Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Poppenwind v. 7.7.1847 (Quetz)


F. an Johannes Stangenberger in Poppenwind v. 7.7.1847 (Quetz)
(BN Anh. 43, Bl LC 24 - LC 27, Abschriftabschrift 2 B 8° 7 S., Handschrift unbekannt.
Der Abschriftabschreiber gibt als Vorlage eine Abschrift im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an. - Bemerkungen des Abschriftabschreibers, die sich mit seiner Vorlage auseinandersetzen, werden, soweit sie als richtig erscheinen, hier u. in allen F.-Briefen an Stangenberger aus BN Anh. 43 analog zu eigenen Bemerkungen wie folgt aufgegriffen: Hinweise auf Auslassungen als "< ? >", Hinweise auf vermutliche Lesefehler als "[sc.: ...]".)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Herrn J. Stangenberger in Poppenwind
    b. Eisfeld

Quetz b. Halle an d. S. im Hause d. Herrn Past.
            Hildenhagen am 7. Jul. 47.

  Mein sehr geschätzter, lieber Herr Stangenberger.
Hoffentlich habe ich Ihnen in meinem letzten Briefe von Halle aus geschrieben, dass ich eben im Begriff sey, hierher nach Quetz zu gehen, wo seit Herbst v. J. ein "Kindergarten" und seit Pfingsten d. Jahres eine "Fortbildungsschule" besteht, um mit den Besuchenden dieser Anstalten und den Kindern der "Ortsschule" bei Veranlassung einer Kircheneinweihung ein Kinderspiel- und Volksfest auszuführen. Dieses Fest ist nun auf den 8ten Sonntage nach Trin: also auf den 25ten dieses Monats angesetzt und bereits alles für diesen Tag dazu angeordnet. Montags darauf also /
[LC 24b]
d. 26ten wollen mehrere Kinderfreunde Erzieher und Erzieherinnen zu erzie[h]lichen Mittheilung, besonders auch über Kindergärten und die darin ausgeführte Beschäftigungs- und Spielweise eine pädagogische Zusammenkunft in dem nächsten Städtchen Zörbig halten. Zum und als Vertreter des herausgehobenen Gegenstandes rechnet man ganz besonders auf mich, was ich auch schon bestimmt zugesagt habe. Dienstag den 27ten halten mich noch die Folgen dieser Mittheilungen d.h. die Verpackung der Spiele- und Beschäftigungsmittel hier fest und so ist es mir beim allerbesten Willen nicht möglich zum 28ten auf dem Kahlert zu seyn, so sehr mir auch sonst der Plan des Ganzen wohl zugesagt und ich denselben sehr gerne gefördert hätte. Würden Sie Anfangs August nicht in Leipzig seyn und wäre die Zusam- /
[LC 25]
menkunft 5 Tage später gewesen, so würde ich sehr daran Antheil genommen und wenn man es gewünscht hätte, eine zusammenhängende Darlegung und Vorführung der von mir aufgestellten Spiel- und Beschäftigungsmittel u. Weisen gegeben haben; so nun müssen wir es wohl versparen, bis zu der gehofften Zusammenkunft in Keilhau. Hätte diese, oder könnte diese im Monat August seyn, so wäre diess wohl die noch günstigste Zeit, jedoch möchte ich <den> 25. 26. u. 27. August zum Gesangsfest in Eisenach seyn. Könnten wir uns vielleicht dort mit mehreren zusammenfinden? Überlegen Sie sich das Ganze, nun werden Sie sich überzeugen, dass ich unmöglich den 25ten auf dem Kahlert seyn kann, so leid es mir thut, doch schreiben Sie mir von allem die festen Bestimmungen noch nach Halle, wenn Sie so gütig seyn /
[LC 25b]
wollen, damit das Leben als ein Ganzes vor mir liegt.-
Für die Mittheilungen aus Briefen, so wie aus der Sächsischen S. Z. danke ich; von ihrem gütigen Rathe die letztere anzuschaffen, werde ich Gebrauch machen.
Wenn Ihnen künftig weiter Jemand sagt, dass es Spielerei mit der Kinderbeschäftigung sey; so fragen Sie wie es wohl käme, dass wissenschaftl. gebildete, erziehende Väter nach langer Prüfung dieselbe nicht nur in ihren Familien, sondern mit bedeutenden Kosten in grösseren Vereinskreisen einführten z.B. in Quetz, in Marienberg u.s.w. warum solche Vorsteher von ErziehungsAnstalten, Kindergärten ihren Anstalten als Vorbildungsanstalten herzufügten z.B. in Dresden Budich, in Eisenach Dr Mai [sc.: Mey]; warum solche Vorsteher, wo diess nicht möglich, sie /
[LC 26]
wenigstens nach Kräften unterstützen z.B. in Gotha Herr Pfändner?- Warum Eltern, alsbald die Folgen dieser Anstalten an ihren Kindern < ? [sc.: Spiel-]> & ruhigen Selbstbeschäftigung finden, darum diese Anstalten steigernde Theilnahme im Publikum bei Eltern und Lehrern finden?- Warum seit mehreren Jahren man mit bedeutenden Gehalte und anerkennenden freien Gaben eine solche Kindergärtnerin in einer grossen Anstalt z.B. in Darmstadt angestellt behielte, da doch dort der Prüfenden von allen Seiten < ? >? - u.s.w. Warum man gestützt auf Selbstanschauung und Erfahrung in vermehrter Anfrage aus Fröbels Bildungsschule Kinderführerin[nen] in Familien der verschiedensten Städte Deutschland[s] von ihm & bei ihm suche, da doch wahrlich die Menschen, in diesem Falle nicht gern einen <Fr> bezahlten, wenn ihnen nicht ein Nutzen dafür entgegen träte, /
[LC 26b]
so sind mir z.B. mehrfach Anforderungen dieser Art aus Darmstadt gekommen, wo sich die Menschen nun, wie ich sagte, seit Jahren durch wiedergekehrte Anschauung von der Zweckmässigkeit der Sache überzeugen können?- Warum alles diess da Fröbel still und ruhig wie ein Mann in seinem Kreise u. Hause wirke, ohne durch etwas anderes als durch die ersprieslichen Folgen dieses Wirkens zu sprechen. Für Ihr kräftiges Wirken wird Sie der Erfolg gewiss lohnen. Seien Sie versichert, ich thue keinen Schritt der Ihrem Wirken entgegen sey, auch ferner nicht ohne Sie vorher brieflich oder mündlich gesprochen zu haben.
Mit Herzens Gruss
IFrFr.

Werden Sie über Saalfeld und Apolda und auf der Eisenbahn über Halle oder über Alten- /
[LC 27]
burg nach Leipzig gehen[?] Ersteres ist direkt auch kürzer und billiger - Herr Günther sagt man, sey im <Halberstädtsch[en]> als Prediger angestellt worden. Vom 2. <Bd> seiner Rede wüsste ich nichts.

[Notizen des Briefempfängers:]
erh. d. 13/7. 47
beantw. d. 14/7. 47.
1. Generalconferenz betr. Hess hat 1 <Br> dorthin gerichtet ge.
2. Kinderfest in Aussicht zu stellen.