Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an August Härter auf Saline Heinrichshall b. Köstritz v. 28.2./3.3.1847 (Keilhau)


F. an August Härter auf Saline Heinrichshall b. Köstritz v. 28.2./3.3.1847 (Keilhau)
(Das Brieforiginal 3 B <8°> 12 S. ist nicht erhalten. Die Edition dieses Briefs durch Müller 1931, 79-86 weist die Seitenübergänge des Autographen nach und ermöglicht so die Rekonstruktion des Umfangs des Originals. Die im Brief genannten Beilagen A-H wurden bei der Edition nicht abgedruckt. Bei der für die Gräfin v. Schönburg-Wechselburg auszubildenden „Schülerin Christiane“ handelt es sich um Christiane Samsche aus Penig b. Chemnitz, die F. im Brief an Friederike Schmidt v. 20.7.1843 erwähnt.)

Herrn Candidat Härter, Hauslehrer auf der Saline Heinrichshall.
Keilhau b. Rudolstadt, am 28. II. 1847.


Sehr werthgeschätzter Herr Härter,
Zuforderst meinen Dank für die freundlichen Beilagen Ihres lieben Briefes,
welches mir zugleich mit dem Inhalte desselben so sprechender Beweis Ihrer
so aufrichtigen als regen Theilnahme an meinen erziehenden Bestrebungen
ist und die sich durch solche Theilnahme als zeitgemäß beurkunden. Möge
so Ihre Theilnahme immer dauernder, beständiger und somit "Härter" werden,
was ganz gewiß geschehen wird, indem ein Mann wie Sie nie sich aufgiebt und
seinen Namen, und mögen Sie immer mehr Berge und Felsen, ja „Felsberge“
an sich ziehen, so werden wir einen sichern, festen und guten Grund zum Auf-
bau eines Werkes zum Schutze und zur Entwickelung reines Kindheitlebens,
somit Familienglückes, Volkswohles und Menschheitheiles gewinnen, was ja
Sie in Treue und Ihre Freunde mit mir erstreben. -
Sie wünschen, da Sie wie Sie sagen, öfter Gelegenheit zum Reisen haben,
eine kleine Nachweisung der Orte und der Menschen, wo unsere Kindheit
pflegenden Ideen, die Idee wesensgetreuer Kindheitentwickelung Theilnahme
und Beachtung findet. Ich dachte, ich hätte Ihnen vor meiner Abreise eine
Mehrzahl solcher Männer und Orte genannt, doch will ich es gern nochmals
thun und fange im Norden an:
In Hamburg ist es der frühere Katechet, jetzt Vorsteher einer eigenen
Bildungsanstalt, Dr. Kröger , dann der Advocat Riesser, ein Israelit.
In Berlin ist blos ein einziger Mann, Schulamtscandidat und auch Israe-
lit, namens Leidesdorff (Spandauer Str. 25), welcher lebhaftes Inter-
esse an dem Gegenstand nimmt, auch in einer kleinen Schrift: Betrach-
tung der gegenwärtigen Erziehung der Jugend und
Vorschläge zur sittlichen Erziehung derselben, so-
wie der sozialen Verhältnisse.
In Annaburg b. Torgau ist es vor allen der Prediger /
[1R]
und Schulinspector der königl. pr. Militär"waisen"-Erziehungsanstalt Herr
Woepke [sc.: Woepcke] und dann der Pastor des Städtchens selbst Herr Dr. Seyler.
Diese beiden weisen Ihnen auch die noch übrigen Freunde der Kindheitspflege
nach. In Annaburg besteht aber auch seit vorigem Herbste ein "Kinder-
garten" unter der Leitung von Frl. Anna Hesse. Von dessen Fortent-
wickelung höre ich nur Gutes.
In Magdeburg ist es besonders der Director der Handelsschule Namens
Ledebur und der Oberlehrer an dem Seminar Löwe, welche lebhaftes
Interesse an dem Gegenstande nehmen, namentlich der letztgenannte.
