Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Poppenwind v. 3.5.1847 (Keilhau)


F. an Johannes Stangenberger in Poppenwind v. 3.5.1847 (Keilhau)
(BN Anh. 43, Bl LC 8 - LC 12, Abschriftabschrift 2 ½ B 8° 10 S. Handschrift unbekannt. In der Abschriftabschrift heißt es zwar "3. April", aus dem Briefanfang geht aber hervor, daß der Brief im Mai geschrieben sein muß. Der Abschriftabschreiber gibt als Vorlage eine Abschrift im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an. Bemerkungen des Abschriftabschreibers, die sich mit seiner Vorlage auseinandersetzen, werden, soweit sie als richtig erscheinen, hier u. in allen F.-Briefen an Stangenberger aus BN Anh. 43 analog zu eigenen Bemerkungen wie folgt aufgegriffen: Hinweise auf Auslassungen als "< ? >", Hinweise auf vermutliche Lesefehler als "[sc.: ...]".)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Herrn Stangenberger in Poppenwind bei Hldbrghsn.
Keilhau b. Rud. am. 3. April [sc.: Mai] 1847


Werthester Herr Stangenberger.
Recht leid thut es mir doch, dass das lang anhaltende schlechte Wetter uns so erschreckt und in Furcht gejagd hat dass wir geglaubt haben, es kann bis zum 1. und 2. Mai nicht wieder schön werden. Und nun gerad hat uns der Mai gezeigt, dass er doch ein freundlicherer Mann als der April sei, denn gerad am 1ten und 2ten Mai nicht allein, sondern auch schon in den 4 letzten Tagen des April war es bei uns sehr schön, so dass ich, da kein Absage Brief von Ihnen ankam in der /
[LC 8b]
gewissen Meinung war, [dass] Sie wieder mit Ihrer uns so schön gezeichneten Gesellschaft am bestimmten Tage bei uns eintreffen, da ich Ihnen zur Hauptversammlung einen schöneren und billigeren Gasthof, nemlich in Watzdorf ½ Stündchen über Blankenburg vorschlagen wollte, so war ich mit einigen meiner Schülerinnen Ihnen schon früh über den Schwarzburghof hinauf entgegen gegangen; da aber unser Hoffen zwar vergeblich war aber doch nicht nachlassen wollten [sc.: wollte], so gingen wir bis Schwarzburg. Zwar nur Wenige, so waren wir doch Fröhliche und so würden Sie einen freundlichen Willkommen gehabt haben. /
[LC 9]
Auf unserm Rückweg kam uns Herr Widdendorf [sc.: Middendorff] mit Herrn Siffert [sc.: Seiffert ?] und den übrigen Schülerinnen entgegen, in Ihrer [sc.: ihrer] Gesellschaft waren noch 5 Lehrer aus Saalfeld, welche mehr noch als ich verwundert waren, einen Metzgersgang gethan zu haben. Nun wurde nochmals im Schw. Hof eingekehrt und wir waren noch einige Stunden in heiteren Gespräche[n] fröhlich zusammen. Auf meine Einladung versprachen die Herren aus Saalfeld des anderen Tages, weil Sie [sc.: sie] einmal dazu Urlaub erhalten hatten, doch nach Keilhau zu kommen.
So geschah es und zu Ihnen [sc.: ihnen] hatten sich nach früherer Ver- /
[LC 9b]
abredung noch 6 andere Lehrer gesellt.
Indem Herr <Heinneshagen>, wie er eigentlich nach der Bemerkung auf Ihren Briefe doch gesollt hatte - nicht in [sc.: im] Schwarzburger Hofe eingekehrt, sondern seinem Ziele entgegen vorbei geeilt war, so erfuhr jetzt erst die Gesellschaft zu ihren Bedauern die Gründe [für] Ihrer [sc.: ihrer] aller Aussenbleiben.
