Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 15.9.1847 (Keilhau)


F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 15.9.1847 (Keilhau)
(BlM XXVII,5,7, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. + Beilage 1 Bl 8° 1 S. Aus dem Brief geht hervor, daß das Blatt mit der Abschrift aus dem Allgemeinen Anzeiger [...] v. 8.9.1847 eine Beilage zu diesem Brief war.)

Herrn Oberlieutenant Hermann von Arnswald in Eisenach.
Keilhau b. Rudolstadt am 15en Septbr 47.


Mein geliebter, theurer Hermann

Wie ich auf meiner ganzen Rückreise von Eisenach bis hier[-]
her, welche freilich beinahe noch 14 Tage gedauert hat Deiner
und Eurer aller Liebe und der vielen Beweise Eures herz[-]
lichen Wohlwollens innig dankbar gedacht habe, so ist
denn nun auch, seit die ersten und dringendsten Geschäfte
welche meiner hier erwarteten beseitigt sind, mein er-
ster Gedanke Euch allen, wie ganz namentlich Dir, nochmals
meinen innigsten Dank für die vielen Beweise Eurer aller
wahren freundschaftlichen Gesinnungen für mich aus tief be-
glücktem Herzen zu sagen. Wenn ich von neuem diese Beweise
wie ich sie von jedem Einzelnen Deines theuren Hauses
empfing, Deine verehrten Fr Mutter, Deine hochachtbare
Schwester, Deinen schätzbaren Bruder mit eingeschlossen,
empfing an und in meiner Erinnerung vorübergehen lasse,
so freut es mich daß ich einem Jeden in seiner Stellung ein
gleiches Recht auf meine so bleibende als warme Dank-
barkeit zugestehen muß. Es ist ein höchst wohlthuendes
ja beglückendes Gefühl einen ganzen Kreis von Menschen
zu wissen von denen man jeden Einzelnen in seiner Per[-]
sönlichkeit und Wirksamkeit mit gleicher Liebe und
Achtung umfassen muß. Und dieß herrliche, ja selbst
wieder erhebende und veredelnde Gefühl giebt mir der
Erinnerung Blick an Deinen gesammten Familienkreis.
Also nochmals besonders Dir meinen Dank dafür[.]
Dieser erinnert mich aber auch daran, daß ich versprochen /
[19R]
Dich mit einigen Nachweisungen und Schriften über die Erzieh[-]
ung des Kindes in seinem frühesten Lebensalter bekannt
zu machen. Indem ich in dieser Beziehung unter meinen Bü-
chern suche fallen mir einige in die Hand welche ich für
Dein und Euer Bedürfniß gerad jetzt und für die nächste
Zeit genügen werden. Da ich sie für gerad jetzt ein paar Mo-
nate entbehren kann, wo ich solche dann später zum Lehren
für meine Schülerinnen selbst bedarf, so sende ich Dir
selbige lieber unmittelbar, indem Du dann dieselben
sogleich zu Deiner und Eurer Belehrung gebrauchen kannst.
Ich hätte zwar noch ein sechstes Schriftchen hier beige-
legt (:fünf empfängst Du:) allein ich kann es nicht
sogleich finden; weiß auch eben nicht wo ich es suchen
soll, so sende ich denn, um nicht weiter Zeit zu versäu-
men, das Gefundene ab.- Sind nun auch die Schriften
schon aus früheren Jahren, so sind sie doch gut, und
sind sämtlich seit ihrem früheren Erscheinen wieder
aufgelegt. Hast Du diese Schriftchen gelesen, so wirst
Du dann auch mehreres verstehen was das Sonntags-
blatt enthält, namentlich auch die Stimmen.
Für Deine liebe Frau lege ich noch besonders "Den Beruf
des Weibes" bei. Da ich das Schriftchen schätze, so habe
ich gesucht vielfach die Frauen- und Jungfrauenwelt
mit demselben bekannt zu machen; allen aber welche
es gelesen hat dessen Inhalt gar sehr zugesagt, möge es auch
Deiner gemüthvollen Frau lieb werden mit dem Büchlein
bekannt geworden zu seyn.
In den nächsten Tagen wird der Pastor Hildenhagen
aus Quetz durch Eisenach nach Darmstadt zu dem G.
A. V. gehen; da ich glaube daß es vor allem jetzt /
[20]
nöthig ist, daß besonders Menschen von gleichem Huma-
nen Streben sich auch persönlich kennen lernen, so
habe ich mir erlaubt ihm Deine Adresse zu senden; ich
hoffe Du wirst mir, wenn er davon, wie ich wohl
wünsche, Gebrauch machen sollte, nicht zürnen denn
er ist ein so lieber und einfacher Mann. Er ist ein be-
sonderer persönlicher Freund von Trautvetter, und ich
wünschte wohl daß er diesem und auch Dir seine Ansicht
über die besondere, wie allgemein deutsche Wirksamkeit
der Ausführung eines Kindergarten Luthers oder Luthers
Kindergarten ausspräche; einem ganz einfachen aber gei-
stig strebenden Manne, welchem dieser Gedanke ausgesprochen
worden war, soll sich wie ich höre ganz besonders erregt für
denselben ausgesprochen haben. Für mich selbst steigt die
Bedeutung der Ausführung dieses Planes täglich indem
ich dieselbe ich darf sagen nach allen Seiten hin Natur und
Geschichte, Wissenschaft u Kunst wie selbst nach reli-
giöser wie kirchlicher Seite hin tief begründet finde.
- Über das Kinderfest in Quetz ist in No 244 d. A. A.
d. D. vom 8 7br wieder eine recht hübsche Anzeige, eine
Anzeige welche mir wegen ihrer Einfachheit u Klarheit
wie wegen ihrer Kürze als innerer Wahrheit, ganz be-
sonders zugesagt. Herrn Hofrath Becker, welchen ich kurz
vor dem Erscheinen des kleinen Aufsatzes in seiner
Arbeitsstube besuchte gedachte, ich weiß nicht wie es
kam, recht freundlich anerkennend auch Deiner; er
sprach mir gerade zu aus, daß es ihm gar lieb seyn
würde wenn Du ihm einmal einen Aufsatz über den
Gegenstand der frühesten Kinderpflege und ganz na-
mentlich auch über Kindergärten für sein Blatt /
[20R]
überschicken wolltest.-
Am 6n Septbr war in Gotha das Stiftungsfest des
nun zwei Jahre bestehenden Kindergartens in Gotha.
Es wurde in einem sehr schönen zweckmäßig einge-
richteten Garten ähnlich dem der Klemp ausgeführt
auch der Hofrath Becker, war recht lange Zeit bei
der Feier, regen Theil an derselben wie überhaupt an
der ganzen Sache selbst nehmend, gegenwärtig.-
Auch in Weimar, wo ich deshalb Hofbuchhändler
Hofmann Sohn
, Herrn Diaconus Fiege aus Gotha,
und den Herrn Stadtältesten Buchbinder Hinz, jeden
auf eigentliche Weise aufgefordert, besucht. Ganz
besonders thätiges Interesse für die Ausführung eines
Kindergartens in Weimar zeigte Diac. Fiege nebst Gattin
welche besonders auch 3 Kinderchen haben, welche alle
3 ihrem Alter nach noch dem Kindergarten angehören.
Wenn man nun das Interessse für Ausführung eines
Kindergarten noch von einem hohen wie höchsten Punkte
anregen könnte, so ließe sich vielleicht [auf] die Ausführung
eines Kindergartens wie in Eisenach so auch in Weimar
hoffen.
Hier in Keilhau ist jetzt alles auf die Herbstreise
ausgeflogen Barop mit 24 nach Nürnberg u Franken
Middendorff mit 14 nach dem Fichtelgebirge, Eger u Voigtl.
und Wilhelm Middendorff Sohn mit 5 der Kleinsten
nach dem nächsten Thüringer Wald.-
Der Raum drängt zum Schluß und so allen, allen
meinen achtungsvollen Gruß an Dich die Bitte, der lieben
kleinen Marie einen sanften Kuß, und den Ausspruch
des Wunsches, daß sich bald eines Briefes von Dir erfreuen möchte
Dein FriedrichFröbel.
[Nachschrift am Rand:]
1. Bedeutende Augenblicke 2) Faust Gesundheits Katechism. 3. <Winter> 4) Schwarz 2er Bd. 5. Beruf des Weibes /

