Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Therese Langguth in Hildburghausen v. 28.5.1847 (Keilhau)


F. an Therese Langguth in Hildburghausen v. 28.5.1847 (Keilhau)
(Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Handschriftenabteilung, Atg. 15302, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Fräulein Therese Langgut[h] in Hildburghausen.
Keilhau bei Rudolstadt am 28/V 47.

Meine liebe Therese.
Gewiß haben Sie schon seit einigen Tagen von mir
Antwort auf Ihren lieben Brief vom 23' d. M. erwar-
tet; auch hätten Sie solche nach meinem Wunsche gewiß
erhalten, wenn sich die Forderungen des Lebens nicht zu
sehr zusammengedrängt hätten, was ich Ihnen freilich nicht
alles zu meiner Entschuldigung aufzählen kann; allein
zwei Sachen hielten mich besonders ab: ein Arbeiter mit
welchem ich einige Tage thätig war um auch die Lebens- und
Schönheitsformen so ans der 4en Spielgabe so anschaulich
darzustellen, wie die der 3en Gabe welcher Sie sich viel-
leicht noch erinnern; dann eine kleine zweitägige Reise
nach Oberweißbach um dort mit einer Schülerin meines
jüngsten Cursus - mit Frl. Auguste Steiner wegen
ihres Eintritts als Kindergärtnerin in

"Luthers Kindergarten in Marienberg"
          im ObernErzgebirge
die nöthige Rücksprache zu nehmen. Auch diese für die Sache
der Kindheit gleich Ihnen begeisterte Jungfrau wird viel[-]
leicht zu gleicher Zeit mit Ihnen in ihren neuen Wirkungs-
kreis eintreten.-
Herrn Schwalbach habe ich nun auf den Ihnen abschrift-
lich zugesandten Brief geantwortet daß Sie un-
ter folgenden Bedingungen demnächstens eintreten
würden 1) für das erste Jahr 50 Gulden Rhein. Gehalt
2. völlige freie Station, Wohnung, Kost, Wäsche rc,
3. gegenseitige vierteljährige Aufkündigung des
Verhältnissen [sc.: Verhältnisses] 4.) Ersatz der Reisekosten.- /
[1R]
Zwar hat mir nun Herr Schwalbach, wie ich mir erbat,
auf den letzteren Punkt noch nicht geantwortet; allein
er versteht sich so von sich selbst, [er] hat mir ja auch aus[-]
gesprochen, daß er Ihnen dieselben Bedingungen er-
füllen würde, welche Frl. Henriette Ackermann früh-
er von ihrer Vorsteherin erfüllt worden sind; deß-
halb, können und mögen Sie nun in Gottes Namen
zum Antritt Ihres neuen Berufes abreisen.-
So eben habe ich Henriette Ackermann wieder zur
Post begleitet um in ihre erziehende Wirksamkeit nach
Darmstadt zurück zu kehren. Hätte ich Zeit gehabt
Dich Sie von dieser Reise zu benachrichtigen so hätten Sie
vielleicht von Gotha aus mit derselben reisen können;
allein es hat auch auf der anderen Seite sein Gutes
wenn Sie die Reise allein machen, Sie treten da-
durch sogleich etwas selbstständiger auf, was für
das Leben auch sein Gutes hat. Wie Sie nun
die Reise am Besten einzurichten haben, dieß muß
ich Ihnen ganz überlassen, ob über Gotha Ei Vach
und Fulda, oder über Würzburg. Ihr lieber Vater
bespricht dieß am besten mit einem unterrichtetem
Postbeamten.- Aber eben lese ich es ja selbst wieder
Sie haben dieß schon gethan. Von Hildburghausen bis
Frankfurt ist es freilich etwas theuer; denn Therese [sc.: Henriette]
Ackermann bezahlt von Gotha bis Frankfurt a/m <nun>
5 3/4 fl.- Und von Hildburghausen bis Gotha kann
ja das Postgeld nicht 11 fl. betragen. Nun nehmen
Sie nur die Postscheine mit, um damit zu belegen;
ich habe schon 20-25 fl. Reisegeld oder Kosten
für Sie in Anschlag gebracht.-
Sie wünschen ein Ex: Mutter- und Koselieder.
Es ist für Sie gar sehr heilsam wenn Sie ein voll- /
[2]
ständiges Exemplar besitzen und wenn Sie dann das
Buch in dreifacher Beziehung wirklich studieren
erstlich die Spielchen recht lebenvoll aufzufassen
und aufzuführen und dieß wieder in doppelter Art
einmal mit den Händen und durch die Finger, dann mit
den Kindern selbst, wie Sie ja dieß von Spielchen ver-
schiedener Art: - den Fischchen - dem Taubenhaus -
den Täubchen u.s.w[.] kennen. 2) Die Stirnsprüche,
welche praktische Erziehungswahrheit erhalten mit
Prüfung und Anwendung durchzugehen. Stirnsprüche
werden auch Motto genannt. 3) ist es besonders
für Sie wichtig, die Erklärungen zu den Randzeich[-]
nungen wiederholentlich zu lesen, damit Sie dadurch
Mittel und Weise die Kinder erzählend zu unter[-]
halten und zu belehren, ja bildend u erziehend auf sie
einzuwirken, dadurch bekommen.
Ich sende Ihnen das Buch von hier aus mit der
Post, damit Sie solches sogleich bei sich haben. Spiele
sende ich jetzt nicht nach Darmstadt, weil ich schon
ein Lager derselben in Darmstadt

