Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 13.11.1846 (Keilhau)


F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 13.11.1846 (Keilhau)
(Brieforiginal BLV Berlin, Kriegsverlust, ed. Pösche 1887, 178-179, Seitenzahlen nach Pösche)

Keilhau, den 13. November 1846.


Meine liebe Luise!
Ich war recht erstaunt als ich vor ohngefähr acht Tagen nach
Keilhau zurück kam und Sie nicht mehr hier fand; auch war ich
erfreut, als ich hörte, daß Sie einen guten, das heißt Sie in ökono-
mischer, und häuslicher Hinsicht, gut stellenden Platz hätten. Doch
bald hörte ich auch, daß Ihre Stellung eine sehr schwierige sei, und
ich überzeugte mich selbst davon, als ich eine klare Darlegung der-
selben in Ihrem Briefe an Frau von Born las. Nun das Schwie-
rige hätte wohl nichts zu sagen; denn auch große Schwierigkeiten
lassen sich überwinden, und sie sind zu überwinden und müssen in
allen Verhältnissen von uns überwunden werden, sobald sie mit
unsern Kräften in Ebenmaß sind. Sobald dies auch wirklich nur
einigermaßen ist, so sollen wir gegenwärtige Schwierigkeiten nicht /
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fliehen, einmal weil sie uns doch schon bekannt sind, und zweitens,
weil im Kampf mit denselben unsere Kraft wächst; doch können Um-
stände eintreten, wo die Schwierigkeiten unsere Kräfte übersteigen.
Nun traue ich ganz Ihrer Einsicht und Ihren Lebenserfahrun-
gen, daß Sie sich in dieser Hinsicht nicht täuschen werden, das heißt,
weder Ihre Kraft geringer anschlagen als sie wirklich ist, noch die
Schwierigkeiten größer schauen, als sie sind.
Sind die Umstände der Art schwierig, daß die Bewältigung
derselben Ihre Kraft überschreitet, dann bitte ich Sie, mir sogleich
zu schreiben, weil sich mir dann in der Nähe Ihres jetzigen Aufent-
haltes eine Wirksamkeit als Kindergärtnerin für Sie vielleicht möglich
macht.
Schreiben Sie mir, ob Sie Gelegenheit haben nach Chemnitz
zu kommen. Ich würde Ihnen eine Einführungskarte dahinsenden.
Hier in Keilhau geht alles wieder den alten Gang. Ich habe vier
Schülerinnen zu unterrichten. Ich wünschte sehr, daß es deren noch
einige mehr wären, weil nächste Ostern die Eröffnung neuer Kinder-
gärten in Aussicht ist. Sollten sich im Bereich Ihrer neuen Be-
kanntschaft Jungfrauen zwischen 18 und 28 Jahren mit den nöt-
igen Eigenschaften: Charakter-Reinheit, Kinderliebe, Spiellust und
Singbegabung finden, welche Neigung hätten, sich für Kinderpflege
auszubilden, so würde es mir lieb sein, wenn Sie solche mit mir
in Verbindung brächten.
Von allen die schönsten Grüße. Besonders grüße ich Sie mit
Treusinnigkeit.
Friedrich Fröbel.