Beilage:

[18]
Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen
No 244. Mittwochs den 8 Septber 1847. Sp. 3108.

*

Ein Kinderfest.
Am 25en Juli d. J. ward in dem Dorfe Quetz bei Zörbig
im prßsch. Reg. Bez. von Merseburg ein anziehendes Kinderfest
gefeiert. Der Prediger Hildenhagen ist dort für die Jugendbildung
mit nicht ermüdendem Eifer thätig; er hat so wohl einen Kindergar-
ten für die der Schule noch nicht angehörigen Kinder, als eine Fort-
bildungsanstalt für die aus der Schule Entlassenen angelegt,
welche beide segensreich wirken. Bei Gelegenheit der Einweih-
ungsfeier der wieder hergestellten Kirche war von ihm am
25en Jul. ein Kinderfest veranstaltet, wobei Fr. Fröbel, der
Schöpfer der Kindergärten, selbst die Spiele der Kinder leitete,
die in bunter Mannichfaltigkeit bald von der gesammten Kinder-
schaar, bald von einzelnen nach Geschlecht und Alter gesonderten
Abtheilungen mit ganz unerwartetem Geschicke ausgeführt
wurden. Durch die Beziehung alles Einzelnen auf einen gemein-
samen Mittelpunkt, durch den zweckmäßigen Wechsel von
Ruhe und munterer Bewegung, durch die Aufrechterhaltung der
strengsten Ordnung u. durch Gesang der mannichfachen, lieb-
lichen Liedchen, die alle diese Spiele begleiteten, ward Alt
und Jung in eine eben so harmonische als erregte Stim-
mung versetzt. Die Theilnahme an dem Fest, welche auch die Er-
wachsenen aller Stände theilten zeigten, war höchst erfreulich.
Sie war ein Ergebniß des tieferen Sinnes für das echt
Humane, das in allen Klassen des deutschen Volkes lebt
und zu dessen weiteren Entwickelung die Kindergärten
wesentlich beitragen könnten.-