Stadt- und Schulrath Grubitz wollte einmal eine in diesem Geiste wirkende
Kinderpflegeanstalt in Magdeburg ausführen, ließ zu dem Ende auch im
vorigen Cursus Frl. Auguste Windhorn (Tochter des Geschäftsführers /
Windh. in der Fabrik Schwartz Söhne & Comp.) bei mir ausbilden; wie weit
jetzt die Sache gediehen, weiß ich nicht.
Bei Halle a.d.S. in Quetz ist es der Pastor Hildeshagen, welcher sich
ganz besonders für Vorbereitung der Kindergärten wirksam zeigt. Er hat
selbst einen Kindergarten in Quetz ausgeführt, welcher schon Grundeigen-
thum, d. i. Gehöft, Haus, Garten usw. besitzt. Die Führerin dieses Kinder-
gartens ist Frl. Ida Weiler (aus Ronneburg). Nächste Johanni soll mit diesem
Kindergarten auch eine Fortbildungsschule verbunden werden.
In Halle a.d.S. selbst wird als Führerin und Vorsteherin eines daselbst
in diesem Jahre auszuführenden „Kindergartens“ Frl. Amalie Krüger (Woh-
nung der Mutter am kleinen Berlin) genannt. Einige Bürger Halle's wollten
sich der Ausführung dieser Anstalt unterziehen. Der Direktor des Waisenhau-
ses Dr. Niemeyer und mehrere seiner Lehrer schienen namhaftes Interesse
an der Sache zu nehmen. Früchte sind mir aber davon ebenso wenig als Blüten
zu Gesicht gekommen. /
[2]
In Dresden ist Frankenberg bekannt, welcher jetzt Führer und
Vorsteher des, schon im Jahre 1839 von mir während eines mehrmonatlichen
Aufenthaltes gegründeten, dann von Frankenberg auf eigne Hand weiter
fortgebildeten Kindergartens „in der Lilienstraße“ in der Antonstadt ist.
Durch diesen, welcher bei allen erziehenden Bestrebungen Dresdens betheiligt
ist, kann auch über alles, was Dresden in erziehlicher Rücksicht bewegt,
Nachricht eingezogen werden. Doch ist in Dresden noch besonders ein gewisser
Dr. Beger zu beachten, Direktor der Bürgerschule in Dresden-Neustadt.
Er hat, ich glaube im Jahre 1843, damals in einem kleinen Schulprogramme
das Beste über meine Bestrebungen geschrieben. Später soll er auch in den
„Ergänzungsblättern zu allen Konversationslexiken“ einen Aufsatz über
mein Wirken und zwar als Auszug aus dem von Dr. Hagen geschrieben haben;
er ist mir aber, so viel ich mir auch Mühe gegeben, nie zu Gesicht gekommen.
Während meiner Rhein-, Main- und Neckar-Reise im Jahr 44 erkannte
ich die Notwendigkeit der zu bildenden „Erziehungsvereine“ – (: ganz in
dem Sinne, wie Sie solchen im kleinen mit Herrn Felsberg ausführen – wollen
Sie nicht noch den Pastor in Roben dazu nehmen ? :) - Im Jahre 1845 er-
ließ ich zu deren Bildung den ersten Aufruf in verschiedenen öffentlichen
Blättern, Februar 1845 in der Didaskalia, im Allgemeinen Anzeiger der
Deutschen etc. - Auf einer Reise nach Dresden und während meines Aufent-
haltes daselbst in diesem Frühjahre suchte ich durch obengenannten Dr. Beger,
Frankenberg und andere einen solchen Erziehungsverein in Dresden zu bilden.
6-8 Teilnehmende brachte ich dort zusammen und jetzt schreibt Herr
Frankenberg an Middendorff, was ich Ihnen hier (A /.) in der Anlage
beifüge. - Könnten Sie nun, wenn auch zunächst nur durch Mitteilung eines
Geschichtlichen darüber und vielleicht Ihrer eignen Überzeugung von deren
Wichtigkeit, dann auch (B /.) der Statuten des Dresdner Vereins zur Bildung
eines /
[2R]
Erziehungsvereines in Gera oder sonst in Ihrer Umgegend durch
Besprechung der Sache in der Geraschen Zeitung wirken, so wäre dieß
gewiß vorzüglich gut. Ich halte nämlich die Allgemeinwerdung der Erziehungs-
vereine als höchst wichtig zur allgemeinen Einführung einer besonders frühen
zeitgemäßen Kinderbeobachtung und Bethätigung. Von Dresden will ich mich
in Sachsen bleibend, ganz hinauf in das sächsische Voigtland wenden.
