Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an C. Peter in Hildburghausen v. <nach> 9.9.1847 (Keilhau)


F. an C. Peter in Hildburghausen v. <nach> 9.9.1847 (Keilhau)
(BN 577, Bl 3-5, hier: 5R-4 u 3R. Die archivalische Zuordnung zu Bertha Müller ist falsch. Es handelt sich um zwei undatierte Brieftexte ohne Adressatangaben, die sich vom Inhalt auf 1845/47 datieren lassen. (a) ist ein knappes Entwurfsfragment 3R rechts 8° von 11 Zeilen, (b) ein ausführlicherer Briefentwurf von knapp zwei Seiten 4° auf 5R-4. Beide Entwürfe sind auf undatierten Eingangsbriefen Elise Müllers/Döllstedt [der frühere auf 3, der spätere auf 4-4R] geschrieben, die sich auf 1844 bzw.1845/47 datieren lassen. Elise M. ist am 4.11.1838 geboren. Text (a) bezieht sich auf die ”Erziehungsvereine für Männer”, die F. 1845 propagiert und läßt sich daher auf 1845 datieren. Über den Adressaten von Text (a) lassen sich keine Aussagen machen. Text (b), das umfangreichere Briefentwurfsfragment 5R-4, läßt sich dem Hildburghauser Schul- und Konsistorialrat Dr. C. Peter zuordnen. Im Brieftext werden entsprechende Titel bei der Anrede und Hildburghausen als Wirkort des Adressaten erwähnt. Der Konsistorialrat Dr. Nonne scheidet als Adressat aus, da F. sich dem Briefpartner als ”persönlich Unbekannter” vorstellt, was auf Dr. Nonne nicht zutrifft. Da im Entwurf (b) eine Hildburghauser Lehrerversammlung vom ”27.Jul d. Jahres” erwähnt und dieser das ”auch zu dieser Zeit” stattfindende Quetzer Spielfest (25.7.1847) zugeordnet wird, ist eine verläßliche Datierung des Entwurfs auf die Zeit nach dem 27.7. 1847 möglich. F. befand sich von Juni bis 8. September auf Reisen. Der Brief ist mit Sicherheit in Keilhau („hier“), wohl nach seiner Rückkehr geschrieben worden.)

Brieffragment (a)

[3R]
wirken u pfleg[er]isch erfassen müssen; darum
meine ich sollen sich die Erziehungsvereine auch sogl
die Ausführung von Kindergärten zur Aufgabe
u Pflicht machen, dann würden sich auch die Be-
dürfnisse nach Lehre u Lehrern entwickeln u dann
wird sich ferner auch das Bedürfniß von <allen>
Bildungsanstalten zeigen, denn ohne daß sich das
Bedürfniß nach selbigen laut ja schreiend ausspricht
ist [nun] einmal nicht an ihre Ausführung zu denken
nicht an ihre wahrhaft Segenbringende Ausführung
welche Sie doch ersehnen – zu denken

Brieffragment (b)

