Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an H. Windorf in Stadtilm v. 7.7.1846 (Keilhau)


F. an H. Windorf in Stadtilm v. 7.7.1846 (Keilhau)
(BlM XV,3, Bl 117, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Herrn Rector Windorf Wohlgeboren in StadtIlm

            Keilhau am 7'Juli 1846


Geehrtester Herr und Freund.

Daß ich mit der Beantwortung Ihrer jüngsten freundlichen lieben
Zeilen noch bis jetzt im Rückstand bin hat darin seinen Grund
daß ich in jeder der nächst verflossenen Wochen hoffte endlich einen
nun lang gehegten Wunsch zu erfüllen und Sie mit einen Besuch
zu überraschen. Doch da es nun zum wenigsten in der folgenden
Woche noch nicht geschehen kann, so fühle ich mich aufgefordert vor
dem persönlichen Besuche noch einmal schriftlich bei Ihnen einzu[-]
sprechen.
Wie Sie ohne Zweifel durch das Rudolstädter Wochenblatt er[-]
fahren haben werden soll heut über 8 Tage zum Besten des Eich-
felder Kindergarten ein Concert, geleitet durch den Herrn
Hofmusikus Ottomar v. Roda, dem Musiklehrer unser[er] Anstal[t]
unterstützt von mehreren und der namhaftesten Musiker Rudol-
stadts, in der Eichfelder Kirche Nachmittags 4 Uhr aufgeführt
werden; wie wäre es nun wenn Sie einen Ihre[r] achtbaren mit
Wagen und Pferden versehenen Bürger so veranlaßten an diesem
einem wohlthätigen Zwecke bestimmten Antheil zu nehmen, daß er
anspannen ließ und Sie, lieber Herr Rector nebst noch einigen
Freunden die Kinderwelt und des Kinderlebens zu Theilnehmern
in unser Thälchen brächte?- Bei dem jetzigen herrlichen Mondschein
wäre die Rückfahrt angenehm und vielleicht ließe sich auf diese
Weise auch bei einigen sonst schon der frühen Kinderpflege ge-
wogenen Männern etwas zur Ausführung eines Kindergar-
tens in StadtIlm anbahnen.- In Eichfeld besitze ich nun schon
ein Gärtchen für meine sämtlichen Schulkinder zunächst, wo
jedes der 90 Kinder sein Jean-Paulsches Infusionsgärtchen hat. Auch haben
wir schon durch die rege Thätigkeit unseres Herrn Schullehrers
<Böttner> in Eichfeld ein Turnplätzchen mit 2 Barren u 1 Reck /
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nebst Springel. Vielleicht wäre durch die Anschauung des
Ganzen, eingeleitet durch Musik bei einem oder dem an-
deren deß der Bestimmenden etwas anzuregen. Durch diese
aufrichtige freundliche Einladung wollte ich Ihnen das Ganze nur
zur Prüfung anheim geben. Jeden Falls würde es mich freuen
wenn ich an diesem Tage das Vergnügen hätte Sie hier zu sehen,
was, wenn der obige Vorschlag nicht ausführbar ist, vielleicht
durch ein kleines Trinkgeld an dem Postillion zu erreichen wäre,
wo ich dann die Freude hätte Sie schon Sonntags früh gegen 7 Uhr bei
mir zu sehen.
Ihren wohlmeinenden Vorschlag Ihren Herrn Geistlichen
mit Rücksicht auf die Ausführung eines Kindergartens in
StadtIlm einen Ehrenbesuch zu machen hätte ich, wie ich schon
oben andeutete, längst gern ausgeführt, wenn sich mir nur dazu
die Möglichkeit gezeigt hatte; doch hoffe ich in diesen Tagen und
auch künftigen Sonntag unsern Herrn Consist: Assessor Sommer
persönlich zu sprechen, dann wird die StadtIlmer Kindergarten-
Angelegenheit bestimmt ein Gegenstand meiner Mittheilung seyn[.]
Wann werden Sie Ihr Kinderfest auf dem Singer Berge
feyern?- Sollten wir uns nun wider Vermuthen heut
über 8 Tage, und so vorher nicht sehen, so würde ich Ihnen
gar sehr dankbar seyn, wenn Sie es mir ohngefähr 8
Tage vorher melden könnten, vielleicht daß ich es dann
möglich machte mit einigen Eichfelder oder Keilhauer
Kindern <herauf> zu kommen.
Während vielleicht 8 Tagen hatte ich einen Besuch von Frl.
Christianen Erdmann, der Vorsteherin des Gothaschen Kinder[-]
gartens, über welchen Sie ohne Zweifel jüngst eine Notiz im
A. A: d. D. gelesen haben. Sie hat jetzt gerad 60 Kinder, konnte
mir aber von dem seegensreichen Erfolge ihres Kindergartens
recht genug erzählen. Mündlich darüber mehr.
Also sehen Sie was die Umstände möglich machen.
Mit Grüßen von den Freunden. Ihr freundschaftlich Ergebener
FriedrichFröbel.