In Adorf ist es der Direktor Lohse, welcher besonders für Ausführung
eines Kindergartens in Adorf thätig ist; nächst ihm der Bürgermeister und
Landtagsvertreter Todt
. Der Herr Rektor Lohse ist für jene Gegend der
Mittelpunkt ; er kann nachweisen, ob und wo in der nächsten Umgebung etwas
für die Sache geschehen ist.
In Oelsnitz (auf der Straße von Adorf nach Plauen) ist es der Herr Superint.
Dr. Zapf
und der Lehrer Schilbach, welche sich lebhaft für die Ausführung
eines Kindergartens in Oelsnitz aussprechen. Herr Schilbach wendet die Spiel-
zeuge und Spiele bei seinen eigenen Kindern an.
In Plauen ist der Mittelpunkt des dort Angeregten der Lehrer an der
Bürgerschule Herr Rascher, sein beiliegender Auszug aus seinen jüngsten
Briefen an mich sagt Ihnen Einzelnes. Herr Rascher weist gern die andern
Kinderfreunde und Lehrer Plauens, so z. B. den Herrn Direktor Caspari,
Cantor Herrn Fink, Lehrer Wiedemann Apotheker ? , Bacalaurus Günnel
usw. nach.
In Reichenbach ist es der Herr Oberlehrer Weinhold, welcher sich für die
Sache aussprach und solche bei seinen Kindern anwenden wollte.
In Milau nächst Reichenbach wollte Herr Cantor Louis Lohse, welcher
mit seiner Schwester den jüngst verflossenen Bildungscursus /
[3]
hier theilte, einen „Kindergarten“ ausführen, wie weit es damit
gekommen, kann ich nicht sagen.
In Zwickau war es ganz besonders der Direktor der Bürgerschule Herr
Möckel
, welcher sich auf das bestimmteste für Ausführung eines „Kinder-
garten“ in Zwickau aussprach, sobald als sich nur eine Kinderführerin finden
würde. Wie auch der Mangel an Kinderführerinnen es war , welcher die Aus-
führung von Kindergarten in Adorf und Plauen nicht möglich machte.
In Glauchau ist es besonders der Direktor der Bürgerschule, wie der Bürger-
meister (die Namen beider sind mir leider entfallen, welche sich auf das leb-
hafteste für die Ausführung eines Kindergartens daselbst aussprachen.[)]
In Wechselburg (nächst Pegau oder Penig), einem Städtchen, einem Grafen
von Schönburg-Wechselburg gehörig, befindet sich an der dortigen „Kinder-
bewahranstalt“ (ob solche, wie ich vorschlug, den Namen Kindergarten trägt,
weiß ich nicht) eine Schülerin von mir im zweiten Cursus zu Blankenburg
gebildet; irre ich nicht, so war sie aus Penig, ihr Vorname war Christiane,
der Familienname ist mir entfallen. Es war eine achtbare Schülerin ; welchen
Fortgang aber die Sache gehabt hat, [Müller: kann ich nicht sagen] weil der Brief-
wechsel unterblieb.