bei Frl. Ida Seele in der Kleinkinderschule
           daselbst habe.
Dort können Sie und Herr Schwalbach auch bekommen
was Sie wünschen und die Anstalt bedarf[.]
Frl. Ida Seele können Sie selbst - wenn es anders
sonst den Verhältnissen nicht entgegen ist, was
Sie bald sehen werden auch persönlich besuchen u.
ihr dann einen Gruß von mir bringen. Frl.
Ida Seele kennt auch Sie schon dem Namen nach.
Besonders empfehle ich Ihnen Madme Brüär, [sc.: Bruère]
Ich hoffe Sie [sc.: sie] wird als eine Mutter gegen Sie handeln,
Haben Sie Vertrauen zu dieser Frau; ich habe Sie /
[2R]
derselben heute in einem an dieselbe gesandten Briefe
väterlich empfohlen; auch wenn Ihnen ein körperliches
Unwohlseyn zustoßen sollte, wenden Sie sich mit kind[-]
lich töchterlichen Vertrauen an diese erfahrene Mutter.
Auch der Gattin des Herrn Schwalbach habe ich Sie
heut schon empfohlen und werde es noch in ein paar
hier beizulegenden Zeilen thun.-
Zu den Koseliedern habe ich noch einen gegliederten
Stab
zur Darstellung und Umwandlung verschiedener
Winkel, Flächen und anderer Formen und Figuren
beigelegt; ich glaube, daß diese Art der Beschäftigung
Anschauung Sprach- und Sprechübung Herrn Schwalbach
in Beziehung auf seinen Zweck bei seinen kleine-
ren wie bei seinen größeren Knaben sehr zusagen
wird; suchen Sie sich nur selbst recht damit bekannt
zu machen; erinnern Sie sich dessen Gebrauch
nicht mehr so kann Ihnen Henriette bei Madme
Brüäre dabei mit Rath zur Hand gehen; für welche
ich hier, das ihr versprochene Exemplar auch bei-
lege.-
Könnten Sie in Hildburghausen ein- oder 200 
Hundert Holzspäner zum Schränken bekommen
so wäre es gut, wenn Sie solche mitnähmen
weil Sie dann dort gleich Materiale, d.h. Stoff
zur Beschäftigung in der Hand hätten; jedoch noch[-]
mals gesagt - bei Frl. Ida Seele in der Klein[-]
kinderschule in Darmstadt ist ein Lager von mir
dorthin kann S sich Herr Schwalbach oder Sie mit
ihren [sc.: Ihren] Bedürfnissen wenden. Was diese nicht
mehr vorräthig hat, sende ich Ihnen d. heißt Herrn
Schwalbach auf dessen Anfordern schnell.-
- Können und wollen Sie mir die Zahlung für das
beikommende Buch in den nächsten Tagen nach Gotha /
(Briefschluß auf den Rändern von 2R/2V/1R/1V)
an Christianen S senden, so geschieht mir ein Gefalle, weil ich über Gotha nach Halle 
reise und man auf der Reise immer Geld bedarf; wo nicht so senden Sie es mir
später nach Keilhau. Nun Gott sey mit Ihnen auf Ihrer Reise und führe
Sie gesund und heiter an den Ort Ihrer seegensreichen Wirksamkeit. Grüße[n] Sie ihre [sc.: Ihre] l. Eltern
Fr Fröbel