Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Superintendenten Schumann in Annaberg i.S. v. <23>.6.1847 <(Halle)>


F. an den Superintendenten Schumann in Annaberg i.S. v. <23>.6.1847 <(Halle)>
(BN 645, Bl 1-2, undat., korrigierte und vielfach erweiterte Reinschrift mit Entwurfsstatus, 1 B fol 4 S. Datierung nach F.s Brief an Stangenberger v.23.6.1847 aus Halle: Erwähnt wird 22b das Treffen mit Sup.Intendent Schumann und anderen Geistlichen / „Prediger Conferenz“ in Annaberg - ca 17./18.6. - auf F.s Rückweg seiner Reise nach Marienberg, wo F. am 9.6.47 Auguste Steiner als Kindergärtnerin einführte, - vgl. auch F. an F. Schmidt v. 14.10.47, 209R. F. traf am 21.6. in Halle ein und hat dort, möglicherweise an einem „Korrespondenztag“, neben dem Brief an Stangenberger und an Luise Levin am 23.6. auch den Brief an Schumann geschrieben.)

      Hochwürdiger Herr Doctor,
Hochverehrter Herr Superintendent.

Vor allem Ihnen meinen wärmsten Dank für Ihr freundliches Entgegenkommen bei meiner
Durchreise durch Ihr schönes und liebliches Annaberg. Die dort durch Ihre Güte verlebten Stunden
stehen wie ein Blumen-reicher und duftender Lilienstengel in dem sorgsam von mir gepflegten Garten
meiner Reise- und Lebenserinnerungen; denn durch die besondere Gunst der Umstände und ganz na-
mentlich Ihrer, sie pflegend ergreifenden Beachtung derselben wurde ja dem Gedanken, dessen Verwirk-
lichung und Ausführung mir Lebensaufgabe, Lebensziel ist, nicht nur eine so eingehende, sondern über-
dieß so erhebende und ermuthigende Aufmerksamkeit, wirkliche Theilnahme ja Anerkenntniß
zutheil, wie in einem solchen Kreise stimmberechtigter Männer ihm wohl noch nicht das
Glück geworden ist. Nach meiner, sich nun schon, wie man zu sagen pflegt, durch mehr als Zwei
Menschenalter hindurch rechtfertigenden und bestätigenden Lebenserfassung - daß durch die
Weisheit, Güte und Vaterliebe Gottes nichts in der Welt vereinzelt steht und nichts ver-
einzelt geschiehet, sondern alles zuletzt zur Darstellung des großen Lebenseinklanges, der
Offenbarung der allbeglückenden, die denkenden Wesen beseeligenden Lebenseinigung, also
zuletzt zur Auflösung aller Widersprüche förderlich und dienlich seyn muß, nach dieser Lebens-
ansicht nun, wofür ich nicht nur geistig, sondern auch in den Erscheinungen und Thatsachen des
Lebens, bis ins Kleinste hin die Belege schaue - kann ich nun den, durch Ihre pflegende Güte
in Annaberg verlebten schönen Nachmittag nicht nur nicht vereinzelt sehen, sondern ich muß ihn
sogar in einem großen - das Wichtigste was jetzt die Zeit und namentlich uns Deutsche be-
wegt - umfassenden Lebenszusammenhange schauen. Ja ich muß sogar diesen Nachmittag Stunden, ihn in ihren innersten Ursachen und dadurch möglichen Folgen als so geseegnet
betrachten erkennen, daß in der richtigen Beachtung und sorgsamen Pflege derselben, von einem der geistigsten Punkte aus
sich die Keime die zur Lösung unserer vielseitigen Lebensforderungen u Aufgaben in ihm ruhen - sich entwickeln werden[.]