In Altenburg habe ich Ihnen im vorigen Briefe schon den Herrn
Schulcollaborator Lützelberger genannt usw. Aber ganz in Ihre Nähe soll
wieder ein Pflanzchen aus Keilhau und zwar aus meinem jetzigen Bildungs-
cursus kommen. Die Frau Consist.-Rathin Wittig wünschte nemlich ein
Kindermädchen von mir, nun habe ich ein wackeres Landmädchen von
17 Jahren, zwar einfach, aber eingehend, diese schlug ich vor. Fr. C. R. W.
ist nun auf meinen Vorschlag eingegangen und das Mädchen wird ohngefähr
14 Tage nach Ostern nach Gera kommen. Durch diese können Sie sich nun
über viele Spiele, wenn Sie und Herr Felsberg sonst Verlangen tragen, sich /
[3R]
Belehrung und von der Ausführung derselben unmittelbare Anschauung
verschaffen, sowie von manchen kleinen Handarbeiten. Auch kennt sie viele
Baulieder, wie sämtliche Ballspiele und Lieder, besonders weiß sie jetzt
gut Bescheid mit den Spielen der 5ten Gabe. - Das Mädchen heißt Friederike
Borternitz [sc.: Breternitz]
und ist als Dienstmädchen anfangs etwas ängstlich und scheu, so
daß man sie bei ihren Vorführungen sehr ruhig behandeln muß. Vielleicht ist
aber doch durch das Mädchen etwas zur Verbreitung der Kindergärten in
ihrer Umgegend zu thun.
Auch Frl. Amalie Beatus kommt ja nach Beendigung des jetzigen Bildungs-
kursus nach Köstritz zurück, ließe sich dann nicht vielleicht in dem Dorfe,
wo der noch unverheirathete Gutsbesitzer ist, etwas für Einführung eines
Kindergartens zu thun ? - Schade, daß Frl. Beatus weder Anlage noch Organ
zum Singen hat. Sonst giebt sie sich Mühe.
In Saalfeld ist auch eine Bewahranstalt, an welcher eine Führerin und
Vorsteherin ist, welche sich etwas mit unserer Spielweise und Spielen bekannt
gemacht hat; es ist die Schwester des Cantors Behr in Saalfeld; doch hat sie
ihre Kenntniß nicht unmittelbar von mir, sondern im Kindergarten zu Rudol-
stadt erhalten.
In Hildburghausen in der dortigen Bewahranstalt ist Frl. Amalie
Henne
aus Saalfeld Führerin; sie ist eine Schülerin meines ersten Blanken-
burger Bildungscursus. Sie ist nun schon mehrere Jahre Führerin dieser An-
stalt mit steigender Zufriedenheit; auch in der Dorfzeitung werden ihre
Leistungen schon einigemale anerkennend erwähnt. Im Hildburghausischen
oder vielmehr Meiningschen alten Hildburghausischen Anteils findet diese
Kinderbeachtungsweise immer mehr Anklang:
Der Herr Landschulinspektor D. Peter ist ihr gewogen, wie der Herr
Oberkonsistorialrath Dr. Nonne; auch ein Lehrer in Poppenwind nächst Hild-
burghausen, Namens /
[4]
Stangenberger, gibt sich in Ihrer [sc.. seiner] regen that-
kräftigen und thatfertigen Weise viel Mühe für die Verallgemeinerung an der
ganzen Kinderbehandlungsweise, so besonders der Spiele und der Kindergärten,
vielleicht (Siehe Beilage C) teile ich Ihnen von demselben etwas aus seinem
Reiseberichte mit, von welchem Sie vielleicht unter der Überschrift
C Aus einem Berichte eines Landschullehrers an seine Oberbehörde über seine
Reise nach Keilhau in die Anstalt zur Bildung von Kinderpflegerinnen und
Führerinnen von Kindergärten [Müller: Nachricht geben könnten].
Natürlich dürfte sonst weder Name noch Ort genannt, höchstens durch die
Anfangsbuchstaben P. und St. angedeutet werden; doch ist dies nicht einmal
nöthig; denn da nun einmal Ihr Name in diesem Blatte genannt ist, so ist es
sehr gut und gewiß der Sache förderlich, wenn auch die ferneren Mitteilungen
immer Ihren Namen tragen. Herr Stbgr ist uns ein wackerer und so
lieblicher, als fleißiger Liederkomponist; auch hat er uns dafür den Herrn
Seminarlehrer Anding in Hildburghausen gewonnen.
In Heldburg wohnt auch ein alter treuer und früher sehr thätiger
Freund unserer Kinderführungsweise; es ist dies der Herr Conrector Karl
Scheider
. Früher hat er mehrere Aufsätze über den Gegenstand in die
allgemeine Darmstädter Schulzeitung Zimmermanns geliefert, auch in zwei
Büchern: „Der Schöpfer und die Schöpfung“ und der „Weg zu Gott“ den
Gegenstand wiederkehrend und sehr ausführlich behandelt. Das erste Buch
ist in Heldburg und das zweite in Zwickau herausgekommen; beide
Bücher werden später bei der Geschichte der Sache nicht unbedeutend sein. -
Wie ich höre, soll in Heldburg ein „Kindergarten“ errichtet werden.
