Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an K. C. F. Beck / Cahlaisches Nachrichtsblatt in Kahla v. 29.1.1847 (Keilhau)


F. an K. C. F. Beck / Cahlaisches Nachrichtsblatt in Kahla v. 29.1.1847 (Keilhau)
(BN 723, Bl 3-5, undatierter Entwurf auf schmalem, zweimal gefaltetem Papierstreifen, beidseitig quer beschrieben; BN 171, Druck von F.s Brief v. 29.1.1847 in: Cahlaisches Nachrichtsblatt v.13.2.1847, 98-99)

a) Entwurf

[Anrede fehlt]
Ihr Liebes sehr achtbares Blatt hat sich früher mehrfach eben so ernstlich
auch des heraufwachsenden Geschlechtes, der Pflege der Kindheit durch
seine so warme als ernste Vertretung sowohl der Erziehungsvereine
als auch vor allem der Kindergärten angenommen. Der Frühling blick[t]
schon ein wenig dh aus der mürben Erde u dem warmen Sonnenschein hervor
der Frühling von welchem auch noch ein Anderer die Sache der Kindheit
in den Kindergärten vertretendes achtbares schon vor einigen Jahren /
[4]
sagte; dieser Aufforderung eines so hochachtbaren Mannes als achtbaren
Blattes getreu müssen wir also dahin zu wirken suchen, daß nicht nur
mit dem beginnenden Frühling die alten Kindergärten von neuem gepflegt
wie frisch wachsen u gedeihen, sondern daß auch immer mehr neue hervor
keimen; dieß kann u muß dünkt mich auf die einfachste Weise dad[urc]h geschehen
daß wie der Gedanke von den die weiterreichenden Blätter zu bearbeiten u zu verbreiten suche[n] d[urc]h die LocalBlätter, welche sich mit vieler Einsicht /
[5]
mehr einem engeren Localen u Landschaftlichen Kreis gezogen haben, daß
der Gedanke durch solche so achtbare als wirksame Localblätter immer
mehr in das Einzelne u nicht blos in die Familie des Städters, sondern
auch auf das Land und in die Familien des Landmannes herabsteigen[.]
Voigtländische Blätter besonders das Adorfer (Redactor Tod) das Mühltroffer
[(] Mitarbeiter Fink in Plauen) haben im vorigen Jahre dafür den Beweis gege[ben]
Davon die Früchte auch Adorf u Plauen nebst Umgegend haben davon die schön[n] Früchte geerndet. [sc.: geerntet] /
[3R]
In dieser mehrfachen Beziehung u Ansicht welche Sie hochgeehrter HE
gewiß mit mir theilen werden theile ich Ihnen in der Anlage
einen Auszug aus Auerbachs Gevatters[mann] - das Wesen, die Wirk[-]
samkeit u Einführbarkeit der Kindergärten betreffend - zur Einsicht ins[-]
besondere mit der Bitte mit solchen in der nun der nächsten Nr Ihres
achtbaren Nachrichtsblattes als Abdruck aufzunehmen, indem hierd[urc]h /
[4R]
Sie gewiß (ohne Zweifel) die Sache der Kinderwelt, welche ohne Zweifel
auch die Ihrige ist gefördert wird. Zu dieser Bitte veranlaßt
mich noch besonders ein jüngster Besuch bei d HErn Schulcollect[o]r Lützelberger
in Altenburg auf welcher die Sache die Sache [2mal] der Kindheit auch zu der
seinigen gemacht hat u welcher mir aussprach, wie Sie als sein Fr[eun]d sehr
gern alles menschl[ich] Gute förderten. - Sollten Sie nun auf /
[5R]
meinen Vorschlag eingehen, so würde es mich freuen, d[urc]h Ihre Güte
die Nr ihres Nachrichtenblattes zu erhalten, welche den Auszug
aufgenommen hat. -
Mit Hochachtung zeichne     Ihr

     ergebener FrFr.