Und welches ein Seegen wäre dieß für Ihren schon Umfaßten Wirkungskreis Ihr besonderes Heimats- für unser Gesammtes Vaterland. - Können Sie
sich, mein Hochwürdiger Herr Dr. und Hochverehrter Herr Superintendent von der einen Seite nun mit Recht wun-
dern wie ein Mann, von welchem man seinem Alter und somit seinen Erfahrungen nach
mit Grund fordern kann, daß er das Leben so kalt als klar durchschaue, daß einer so
kleinen zufälligen Begebenheit eine solche Bedeutung geben könne; allein diese Anschauung
ist tief in dem Gesetz aller Lebensentwickelung gegründet: - keimt, wächst u blühet nicht alles aus dem Kleinsten u unscheinbarsten hervor? ein scheinbar zufälliger
Sonnenblick erschließt so eben die Blüthenknospe, doch daß dieß dem Sonnenblick er[st]
jetzt möglich wurde hatte seinen Grund in dem stillen und verborgenen längst thätigen gesetzmäßigen Zusammenwirken all[er]
cosmischen Kräfte; so, mit dem frischen und freudigen Hervorblühen des Gedanken[s]
früher entsprechender, entwickelnd-erziehender Kinderpflege, Kinder- und Jugendbildun[g]
an jenem schönen Nachmittage im freundlichen Annaberg. Ein großes stilles und verborgenes aber längst thätig[es] gesetzmäßig[es] Zusammenw[irken] /
[1R]
von Lebensbedingungen setzt dieß voraus, aber auch wie ein fortgesetztes sinnig pflegendes Beachten derselben
fordert es nun auch damit nun die Blüthe auch Frucht bringe, damit das Angebahnte erreicht werde, der Keim sich entfalte zur
lebenvollen Gestalt.- Lassen Sie uns dieses Zusammenwirken günstiger Lebensthatsachen ein
wenig andeuten, denn es ist nicht nur überhaupt der Beruf und die Bestimmung des Menschen, daß er mit
Einsicht und Bewußtseyn förderlich in die thatsächlich vorliegenden Verhältnisse zu seinem, zu sei[-]
ner Familie, zu seines Volkes und der Menschheit Heil eingreifen soll, sondern es ist dieß noch
ganz ausdrücklich die Forderung der jetzigen Zeit, der jetzigen Entwicklungsstufe des Menschen-
geschlechtes, daß der Einzelne und durch diesen [sc.: diese] Gesammtheiten ja das Ganze mit klarem Bewußtseyn mit Selbstwahl
und Selbstbestimmung förderlich in das, nach ewigen Gesetzen sich entwickelnde Leben, zum Wohle
des Einzelnen und des Ganzen eingreifen soll: Wie der Mensch im männlichen Alter alles
mit klarer MannesEinsicht und durchleuchtenden [sc.: durchleuchtendem] MannesBewußtseyn, so mit <solchem> Muth und <solcher> Ausdauer rc thun soll, so
halte ich dafür, daß die Menschheit auf und in der gegenwärtigen Entwickelungsstufe in welcher wir gegen-
wärtig mit ihr leben
, ebenso auch alles mit voller Menschen geiste[s] Durchsicht und vollem geistes Bewußtseyn
thun sollen. Diese Anforderung nun aber, die sich an das Menschengeschlecht in der jetzigen Zeit
überhaupt
ausspricht, spricht nun aber besonders zu uns Deutsche - der Lage nach spricht
sie zu uns Mitteldeutsche, - der Entwickelungsstufe nach redet sie besonders zu uns prote-
stantischen Deutschen - und hier so sehe ich es spricht sie besonders klar zu den auf klaren
Höhen wohnenden, zu den protestantischen Gebirgsbewohnern unsers deutschen Vaterlandes. Was man auch sage: Kopf und Herz, Gemüth
und Geist durchdringen sich bei der Masse des Volkes hier noch am meisten in tüchtigem
Thun in kräftiger That.- Die Gebirgsbewohner haben in der jüngsten Zeit besonders viel durch
Noth gelitten. Allein die Masse des Volkes thut leider nur wenig ohne unausweichlich dazu gedrängt
zu werden besonders thut merkwürdiger Wei aber doch auch wieder erklärlicher Weise die Masse des Volkes ohne dazu gedrängt zu werden nur wenig zur Anerkennung, Pflege und Ausbildung seiner geistigen Güter, und so erscheint