In Coburg in der Marienschule werden auch die Spiele angewandt und
zwar nach den wiederholten Besuchen von Vorstandsmitgliedern in Blanken-
burg. - Die Marienschule ist eine Kinderbewahranstalt von größerem Umfange, /
[4R]
sie soll aber, wie ich höre, besonders in ökonomischer und wirth-
schaftlicher Hinsicht sehr gut eingerichtet sein.
Von Gotha haben Sie unmittelbare Nachricht; doch füge ich Ihnen doch
einen kleinen Auszug aus einem Briefe Christianens [Erdmann] bei.
In Eisenach ist besonders ein Lehrer und ich glaube Vorsteher einer eigenen
Bildungsanstalt Herr Mai, welcher sich sehr bei Ausführung des Gegenstan-
des betheiligt, und dann ganz besonders sucht ein früherer Zögling unserer
Keilhauer Knaben- und Jünglingsbildungsanstalt, der jetzige Oberlieutenant
die Herzen der Menschen für die Sache zu gewinnen;
sollten Sie Ihre Reise[n] einmal durch Eisenach führen, so müßten Sie Herrn
Hermann von Arnswald aufsuchen.
In Frankfurt a.M. ist seit mehreren Jahren der Kindergarten
des Herrn Karl Schneider auf der Gr. Eschenheimer Gasse in Flor; von diesem
aus sind die Spiele in viele Anstalten Frankfurts z. B. in die einer gewissen
Frl. Hoffmann und die Kinderbewahranstalt in Sachsen-
hausen
übergegangen.
In Homburg vor der Höhe hat die dortige Bewahranstalt den
Namen: "Kindergarten" nach Zustimmung aller Stimmberechtigten ange-
nommen. Die Schutzdame dieser Anstalt ist, glaub ich, die Landgräfin
selbst und die oberste Vorstandsdame die Frau Hofrätin Müller, eine Frau
von seltener Hingabe, Liebe und Feuer für die Sache. Die Kinderführerin
war zu ihrer Bildung theils in Frankfurt a.M., bei Herrn Schneider, theils in
Darmstadt bei Frl. Ida Seele. Wohin bald nachher.
In Nieder-Ingelheim nächst Mainz am Rhein, besteht auch eine Kinder-
bewahranstalt, deren Führerin, ich glaube, Rosalie Roos, während eines
längeren Aufenthaltes von mir in Niederingelheim bei dem Landgutsbesitzer
Kaufmann Klotz aus Frankfurt - unmittelbar für diese Stelle gebildet wurde.
Eine Anzeige von dem guten Fortgang dieser Anstalt steht in dem Hessi-
schen Schulblatte, /
[5]
herausgegeben in Offenbach von Schuldirektor Schaumann.
In Darmstadt ist die Führerin des eigentlich erziehenden Theils der
dasigen Kleinkinderschule Frl. Ida Seele. Man sagt alles mit Einem,
wenn man sagt, daß sie für diesen Wirkungskreis geschaffen ist. Sie hat dort,
wie sie allseitig in ihrem Wirken Anerkenntniß findet, so auch wieder wesent-
lich für die Fortwirkung des Ganzen gewirkt, besonders dadurch, daß sie viel-
seitig von Fremden besucht und so Anschauung und die Thatsache des guten
Erfolges nach den verschiedenen Seiten hingetragen worden ist. Aber auch in
Darmstadt selbst hat sich der gute Erfolg ihrer Thätigkeit wirksam gezeigt;
so hat eine gewisse Madame Bruère auch eine Kinderpflegeanstalt oder Klein-
kinderschule für Mädchen ausgeführt; als Spielführerin an derselben ist eine
Schülerin meines Wirkens in Blankenburg, ein noch junges 17jähriges Mädchen
Henriette Ackermann. Nicht nur Madame Bruère ist mit ihr zufrieden, sondern
dieses junge Mädchen wirkt schon wieder weiter fortbildend; so hat zum Bei-
spiel ein gewisser Herr Schwalbach auch eine Kleinkinderschule, für welche
er eine bestimmte Erzieherin angestellt hat; diese hat nun wieder bei Henriette
Ackermann, freilich nur in dem Mechanischen der Spielweisen Unterricht;
allein der Geist wird sich daraus schon frei machen.
