Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Hermann und Lina von Arnswald in Eisenach v. 2.8.1847 (Braunschweig)


F. an Hermann und Lina von Arnswald in Eisenach v. 2.8.1847 (Braunschweig)
(BlM XXVII,5,6, Brieforiginal 1 B 4° 2 S.)

[Briefkopf: Lithographie mit
          Bildunterschrift "Schills Denkmal vor
            Braunschweig"]

     Braunschweig am 2en August 1847.

  Meine hochbeglückten Freunde.
Wie beglückt auch Ihr mich Ihr Lieben daß Ihr mich würdiget Eure höchste Seelen- und
Lebensfreude mit mir zu theilen, ja daß Ihr mich fühlen lasset, daß es Euch ein
Bedürfniß Eures Herzens ist, es zu thun. Ihr laßt mich es empfinden: Euer Wissen
Theilen der Freude, des Frohsinnes, der Freyheit des Geistes, Gemüthes und Leben läßt
uns wahrnehmen, auch auf der Erde ist der Himmel heimisch zwischen Erde und Himm[-]
mel befindet sich kein Schlagbaum eines Zollvereins in irgend einem Sinne. Von
ein paar Menschen muß dieses Bewußtseyn zunächst ausgehen von ein paar Menschen
muß dasselbe zunächst mit Innigkeit und Treue gepflegt werden, und Wohl dem
Menschengeschlechte, Heil und Seegen der Menschheit wenn bei diesen Menschen zu[-]
gleich häusliches, eheliches und Familienglück heimisch ist [sc.: sind] und von diesen als die schönsten
Blüthen des Erdenlebens des Gemüthes und Geiste beste Pflege empfangen. Wie wäre
mir es nur noch möglich Euch Ihr Geliebten für solche Beweise der Liebe und Seelen[-]
treue wie Dein jüngster Brief mir wieder einen gegeben hat meinen Dank mit
Worten auszusprechen?-
Wohl wirst Du und werdet Ihr schon seit einiger Zeit ein paar freundliche
Worte der Erwiederung von mir erwartet haben; allein Dein lieber Brief
traf mich nicht zu Hause sondern auf einer erziehlichen Reise zu welcher mich
abermals Lebenstheilnahme, besonders Theilnahme an Kindheitpflege und zu[-]
nächst die abermalige Gründung eines ächten Kindergarten, die Eröffnung
von "- Luthers Kindergarten in Marienberg" - (:eine Stiftung:) aufforderte.
Von dort gieng ich nach dem Dir vielleicht aus öffentlichen Blättern bekannten
Dörfchen Quetz zu meinem und der Kinder Freunde, dem Pastor Hildenhagen
um hier ein Kinder- und Jugendspiel- und somit kleines Volksfest vorzubereiten.
Dieß wurde denn auch gestern vor 8 Tagen unter den günstigsten Umständen /
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ausgeführt und auch unser Middendorff, welcher mit meinem Neffen Karl Fröbel
die Freude machte zu kommen, war dabei gegenwärtig. Ein schwaches, sehr schwaches
Bild des schönen Kinderfestes giebt Euch die Beilage; vielleicht empfangt Ihr auf
anderen Wegen ein lebenvolleres. Wie mir nun erst Middendorff Deinen
lieben Brief erst überbrachte, so hätte ich Dir auch gern durch denselben wieder
geantwortet; allein die Zeit war zu kurz, und die folgenden Tage nach Midden-
dorffs Abreise mußte ich mich schon wieder, durch weitere Kindheitsliebe und
Pflege aufgefordert zu einer Reise nach Magdeburg - Braunschweig - Hannover
und Bremen vorbereiten auf welcher ich so eben begriffen bin - und nur ein
Stündchen Zeit kann ich benutzen Dir meinen Dank auszusprechen; aber auch zu[-]
gleich mit einer Bitte zu Dir und Euch zu kommen. Es ist nemlich mein fester
Vorsatz auf meiner Rückkehr über Eisenach und zwar zur Zeit des großen Gesangs[-]
festes zu reisen; nun habe ich gelesen daß Ihr Eisenacher so gütig seyn und Gäste
ein quartieren wollt, da wollte ich denn bei Dir mein theurer Freund und Deiner
lieben Hausfrau anfragen, ob sich wohl auch bei Dir ein Plätzchen in diesen Tagen für
mich finden würde, ja wenn es sich fände um dasselbe für mich bitten.
Alles Andere was ich Dir noch zu sagen hätte muß ich da schon der Bahnzug
ruft zur persönlichen Besprechung aufschieben. Gott erhalte Euch Alle und
besonders Mutter u Kind gesund. Lebt wohl. Der Ruf erschallt wieder[.]
In Liebe, Treue u Dankbarkeit
     stets Dein u Euer FriedrichFröbel