Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Robert Felsberg in Neidschütz b. Naumburg v. 12.4.1847 (Keilhau)


F. an Robert Felsberg in Neidschütz b. Naumburg v. 12.4.1847 (Keilhau)
(Autograph nicht überliefert, BlM F 1058/52/2, 202-204, Abschrift 8° 2½ S.)

Keilhau d 12 April 1847.


Sehr geschätzter Herr Felsberg!

Sie haben mich durch Ihren lieben Brief sehr erfreut. Ihre
treue Anhänglichkeit an die Idee, den Gedanken wie an den Träger den
Vertreter derselben, ist mir so hochachtbar, besonders da Sie von
beiden noch so sehr wenig empfangen haben, daß Sie auch von meiner
Seite der treuen Pflege dieser Anhänglichkeit versichert sein können,
wie aber noch mehr von Seiten der Idee, des Gedankens die steigend seg-
nende Dankeswirkung.
Was nun zuförderst meinen so lang verschobenen Besuch bei Ihnen betrifft,
so drängte es mich in der Winterfestzeit gar sehr zu einem Besuch in Neidschütz, allein
ich durfte doch nicht dort einsprechen, da Sie, lieber Felsberg, der Ver-
mittler eines solchen Besuches verreist waren.
In meinen nächsten Lebensplan ist dieser Besuch als ein Wesentliches
mit eingewebt, deshalb möchte ich mit Ihnen darüber berathen.
Sie schreiben mir; daß Sie anfangs Mai mit Ihren Jungen wahr-
scheinlich verreisen werden; andererseits sprachen Sie doch die Hoffnung
aus, daß mich in der Pfingstzeit die schon im vorigen Jahre versprochene
Reise nach Halle auch zu Ihnen führen möchte. Sobald Sie nun
selbst wissen wann Sie reisen werden, so theilen Sie es mir bitte
mit, ich werde dann rasch antworten ob ich in der von Ihnen bestimmten
Zeit in Neidschütz sein kann.
Wegen Ihrer Thätigkeit hinsichtlich zu bewirkender Theilnahme ein-
facher, sinniger Landmädchen an entwickelnd erziehender Kinderpflege,
bin ich Ihnen sehr dankbar; denn eben, daß die Sache ins Volk und
zunächst unter den achtbaren Mittelstand komme, daran liegt mir
viel. Auch jetzt ist ein einfaches Landmädchen hier, welches nach
beendigter Unterrichtszeit eine Stelle als Kindermädchen bekommt.
Ein Haupterforderniß ist außer der schon früher genannten Eigen-
schaften
gedachten Sinnigkeit und Sittigkeit und der sich von selbst /
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verstehenden Liebe zu Kindern: ein gutes Gehör und Gedächtniß für den ganz ein-
fachen Sington nebst Singlust und Singfähigkeit, auch einige Notenkenntniß ist
nöthig. Jedenfalls denke ich im Sommer oder Herbst Sie in Neidschütz
zu sehen, sollten Sie schon in den ersten Tagen des Mai nach Dresden
gehen, so bitte ich mir zu melden wann Sie wieder zurück gekehrt sein
werden. Ich denke dann jedenfalls noch zur rechten Zeit mit Ihnen
dem Mädchen und den Eltern die Sache zu besprechen.
Daß Sie sich, wie auch HE Härter, recht gründlich mit der ent-
wickelnd erziehenden Bildung der Kinder, geknüpft an die Ent-
wicklungsgesetze derselben entsprechenden Beschäftigung vertraut
machen wollen freut mich sehr; denn denken Sie sich ein junger Kandi-
dat der Th[eo]l[ogie] aus der Gegend von Köstritz wird eine Stelle als Haus-
lehrer in Paris antreten in welcher die Kenntniß der entwickelnd
erziehenden Kinderspiele gefordert wird. -
Was Sie mir nun dagegen von Ihrer Gegend schreiben, daß die-
selben dort wenig bekannt sind, findet merkwürdiger Weise in
fast allen Gegenden Deutschlands statt; nur ein kleiner Punkt
ist es, der sich darin auszeichnet, das ist im Hildburghäuser Länd-
chen wo die Sache wirklich schon nicht nur ein Gegenstand der Schul-
lehrer Conferenzen, sondern selbst die Aufmerksamkeit der Schul-
behörde und des Consistoriums ist. Ich könnte Ihnen viele dafür-
sprechende Beweise vorlegen, einer der sprechendsten ist der, daß
zum zweiten Mai die Konferenz Kreise Römhild – Heldburg -
Eisfeld - Hildburghausen aus ihrer Mitte Abgeordnete
hierher senden werden um sich die Sache an Ort und Stelle zu
besehen und dann in einer Generalkonferenz das Weitere darü-
ber zu berathen. Bis jetzt sind mir nahe zwölf junge Schul-
lehrer angezeigt, welche diesen prüfenden Besuch bilden werden
dazu kommt auch, daß das Consistorium Hildburghausen fast
jeden der mich besuchenden Landschullehrer veranlaßt über den
Befund der Sache eine Art Reisebericht bei demselben einzusen- /
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den. Auch am Cursus betheiligen sich mehrere Jungfrauen aus Hildburg-
hausen.
Sie, sehr geschätzter Herr würden daher, ein sehr verdienstliches
Werk tun, wenn Sie Lehrer und Geistliche so praktisch als möglich
- ich sage als es Ihnen überhaupt möglich sein kann – mit der,
durch Bethätigung und Beschäftigung entwickelnd erziehenden
Kinderbeachtung und Pflege bekannt machen wollen. Sie sagen
es fehlen Ihnen dazu Thatsachen; ich habe jüngst mehreres an
Härter gesandt, lassen Sie sich dieselben mittheilen und wenn Sie
mehr derartiges bedürfen sollten, so schreiben Sie mir.
Zunächst möchten Sie mit Muße das Sonntagsblatt durchar-
beiten, ich werde Ihnen ein Ex beilegen, was ich mir später
zurück erbitte.
Sie sehen, ich muß mit Gewalt abbrechen. Grüßen Sie
achtungsvoll Ihre hochgeehrte Prinzipalschaft und schreiben
Sie bald
Ihrem Ergebenen
Fr Fröbel.