Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Lina von Arnswald in Eisenach v. 27.1./28.1.1847 (Keilhau)


F. an Lina von Arnswald in Eisenach v. 27.1./28.1.1847 (Keilhau)
(BN 364, Bl 1, dat. Entwurf 1 Bl 8° 1 S. Der Entwurf ist auf einem Blatt geschrieben, das zuvor als an F. adressierter Briefumschlag diente und am 25.1.1847 in Eisenach abgestempelt ist. Zu diesem Entwurf gibt es eine Reinschrift/Brieforiginal vom 28.1.1847 in BlM XXVII,5,5, 1 Bl 8° 2 S.)

a) Entwurf

Keilhau bei Rudolstadt am 27 Jan. 1847.


Edle deutsche Frau

Zwar habe ich nicht die Freude Sie persönlich zu kennen, allein das durch die Briefe Ihres
trefflichen Gatten und besonders durch den jüngst empfangenen welcher
mir auch Ihren mich hocherfreuenden herzl lieben Gruß bringt, für welchen ich
allem zuvor hier herzlich danke, lassen mich doch hoffen [das] in meiner Seele von Ihnen her-
vorgerufen[e] <Bild> giebt mir die freudige Zuversicht daß Sie mir gütigst
eine Bitte erfüllen mit welcher ich hier zu Ihnen kommem [sc.: komme]. In seinem eben
erwähnten jüngsten Briefe schreibt mir nun Ihr deutscher thatkräftiger Hermann daß er Ihnen durch das Geben
eines durch <sie hier> hoffn[un]gsvolle Gattenherzen so gänzl[ich] ächt gemüthvoll zusagende[n] Büchleins, Ihnen wirkl Freude gemacht habe.
Nun weiß ich aber auch, daß wenn wir eine Gabe empfangen haben
Nun war es mir aber als fühlte ich, als indem ich dieß las, in meinem Herzen den Wunsch des Ihrigen Herzens auch
Ihrem liebenden Herman[n], durch eine gleiche ähnl Gegengabe womögl eine gleiche Freude Freude
zu machen bringen. Weiter sagt mir nun sein Vertrauen sagt mir nun in dem gedachten Brief: "Laßt uns den
Kindern leben! wird uns <ein> Lebensspruch seyn."- Da draht [sc.: trat] mir denn sogl[eich] vor
die Seele daß ich ja auch noch ein 2es mit diesem Lebensspruch wohl auch besonders
für den Mann Gatten u Vater bestimmtes Sp Buch geschrieben habe,
und sogleich stand auch der Entschluß in mir feste Sie, edle
Ihren Herman[n] innig liebende Gattin Frau herzl[ich] zu bitten ihm gelegentl[ich]
dieses Buch zum Grenz- Merk[-] u Denkstein einer <besonders> be[{]sitzen / glücken[den][}]
Lebensstunde oder eines Lebensfestes als freundliche Gegengabe für
das von ihm empfangene in die Hand, in den Schooss zu legen[.]
Mit dieser Bitte nun komme ich indem ich jenes Buch hier beifüge nun hiermit zu Ihnen hochgeehrte Frau und hoffe, offen
gestehe ich es, damit keine Fehlbitte damit zu thun, indem es ja höchste hohe Freude
macht den unsern lieben Unsern ihr uns beglückendes Leben im klaren Spiegel des Bewußtseyns
schauen zu lassen und dieß möchten die Hefte und wohl Ihnen als Spiegel, wenn
Sie das Bild eines Mannes wie Ihres Herman[n]s zurück strahlen können.
Gott bewahre ihr gemeinsames eheliche u Gatt[en]glück vor jeden [sc.: jeder]
wahren ernsten Trüb[un]g u Störung und laß es sich zur schönsten Frucht entfalten denn aus dem häuslichen Glück einer Familie
kann d[a]s Wohl eines ganzen Volkes zu seiner Zeit möge aus dem Ihrigen ein[e] Gemeinsamheit <für> viele der jetzt Streben[den] hervorgehen
<doch> das <unsrige> und solchen Lebens[-] Haus[-] u Familienseegen wünscht Ihnen
edle deutsche F[rau]
Ihr
wenn auch persönlich unbekannter doch treuergeben[er] FrFröbel.

b) Reinschrift

[9]
Frau Lina von Arnswald in Eisenach.

