Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 11.4.1847 (Keilhau)


F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 11.4.1847 (Keilhau)
(BN 428, Bl 127-128, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., ed. Pösche 1887, 179-181.Pösche 1887 ändert deutlich glättend ab und läßt einzelne Passagen aus. Der Brief trägt im Kopf eine Beantwortungsnotiz v. 30.5.1847.)

[Der Brief ist auf einem Bogen geschrieben, den als Randeinfassung eine stickereiartige Durchlocharbeit ziert; in das Muster hat F. auf der ersten Briefseite eingefügt:
"Arbeit aus einem Fröbelschen Kinder-Garten."]

An Fräulein Luise Frankbrg in Dred Dresden.
Keilhau am 11 Apr 47.
Liebe Luise Frankenberg
Ihre frohen und heiteren Zeilen vom 23n
Febr: aus Dresden haben mich recht
erfreut und wie ich Ihnen von Grund mei-
nes Herzens Glück wünsche zu dieser so
günstigen Wendung Ihres Geschickes, so
sage ich Ihnen auch meinen schönsten Dank
für den freundlichen Antheil welchen Sie
mich an demselben nehmen lassen. Vor-
enthalten will ich Ihnen dagegen auch mei[-]
ne Meinung nicht, sondern Ihnen dieselbe
vielmehr offen gestehen, daß Sie durch treue
Festhaltung dieser Lebensmittheilung und
Einigung, besonders durch das treue stets
ungeschwächt gepflegte, dem Menschen so
natürliche Dankgefühl, welches sich mir
in Ihrem lieben Briefe, besonders am
Ende desselben so bestimmt ausspricht,
die wahre Bedingung nicht nur zu einer
freudigen, sondern auch zu einer geseeg-
neten Entwickelung Ihres ganzen erziehen-
den Wirkens legen.
Blicken Sie nur, liebe Luise, bei dem jetzt
beginnenden sprossenden und keimenden, blüh-
knospenden und treibenden, blühenden, ja /
[127R]
schon, wenn auch nur verborgen fruchten-
den Frühling[:] überall wächst und entwik-
kelt sich alles so gesund und kräftig, so
frisch und fröhlich durch das stetige Ein[-]
und Fortwirken der Luft und des Lich-
tes, der Wärme und Feuchtigkeit, der
Sonne und der Erde. Alles gleicht einer
großen entwickelnd-erziehenden An-
stalt wo j Jedes der Erfüllung seines Be-
rufes, seiner Bestimmung entgegen
geführt wird. Alles gleicht nicht nur ei-
nem, nein, es ist ein Garten worin
Gott seine Kinder dem Ziele und Zwecke
ihres Daseyns entgegen erzieht; und ge[-]
schiehet dieß nicht überall durch ungestör[-]
ten Lebenszusammenhange? - tritt nicht
nicht [2x] gleich da wo dieser Lebenszusammen-
hang zurück tritt, sogleich auch Hemmung
der Lebensentwickelung ein?- Sehen
wir doch wie das kleinste Keimchen,
Pflänzchen und Blümchen z.B. diesen inni-
gen Zusammenhang mit Luft, Licht
Sonne u.s.w. zu erhalten sucht, was
aber diese Naturkräfte und Wirkungen
für den reinen Naturgegenstand, das
sind die Geisteskräfte, die <Gabe> Gemüthswir-
kungen für den heraufwachsenden Men[-]
schen, für das Kind. Suchen Sie sich alles
stets l. L. zum seegensreichen Wirken /
[128]
in Ihrem bekommenen Berufe in dem
ungetrübten und ungestörten Geistes-
und Gemüthszusammenhange zu er-
halten, welcher sich von Ihnen in Ihren
freundlichen Zeilen ausspricht.
Diese meine Überzeugung ist alt, sie
ist es welche an die Spitze des zur Stiftungs[-]
feyer des deutschen Kindergartens aus auf[-]
geführten Bergmannsgruß das Motto
setzte.-
"Dankbarkeit ist die schönste der menschli-
chen Eigenschaften und Erziehung zur
Dankbarkeit für das Menschengeschlecht
die beste der Wohlthaten."
Was ist aber die Dankbarkeit anders, als
die Pflege des des [2x] innersten geistigen und Ge-
müthszusammenhanges?--
Sie schreiben mir, daß es Ihnen Freude
machen werde, würden Sie mich einmal
in Ihrem Kindergarten sehen und würde
ich Ihnen dann wieder Neues mitbringen.
Beides kann geschehen und vielleicht um so
eher und um so mehr geschehen, als es mög[-]
lich, Ihnen möglich würde Ihren einzelnen
und persönlichen Wunsch zu einem Wunsch
einer Mehrheit und Allgemeinheit zu er-
heben; an Mitbringen von Neuem lebens[-]
vollen soll es nicht fehlen. Täglich wird in dem
jetzigen Lebensvollen Bildungscursus solches /
[128R]
hervorgearbeitet. Der vorige Bildungs[-]
cursus war schön, schöne Blüthen trieb
er, schöne Früchte brachte er; allein der
jetzige Bildungscursus ist noch viel schö[-]
ner, viel reicher noch an Blüthen und
reifen Früchten. Und so wird jeder
folgende Cursus auf den Schultern des
vorhergehenden stehen; aber bei Gei[-]
stes- und Gemüthstreue wird das neu
Errungene stets wieder Eigenthum der
früheren Bildungsgenossen werden.-
Sagen Sie mir hat Ihre Anstalt schon
amtlich, das h. vom Frauenschutz aus den
Namen "Kindergarten" oder haben Sie ihm nur
diesen Namen beigelegt?- Wenn das letz-
tere so sollten Sie dahin wirken, daß es vom
Verein aus geschähe es ist dieß ein unsäglicher
Gewinn; ein großes geistiges und Gemüths[-]
band mit allen Kindergärten und Kindergärt[-]
nerinnen und mit mir geht daraus hervor
sprechen Sie darüber mit Middendorffen.
Wünscht man von Ihnen Kindergärtnerinnen
jetzt kann ich den Suchenden Tüchtige nachweisen[.]
Wenn Herr Kohl eine Zahlung an Sie gemacht
hat so bitte ich solche Herrn M. auszuhändigen[.]
Auch habe ich demselben die Rechn[un]g über das von
Ihnen Erbetene u von Elisen abgegebene über[-]
geben. Er soll davon für mich eine Rechnung bezahlen[.]
Von allen die Sie in meinem Kreise kennen herzliche Grüße[.]
Stets Ihr treugesinnter Freund FrFr.-