Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. <nach> 7.7.1846 (<Keilhau>)


F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. <nach> 7.7.1846 (<Keilhau>)
(BN 707a, Bl 41, undat. fragmentartige Nachschrift 1 Bl 8° 1 ½ S. ohne Adressat. Das "E." am Anfang des Blatts weist auf dessen Funktion als fünftes Blatt zu einem Brief hin. Es handelt sich um eine Nachschrift zum Brief F.s. an Woepcke v.7.7.1846. Inhaltlicher Bezugspunkt der Nachschrift ist die Schrift von Johannes Ramsauer: Buch für Mütter. Die Liebe in Erziehung und Unterricht. Ein Büchlein für Eltern und Lehrer, namentlich für Mütter aus den gebildeten Ständen. Zum Andenken Pestalozzi's und zu seinem hundertjährigen Geburtstage. Elberfeld & Meurs 1846 und die dort S.19 enthaltene Kritik an Fröbels Spielpädagogik. Im Brief an Woepcke v.7.7.1846 S. 117, bezieht sich F. auf diese Kritik und kündigt Woepcke an, er werde ihm "die Stelle später in wörtlicher Abschrift mittheilen". Vermutlich hat F. die Nachschrift formal zwar dem Brief v.7.7.46 zugeordnet, diese aber dann wohl auf die „Sommerreise“ nach Halle, Annaburg, Magdeburg und Vogtland mitgenommen und direkt Woepcke ausgehändigt, oder seinem nächsten Brief an Woepcke vom 5.9.1846 beigelegt. Die Nachschrift dürfte aber noch in Keilhau vor F.s. Abreise am 20.7. abgefaßt worden sein.)

E.)
Johannes Ramsauer.
"Buch der Mütter"
Elberfeld und Meurs, Verlag der Rheinischen Schulbuchhandlung 1846
Auch unter dem Titel:
Die Liebe im Unterricht und Erziehung rc: Mit 27 Tafeln Steindruck
304 Seiten.

Der Verfasser sagt Seite 19. als Entgegnung gegen mein Streben:
Hören Sie wie wunderlich! denn wo giebt es "veränderungsfäh-
gere["] Spielsachen als die meinen; wo welche bei denen die Innen-
bildungskraft des Kindes mehr Freithätigkeit erhalte als
eben bei ihnen, und doch sagt Ramsauer:
"Da veränderungsfähige Spielsachen besser sind, als die nur
"einer einzigen Gestaltung fähigen, so werden die Spiele,
"welche der Pädagog Fröbel empfiehlt und die er an meh-
"[re]ren deutschen Höfen (!!! ???) vorzeigt und mit Kindern da-
"damit gespielt hat nie recht in der Kinderwelt heimisch wer-
"den und den Nutzen und die Unterhaltung gewähren die
"Fröbel sich davon verspricht, so sinn- und lehrreich diese
"auch an und für sich sind["] - (:Was sagen Sie zu einer solchen
Wendung und ihrer nun sogleich ausgesprochen werdenden
Sündlichkeit?:)
"Daß sind nemlich Würfel, Kugeln, Ringe. Unter diesen
"aber kann sich das Kind nicht leicht etwas Anderes denken,
"als was sie wirklich sind (:Kennt dieser Mann, der Erzieher,
Lehrer für Mütter seyn will das Kind:) "und kann sie auch
"nicht sehr verschieden stellen und zusammensetzen["] (:Hat er es ver[-]
sucht, dieser Mann und sich von dem wirklich Unerschöpflichen
welches nicht der suchende Geist des Erwachsenen, sondern
die freithätige Innenbildungskraft des spielenden Kindes
aus ihnen gestaltet, und doch spricht er!?-:)
"Beim Spielen nicht absichtlich belehren und das Lernen nicht
"spielend treiben muß ein Hauptgrundsatz bleiben." (:Thue
ich denn eines von beiden oder gar beides?!-:)
"Ganz unpädagogisch u. eine Sünde" (höre[n] Sie, Sünde!) "die /
[41R]
"man an der Jugend begeht ist es, wenn man kleine noch
"nicht schulfähige Kinder, so wie Fröbel es will (??!!)
"bei diesem Spiele förmlich unterrichten will, da hört
"alles Natürliche und freie auf."
Nun bitte ich Sie, mit diesen Vorwürfen, welche der Verf:
dieses Mütterbuches mir macht und gleichsam in die Tasche
schiebt, wenn es Ihnen möglich ist, dasjenige zu vergleichen,
was er den Müttern giebt und welche Übungen er zum
Theil von ihnen fordert; es scheint wirklich er habe bei
dem, was er gegen mich sagt, sich selbst im Auge gehabt.
Doch urtheilen Sie selbst, wenn es Ihnen möglich ist das Buch
durch Ihren Buchhändler zur Einsicht zu bekommen.-