In Heidelberg ist Ihnen schon bekannt Dr. Karl Hagen; dann der
Dr. philos. Hermann von Leonhardi. Die Spiele werden dort theils in der
dasigen Kleinkinderschule, theils in einem kleinen Privatkreise von dem Lehrer
Antoni
angewandt. Zu einem wirklichen Kindergarten hat es in Heidelberg
bis jetzt noch nicht kommen wollen.
Der letztere Punkt am Rhein aufwärts in Deutschland ist in Gaisburg, einem
Dörfchen nächst Stuttgard, wo durch eine Fr. Geh. Leg.-Räthin v. Pistorius
und durch einen mehrwöchentlichen Aufenthalt bei ihr diese Spiele dort in
der Bewahranstalt eingeführt wurden. /
[5R]
Am Rhein weiter aufwärts, wo meine Bestrebungen noch besonders
beachtet werden, aber nicht mehr in Deutschland ist der letzte Punkt, wie
Ihnen bekannt, der Ort, wo der Prediger Rudolf Stoos wirkt. Der Ort heißt
Delsberg, ist im Kanton Bern, ich glaube 6 Stunden jenseits Basel. Der Mann
ist ununterbrochen thätig und - ich weiß nicht, ob ich es Ihnen in meinem
vorigen Briefe geschrieben habe - erst jüngst hat er mir wieder einen Aufsatz
zukommen lassen, welcher von ihm in der Berner Schulzeitung für
den Gegenstand eingerückt worden ist.
Außer Deutschland und außer der Schweiz ist es Pesth in Ungarn,
wo der Schuldirektor Dr. Teichengräber für die Verbreitung der Idee thätig ist.
Aber ich muß nach meinem Deutschland zurück, wo in diesem Jahre ein
neuer Kindergarten zu Lünen in Westfalen frisch und fröhlich, frei und
fromm aufgewachsen ist. Im allgemeinen habe ich Ihnen schon davon ge-
sprochen; allein bei Abgang meines letzteren Briefes an Sie hatte ich noch
keine Nachricht von der eigentlichen Eröffnung dieses neuen Kindergartens.
Am 12. Januar als zum 101. Geburtsfest Pestalozzis ist er zum guten Zeichen
eröffnet worden. Was mir darüber von der Führerin selbst zur Kunde gekom-
men ist, will ich Ihnen in der Anlage abschriftlich mittheilen (Siehe Beilagen
D. E.). Vielleicht können Sie nun von dem einen oder dem andern oder auch
von sämtlichen [Mitteilungen] des Beiliegenden, nach zweckmäßiger Bearbeitung Ihrerseits
für Ihre Geraische Zeitung Gebrauch machen. Ihre Bearbeitung zu einem
runden, schönen Ganzen muß freilich dabei das Beste thun. Es war ein recht
glücklicher Gedanke Ihres Herrn Redactors, daß er einen Theil Ihres Briefes
mit abdruckte ; möge er es immer thun, oder Sie Ihren Mitteilungen gleich
selbst Kopf und Fuß geben. Ich hatte nur gewünscht, daß Sie so gütig gewesen
wären, und mir 1 Exemplar dieses Zeitungsblattes /
[6]
Ihrem lieben Briefe beigelegt hätten. Nun ich behalte mir es bei nächster
Sendung zu gute. Die Redaction oder vielmehr die Expedition ist gewiß so
gefällig, Ihnen 1 Blatt auf Ihren Wunsch abzulassen.