b) Druck

[98]
Keilhau bei Rudolstadt, am 29. Januar 1847.
Ihr Blatt hat sich früher mehrfach des heraufwachsen-
den Geschlechtes der Erziehung der Kindheit durch seine so
warme, als ernste Vertretung sowohl der Erziehungsver-
eine, als auch vor allem der Kindergärten angenommen.
Der Frühling blickt schon ein wenig aus der mürben Erde
und dem warmen Sonnenscheine hervor; der Frühling, von
welchem noch ein anderes, die Sache der Kindheit in den
Kindergärten vielfach vertretendes achtbares Blatt schon vor
einigen Jahren sagte: „nie sollte förder in Deutschland ein
Frühling erscheinen, welcher nicht die alten Kindergärten
neu belebte und nicht wenigstens einige neue Kindergärten
hervorwachsen machte.“ Dieser Forderung eines so acht-
baren Mannes, als achtbaren Blattes entsprechend, müssen
wir also auch die dazu führenden Wege betreten, die dazu
dienenden Mittel wählen, und dies, dünkt mich, kann auf
die einfachste Weise dadurch geschehen, daß wir den Gedan-
ken, welchen die weiterreichenden Blätter zu bearbeiten und
zu verbreiten suchen, durch die achtbaren und wirksamen
Lokalblätter, welche sich mit Einsicht einen engern Kreis
der Wirksamkeit gezogen haben, immer mehr nicht bloß in
die Familien der Städter, sondern auch in die des Land-
mannes einführen. Voigtländische Blätter, besonders das
Adorfer Wochenblatt (Redacteur Todt), das Mühl-
troffer
Wochenblatt (Mitarbeiter Fink in Plauen) ha-
ben im vorigen Jahre dafür den sprechenden Beweis gege-
ben; Adorf und Plauen nebst Umgegend haben davon
die schönsten Früchte geerntet.
In dieser mehrfachen Beziehung nun, welche Sie ge-
wiß mit mir theilen werden, erlaube ich mir, Ihnen einen
Auszug aus Auerbach’s diesjährigen „Gevatters
mann
-“ – das Wesen, die Wirksamkeit und Einführbar-
keit der Kindergärten betreffend – zur Einsicht und mit
der besondern Bitte mitzutheilen, solchen aus den oben an-
gedeuteten Gründen in eine der nächsten Nummern Ihres
Nachrichtsblattes als Abdruck aufzunehmen, indem zu hof-
fen ist, daß dadurch ebenfalls die Sache der Kinderwelt
gefördert werde, welche gewiß auch die Ihrige ist.
Zu dieser Bitte veranlasst mich besonders ein jüngster
Besuch bei dem Herrn Sch.C. L. in Altb., welcher die
Sache der Kindheit auch zu der seinigen gemacht hat und
welcher mir aussprach, wie Sie, als sein Freund, gern
alles menschlich Gute förderten rc. –
Friedrich Fröbel.

[Auszug aus dem „Gevattersmann“. Volksbuch für 1847 von Berthold Auerbach:
Auszug aus dem Briefe eines Schulmeisters an den Herausgeber [Über Kindergärten]

*      *      *
[99]
Nachschrift. Eben als ich diesen Brief schlie-
ßen will fällt mir der oben erwähnte Aufsatz in die Hände.
Er ist so schön und lebenswarm geschrieben und findet so
ganz in dem nun bald beginnenden Frühlinge wieder so
recht seine Anwendung, daß ich nicht unterlassen kann,
Ihnen solchen im Wesentlichen zur Aufnahme in Ihr so
treu für Volkswohl arbeitendes Blatt mitzutheilen, da be-
sonders der Aufsatz,welcher früher im Allg. Anzeiger ab-
gedruckt wurde, dort wenig beachtet worden und jetzt
ganz vergessen zu sein scheint. Der Aufsatz dünkt mich
aber werth, daß das, was er fordert, Wirklichkeit werde. -
Er heißt wörtlich so:
[Abdruck des Aufsatzes: „Kindergärten“ von –r [sc.: Joseph Gruber],
Erstveröffentlichung im „Allgemeinen Anzeiger der Deutschen“,
(1844) Nr. 172, Sp 2241-2243]