Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an H. Windorf in Stadtilm v. 26.7.1846 (Gotha)


F. an H. Windorf in Stadtilm v. 26.7.1846 (Gotha)
(BlM XV,3, Bl 118-119, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. u. Adresse)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Sr Wohlgeboren dem Herrn Rector Windorf in StadtIlm
Gotha am 26 Jul. 1846


Hochgeehrter Herr und Freund

Daß auf meiner Reise die Pflege und der Pfleger kräftigenden und entwickelnden Jugendlebens viel gedacht wird und beide darum auch viel besprochen werden, werden Sie als ganz in dem Zwecke meiner Reise liegend, deßhalb es aber auch natürlich finden daß bei solchen Gesprächen und Mittheilungen besonders auch Ihrer Bemühungen um Förderung eines solchen, zur Gründung ächter Volksthümlichkeit eines so nothwendigen Jugendlebens zum öftern anerkennend und verknüpfend gedacht wird. Dieß ist nun auch hier der Fall gewesen als ich die Lehranstalt, - das Institut eines gewissen Herrn Candidat Pfänder besucht, welches sich obgleich reine Privatsache, doch durch den so regen als gründlichen Geistes eines Antheils von mehr als 125 Schülern erfreut."Herr Candidat Pfänder als Eigenthümer und Vorsteher dieser Anstalt" macht sich nun besonders auch die leibliche, auf den Geist entwickelnd und stärkend zurück wirkende Pflege seiner Schüler zum Mitgegenstand ihrer allseitigen Erziehung und Ausbildung und namentlich sucht er auch durch Ausführung kleiner Jugendfeste, welche die Darlegung einiger Jugendtüchtigkeit zum Zweck haben ächte Volksthümlichkeit in seinen Schülern, wie in deren gesammten Umgebung zu wecken. So und in diesem allseitig erziehenden Geiste hat er zum B. in vorigen Jahre ein Knaben- und Jugendfest ohngefähr 1 Stunde von hier durch Körper- und militärische Übungen wie freie Spiele gefeiert an welchem mehr als 500 Menschen Antheil nahmen. Daß ich hier nun nicht umhin konnte auch Ihrer Bestrebungen und Feste und ganz namentlich auch dessen zu erwähnen welche[s] Sie am Ende nächsten Monats oder Anfangs des künftigen zu feyern gedenken, werden Sie wie ich schon aussprach ganz in der Ordnung finden, so wie auch daß ich ihm Herrn Pfänder als Vorsteher dieser sich hier eines großen Beifalls erfreuenden Anstalt den Vorschlag machte ihr [sc.: Ihr] dießjähriges Jugendfest mit seiner Anstalt, Lehrern u Schülern als ein Ganzes wenigstens zu einem großen Theile zu besuchen. Er zeigte sich auch dazu gar nicht abgeneigt und als wir den Gegenstand mehrseitig besprochen hatte[n], kamen wir zu dem Endergebniß, daß ich gegründet auf das im Vorstehenden Angedeutete, Sie hochgeehrter Herr u Freund unter und mit achtungsvollem /
[118R]
Gruße des Herrn Candidat Pfänder als Vorsteher des Privat Instituts mündlich ersuchen möchte, gestützt auf diese meine Mittheilungen hier
"Herrn Pfänder und die ganze Anstalt, somit sämtliche Lehrer und Schüler derselben freundbrüderlichst und collegialisch zu Ihrem Jugendfeste einzuladen, er zweifelt dann und unter dieser Voraussetzung nicht, daß es ihm gelingen werde, wenigstens mit einem wagenvoll seiner Schüler u Lehrer bei Ihrem Feste gegenwärtig seyn zu können, die Kosten scheuet er nicht[."]
Ihnen dieß nun auszusprechen ist der Zweck dieser Zeilen so wie Sie zu bitten, doch ja dieser Einladung entgegen zu kommen, weil ich dadurch für die nächste Zukunft gar viel hoffen würde.
Ebenso wiederhole ich meine Bitte eine gleiche Einladung nach Keilhau ergehen zu lassen vielleicht mit dem Beifügen, daß Sie sich auch der Theilnahme Gothaischer Instituts Vorsteher zu erfreuen haben würden.-
Sind Sie nicht in Arnstadt bekannt?- Es sollen da auch wackere Männer an der Spitze der Schule stehen, vielleicht könnten Sie auch dafür eine Einladung ergehen lassen.
Mein Kindergarten hier in Gotha wächst, grünt u blühet lieblich, mehr als ½ Hundert Pflänzchen erfreuen sich darin einer geseegneten Pflege welche sich der Theilnahme der Erfassendsten u Denkendsten der verschiedenen Stände, besonders aber der ersten der hiesigen Erzieher erfreut.
Gott gebe daß wir uns im nächsten Jahre auch solcher Ergebnisse bei unserm StadtIlmer Kindergarten zu erfreuen haben.
Verzeihen Sie mein Geschreibsel, ich verstehe nicht mit künstlichen Federn zu schreiben.
Den herzlichen Gruß an die lieben Ihrigen von
         Ihrem
aufrichtig Ergebenen
Friedrich Fröbel.

Nochmals bitte ich: pflegen Sie diesen zarten Keim welcher sich uns zur Hervorbildung eines deutschen volksthümlichen Jugendlebens in unserm Thüringen darbietet.
DO. /
[119]
[leer] /
[119R]
[Adresse:]
Sr Wohlgeboren
dem Herrn Rector Windorf,
      in
StadtIlm
frei!