Diese volksthümlichen und fürs Volk bestimmten Worte Auerbachs sind nun
weiter abgedruckt: im Allg. Anzeiger in der Nr. 48 vom 18. Febr. d. J. In
dem Thüringischen Volksfreunde Nr. 5 vom 2. Febr. In dem Cahlaschen Nach-
richtblatte Nr. 7 vom 13. Februar. Wie ich höre, werden solche auch in
dem Mühltroffer Wochenblatte abgedruckt werden, in welchem voigtländischen
Blatte überhaupt der Gegenstand weiter besprochen wird. Gut und recht
ersprießlich ist es gewiß, wenn dieß nun auch von Ihrer Seite in der Geraischen
Zeitung geschiehet. Vielleicht hat Felsberg Gelegenheit ähnliche Mittheilungen
an die Redaction eines Lokalblattes in Naumburg oder sonst einer benachbarten
Stadt zu machen; damit nur die Sache ein wenig aus dem Volksbuche noch
in das Sprachzimmer des Volkes kommt. Es ist dies nöthig; denn man glaubt
nicht, wie unbekannt die Sache nun nach 7-9jähriger Wirksamkeit dafür
noch überall ist, wo ich nicht oder andere Freunde unmittelbar persönlich
dafür eingetreten sind.
Also vor allem den Gegenstand der Erziehungsvereine empfehle ich Ihnen
und Herrn Felsberg recht zur persönlichen Bearbeitung; denn ohne diese
können wir nirgends leicht irgend etwas durchgreifend Allgemeines wirken ;
allein wo sie sind, hat man wenigstens einen sichern, festen Boden.
Dann muß man den Gegenstand der Frauen- und ganz besonders der Jung-
frauenwelt recht nahe zu bringen suchen, ihnen das Bild des Glückes, des Frie-
dens und der Zufriedenheit aller derer recht anschaulich machen, welche sich
diesem Berufe widmen. So fällt mir eben ein : die /
[6R]
Frl. Amalie Beatus hat mir heute abend gesagt, daß sie an Frl. Sophie Adams auf der
Saline einen mit ihrer Wahl sehr zufriedenen Brief geschrieben habe. Wenn Ihnen nun Frl.
Sophie diesen Brief mittheilte, so könnten Sie dessen hierher gehörigen Inhalt
als die Grundlage einer solchen Mittheilung resp. Aufrufes für Betheiligung
an Kinderpflege benutzen, vielleicht auch für den Allgemeinen Anzeiger d. D.,
welchen doch mancher Kinder- und besonders Töchterreicher Vater lieset,
welcher für das Fortkommen seiner Töchter auf eine anständige Weise besorgt
ist und wahrlich ein[en] anständigeren wie zugleich Geist und Gemüth befriedigen-
den, von den Menschen auch in edle anerkennende Verhältnisse setzenden
Beruf an [sc.. als] den Kinderpflegerinnen, Kinderführerinnen, Kindergärtnerinnen zu
werden, - einen schöneren Beruf kann es für Jungfrauen nicht geben, welchen
das Schicksal noch den Tempel des ehelichen Lebens verschließt. – Dieses
Capitel sollte in einer schönen blühenden Sprache behandelt und vielfach in
öffentlichen Blättern abgedruckt werden. -
Zu Ihren beiderseitigen Besprechungen werde ich mir erlauben, Ihnen näch-
stens, vielleicht schon mit diesem, Briefe beizulegen, es wird mich dann freuen,
Ihre Ansichten darüber unumwunden zu hören.
G) Ich lege hier nochmals das Blatt über die Fröbelschen Spiele von Herrn
Philipp Wagner, Director des gem. Vereins in Frankfurt a. M. bei. Ich meine,
das sei auch ein Blatt, was nach ein paar einleitenden Worten von Ihnen oder
Felsberg in ein Localblatt aufgenommen werden könnte, z. B. Ger. Ztg. Für
Ihr Liedchen danke ich, noch habe ich solche nicht singen hören. Morgen soll
es geschehen. Ich werde Ihnen hier das "Kriegsspiel", so nennen wir es nach
unserer Bearbeitung beilegen; sehen Sie, wie Ihnen dieß gefällt. - H. Beilage.
Grüßen Sie Ihre geehrte Principalschaft. Danken Sie Ihren l. Kindern.
Auch dem Frl. Sophie meinen Gruß. Nicht minder Herrn Felsberg von
Ihrem
aufrichtig ergebenen

Fr. Fr.