mir die Noth besonders auch in unsern Gebirgsgegenden als ein Gottgesandter welcher den Menschen zur Anerkennung und Darstell-
ung seiner so hohen Geistes[-] und Gemüthsgaben, seiner Seelenwürde führen soll. Sie sehen also daraus wohin wir mit dem Beginne einer so allgemeinen als unerläßlich geforderten Lebensverjüngung u
Lebenserneuung nach Zeit u Ort gewiesen werden, auf die Beachtung der hohen gesammten Lebensbedürfnisse unserer Gebirgsbewohner
gerad in der jetzigen Zeit. - Allein diese
höhere und höchste Lebensansicht muß schon von Anderen gewonnen seyn, damit der von Gott gesandte Engel
der Noth in seinem Wollen dem Volke gedeutet werden könne. Allein Doch nicht nur deuten müssen
sie können diese Einsichtige<r>n, sondern auch zeigen wo und wie diese Geistes[-] und Gemüthsgaben noch in un[-]
zertrennter Einigung zu finden sind und zu schöner kräftiger Lebensgestaltung hervorgebil-
det werden können; und kann nun nur wieder der ächte, christlich protestantische Geist[-]
liche, durch den Tiefblick und die bestimmten Aussprüche seines Meisters geleitet, das geistige Wesen in seiner noch mög[-]
lichst
ungestörten <Einigung> (:wenigstens noch nicht ins volle Bewußtseyn getretenen Trennung:)
nur im Kinde erschauen und pflegen so sehen wir, daß es Gesetz und Lebensforderung ist, daß die ächte Lebens<erneuung> und Verjüngung, die wahrhafte
neue Lebensgestaltung von der entsprech[end]sten frühesten Kinderbeachtung ganz besonders der ächt durchgebildeten protestantischen Geist Gemüth u Leben <eingezeichneten> Denken Fühlen u Handeln wie gemeinsame[s] Bewußtseyn anerken[nen]den
Geistlichen der Gebirgsbewohner und ihrer noch zarten Kinder
wo sich jene Einigung wenn auch im rohen <hüllen> u harten Kernen, doch noch am meisten findet ausgehen muß; <Dieses> pflegen ist aber = entwickeln, ächtes <Entwickelnden sein[s]> Forderung ist erschauen = erziehen. Leben, Handeln = Thun <allein>. Solche Bildung
nun durch entwickelnde Erziehung, somit an der Hand der schaffenden Selbstthätigkeit
des Kindes ist aber, wenn man alles vergleicht und zusammen nimmt, immer noch am leichtesten, bei
den, wenn auch beziehungsweise ärmeren, darum aber auch bedürfnißloseren
Gebirgsbewohnern auszuführen. Den Armen ist das Himmelreich; diese Wahrheit
hat nach meiner Überzeugung auch einen Werth für das äußere praktische Leben.- /
[2]
Darum nochmals Hochwürdiger Herr Dr. und hochverehrter He. S. es ist meine tiefste, auf allseitige vergleichende Lebensprüfung gegründete Überzeugung
eine ächte so gründliche als durchgreifende Lebenserneuung u Verjüngung muß von der Wirksamkeit ächt protestantischer den inneren Zusammenh[an]g u die Wechselw.
des himml. u irdischen des Geistigen u natürl.
des Göttl. u menschlichen nicht blos durchschauender
sondern auch im Leben in Einigung pflegender Geistlicher der Gebirgsbewohner ausgehen. Die Lebens
Einigung geht von der richtig erfaßt werdenden -
entwickelnd erziehenden Bethätigung der Kindheit aus; dieß ist aber nur durch
eine Klärung, Veredlung, Kräftigung Gesundung des Familien Lebens mögl. - dieß
ist aber wieder den ächt protestantischen Geistlichen am ersten gestattet, er ist Miter-
zieher in den Familien in Familiengärten; durch die Ausführung von Kindergärten
- in dem ächt christlichen - protestantisch <Geist> derselben eingedrungen kann derselbe regen und verstärkend veredelnd in die Familien wirken
in die Familien Erziehung eingreifen.
Ja ich möchte sagen Gott
hilft durch die Natur ihm
selbst in seinem Geschäfte
Je mehr er als ächt
protestantischer Geistl.
