Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Keilhau v. 23.6.1847 (Halle an der Saale)


F. an Luise Levin in Keilhau v. 23.6.1847 (Halle an der Saale)
(BlM XXIII,2, Bl 3-4, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. + Adresse; tw. ed. Vereins-Zeitung PFH Berlin Nr.21 (1892) 2f. Die Ed. erweckt den Eindruck, vollständig zu sein, läßt aber Halbsätze und einen ganzen Absatz aus.)

Fräulein Luise Levin in Keilhau.
    Halle an d. S. im Hause der Mdme Krüger am kleinen Berlin
       den 23 Juni 1847.
Liebe Luise.
Ihre Theilnahme an dem Erfolge meiner Bestrebungen fordert mich
auf Ihnen zu Ihrer Ermuthigung eine kurze Nachricht von dem Fort-
gange der Lebensentwickelungen meiner jüngsten Schülerinnen
zu geben. Auguste Michaelis hatte sich schon, als ich nach Gotha
kam mit der Christiane Erdmann, auf deren Antrag, zur gemein-
samen Führung des Kindergartens in Gotha verbunden. Mit
dem 1' Juli d. J. also mit nächstem Monat, wird deren gemein-
sames Wirken ins Leben treten. Ich glaube mehrfach Ursache
zu haben mich über diese Vereinbarung zu freuen. Doch muß
diese Freude freilich erst der Erfolg bestätigen; so viel ist ganz
gewiß, daß der Auguste M. ein sehr thatkräftiger und that-
fertiger Vater zur Seite steht; allein auch der Christiane E. habe
ich, in der Person eines Freundes ihres verstorbenen Oheims, eine
männliche Stütze zu geben gesucht.
Auguste Steiner hat am 9' Juni Vormittags ihre Wirksamkeit
in Marienberg übernommen; mit Sicherheit u Freimuth hat sie die
Erfüllung der damit verbundenen Pflichten - gleich der Marie Christ
in Lünen - der Behörde wie dem versammelten Publikum verspro-
chen; hierdurch wie durch die Gesammtheit ihrer Erscheinung und be-
sonders durch ihre gänzliche liebende Hingabe an die Kinder, hat
sie sich in Marienberg die Herzen aller derer gewonnen, welche
an dem guten Fortgange der Anstalt - "Luthers Kindergarten" -
Antheil nehmen. Werden nun nicht einige Eigenthümlichkeiten
ihres Lebens und besonders ihrer Lebensansichten, später zu
stark störend dazwischen treten, so hat Auguste eine der schön-
sten Wirksamkeiten errungen, denn Männer von Einsicht wie
von Thatkraft, von liebendem, wie von pflegenden Gemüthe stehen
ihr zur Seite. /
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Auch unsere Amalie Krüger hat auf der Reise und namentlich
in Plauen so gefallen, daß sich daselbst eine Verknüpfung
angebahnt hat, welche vielleicht, wenigstens zunächst eine Wirk[-]
samkeit von einigen Monaten, theils zur lebendigen Vorführung
der Sache dort, theils zu ihrer Übung zur Folge hat. Sie wissen
Amalie entscheidet sich etwas schwierig. In diesem Fall
wird zunächst ihr Aufenthalt in Halle nur von kurzer Dauer
seyn.- Vielleicht hat sie Ihnen gesagt, daß ihr Herr Schwager, der
Pastor Hildenhagen in Quetz einen Ruf nach Halle hatte; diesen
hat er aber, aus Gründen der Wahlweise, abgelehnt, dadurch
ist nun Amalien ihre Wirksamkeit hier in Halle - auf welche
man jedoch immer von hier aus noch rechnet, sehr verleidet -
und ich glaube fast nicht, daß sie dieselbe übernimmt, sondern sich
anderswo einen Wirkungskreis sucht.
Nun aber auch an Sie, liebe Luise die Frage: - Haben Sie noch
immer keine Nachricht von Ihrem Herrn Bruder aus Elbing, wie
er Ihre Sendung aufgenommen hat?- Es würde mich recht
freuen, wenn ich darüber bald ein Wort von Ihrer Hand em-
pfing, weil mir Elbing und Königsberg wichtig ist und ich gern nichts
versäumen möchte, was die Pflege des Gegenstandes dort betrifft.
Wollen Sie die Güte haben, das was besonders die beiden Augusten
betrifft den theilnehmenden Frauen Keilhaus, besonders der
sehr hochgeachteten Frau v. Born mittheilen, so werde ich Ihnen
sehr dankbar seyn.
Am Sonntag nach unserer Abreise waren wir mit den Familien
Drescher u[n]d Michaelis auf dem Inselsberg, wo Keilhaus Frauen
und besonders auch Ihrer mehrfach recht herzlich gedacht wurde.
Der Gesellschaftswagen faßte von jeder Familie gerad 8 Personen.
Herr Middendorff legt wohl ein Briefchen von Ihnen an mich bei;
sonst gelangt er unter der Adresse: "Madme Krüger am kl. Berlin
in Halle a. d. S." sicher an mich. Herzlich grüße ich Sie und besonders alle
lieben Frauen des Kreises, als Ihr aufrichtig und treugesinnter FriedrichFröbel /
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[vakat]
[4R]
[Adresse:]
Fräulein Luise Levin
        Keilhau.
d. Einsch.
und Güte. /