 115-116, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.)

Sr Wohlgeboren Herrn Rector Windorf in StadtJlm

Keilhau am 30 Jun 1846


Hochgeehrter Herr und Freund.

Zuförderst Ihnen und Ihrer lieben Gattin meinen herz-
lichsten Glückwunsch zur glücklichen Geburt Ihres ge-
sunden Stammhalters und Lebensträgers. Es ist ein Glück
für Eltern und Kind wenn dasselbe mit solchen Vorsätzen
bei seinem Eintreten in die Welt begrüßt wird, wie Sie, mir
schreibend, Ihr liebes Söhnchen begrüßt haben; des Lebens
Einklang und Zusammenhang führe zu deren Erfüllung.
Der gütige Überbringer dieser Zeilen, Herr Lehrer Lohse
aus dem sächsisch. Voigtlande, trägt auch wie Sie, geehrter Freund,
den Gedanken früher entsprechender Kinderbeachtung pflegend
für Verwirklichung in sich, deßhalb konnte ich es nicht unter-
lassen bei dessen Durchreise durch StadtJlm nach Süddeutschland
und der Schweiz - Sie beiderseits mit einander bekannt zu
machen denn alles hängt jetzt von der persönlichen Bekannt-
schaft wie vom sich darauf stützenden geistigen Zusammen-
wirken auch aus der Ferne, ab; dieß herbei zu führen
muß uns wahre Lebensaufgabe seyn.
Herr Lohse wird Ihnen gern etwas von unserem Kindergar[-]
tenfestes in Eichfeld und von unserm Garten oder unsern Gärt[-]
chen für die Kinder erzählen, so wie er gern etwas von Ih-
ren Plänen zur Ausführung eines Kindergartens Turn- u
Jugend-Übungen hören wird.
Wegen der Ausführung eines Kindergartens in StadtJlm
nach der Abtretung eines Stückes Landes vom Kirchhof bei
Abgang des He Menger, habe ich bei Gelegenheit des Eichfelder
Kinderfestes mit dem Herrn Consist: Ass: u Prof. Sommer
gesprochen. Er sagte mir daß die Ausführung dieses Gedan-
kens und Planes gewiß keine Schwierigkeiten haben
würde, daß nur, im Fall der Austritt des Herrn Menger /
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aus der Schule wirklich bestimmt entschieden sey - der Stadt-
rath sich geradezu mit dem Plane und den Vorschlägen
zur Ausführung eines Kindergartens in der angegebe-
nen Beziehung an das Consistorium wenden möchte,
er zweifle gar nicht an Eingehen in die selben und Geneh-
migen der selben von Seite des Consistoriums.
Ich wollte mir doch erlauben Ihnen geehrtester
Freund, dieß sogleich bei dieser Gelegenheit mitzuthei-
len, weil man bei so etwas sich hüten muß den richtigen
Zeitpunkt des Wirkens zu versäumen.
Daß Sie Ihr Kinder- und Jugendspielfest von der freien Na-
tur und namentlich von einer Bergeshöhe in die Nähe Ihrer
Stadt verlegt haben mag aus den mir von Ihnen angegebenen
Gründen recht gut seyn, doch die allgemeinere Theilnahme,
welche doch auch so sehr wünschenswerth dabei ist - leidet ge-
wiß etwas darunter, so wäre ich, wie ich Ihnen schon das
vorige mal schrieb mit Keilhauer u Eichfelder Jugend
gern nach dem Singer Berge gekommen; allein nach Stadt-
Jlm d. h. in die Nähe der Stadt, werde ich es schwerlich in
Zug bringen.
Sie schreiben mir wegen der Bildung eines tüchtigen Vor-
turners; ich habe nur einen, leider auch wohl nicht
ganz genügenden Vorschlag. In Keilhau wird jetzt wacker
geturnt, ginge es nicht an, daß ein junger, dazu mit An-
lagen begabter Bursch ein paar Wochen zur Ausbildung dafür
hier lebte? - Kost und Wohnung für ihn fände sich vielleicht für
ein Billiges in der hiesigen Dorfschenke, was dagegen den
Unterricht betrifft, so würden ihn gewiß - in so fern es
deren Zeit erlaubt
- die hiesigen Turnlehrer ihn geben ohne
daß irgend Kostenaufwand damit für den jungen Mann ver-
bunden wären.
Wenn nicht eher, so hoffe ich Sie wenigstens in 3 Wochen persönlich
zu sprechen, wo ich durch StadtJlm zu kommen gedenke.
Mit herzlichen Gruß an Sie u die lieben Ihrigen
Ihr
Ergebener
FriedrichFröbel.
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[leer]
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[Adresse]
Sr Wohlgeboren

Herrn Rector Windorf

durch             in

die Güte         StadtIlm

des Herrn Lehrer Lohse aus dem

        sächsisch. Voigtlande.