Gott selbst in der Natur
u im Leben verstehet
denn das Kind findet sich
in der Gebirgsnatur
wieder in einem ächten
Gottesgarten - ihm Para-
dieß, machen wir daß
es darin das Gute
und Böse erkenne und
unterscheide an u. in den
Gewächsen als Ganzes den Baum der
Erkenntniß des Guten u Bösen
jenes als die Lebens<feinde> dieses als die Lebens<freund[e]> erkenne
nicht nur unterscheiden sondern
pflegen das
auch das Erstere meiden lerne ehe
die Reue
der mit Bewußtseyn voll-
brachten bösen Feindes That die Kraft
zum eigenen Thun schwäche[.]
Sehen Sie hochverehrter
He. u Freund, das ist
die Bedeutung u das Ziel
der Kindergärten mit all seinen Spielen u Bethätigungen und
dem Kinde des Gebirgsbe-
wohner[s] ist noch die gesammte
umgebende Natur ein
Kindergarten ein ächtes
GottesParadies -
Auf lassen Sie es uns ihm
mit allen Ihren Herrn Amts-
brüder[n] ihnen zur gesegneten
u allgemein ersehnten Lebens[-]
erneuung ihnen <deuten> u so bewahren[.]
Überdieß ist nun, hochverehrter Herr Superintendent, Ihre und, wie ich vermuthe noch
ma[n]che Ihrer Herrn Amtsbrüder Wirksamkeit keinesweges in einem armen sondern
mehr wohlhabenden Orte, ja was Ihre besondere Stellung betrifft sogar in einer reichen
Stadt.
Wenn ich nun diese freilich - durch meine augenblick[lich]e Gestörtheit im Leben - etwas sehr un-
vollkommen angedeuteten inneren und äußeren Forderungen des Lebens und deren eben
solche
gleiche Bedingungen wie sie sich zu ihrer genügenden Erfüllung wörtlich verhalten zusammen nehme, Sie nun noch besonders in der Mitte Ihrer
und in der Mitte der Ihnen zu Gebot stehenden geistigen und anderen Kräfte und Mittel
schaue, so kann ich es nicht nur als kein Ohngefähr sondern ich muß es im Gegentheil als
die Erscheinung den Ausdruck und die <Kundmachung> eines großen in sich innig einigen Zusammenklanges und Wirkens des
Lebens erkennen, daß mich mein Weg gerad an jenem Tage zu Ihnen führte.
Und sagen Sie selbst h[och]verehrter Herr Superintendent, wenn Sie das was Ihre Güte ich mir erlaubte an jen[em] Nachmittag
mündl. wie auch wieder schriftl. hier freilich nur andeutend auszusprechen - nun aber sich gegenseitig erklärend
vereinigen müssen Sie nicht selbst erkennen die Umstände u Verhältnisse sprechen so klar so bestimmt
für den Beginn einer Lebensverjüngung, auf den [sc.: dem] Grund entwickelnd erziehender Kinderbethätigung u <Hand[elns]>
in der Gesammtheit Ihrer amtlichen u persönlichen Wirksamkeit, daß man die Hand einer liebend leitenden
Vatergüte, Weißheit u Liebe darin gar nicht verkennen kann; diesen großen fried[-] u freudvollen
darum Zweck dienlichen Lebenszusammenhang zur überhaupt zur wahren Kundmachung Offenbarung des Wesens des Ganzen des in sich Einigen
wie des Einzelnen überhaupt zur, dieß ist es aber was des Menschen Herz Gemüth, Gemüth in all seinem Thun u durch <Schaffen[n]>
<abe[r]> er als Einzelner wie jedes Volk u die Menschheit als ein Ganzes ersehnt. Auf lassen Sie uns die von einer liebendleitenden Vorsehung gegebenen Verhältnisse dazu
benutze[n], lassen Sie uns hochverehrter Herr [u] Freund
dazu gegenseitig die Hand bieten u reichen - Es ist dieß die Thatsache der christl. Liebe, der Liebe in Christus.
