Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 7.7.1846 (Keilhau)


F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 7.7.1846 (Keilhau)
(Autograph nicht überliefert, ed. Jänicke 1880, 117-118. - F. kündigt in diesem Brief an, "später" eine Stelle aus Ramsauer 1846 für Woepcke abzuschreiben. Damit ist die isolierte Briefanlage "E" für Woepcke [BN 707a, Bl 41] nach dem 7.7.1846 zu datieren.)

          Keilhau, am 7. Juli 1846.


Verehrter Herr und theuerer Freund!

Gar sehr haben Sie mich durch Ihren lieben, freundschaftlichen Brief von vorgestern erfreut. Je mehr man an Gemüthserfahrungen reich wird und je näher man der Zeit rückt, wo der Geist aus der Erscheinung in der Körperwelt in ein unbekanntes Jenseits übergeht, je mehr genügt dem Herzen das Gefühl der Freundeseinigung und Liebe ohne alles Bedürfnis, daß sich diese Gesinnungen auch äußerlich durch eine sichtbare That beurkunden. Das Herz wird durch das reine Gefühl der geistigen Einigung gehoben und gestärkt. Es fühlt sich ohne alle Nebenabsichten gehoben und gestärkt durch das Gefühl, daß es, wenn es früher von der Erde scheide, ein solches Herz und Gemüth schon im unbekannten Irgendwo zu wissen. Darum Ihnen, theuerer Freund, zuerst meinen Dank für den Ausdruck Ihrer treuen Freundesgesinnung. Es ist ungemein erfreulich, daß das Herz sich schon in diesem Bewußtsein glücklich und befriedigt fühlt.
Doch ich habe Ihnen auch noch für Ihre äußeren Mitteilungen zu danken, indem ich soeben für diesen und den nächsten Monat meinen Lebens- und Reiseplan mache. Ich gedenke nämlich, mit den drei Elbländerinnen am 20. d. M. von hier abzureisen. Durch freundliche Einladung der Vorsteherin des Kindergartens zu Gotha bestimmt, werden wir über Gotha reisen, den 24. Juli denke ich nach Halle zu kommen. Ließe sich nun irgend ein Ort bestimmen, wo wir uns in der Zeit vom 24.-31. Juli treffen könnten, so ließe sich dadurch wohl ein Zusammenfinden bereiten in der doppelten Voraussetzung: einmal, daß Sie dadurch nicht in ihrem Reisezweck u.s.w. gestört würden; dann, wenn Sie glauben, daß sich dadurch irgend etwas in Sache der Kindheit irgendwo und wie anbahnen ließ. Fänden Sie nun aus irgend einem Grunde ein solches Zusammentreffen erwünscht, so ließe sich ja wohl ein solches leicht bewerkstelligen, wo wir dann für die nächste Zeit den Lebensplan besprechen könnten. Denn ich will Ihnen nur ganz offen gestehen, daß mir Ihre gütige, freundliche Einladung herzliche Freude macht und ich mich sehr darauf freue, wieder einige Zeit mit Ihnen, theuerer Freund, in Ihrem lieben N. [sc.: Annaburg] zusammenzuleben. Dann können wir auch ruhig das Weitere, wegen des jungen S. [sc. Seiffert] besprechen. Ich denke freilich, daß mein Plan, wenn ich mich an seine Stelle denke, ihm die höchste, schönste und befriedigendste Lebensaufgabe stellt, die ich mir eben an seiner Stelle nur wünschen kann; doch wie gesagt: darüber, mit klarer Erwägung aller Verhältnisse, was schriftlich hier nicht möglich ist - mündlich.-
Da nun Fräulein Anna H. [Hesse] den Plan hat, auch einige Tage in Halle bei dem Herrn Domprediger Neuhaus zu bleiben, so könnte wohl beinahe Ende Juli herankommen, ehe sie nach N. ]sc.: Annaburg] zurückkehrte, wie ihre Schwestern die Meinung hegen. Meine Sommerreise hatte außer den Punkten: Halle - Magdeburg - N. [sc.: Annaburg] und deren Umgegend, noch das sächsische Voigtland und hier die Städte Plauen und Adorf im Auge, wohin mich stille, aber gegründete Hoffnungen zum Anbau einiger Kindergärten führen. Wo ich mich nun aber zuerst hinwenden werde, das wird sich in Halle entscheiden, beinahe glaube ich, von dort nach den letztgenannten Orten zuerst. Obgleich ich Alles auf mündliche Mittheilung erspare, so will ich doch nur als Notiz mittheilen, daß ein gewisser Ramsauer in Oldenburg ein Buch für Mütter geschrieben hat, worin er ausspricht: - es sei eine Sünde, Kinder auf Fröbels Weise zu beschäf- /
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tigen rc. Ich werde Ihnen die Stelle später in wörtlicher Abschrift mittheilen, jetzt mangelt mir die Zeit dazu. Im Allgem. Anzeiger für Deutsche [sc.: der Deutschen] vom 13. Juni 1846 findet sich von einem T. eine recht gute, obgleich kurze Entgegnung. Ebenso findet sich im genannten Blatte vom 2. Juli eine kurze Notiz vom Kindergarten zu Eichfeld, wie es scheint von einem Fremden, welcher einige Zeit hier lebte, dann aber pseudonymisch unterzeichnete.
Ganz besonders aber ist es der Kindergarten zu Gotha unter der Leitung von Fräulein Christiane Erdmann, welcher so freudig emporblüht, er zählt jetzt über 60 Kinderpflänzchen und Blumen. Schon in meinen früheren Mittheilungen glaube ich auf eine Mittheilung des Allg. Anz. d. D. hingewiesen zu haben, wo sehr freundliche Mittheilungen über diese junge Pflanzung gemacht werden.
Darf ich Sie bitten, grüßen Sie die gutmeinende Frau Kr. [Krüger] von mir. Meine Ihnen bekannte[n] hiesigen Freunde erwidern dankend Ihren Gruß. Herr Middendorst [sc.: Middendorff] ist soeben von einer sechswöchentlichen Reise in seine Heimat zurückgekehrt. Nun leben Sie recht wohl. Viele reine Herzensfreuden bringe Ihnen Ihre Reise. Dies der innigste Wunsch Ihres
Ihnen in Liebe und Dank ergebenen

        Friedrich Fröbel.

Wie in diesem Augenblicke das Ganze vor mir liegt, so werde ich wohl, nachdem wir uns vielleicht in der Umgegend von Magdeburg irgendwo gesprochen haben, anfangs August zunächst über Leipzig nach dem sächs. Voigtlande gehen und dort zu wirken suchen; es sei denn, daß irgend eine Thätigkeit an der Mittelelbe zu einem direkten Ziele führe oder Neues anbahne.