Um der Gesellschaft wenigstens einen schnellen Überblick über das Ganze der Spiele wie über die einzelnen derselben zu geben, hatte ich das Ganze im Zusammenhange in unsern Gesellschaftssaale dargelegt und so viel es die Kürze der Zeit erlaubte dachte /
[LC 10]
ich die Gründe, das Wesen, den Zusammenhang, das Ziel dieser Spiele in einen 2½stündigen Vortrag wenigstens anzudeuten. Ob diese Andeutungen nun verstanden worden sind und Eingang gefunden haben, das werden Sie künftig am bestimmtesten hören[.]
Der Verabredung mit unsern [sc.: unserm] Herrn Schullehrer in Eichfeld und der Erlaubniss von Seite[n] unserer Schulbehörde gemäss spielten und beschäftigten wir uns nun von
3-5 mit den Kindern in Eichfeld theils in der Schule mit Formen- und Gestaltungsspielen, theils im Freien mit Bewegungs- und Ballspielen rc. /
[LC 10b]
Alle und alles fühlte sich durch das frohe frische Leben der Kinder hoch erfreut und da nun auch der Körper wieder einige Erfrischung forderte, so ging der ganze Zug nach Schmala einen Filialdorf von Eichfeld, eine ½ Stunde von diesem auf der Strasse nach Rudolstadt und somit auch nach Saalfeld gelegen.
Hier wurde nun die Sache noch rege hin- und her gesprochen; da hatte [sc.: hätte] ich Sie nun sehr gern unter uns gewünscht, denn es gab auch manche halbe Ansicht zu berichtigen und so w[eiter] aber auch schnelles Eingehen und kräftiges Eingehen gab sich, wo die Lebenserfahrung Führerin war /
[LC 11]
zur Freude Bund; und war Freude Befriedigung Heiterkeit und Lust die Stimmung und der Ausdruck des Ganzen.
Da sich nun das Leben auch hier bewährte als das was es ist als ein Leben des Krieges und des Friedens, so gab ich hier eines unserer Spiele, eben ein Kriegs[-] und Friedenspiel zum Besten, was mit grossen Jubel im Tanzsaal des Gasthofes ausgeführt wurde. Uns rief die Tischzeit des Nachtessens zurück, es war 7 Uhr vorbei. Die andere Gesellschaft hier ist noch bis gegen 10 froh und heiter mit einer Anzahl Keilhauer Lehrer d. Herren <Barose> in Schmala zusammen gewesen, wo /
[LC 11b]
Frohsinn und Heiterkeit sie so lang vereint hielt. Auch unser Herr Cantor und Herr Pfarrer fehlte nicht, und wenigstens ahnen liessen sie mir [sc.: mich] welch schöne Gesänge sie noch hatten ausführen können.-
Nun aber wegen der nächsten Zusammenkunft. Nach Pfingsten werde ich - wie es jetzt scheint schwerlich in Keilhau seyn, auch haben wir ziemlich die ganze Pfingstwoche Ferien, doch will ich Ihnen nächstens darüber bestimmt schreiben. Hätten Sie freilich mit Ihrer Gesellschaft Himmelfahrt kommen können kommen, so wäre es schon [sc.: schön] gewesen. Den Saalfeldern hat es so wohl gefallen, dass sie vielleicht /
[LC 12]
zu Himmelfahrt in Gesellschaft von Frauen eine Parthie nach Eichfeld, Keilhau und Schmala (als Standpunkt) machen.- Johannis werde ich auch wohl noch abwesend seyn.- Können Sie aber mit Ihrer Gesellschaft unmittelbar nach Pfingsten, wo wir Sie dann in Schwarzburg abholen könnten, und leisten Sie auf den Unterricht in der Keilhauer Knaben Erziehungsanstalt Verzicht, sondern wollen Sich blos mit den Beschäftigungen u. der Spiele [sc.: den Spielen] der Kinder begnügen, so würden Sie mich dann noch finden, nur müsste ich es mit Bestimmtheit wissen und die Bestimmung müsste fest gehalten werden. Meine /
[LC 12b]
Schülerinnen sind aber dann bis höchstens auf Amal. Krüger, alle abge[reist.]
Ihnen diess in grösster Eil, damit Sie Ihren Plan machen können.
Um möglichst baldige wie bestimmte Antwort bittet der Ihrige
Friedrich Fröbel