Ich habe mir an jenem gewiß für Gegenwart u Zukunft seegensreichen Nachmittag erlaubt mehrere, sich gegenseitig fördernde
u bedingende Gesetze anzudeuten an welche die Entwickelung des Lebens seinem Ziele u Zwecke ent-
gegen unerläßlich gegründet ist; zu an die dort genannten reihte sich noch dort nicht genannt als eines der wesentlichsten
aber noch nicht an: - daß alles das, was später von dem Verstande u der Vernunft aus erkannt, mit klare[r] Ein-
Um- u Durch- u Übersicht - also mit vollstem klaren Bewußtseyn u Überzeugung zum Heil u Wohle
des Ganzen wie des Einzeln[en] geschehen soll, sich unbewußt wie eine Naturnothwendigkeit
in das Leben gleichsam wie ein Fund, ein Gefundenes in das Leben hineinragt - es ist
dieß das Wesen der ächten immer von neuem wiederkehrenden Gottesoffenbarung - Offenbarung
Gottes in seiner bleibenden unverkürzten u ungeschwächten Vatergüte u [-]liebe, für welche
aber leider um sie auch jetzt noch zu erkennen der Blick so vielseitig getrübt ist. Ein solcher
Fund eine solche Gottesoffenbarung ist die Stiftung u Gründung des als Lutherstift begonnenen
"Luthers Kindergarten" in Marienb[er]g. - Es ist dieß ein gleichsam mit Nothwendigkeit - wie
früher das Silber bei Annaberg - sich hervordrängendes Naturgewächs des Obern Erzgebirges
um die Forderung kund zu thun die frühe pflege der Kindh[eit] den Prostestanten durch die <Verknüpfung> [Text bricht ab]
Ohne ich muß es zu meiner Beschämung bekennen ein Marienb[er]g noch einen Herr Sup. Schneider zu kennen wandte sich der[-]
selbe mit Bitte <um> Rath u That an mich und wirkl. merkwürdig fanden sich alle Umstände so günstig, daß ich beides so
günstig entsprechend als solches überhaupt im Leben nur mögl. ist geben konnte - Sehen Sie hier wieder die Hand der w[<ahren>] leitende[n]
Vorsehung - doch dabei blieb es nicht - dieß führte mich wieder - ebenso von uns beiden ungeahnet
und ungemacht gleichsam zufällig wieder zusammen, der Sie ebenso ungesucht und ungemacht, gleichsam zufällig /
[2R]
gleichsam schon vor Jahren mich mit mit Ihren und so dem Obern Erzgeb[ir]ge verbanden.
Aber warum kamen, warum konnten Sie nicht nach Marienb[er]g kommen warum nicht schon früher [vor] langer Zeit auch in <Marienberg Blankenburg> wo doch an beiden Orten so viele äußere Thatsachen sprachen[.]
Sie sollten so lese ich es - das Wesen nicht an u in äußeren Thatsachen
sondern als besonders dazu berufen im Geiste u durch den Geist erfassen - warum kam ich nicht wie Sie u ich noch gehofft hatte einige Tage
früher nach Annab[erg] wo ich Sie ohne Zweifel noch daselbst u so mit länger gesprochen
hätte? - dieß lese ich wieder so: - nicht um unser beiderseitiges persönliches Verständniß han-
delt es sich sondern um ein zugleich mehrfach übergreifendes, deßhalb verschob sich ohne unser beiderseitiges
willkührliches Thun unsere Zusammenkunft bis zu dem Tage Ihrer Prediger <Conferenz>. Sie Sehen
hieraus - denn ich mache ja keine dieser Thatsachen die sich ja durch Jahre hindurch ziehen - sondern ich
finde sie nur [Reihenfolge nicht ganz klar] welch ein <ei[ni]ger> u lebenvoller <sprechender dienlicher>
u sich fördernder Zusammenhang u Einklang in demselben liegt, welche[n] ich wie gesagt nicht mache, sonder ich sehe höre gleichsam nur ihm den sich aus ihnen mit Nothwendigkeit aussprechenden innersten Zusammen-
hang derselben - So sprechen nun aber auch diese Thatsachen ohne alles mein Zuthun durch sich selbst weiter:
- Sie waren der erste der mich oder die Idee entwickeln[d] erziehender Menschenbildung durch allseitige Kinderbethätigung mit dem obern Erzgebirge verband - Sie sind es, der besonders bestimmt
ist diese Idee in ihrem
innersten Wesen wie prüfend so pflegend zu erfassen - Sie leben für Verwirklichung dieser förderl.
