Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an H. Windorf in Stadtilm v. 9.12.1846 (Keilhau)


F. an H. Windorf in Stadtilm v. 9.12.1846 (Keilhau)
(BlM XV,3, Bl 122-123, Brieforiginal 1 B 8° 1 S. u. Adresse)

Herr Rector Windorf Wohlgeb. in StadtIlm.

Keilhau b. Rudolstadt am 9n Dec 46.


Sehr geschätzter Herr Rector und Freund

Zuförderst meinen besten Dank für Ihr liebes Briefchen
und mein Herzliches Bedauern Ihres anhaltenden Unwohlseyns
mit dem aufrichtigsten Wunsch, daß Sie recht gestärkt an
Körper und Geist in das nun bald kommende Neujahr
eintreten mögen, denn immer mehr bestätigt sich es mir
daß im Leben nur gar zu viel von der vollen Gesundheit
eines einzelnen Menschen und besonders Mannes in bildender u
erziehender Wirksamkeit für das Wohl eines größeren ja
selbst des allgemeinen Ganzen abhängt; indem auch die schein[-]
bar verborgene unerkannte und kleinere Wirksamkeit des
Einzelnen hinaus wirkt in das große Ganze und zum Wohl
deßselben, wir verfolgen nur leider zu wenig die Fäden bis
zu ihrem Ausgangspunkte auch bei größeren Lebensanschauungen.
Deßhalb hat, wie ich schon früher andeutete die Ausführung eines
Kindergartens in StadtIlm für mich solche Bedeutung, und daher
erlaube ich mir in dieser Beziehung abermals zu Ihnen zu kommen,
nemlich in Bezug auf des He. Kirchners Tochter. Da gewöhnlich
die Kosten es sind, welche abschrecken, so sage ich Ihnen und ich bitte
Sie es d[em] He. Kirchner auszusprechen: daß jetzt ein Bauernmädchen
aus Unterrottenbach hier ist die sich zu einer Spielführerin ausbildet,
sie zahlt wöchentlich 18 ggl. für Kost u Wohnung (ohne Bett u Wäsche)
sie ist mit den Leuten in einer Stube u hat somit Licht u Wärme;
Nur wollen zwar diese Leute, weil sie fürchten nicht mit ihren
Naturerzeugnissen auszukommen Niemanden mehr an die
Kost nehmen; allein ich höre, daß unser Herr Schullehrer
wohl dazu geneigt ist.- Das Unterrichtsgeld sollte bei des
Kirchners Tochter kein Hemmniß werden, vielleicht daß S sich
dazu auch eine Unterstützung in Rudolstadt fände.- Nach Neu-
jahr könnte der Eintritt geschehen. Dieß Ihnen zu melden schien
mir Pflicht. Mit herzlichem Gruß an alle Ihr[e] Lieben Ihr
herzlich Ergebener FriedrichFröbel /

[122R/123V]
[leer]
[123R]
[Adresse:]
Herrn Rector Windorf
     Wohlgeb
in
StadtIlm
frei!