Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Darmstadt v. 2.8.1847 (Hannover)


F. an Ida Seele in Darmstadt v. 2.8.1847 (Hannover)
(BlM XVII,1, Bl 15-16, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

         Hannover am 2 August 1847.

Sehr geschätzte Ida.
Ob ich gleich auf meine letzteren anfragende[n] Zeilen an Sie noch keine Antwort von Ihnen habe, so kann ich doch nicht umhin an Sie zu schreiben, theils um das mir von Frau v. Riedesel gewordene Zutrauen zu pflegen, theils um einer meiner l. Schülerinnen einen entsprechenden Wirkungskreis zu verschaffen. So weit nehmlich die Verhältnisse klar vor mir liegen, so halte ich - da es sich doch hauptsächlich bei Fr: v. Riedesel wohl um eine sinnige und erziehende Kinderpflege und Beschäftigung durch angemessene entwickelnde Spiele, bei ihren lieben Enkelchen handelt - Therese Langgut[h] als geeignet für diese Stelle. Sie ist zwar noch jung und in gar manchen Beziehungen erfahrungslos; allein durch Ihren Rath u That und billige freundliche Behandlu[n]g hoffe ich daß sie doch bald werden soll was man von ihr erwartet; zumal da sie siehet unsere Wünsche werden uns nicht sogleich erfüllt. Bitte also schreiben Sie mir bald, was eigentlich Fr: von Riedesel von der Kinderführerin ihrer Enkelchen fordert u.s.w. Binnen heut und 14 Tagen trifft mich noch ein Brief in Halle a. d. Sa[a]le
abzugeben bei Madme Krüger am Kl. Berlin[.]
Binnen heut und 3 Wochen in Gotha
abzugeben bei Frl. Christ: Erdmann, Vorsteh[erin] /
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des Kindergartens zu Gotha.
Sollten Sie noch keinen Brief als Antwort auf meinen jüngsten an mich abgesandt haben, so würde es mich gar sehr freuen an einem der beiden genannten Orte einen solchen von Ihnen zu empfangen.
Gestern vor 8 Tagen war in Quetz veranlaßt durch den dortigen Pastor Hildenhagen und bei Gelegenheit einer Kircheinweihung ein Kinder- und Jugendspielfest von ohngefähr 60 Kindern des Ortes und 70 aus der Nachbarschaft. Die Beilage giebt ein sehr schwaches Bild dieses schönen Festes, doch wollte ich Ihnen auch dieß nicht vorenthalten. Der Vorstand Ihrer Anstalt sollte auch ein solches schönes Fest mit Ihren lieben Kleinen im Freien veranstalten. Wenn man eingeübte Spielführer und Führerin[nen] hat, so geht es vortrefflich.-
In Quetz waren mehrere Ihrer Berufsgenossen[.] Aus Gotha Christiane Erdmann u Marie Drescher[.] Aus Annaburg: Anna Hesse. Aus Halle: Amalie Krüger. Aus Keilhau: Middendorff, dann noch zwei junge Kinderfreunde: He. Härter und Felsberg beide in der Nähe Naumburgs u.s.w. Auch zwei Erzieherinnen aus Hamburg waren gegenwärtig[.]-
Middendorff u Barop haben in einer Person einen großen Verlust gehabt, Barops Mutter, zugleich Middendorffs Schwester ist nemlich sehr schnell gestorben. Sonst ist in Keilhau alles wohl[.] Allwina ist noch bis diesen Augenblick in Dresden. /
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Diesen Brief schreibe ich auf einer Reise nach Bremen wo ich ein paar Tage zu verweilen gedenke, dann geht es, wie ich bezeichnete, schnell zurück.
Ich bedarf Gehülfinnen im Garten Gottes wo viele gute Saamen keimen. Könnte ich Sie meine Ida doch vervielfältigen. Wir müssen aber vor allem daran denken Ihr wirklich seegensreich wirkendes Leben möglichst lange zu erhalten. Geben Sie mir dazu Vorschläge. Ich bin mit aller Offenheit, Klarheit und Treue
Ihr
väterlicher Freund
Friedrich Fröbel