u dienlichen verbreitenden Pflege in den vielseitigsten Amtl. u persönlichen <Beziehungen> und wie ich selbst gesehen, wie ich
aber noch in weit größerem Umfange später im Voigtlande u ganz namentlich in <Pl[au]en>
gehört habe - so eint ihr Annaberg einen solchen Fond von Materien u Geistes u hier besonders
auch von erziehender Willenskraft, daß mich dünkt alles dieß spricht unumwunden aus: in Annaberg
muß ein Musterkindergarten zur allseitigen Begründung einer ächt protestantischen Kindererziehung
erstehen, keimen wachsen blühen u fruchten zum Seegen nicht nur für diese Ephorien [= kirchliche Amtsbezirke] - nicht nur für
das Erz[g]ebirge, nicht nur für ganz Sachsen sondern für das gesammte Vaterland u besonders
die gesammte protestantische Christenheit - Sehen Sie um sich was erschauen Sie in derselben? - nicht <mehr>
eine lebenvoll gegliedert[e] VielMannigf.heit nein eine Zerfallenheit ohne inneren einigen Zusammenhang Woher
dieß - es fehlt uns zunächst an einer im ächten Geiste des Protestantismus
die Einheit in der Mannigfaltigkeit erkennenden u die Mannigfaltigkeit aus der Einheit entwickelnden und
so das ganze Leben bis ins Kleinste hin als <sie> darstellen[den] eine große göttl. Leben Ide[e] des Lebens erschauenden
- zunächst (in diesem Geiste) begründenden frühesten Kinderbewahrung u Erziehung. Prüfen Sie: in der Kindheit ist der
Punkt wo Gutes u Böses gleichsam noch in Einigung schlummert - in der Vernachl. derselben
das Böse in der Erfassung derselben das Gute - Ein so In einen [sc.: einem] so eben aus Hamb[ur]g empfangenen
Briefe heißt es: - "In Die Welt der Kindheit reicht ist die Wurzel aller wahren Reformen und
wenn wir ihr den Boden zu bereiten wissen wirken wir nachhaltig; dazu gehört aber mehr
als Lehren!" - Auf lassen Sie uns also vor allem dahin wirken unserm Protestantism.
zu geben was er bedarf durch jene eine ächte wenn auch <nur> zunächst begründende protestantische d.h. eine
christlich menschliche in dem vielfach angedeuteten Geiste allseitige Kindererziehung. Diese geben aber die ächten Kindergärten
d.h. führen sie ins Leben in die Familie u Haus
in die Schule u in die Kirche ein,
d.h. sagt ein ächt deutscher Mann in den Kindergärten grünt wächst u blüht der Völkerfrühling
- In Ihrer nächsten Prediger Conferenz grüßen Sie herzl. Ihre hochgeschätz[ten] Herrn Amtsbrüder
von mir welche in den oftgedachten Stunden meinen unvollkommenen Mittheilungen ihre nachsichtsvolle
Aufmerksamkeit schenkten - Auch Ihrer hochgeschätzten Fr[au] G[attin] bitte mich achtungsvol[l] zu empfehlen[.]
Kennen Sie das Schriftchen - Über christl. Kinder<zukunft> [sc.: Kindererziehung] in Luthers Geist u Wort v. J. Schiller [sc.. Scholler] evangl. Pfr.
Frfth a/M bei H. Immer 1846? - Lassen Sie in diesem ächten Geiste Luthers für Kindererziehung geeinte Freunde
seyn u bleiben, thatsächlich immer mehr werden. Von Grund meines Herzens mit der vorzüglichen
Hochachtung
der Ihrige
        Friedrich Fr

[links hochkant geschrieben:]
Mögen <Sie> darum von neuem verehrter Fr[eun]d wie Dr Luther die Würde u die Forderung eines Dr. theol. erkennen u behaupten.
Lassen Sie uns was Karl der Große an den Sachsen verbrach an den Sachsen wieder gut machen, lassen Sie [uns] statt des
des römischen Christentums was er ihnen auftrug das <reine> Christentum die ewige <Vermittelung> u so <Erlösung [u] Heilung> in steter Gotteinigung als Gnade Gott[es] nach Gottes Willen und Wollen Jesu nach ewigen Gesetzen aus ihnen entwickeln. Vollenden Sie darum die Sendung zu der Sie berufen.