Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Therese Langguth in Hildburghausen v. 19.5.1847 (Keilhau)


F. an Therese Langguth in Hildburghausen v. 19.5.1847 (Keilhau)
(Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Handschriftenabteilung, Atg. 15301, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)

Fräulein Therese Langguth in Hildburghausen
Keilhau bei Rudolstadt am 19 Mai 1847.


     Liebe Therese.

Gestern habe ich vom Herrn Schwalbach, Vorsteher einer
Knabenerziehungsanstalt in Darmstadt auf meinen
Vorschlag Ihrer zu der offenen Stelle einer Kinder- und
Spielführerin in seiner Anstalt, eine eingehende Antwort
erhalten. Ich freue mich nun gar sehr Ihnen solche wiederum
so bald zukommen lassen zu können. Leider habe ich in
meinem vorigen Briefe an Herrn Schwalbach das Reise-
geld oder vielmehr den Ersatz und die Wiedererstattung der
Reisekosten zu erwähnen vergessen; da nun auch Herr
Schwalbach diesen Punkt nicht besonders erwähnt, sondern
er nur die Geldbestimmungen im Vergleich mit einer ande-
ren mir bekannten Kinder- und Spielführerin festsetzt; so
habe, ich heut sogleich wieder an Herrn Schwalbach in die-
ser Beziehung geschrieben und um baldigste Antwort
gebeten. Ich zweifle aber keinesweges daß er [auf] diese allgemein
bekannte Bedingung auch eingehen wird, da er Ihnen alles
das zusichert was einer früher von mir nach Darmstadt
in eine andere Anstalt Empfohlenen von der Vorsteherin
derselben (:Madme Bruêre (sprich Brüare) :) gewährt wurde
nemlich bei völlig freier Station für das erste Jahr 50 
Gulden Rhei[nisch] und in Folge nach Maaßgabe der Leistungen
entsprechende Zulage. Da nun wie ich schon erwähnte
Madm Bruêre, das Reisegeld für ihre Gehülfin (:es ist die
im folgenden Briefe erwähnte Frl. Ackermann:) erstatte-
te, so zweifle ich nicht, daß es [in] gleicher Weise auch Herr
Schwalbach thun wird. Wie die Antwort bei mir eingeht
werden Sie solche von mir erhalten. Jedenfalls thun Sie aber /
[1R]
wohl, wenn Sie mit Ihren lieben Eltern oder sonstigen Ver-
wandten Rücksprache nehmen, daß man Ihnen die Reise[-]
kosten einstweilen vorstreckt um solche nach Rückzahlung
derselben auch wieder zurück erstatten zu können.
Wenn Sie mir wieder schreiben so bitte ich erstlich <mir>
zu bemerken: - welches der nächste Reisepostweg
nach Darmstadt ist, und zweitens: wie hoch sich ohnge-
fähr die Reisekosten belaufen werden. In der Post-
expedition können Sie solche gewiß leicht erfragen; -
Damit Sie selbst urtheilen können, was in dem neuen Ver[-]
hältnisse von Ihnen erwartet wird, so will ich mir
die Mühe nehmen und Ihnen Herrn Schwalbachs jüng[-]
sten Brief wörtlich abschreiben:
"Indem ich Ew: W. somit den Empfang Ihres Geehrten anzei-
"ge, theile ich Ihnen mit, daß ich mit Vergnügen dem Eintritte
"einer Lehrerin entgegen sehe, wenn derselbe unter denselben
"Bedingungen wie bei Frl. Ackermann erfolgen könnte, (:
Ich habe Ihnen nun schon ausgesprochen, daß diese bei freier
Station, also Kost, Wohnung Wäsche pp das ersteJahr 50 
fl. und Ersatz der Reisekosten, im zweiten Jahr aber 60 
fl. erhalten hat:) - "nur müßte meine Lehrerin auch eine
"zweite Ackermann seyn, in welcher Beziehung ich in Ew: W.
"unbedingtes Vertrauen setze, da Sie über dieß durch Frl.
"Ackermann meine Wünsche kennen werden. Was nun noch
"den Gehalt insbesondere anbelangt, so werde ich tüchtige
"Leistungen durch entsprechende Gehaltszulage zur Zeit zu
"würdigen wissen.- Meine Anstalt ist eben noch schwach
"u. reicht so wenig an Honorar aus, daß ich immerhin noch
"einige Zeit zulegen muß.-
"Meine Lehrerin könnte mit Frl. Ackermann zugleich ein-
"treten; doch könnte, wenn es nicht möglich wäre, auch der /
[2]
Eintritt noch einige Zeit anstehen."
"Darmstadt am 16 Mai 1847.     "Schwalbach".
Wegen Ihrer Leistungen habe ich nun denselben, im Ver-
trauen auf Ihren Unterricht, Ihren Fleiß, Ihren guten
Willen, Ihre Kraft und Ihr mir wiederholt gegebenes
Versprechen beruhiget, so daß ich gleichsam für Sie als
Bürge eingetreten bin und ich zweifle nicht, Sie wer-
den mich lösen.
Frl. Ackermann aus Blankenburg, die eben hier
bei I ihrer Mutter zum Besuche ist, wird Donnerstag
nach Pfingsten nach Darmstadt in ihre Stelle bei
obengenannte[r] Mdm Bruêre zurück kehren; dieß
würde also wohl für Sie zu bald seyn; auch reiset
diese über Gotha, welchen Weg aber Sie nehmen werden
muß ich erst von Ihnen hören, jedenfalls wohl über
Frankurt a/m, von wo aus Sie dann mit der Eisenbahn
bis Darmstadt reisen werden.
Jetzt muß ich eiligst schließen damit der Brief
möglichst bald in Ihre Hand kommt; ich hätte Ihnen
wohl noch e Einiges zu schreiben, dieß muß ich aber
bis zum nächsten Brief aufschieben.
Mit freundlichen Gruß an Ihre l. Eltern
Ihr
väterlicher Freund
FriedrichFröbel

NB. Wenn Ihnen von Neustadt noch ein Antrag geschehen
sollte, so verweisen Sie die Antragenden wegen
Nachweisung einer Kinderführerin an mich.