Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Marie Müller in Döllstedt v. 28.3.1847 (Keilhau)


F. an Marie Müller in Döllstedt v. 28.3.1847 (Keilhau)
(Autograph nicht überliefert, Faksimiledruck 1 B 4° 4 S. bei Heerwart 1906, Nachdruck Hoffmann 1952, nach S. 216; BlM F 1058/45, Abschr. 1 Bl fol. 1½ S. Seitenangaben nach Hoffmann. Bei der im Brief erwähnten Kindergärtnerin handelt es sich um Christane Erdmann.)

MEIN. HERZENS. KIND
DEIN LIEBES BRIEFCHEN HAT MIR
GROSSE FREUDE GEMACHT ZUM BE-
WEIS MEINES DANKES DAFÜR
SENDE ICH DIR HIER EIN PAAR
SPIELCHEN. MIT DEN STÄBCHEN
KANNST DU DIR SELBST BUCHSTA-
BEN LEGEN WIE DU HIER SIEHEST.
FREUDE WIRD ES DIR MACHEN
WENN DU EINMAL LEGEN KANNST:
VATERER SEI WILL-
KOMMEN ODER WAS DIR
SONST LIEB IST: DEINE KLEINEN /
[1R]
Mühmchen hier schreiben
auch so. Mit den Stäbchen
kannst du auch gar schöne
Figuren legen und daran das
Zählen lernen
   [2
  Zeichnungen]
Versuche zu zählen wie vielmal
I, wie vielmal II und wie viel-
mal III du hast, und wie viel
Stäbchen es immer zusammen
/
[2]
sind. Auch noch andere schöne Figu-
ren und Sachen legen meine klei-
nen Mädchen im Kindergarten
daraus. Wenn die liebe Mutter
nach Gotha fährt, mußt du sie bit-
ten, daß sie dich mit nimmt und dich,
während sie Geschäfte hat zu der lieben
Christiane in den Kindergarten geh-
en läßet, dort kannst du gar viel schö-
ne Spielchen und Liedchen lernen. /
[2R]
So flechten die Kinder, dort auch schöne Sachen
mit kleinen Streifchen bunten Papieres, ich le-
ge dir mein geliebtes Pathchen hier ein paar
Flechtblätter bei Herr Gebhard, welcher dir die-
sen Brief überbringen wird, wird dir zeigen, wie
es gemacht wird, und du wirst es leicht lernen.
Aus diesem langen Briefe, meine Marie kannst
du sehen wie herzlich lieb ich dich habe, ich hätte
dich darum schon längst besucht, denn ich habe den
Vater, die Mutter und Euch alle gar lieb, wenn ich
nur Zeit hätte; vielleicht geschieht es aber doch in
diesem Sommer. Nun lebe recht wohl, mein liebes
Kind, grüße Vatern und die Mutter von mir wie
alle die dir lieb sind und behalte auch mich lieb
    deinen treuen Pathen FriedrichFröbel
Keilhau am 28 März 47