Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Robert Felsberg in Neidschütz b. Naumburg v. 22.10.1846 (Quetz)


F. an Robert Felsberg in Neidschütz b. Naumburg v. 22.10.1846 (Quetz)
(Autograph nicht überliefert, Abschrift von Luise Levin BlM F 1058/52/1, 1 Bl 8° 1 ½ S.)

Herrn Candidat Felsberg in Neidschütz bei Naumburg

Quetz b Halle a d S am 22. Oct 46.


Geehrter Herr!

Was werden Sie denken auf Ihre freundliche Anfrage
bei Hr Pastor Hildenhagen hier, wegen Erfüllung meines Ihnen
gegebenen Versprechens, kein Wort der Erwiederung erhalten zu
haben. Der Grund unsers Schweigens ist eine Reise, welche ich den
zweiten Tag nach unserm Zusammentreffen in Weißenfels nach Sachsen
in den Voigtländischen Kreis antrat und die sich ganz unerwartet
auf sechs Wochen ausdehnte und sich bis in den erzgebirgischen
und schönburgischen Kreis erstreckte. – Da ich nun immer hoffte
rascher zurückzukehren und Hr: Pastor erwartete ich hätte Ihnen
geschrieben so erhielten Sie keinen Brief.
Nun zur Beantwortung Ihres lieben Briefes. Noch gedenke ich jedenfalls
über Naumburg nach der Heimath zurückzukehren
und schon in der nächsten Woche und ich bin wohl geneigt von
Ihrer und Ihrer verehrlichen Prinzipalschaft gütigen Einladung
Gebrauch zu machen, doch werde ich Ihnen schreiben so bald ich
meinen Reisetag bestimmen kann. Vielleicht ist es Ihnen
dann möglich unsern gemeinschaftlichen Freund Härter dann
auch einzuladen.
Da mein Aufenthalt in Sachsen sich so lang ausdehnte so
finden Sie darin einen Beweis, daß der Gedanke früher entwik-
kelnder Kinderpflege in den genannten Gegenden durch Mitthei-
lungen in Adorf, Neukirchen, Ölsnitz, Plauen, Reichenbach,
Milau, Zwickau und Glauchau so warme, als förderliche Theil-
nahme erfuhr, daß ich in drei der genannten Städte gleich
hätte Kindergärten einrichten können, wenn die nothwendigen
Kindergärtnerinnen dagewesen wären. Doch auch diesen
Mangel scheint der Geist und die Wahrheit des Gegenstandes
bald zu beseitigen, da ich auch Jungfrauen gefunden habe,
welche sich gern diesem Beruf widmen wollen. Auch einige /
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junge Lehrer waren so begeistert für die Sache, daß sie sich gern ihr
gewidmet hätten.
Ihrer Theilnahme an meinem Wirken glaubte ich diesen Erfolg
mittheilen zu müssen.
Da dieser Erfolg wohl, durch mir ganz unerwartete Besprechung
des Gegenstandes in verschiedenen Localblättern jener Gegend
herbei geführt sein mag und einige mir zur Hand gekommen
sind, so lege ich sie im Interesse der zu prüfenden und auszufüh-
renden Idee hier bei, mit der Bitte sie auch unserm Härter
mit Gruß von mir zu senden.
Mit wahrer Hochachtung

Ihr Ergebener
Friedrich Fröbel.