Keilhau am 28en Jan: 1847.


Edle deutsche Frau.

Zwar habe ich nicht die Freude Sie persönlich zu
kennen; allein das durch die lieben Briefe Ihres
trefflichen Gatten und besonders durch den jüngst
empfangenen, welcher auch mir Ihren mich hocherfreu-
enden Gruß bringt - für welchen ich allem zuvor
hier herzlich danke - in meiner Seele von Ihnen her-
vorgerufene liebe Bild, giebt mir die freudige Zuver-
sicht, daß Sie mir gütig eine Bitte erfüllen werden,
mit welcher ich hier zu Ihnen komme.
In seinem, eben erwähnten jüngsten l. Briefe
schreibt mir nun Ihr so geist- als gemüthvoller,
thatkräftiger und thatfertiger Herman[n], daß er
durch das Geben eines, hoffnungsvollen Gattenherzen
zusagenden Büchleins, Ihnen, von ihm hochgeliebte
Frau, wirklich Freude gemacht habe. Nun war es
mir aber, als fühlte ich, indem ich dieß las, in mei-
nem Herzen den Wunsch des Ihrigen: auch Ihrem
guten Herman[n], durch eine ähnliche Gegengabe von
Ihnen, womöglich gleiche Freude zu bringen.
Weiter sagt mir nun im gedachten Briefe sein Ver-
trauen: ""Laßt uns den Kindern leben!" wird
uns Lebensspruch seyn;"" da gedachte ich, daß ich ja auch noch ein
zweites mit diesem Lebensspruche, und wohl, zwar
noch überwiegend für den Mann, Gatten u. Vater /
[9R]
bestimmtes Buch geschrieben habe, und sogleich
stand auch der Entschluß in mir fest Sie, edle, Ihren
Herman[n] innig liebende Frau zu bitten: ihm ge-
legentlich dieses Buch zum Merk- und Denkstein
einer schönen, beglückenden Lebensstunde, als freund-
liche Gegengabe für das von ihm empfangene, in
die Hand zu legen; denn dasselbe wird dadurch für
ihn doppelt und mehrfach die Bedeutung bekommen,
welche es in der Hand jedes sinnigen und beach-
tenden Gatten und Vaters zu bekommen wünscht.
Mit dieser herzlichen Bitte nun komme ich, indem ich
das Buch hier beifüge, zu Ihnen hochgeehrte Frau,
und hoffe, offen gestehe ich es, damit keine Fehlbitte
zu thun, indem es ja hohe Freude verschafft unsere
Lieben, ihr uns beglückendes Leben im klaren
Spiegel des Bewußtseyns schauen zu lassen, da
es ja dadurch um so ungetrübter bleibt, dieß nun
möchten diese Hefte, und wohl denselben als Spiegel,
wenn sie das Bild eines Mannes, wie Ihres hochsinnigen
Gatten, zurückstrahlen können[.]
Mit der Gabe ihm zugleich meinen und unser
Aller Herzensgruß.
Gott bewahre ihr gemeinsames eheliche u. Gatten-
glück vor jeder ernsten Störung und lasse es sich
zur schönsten Frucht entfalten; denn aus dem häus-
lichen Glück einer Familie kann das Wohl eines gan-
zen Volkes zu seiner Zeit hervorgehen, und solchen Le-
bens- Haus- und Familienseegen wünscht Ihnen
edle deutsche Frau
Ihr

herzlich Ergebener FriedrichFröbel