Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Keilhau / Osterode v. 2.8./4.8./13.9.1847 (Hannover / Bremen / Keilhau)


F. an Luise Levin in Keilhau / Osterode v. 2.8./4.8./13.9.1847 (Hannover / Bremen / Keilhau)
(BlM XXIII,4, Bl 7-8, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. , z. Großteil übers./ed. in: Child Life 1 (1891), 21; tw. ed. Vereins-Zeitung PFH Berlin Nr.21 [1892] 3-5; dtsche Edition erweckt den Eindruck der Vollständigkeit, läßt aber Halbsätze und einen ganzen Absatz aus. - Auf 7V links oben: gezeichneter Blumenschmuck.)

Hannover 1847 Am 2 August.
  Bremen am 4en August 47.


Sehr geschätzte Luise.

Die Überschrift sagt Ihnen, daß ich schon von
Hannover aus Ihnen meinen schönsten Dank wie für Ihren
lieben Brief, so ganz besonders aber für Ihre so sorgsame
ich möchte sagen liebende Pflege meiner Calla auszuspre-
chen mir vorgesetzt hatte; ja wer eine Blume ist und sich solch herzlich treuer,
pflegender Beachtung erfreut, der mag wohl Lust, nicht
blos zum einmaligen, sondern sogar zum zweimaligen
Blühen erhalten und zugleich blühend seinen Dank in
Duft auszuhauchen; und so freue ich mich, daß die Blume
blühend auch zugleich dankbar war.
Aber das Kind ist ja nicht schlechter und geringer
als eine Blume, was die Blume gleichsam auf der Stufe
des Unbewußtseyns thut, sollte dieß das Kind nicht auf
der Stufe des Gefühls und des wachsenden Bewußtseyns
thun?- Sie sehen daher und können es schon voraus ah-
nen und empfinden, welcher Kindesdank Ihnen unmit-
telbar aus dem Leben der Kinder bevorsteht, wenn es
Ihnen durch die Gesammtheit Ihrer Verhältnisse und An-
lagen nach möglich werden sollte sich als Kindergärtne-
rin auszubilden. So oft ich nur mit Kindern zusam-
men komme - wie dieß noch heut der Fall war, wo
ich die hiesigen Bewahranstalten besuchte - freue ich
mich des hohen Seegens, der innigen Freudigkeit und der
reinen Befriedigung für Geist und Herz, welche die ächte
Kindheitpflege, die wahre Kindergärtnerei giebt.-
Ihrem gefühlvollen Herzen und sinnigem Geiste wün-
sche ich wohl die Genugthuung in ruhig klarem Kinder-
auge den Dank zu lesen, der aus dem Kinderherze da-
durch sich ausspricht.- /

[7R]
Keilhau am 13 Septbr 1847.
Sie sehen, liebe Luise daß ich nun zum dritten male
beginne an Sie zu schreiben, seit vom letzterenmale
bis heut mehr als 5 Wochen verflossen sind und ich nun
schon in das liebe, freundliche und geliebte Keilhau zu-
rückgekehrt bin. So erkennen Sie nun mit mir: nicht
Vorsätze können uns immer bestimmen, sondern wir hän[-]
gen mit deren Ausführung sehr häufig von Umständen
ab; und so werden Sie es meinem Willen und Vorsatze nicht
zur Last legen wenn Sie erst heut ein dankbares Wort
von mir für Ihren lieben, lieben freundlichen Brief erhalten.
Middendorff nun, welcher mir Ihre Abreise von hier nach
Gotha meldete schrieb mir dort zugleich, daß Sie treu
Ihrem Vorsatze - wenn es in den Umständen läge - sich
der Kinderführung, Pflege und besonders Beschäftigung,
namentlich als Kindergärtnerin zu widmen, von hier
abgereiset seyen.- Dieß bestimmt mich nun diese
Zeilen nebst Beilage, da sich eben durch meine liebe
Schwägerin und Elise, welche morgen ich glaube nach
Herligerode bei Halberstadt von hier abreisen, eine
gute Gelegenheit dazu bietet - Ihnen zu überschicken
weil Sie von deren Inhalt vielleicht zur Förderung
der Erfüllung Ihres Wunsches etwas beitragen [sc.: angeregt werden] können[.]
- Die Darlegung des Wesens des Kinderfestes zu
Quetz in der Magdeburger Zeitung, noch mehr aber
die aus dem Allgem: Anzeiger der Deutschen, spricht
zugleich so klar das Wesen der von mir angestrebt
werdenden Kinderbeschäftigungen und Spiele und so
namentlich auch der Kindergärten aus, daß ich
mich wirklich verpflichtet hielt, Ihnen diese Blätter
zu zusenden um Anderen welche von Ihnen deßhalb
Kunde wünschen, zur Antwort und Belehrung vor[-]
zulegen. Und so habe ich Ihnen denn auch zugleich /
[8]
den nächsten Zweck zur Absendung dieses Briefes aus-
gesprochen; daran knüpft sich aber auch der schönste Dank
für die liebe freundliche Pflege welche Sie meiner Calla
haben angedeihen lassen; aber was sagen Sie, das liebe
Gewächs brachte mir sogar bei meinem Eintritte in
einer so eben erst hervorbrechenden reinen Blüthenknos-
pe selbst seinen Dank und blühete mir so gleichsam
den freundlichen Gruß seiner lieben sorgsamen Pflege-
rin entgegen. Dieß Ihnen auszusprechen macht mir
hohe Freude, und ich freue bin überzeugt, Sie freuen sich mit
mir.-
Heut Morgen nach 7 Uhr sind 46 Glieder unseres
Kreises, Zöglinge und Lehrer in 3 Abtheilungen, aber
bis zum Steiger begleitet von den Frauen und übrigen
Gliedern des Hauses als eine Schaar den Zielen ihrer
Herbstreise entgegen von hier gewandert.- Ein Un-
wohlseyn von Marius B. [Bendsen] welcher auch noch das Bett
hüten muß hatte die Reise so weit verspätet.
Mittags waren wir unser nur noch 8 zu Tisch und
[wenn] morgen meine Schwägerin, Elise, Ludowika Werkenthin
und die Übrigen noch ab[ge]reiset seyn werden so ist Niemand
als noch mein alter Bruder, Albertine mit Arthur
Emilie mit ihren Mädchen und dem kleinen Reinhold, dann
Franz, ich, Marius und Amalie Holzhei noch hier[.]
Alles hat gesund und freudig die Reise angetreten
und alles, was noch hier ist, ist auch bis auf Marius
ganz gesund und froh.
So mögen denn auch Sie liebe Luise, diese Zeilen recht
froh und heiter antreffen, in und mit ihnen empfangen
Sie unser aller Herzensgrüße, wie ich Sie bitte auch
all Ihre lieben Verwandt[en] und die sich etwas sonst
noch meiner erinnern sollten, freundlich von mir zu grü-
ßen. Frohem Wiedersehn sieht freudig entgegen
Ihr aufrichtig Ergebener

           FriedrichFröbel.

Die kleine Sophie Römling ist ganz heiter und scheinet sich hier sehr wohl zu befinden.-