Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Papst Pius IX. in Rom v. 2.12.1846 (Keilhau)


F. an Papst Pius IX. in Rom v. 2.12.1846 (Keilhau)
(BN 490, Bl 13, hier: 13R, dat. Entwurf 1 Bl fol 1 S. auf dem Schlußbogen [mit nur einem beschriebenen u. paginierten Blatt] des 2.Entwurfs des F.-Briefs an Adolph von Holzhausen v. 18.11./19.11.1846.)

A[n] d[en] P[apst] 2 Dcbr 46
Du sag[s]t Du seyest ein Stellvertreter Jesu auf Erden und viele sagen es Dir nach. Ich will dieß g[an]z unbe-
stritten u an seinen Ort gestellt seyn lassen: Jesus aber sagt an ihren Früchten sollt ihr Sie erkennen; bist Du
also ein und der Stellvertreter Jesu auf Erden κατεξοχην [kat exochen, sc.: schlechthin], so muß man dieß u Dich an Deinen
Werken erkennen. Jesus aber ließ sich von einer Samariterin nicht nur Wasser zur Löschung seines Durstes geben
sondern er auch hörete sie und erkannte sie in ihrem Leben wie sie hinwiederum auch ihn erkannte, wie er denn mehrfach die Samariter
welche die Juden verfluchten hörete und ihr Gutes anerkennend ehrete; ich bin in Dein[en] Augen ein Ketzer also dem Verhältnisse zu Dir in
welchem die Samariter zu Jesu u den Juden standen; bist Du also ein Stellvertreter Jesu auf Erden, so muß[t] Du wie Jesu[s]
als Mensch mich nicht nur achtend anerkenn[en] sondern auch hören. Jesus sagt aber ferner nicht auf <angemessen> u nicht auf dem Berge
Garizim wird man Gott anbeten sondern im Geiste u in der Wahrheit also bist Du Stellvertreter Jesu so mußt auch Du den Sitz der
Wahrheit nicht nach Rom u noch weniger auf und an den Sitz zu Rom auf welchem Du sitzest bannen sondern mußt der Wirksamkeit
des Gottesgeistes freye Wirk nicht etwa Freyheit geben, dieß kannst Du nicht, Du darfst es nicht einmal sondern wenn Du Stellvertreter
Jesu seyn willst, sondern Du mußt sie als solcher anerkennen und in ihrer Ausübung nicht fesseln. Nun setzt aber
Jesu erkennt ertheilt dem Samariter den <Besitz linderndes> Ortes und den wohlthät[igen] Gebrauch seiner Güter nach Gotteswillen so an
daß Jesus ihn den Juden zum Muster hinstellt - bist Du nun stellvertreter Jesu so mußt Du gleiches in u von dem Ketzer u von mir
anerkennen. Jesus giebt aber in diesem ein Beyspiel wie wir uns unserm geschl. [sc.: geschlagenen] u gedrückten Mitbruder annehmen sollen, bist Du also
ein Stellvertreter Jesu so mußt Du dieß Beyspiel nachahmen u bewahren. Die Menschheit ist geschl. [geschlagen] u dieser soll durch Jesu [{]Wort geholfen / wollte daß ihr geholfen[}]
werden / [werde], bist Du also der Stellvertreter Jesu    Wer ein Kind aufnimmt.- Was <ihm>
Und noch jetzt ist die Welt geschl. [geschlagen] willst Du Stellvertreter Jesu seyn so mußt Du wünschen und zeigen daß ihr geholfen [werde]. Jesus aber zeigt wie ihr geholfen werden könne
dE [sc.: das Evangelium] es sagt den Kindern ist das Himmel<reich> wer ein - wer ein Kind ärgert - also d[urc]h Erziehung u wie Sie sollen als Gott <ihren> Vater <lieben>
Kinder beachtet u betrachtet werden, also d[urc]h Anerkennung des Geschl. [Geschlagenseins] in ihnen welches sogar die Engel an[erkennen] bist Du also Stellvertreter Jesu
mußt Du ganz besonders auf die Erziehung der Kindlein seh[e]n[.] - Wie muß aber diese Deine Erziehungsweise bist Du wahrer Stellver[-]
treter Jesu auf Erden beschaffen seyn. [Text bricht ab]