[5R]
Ew Wohlgeb werden gütigst verzeihen daß ich als ein persönl Ihnen Unbekannter mir
doch erlaube schriftl bei Ihnen einzutreten
SchVon mehreren Seiten her ist es mir jedoch der freudige Gedanke in mir geweckt worden Ew Wohlgeb. Sie hochverehrtester HEr[r] Dr schenken meinen erziehenden Be-
strebungen nicht nur in Beziehung auf Ihre eigene Überzeugung sondern auch in Hinsicht auf allgemeine Richtigkeit u Anwend-
barkeit derselben eine solche Aufmerksamkeit, daß ich wirklich in mir den Wunsch nicht unterdrücken kann
diese so <freud[ige]> als gütige Beachtung möchte von meiner <gedachten> Seite Ihrer ein festes Sicheres Fundament erhalten [sc.: geben]. Für
jeden nemlich der sich als ein Vertreter u Träger des sey es auch nur als ein Mitträger eines nicht nur zeitgemäßen sondern zeitgewissen aber eben dann in gewisser Beziehung wie alten – so neuen Gedankens
findet kann ja nichts erwünschter seyn als die Beachtung, ja die prüfende Beachtung der denkendsten u er-
fahrendsten, der gebildetsten [Menschen] seiner Zeit u dieß um so mehr als diese zugleich in einer so be<günstigten> u glücklich[en]
Wirksamkeit im Leben stehen, daß jeder jenen Gedanken nicht nur {als / eine} lebenvollste allgemeinste Prüfung, sondern wenn er sich
in derselben bewährt nicht blos auch [sc.: durch] angewandte Einführung, sondern auch Verallgemeinerung u stetige[s] <Leben> in denselben u d[urc]h denselben finden kann.
Dieß dünkt mich kann u wird mich nun hinlänglich um so mehr bei Ihnen entschuldigen wenn ich als Träger u Vertreter, meinen hohen Sinn als Mitver-
treter der zeitgebornen Idee entwickelnderziehender MenschenKinder- u somit Menschenbildung, zu sehen [sc.: sehe] der in der Pflege derselben sein[en] Lebensbe-
reich siehet, komme, mit dem offenen Zweck wie nach höhern d. h. zugl. besondern wie auch allgemeinen
(alten natür[lichen] dem Wesen dem Geiste – wie der Erz[iehung] u Entwicklung nach) zunächst eine klarer[e] gegenseitiger[e] Verständigung über die Sache zu st[and]e komme, klarer[e] Verständigung
über das Alte des Gedankens seinem wahren Geiste nach -über <den Plan> seinem Fort[-] u Entwicklungsgang nach – u klare verständigung über das zeitgemä[-]
ße dh. das Gesagte die Nothwendigkeit des Gegenstandes u die Mögl. seiner Ausführung gerad in der jetzigen Zeit, so ruht, lebt u entwickelt
sich jeder ächte Gedanke menschl For[t]bildung in Gegenwart Vergght [sc.: Vergangenheit] u Zukunft, u dieß ist das erste Kennzeichen seiner Wahrheit wie Zeitgemäßh[ei]t rc.
Allein ein Gedanke der sich wie dieser so auf Anwendbarkeit im Leben auf die Aus[-] führung auf die in derselben bezieht läßt sich schwer stoffl auf dem Papier in allen Beziehungen prüfen welche er als solcher
fordert die thatsächliche Vorführ[ung] der Sache selbst die Ergebnisse der Anwendung entscheiden hier einzig, deßhalb gestehe ich offen: ich wünschte wohl sehr, daß
es mir mögl. würde Ihnen eine solche thatsächl. Vorführung des Ganzen geben zu können u
deßhalb erlaube ich mir mit der Frage zu Ihnen zu kommen? – Wäre es Ihnen den nächst mögl
zu einmal auf ein paar Tage die Ehre Ihre Gegenwart hier zu schenken? – Was hilft es mir <will es ächt uns>, wie was hilft
es der Sache wenn ich Ihnen in der schönsten stilisirten Darlegung alle die Ergebnisse vorführe welche seit Jahren aus der Anwendung der
Sache hervorgegangen sind, was hilft es dem Gegenstand wenn ich Ihnen die bestimmenden Urtheile der Denker vom Fach über den Gegenstand mittheile; Solches
kann wohl mehr auf den Gegenstand aufmerksam machen, doch Ihr eigenes persönl Urtheil, die Prüfung mit der Gesammtheit
der Lebensforderung wie solche Ihrem Denken u Ihrer Erfahrung vor liege können solche nicht entsprechen, darum nochmals
die fragende Bitte an Sie hochverehrtester Herr Dr Consist[orial-] u Schulrath wäre es Ihnen nicht mögl[ich] einmal uns u den Verlaufe dieser
Gegenstände ein paar Tage, ja sey es auch nur ein einziger voller Tag hier – welches also höchstens blos 3 Tage Abwesenheit von Hildburghausen
fordern würde zu schenken, ja jetzt wo man in weniger als ein[en] Tag und auch in Benutzung der Nacht mit der Post von Hildburghausen kommen kann. Ich [ge] stehe offen, so einfach
dieser Wunsch erscheint, so wirklich kühn ist er: - denn eine Wahrheit von vorliegender Thatsache zeigt in einem Bereich von
vielen Jahren daß die Erfüllung eines solchen Wunsches sehr häufig für den Wünschenden unerfreul wenig [bringt], indem die Ergebnisse sehr oft den Er-
wartungen derselben g[an]z entgegen wenn es so scheint eine <reife> Ruhige Entwickelung des Gegenstandes ohne alles bestimmende En[t]zweiung in derselben vielleicht
dem Erfolge nach günstiger; es kann dieß seyn; allein ich gestehe es mir ist eine positive u <?> begründete Entgegnung
viel lieber u erscheint mir zum wirkl. Gedeihen des Gegenstandes viel ersprieslicher als eine unbestimmte schwankende für /
[4]
die Sache. Ich wünsche mit klarem Dienst aller die bei der Sache Betheiligten für dieselbe zu wirken und nicht gleichsam wieder überhaupt hinter
den Coulissen nach Gleichthun sondern das <Ruhen> einzelner der Betreffenden.
Nun hat der oben klar bezeichnete Gegenstand der frühen ersten Kinderpflege die Aufmerk[samkeit] eines Theils der Meiningschen u besonders der Hildburghausen[schen] Lehrerschaft – herbey geführt auch
den Besuch einzelner aus denselben hiehergeführt. Dieß hatte schon aus ihrer Mitte
eine (von Blankenburg) Einladung an mich zu ihrer Generea[l]Confer[enz] am ich <les[e]> 27‘ Juli d. Jahres auf den Kastert hervorgebracht[.]
Meine Betheiligung an einem in derselben [Zeit] unter meiner Leitung ausgeführten Spielfest in Quetz – wo die <Lehrer zahl[reich]>, machten
es mir mögl daran Urtheil zu nehmen. Jetzt lese ich in einer der jüngsten Nummern der sächsischen Schulzeitung wo von dieser
Conferenz Nachricht gegeben wird, daß man mit mehr Gewißheit auf meine Theilnahme an der nächsten Generalcon[-]
fe[ren]z in Ernstthal rechnet. – So wirklich lieb ja ich gestehe es unumwunden wie wahrhaft erfreul. mir solche Beweise der Beachtung des Gedankens Ide[e] die neue LebensIdee auch sind – so feind bin ich jedem was nur den Schein irgend einer so genannten Demonstration, oder <insfern> es irgend einer Masse oder des <Schwärmens nützt>[.] Ich suche u wünsche wie oben angedeutet, wie auf dem Boden fester <?> u wissenschaftl
Begründung wie nach dem zwar so wir[k]l nothwendig als tiefgegründeten dennoch ruhigen Wege der Menschheit überhaupt der der [wahren] Lebensentwicklung fort zu wirken; deßhalb ersehne ich nun, daß mein Wirken auch von den L[ehrern] [bricht ab]